Mittwoch, 23 Januar 2019
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Zunehmender Menschenhandel nimmt "erschreckende Dimensionen" an: Fast ein Drittel der Opfer sind Kinder

8. Januar 2019 -human trafficing 0801 Ein am Montag veröffentlichter UN-Bericht zeigt, dass der Menschenhandel auf dem Vormarsch ist und "erschreckende Dimensionen" annimmt, wobei die sexuelle Ausbeutung der Opfer die Hauptmotivation ist. Inzwischen machen Kinder 30 Prozent der Opfer aus, wobei weitaus mehr Mädchen als Jungen aufgefunden werden.

Die Studie des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) stützt sich auf Informationen aus 142 Ländern und untersucht Trends und Muster des Menschenhandels. Juri Fedotow, Exekutivdirektor des UNODC sagte, dass "der Menschenhandel schreckliche Ausmaße angenommen hat, da bewaffnete Gruppen und Terroristen ihn nutzen, um Angst zu verbreiten und Opfer zu gewinnen, die als Anreize für die Rekrutierung neuer Kämpfer dienen". Er nannte Kindersoldaten, Zwangsarbeit und sexuelle Sklaverei als Beispiele.

Während die durchschnittliche Zahl der gemeldeten Opfer in den früheren Jahren der Datenerhebung schwankte, steigen die Zahlen seit 2010 stetig. Asien und Amerika sind die Regionen, in denen die Zahl der entdeckten Opfer am stärksten zugenommen hat, was sich durch verbesserte Methoden zur Erkennung, Aufzeichnung und Meldung von Daten über den Menschenhandel oder durch einen realen Anstieg der Zahl der Opfer erklären lässt.

Die meisten Opfer von Menschenhandel, die außerhalb ihrer Herkunftsregion aufgefunden wurden, kommen aus Ostasien, gefolgt von Afrika südlich der Sahara: Obwohl die Zahl der Verurteilungen wegen Menschenhandels in diesen Regionen zugenommen hat, kommt die Studie zu dem Schluss, dass in vielen asiatischen und afrikanischen Ländern noch immer große Teile der Straffreiheit bestehen und wenig Täter verurteilt werden.

In europäischen Ländern ist der Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung die am weitesten verbreitete Form, während in den Ländern südlich der Sahara und im Nahen Osten Zwangsarbeit der Hauptfaktor für den illegalen Handel ist. Frauen und Mädchen stellen weltweit die meisten Opfer von Menschenhandel dar: Fast drei Viertel von ihnen werden für sexuelle Ausbeutung gehandelt, 35 Prozent von ihnen für Zwangsarbeit.


Bewaffnete Konflikte im Fokus

Der Schwerpunkt des Berichts liegt auf den Auswirkungen bewaffneter Konflikte auf den Menschenhandel. In Konfliktgebieten, in denen die Rechtsstaatlichkeit schwach ist und Zivilisten wenig Schutz vor Kriminalität geboten wird, können bewaffnete Gruppen und Kriminelle dies nutzen, um Menschenhandel zu betreiben.
Die Bekämpfung des Menschenhandels ist ein wesentlicher Bestandteil der Agenda der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklng. Allerdings bestehen nach wie vor erhebliche Wissenslücken, da in vielen Ländern noch immer die Kapazitäten zur Erfassung und Darstellung von Daten über den Menschenhandel fehlen.

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