Mittwoch, 19 Dezember 2018
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Die UN-Klimakonferenz in Kattowitz (2-14.12.2018) – Was steht auf dem Spiel und was sollte man wissen?

Am 2. Dezember hat im polnischen Kattowitz die 2-wöchige UN-Klimakonferenz (Conference of the Parties, oder COP) begonnen: Tausende Vertreter von Regierungen aus aller Welt, Experten, Aktivisten, sowie Vertreter des Privatsektors und von Städten werden angesichts des globalen Temperaturanstiegs zusammenkommen, um einen gemeinsamen Aktionsplan zur Verwirklichung des, von allen Mitgliedsstaaten unterstützten, Pariser Klimaabkommens von 2015 zu erarbeiten.

Hier finden Sie einige der wichtigsten Fakten zur COP24:

1. Die Grundlagen: UNFCCC, UNEP, WMO, IPCC, COP 24, Kyoto-Protokoll, Pariser Klimaabkommen…

Alle diese Begriffe und Abkürzungen repräsentieren internationale Instrumente und Verträge der Vereinten Nationen mit dem Ziel, weltweite Aktionen gegen den Klimawandel zu koordinieren und anzustoßen.
Bei der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio wurde das Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC) angenommen. Seit das internationale Klimaabkommen 1994 in Kraft getreten ist, wird jedes Jahr eine Klimakonferenz abgehalten, um das weitere Vorgehen zu diskutieren. Mit der COP 24 findet damit zum 24. Mal eine Klimakonferenz statt.

Weil das UNFCCC weder eine bindende Grenze für CO2-Emissionen noch Mechanismen zur Durchsetzung enthält, wurden bei den folgenden Klimakonferenzen Erweiterungen verhandelt: Dazu zählen das Kyoto-Protokoll von 1997, das Industrieländer zum Einhalten der Emissionsgrenzen bis 2012 auffordert und das Übereinkommen von Paris von 2015, in dem alle Staaten vereinbaren, Anstrengungen zum Erreichen des 1.5°C Zieles zu unternehmen und finanzielle Unterstützung zusichern.

Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) leisten wissenschaftliche Unterstützung. Zusammen gründeten sie 1998 den Zwischenstaatlichen Ausschuss für Klimaänderungen der Vereinten Nationen oder kurz Weltklimarat (IPCC). Hunderte von Experten belegen – auf Basis wissenschaftlicher Daten – die dringende Notwendigkeit zu handeln.

2. Wie erfolgreich sind die unzähligen Konferenzen und Gipfeltreffen wirklich?

Diese Treffen sind unverzichtbar, um globale Einigkeit über ein Problem mit globalen Auswirkungen zu erzielen. Der Prozess hat mit jedem Schritt Fortschritte erzielt, wenn auch langsamer als erforderlich. Bisherige Aktionen, die versuchen das Schlimmste zu vermeiden, beweisen den positiven Einfluss konkreter Klimamaßnahmen.
Zu den bemerkenswerten Errungenschaften zählen:
-Immerhin 57 Staaten haben es geschafft, ihre Emissionen auf das Level zu bringen, das erforderlich ist, um die Erderwärmung zu verlangsamen.
-Es gibt 51 Initiativen zur CO2-Preisgestaltung, die pro ausgestoßener Tonne CO2 abrechnen.
-2015 versprachen18 einkommensstarke Länder 100 Mrd.US$ jedes Jahr für Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungsländern zu spenden. Bis jetzt konnten 70 Mrd.$ mobilisiert werden.

3. Was hat es mit dem Übereinkommen von Paris auf sich?

Das Übereinkommen von Paris, das von 284 Staaten ratifiziert wurde, ist 2016 in Kraft getreten und bietet die einzig realistische Möglichkeit, Klimaschutzmaßnahmen in Angriff zu nehmen. Von Bedeutung sind diese enthaltenen Verpflichtungen:
• -Den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf unter 2°C, besser noch 1.5°C, zu begrenzen.
• Die Ausgaben für Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels erhöhen.
• Nationale Aktionspläne mit selbst festgelegten Zielen bis 2020 entwickeln.
• Ökosysteme wie z.B. Wälder, die CO2 absorbieren, schützen.
• Anpassungsfähigkeit stärken und Anfälligkeit für Klimawandelauswirkungen reduzieren.
• Einen Arbeitsplan ausarbeiten, um das Übereinkommen bis 2018 umzusetzen.

4. Warum ist die 1.5°C-Marke kritisch?

Laut IPCC kann nur ein globaler Temperaturanstieg unterhalb der 1.5°C Marke verheerende permanente Schäden des Planeten und seiner Bewohner vermeiden. Dazu gehören der irreversible Verlust des Lebensraumes von Tieren in Arktis und Antarktis, häufigere Perioden extremer Hitze, Wassermangel, der Verlust von Korallenriffen sowie der Anstieg des Meeresspiegels, der die Zukunft und Ökonomie kleiner Inselstaaten bedroht. Wenn wir das 1.5 °C Ziel erreichen, könnten 420 Mio. Menschen weniger von den Auswirkungen betroffen sein. Nach aktueller Datenlage können wir dieses Ziel noch erreichen, aber die Möglichkeiten werden zusehends geringer. Heute erfordert eine kohlenstoffneutrale Zukunft mehr denn je beispiellose Veränderungen auf allen gesellschaftlichen Ebenen.

5. Warum ist die COP24 wichtig?

Die diesjährige Klimakonferenz in Polen ist besonders bedeutend, da 2018 die Frist des Pariser Klimaabkommens ausläuft, einen gemeinsamen Arbeitsplan zur Umsetzung des Abkommens anzunehmen. Das erfordert Vertrauen zwischen allen beteiligten Staaten. Weil die Zeit drängt, müssen Vereinbarungen über einen mutigen, maßgebenden, ehrgeizigen und verantwortungsbewussten Weg getroffen werden.

6. Welche Belege liegen der Verhandlungen der COP24 zugrunde?

Die Diskussionen basieren auf wissenschaftlichen Belegen, die von Experten zusammengetragen und ausgewertet wurden. Dazu zählen vor allem folgende Berichte:
• Der „Sonderbericht über 1.5°C globale Erwärmung“ der IPCC
• Der „Emissions Gap Report“ von UNEP
• Der Bericht der WMO über CO2-Konzentrationen
• Der 2018 erschienene Bericht über den Rückgang der Ozonschicht, publiziert von WMO und UNEP.

7. Wie können Sie die Diskussionen bei der COP24 verfolgen?

Es gibt viele Wege an den Diskussionen der COP24 teilzuhaben und „up to date“ zu bleiben:

• Abonnieren Sie den Newsletter zum Thema Klimawandel, um täglich Neuigkeiten aus Polen zu erhalten (https://bit.ly/2QpB0EG);
• Besuchen Sie die UN-Newswebsite(un.news.org);
• Folgen Sie dem Hashtag #ClimateAction auf Twitter.

8. Wie können Sie an der Diskussion teilnehmen und Teil der Klimabewegung werden? 

Sie können dem „Climate Action ActNow.bot“ beitreten, der jeden Tag Empfehlungen für Maßnahmen zur Rettung unseres Planeten veröffentlicht und versucht, den Einfluss gemeinsamer Aktionen zu messen.
Indem Sie Ihre Bemühungen im Kampf gegen den Klimawandel auf den sozialen Medien teilen, können Sie noch mehr Menschen motivieren, selbst aktiv zu werden.
Die “People’s Seat Initiative“ der UNFCCC bietet weiterhin die Möglichkeit, sich direkt an den Diskussionen der COP24 zu beteiligen. #TakeYourSeat und nutzen Sie Ihre Stimme!

9. Was sind Beispiele für Klimaschutzinitiativen, die die UN unterstützen?

Beispiele für Klimaschutzinitiativen sind von UNEP und dem UN-Entwicklungsprogramm (UNDP) unterstützte Projekte, die für den Klimaschutz wegweisend sind: In der Region des Tschadsees wurden zum Beispiel zehntausende dürreresistente Bäume gepflanzt, während die Wiedereinführung der Kakaoproduktion durch die Kleinbauern in Guatemala sowohl wirtschaftliche als auch Umweltprobleme löst. In Timor-Leste wiederum wird eine neue „grüne Infrastruktur“ aufgebaut.

10. Warum planen die UN auch 2019 einen Klimagipfel?

Um auf die COP24 aufzubauen und Klimamaßnahmen und die Ambitionen hierfür auf höchster Ebene zu stärken, wird UN-Generalsekretär António Guterres nächstes Jahr im September einen Klimagipfel einberufen. Der Gipfel ist für die Entwicklung praktischer Initiativen zur Reduktion von Emissionen und der Resilienzstärkung gedacht. 2020 sollen alle Länder ihre nationalen Klimapläne fertiggestellt haben. Dabei konzentriert sich der Gipfel auf sechs Bereiche: Die Wende hin zu erneuerbaren Energien, die Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen und die CO2-Preisgestaltung, die Reduktion von Industrie-Emissionen, die Natur für die Lösung nutzen, nachhaltige Städte und lokale Projekte und Klimawandelresilienz.

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Tel.: +49 (0)228 / 815-2773 / 2778

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