Sonntag, 20 Oktober 2019
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UN-Tribunal: lebenslange Haft für Karadžić

GerichtEin Berufungsgericht der Vereinten Nationen hat die vorerst verhängte Strafe von 40 Jahren Haft für den ehemaligen bosnischen Serbenführer Radovan Karadžić auf eine lebenslange Haftstrafe erweitert.

Der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) hat den Serbenführer bereits 2016 wegen Völkermords und Kriegsverbrechen für schuldig erklärt. Karadžić wird verantwortlich für die Planung des Massakers von Srebrenica 1996 gemacht, bei dem an die 8000 bosnischen Serben ums Leben kamen.

Die Folgen des Massakers beschrieb das Tribunal damals als "Szenen aus der Hölle". Karadžić ist auch verantwortlich für die dreijährige Belagerung von Sarajevo, die zum Tode von schätzungsweise 10.000 Zivilisten führte.

Am Mittwoch hat die Berufungskammer des ICTY-Nachfolgers, der Haager Zweigstelle des Internationalen Residualmechanismus für UN-Strafgerichtshöfe, das Urteil von 2016 weitgehend bestätigt und dafür gesorgt, dass Herr Karadžić nun lebenslang für seine Verbrechen in Haft muss.

Laut Adama Dieng, UN-Sonderberater für die Verhütung von Völkermord, bestätigt das Urteil die Rechenschaftspflicht. Gleichzeitig warnte er aber davor, dass solche Gerichtsentscheidungen den gespaltenen Gemeinschaften keine echte Versöhnung bringen.

"Ein echter Wandel in der Gesellschaft", sagte er, "kann nur durch Selbstreflexion, Akzeptanz sowie konsequente und kollektive Bemühungen um Fortschritte erwachsen. Es erfordert harte Arbeit und Ausdauer. Und es bedarf auch eines nachhaltigen Beitrags zu Versöhnung und Vertrauensbildung sowie einen konstruktiven und sinnvollen Dialog zwischen politischen und sozialen Führungskräften und Bürgern."

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