Mittwoch, 19 Juni 2019
UNRIC logo - Deutsch
                

Gazastreifen: UN-Experten fordern Israel zum Kurswechsel auf

Gaza19. März 2019 – UN-Sonderermittler haben Israel aufgerufen, seinen militärischen Kurs an der Grenze zum Gazastreifen zu ändern. Die bald seit einem Jahr andauernden Massendemonstrationen im Gebiet haben auf palästinensischer Seite bereits hunderte Tote und tausende Verletzte gefordert.

Santiago Canton, Vorsitzender der Untersuchungskommission der Proteste im besetzten palästinensichen Gebiet von 2018, präsentierte die Untersuchungsergebnisse hinsichtlich der Israelischen Verteidungskräfte. Obwohl die israelischen Kräfte nur im Falle einer lebensbedrohlichen Situation zu militärischer Intervention angehalten waren, mussten Demonstranten jederzeit mit einem Schuss ins Bein rechnen. „Die Komission hat gute Gründe von Verletzungen der Menschenrechte und des humanitären Völkerrechts zu sprechen“, folgerte Canton. In Anbetracht des sich nähernden einjährigen Jahrestages von dem Beginn der Proteste, warnt der Ausschuss vor erneut eskalierenden Demonstrationen. „Israel muss seinen Einsatz ändern und vor allem das Schießen beenden“, erklärte Canton ihre Ergebnisse. Das Zielen auf unbewaffnete Demonstranten erklärte der Ausschuss für gesetzeswidrig. Selbst wenn sich legitime Zielpersonen in der Menge befinden, könne man deshalb nicht einfach auf die ganze Menge zielen.

Daneben widmet sich der Bericht auch dem Einsatz von Brandsätzen seitens der Demonstranten, der im Süden Israels erhebliche Sachschäden verursacht hat. Der Sonderberichterstatter Micael Lynk warnte vor einer drohenden humanitären Katastrophe im Gebiet. „Israel hält eine hermetische Luft-, See- und Landblockade um Gaza herum aufrecht“, erklärte Lymk. „Für fast fünf Millionen Palästinenser, die unter Besatzung leben, sind die Verschlechterung ihrer Wasserversorgung, die Ausbeutung ihrer natürlichen Ressourcen und die Zerstörung ihrer Umwelt symptomatisch für das Fehlen einer sinnvollen Kontrolle über ihr tägliches Leben.“

Die Weltgesundheitsorganisation machte auf das ganze Ausmaß der Kämpfe aufmerksam. Laut dem Leiter des WHO-Büros, Gerald Rockenschaub, kämen jede Woche neue Verletzte hinzu, die eine komplexe Langzeitbehandlung sowie Traumatherapie benötigten. Deshalb forderte die Organisation zusätzliche 5,3 Millionen Dollar.

UNRIC Verbindungsbüro in Deutschland, Bonn
Tel.: +49 (0)228 / 815-2773 / 2778

UN Card 2016 DE 250px front