W¸stenbildung
 
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Dritte Vertragsstaatenkonferenz der Konvention der Vereinten Nationen
zur Bekämpfung der Wüstenbildung (COP 3)
Recife, Brasilien
15. - 26. November 1999

Mitteilung für die Medien Nr. 9
kein offizielles Dokument

Das Konfliktpotential Wasser:
Ein Fallbeispiel in Afrika


“Bei uns im Sahel haben wir drei Probleme: Das erste ist Wasser, das zweite ist Wasser und das dritte ist Wasser“ , so hebt der senegalesische Staatspräsident Abdou Diouf hervor, wie kostbar und lebenswichtig das Wasser für Mensch und Natur ist, aber zugleich welch Konfliktpotential im Mangel dieser Ressource steckt.

Je knapper das Lebenselixier wird, desto größer werden die Konflikte um diese Ressource. Denn die schlecht ausgebaute Infrastruktur Afrikas kann die regionalen Unterschiede der Wasserverfügbarkeit kaum ausgleichen. Durch zunehmende Wüstenbildung und Dürre wird die Wasserknappheit südlich der Sahara zu einem immer stärkeren Problem, das Spannungen und Konflikte auslöst. Diese erreichen bald nicht nur kontinentale, sondern auch internationale Dimensionen.

Innerhalb der Länder kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen Landwirten und Viehzüchtern. Während die einen ihre Felder bewässern müssen, brauchen die anderen das stille Wasser, um ihre Herde tränken zu können. Der Staat, der die Qualität des Wassers überwacht, gerät in Interessenskonflikt mit der Industrie, die mit ihren Betrieben die Gewässer verunreinigt.

Die Wassernot hat auch zwischen Senegal und Mauretanien zu Spannungen geführt. Die Nachbarstaaten verbindet eine gemeinsame Kolonialgeschichte, gemeinsame Handelsbeziehungen und eine gemeinsame Religion. Seit der Unabhängigkeit beider Länder von Frankreich im Jahre 1960, bildet der Senegalfluss die Grenze. Er spielt die Schlüsselrolle in dem Konflikt.

Beide Staaten sind sehr stark von zunehmender Desertifikation betroffen. Der Norden Mauretaniens besteht aus einer Halbwüste, nur der Süden des Landes ist fruchtbar. Aber dort schreitet die Landverödung unaufhörlich voran und bewirkte Anfang der 70er Jahre einen weitgehenden Zusammenbruch des Nomadismus. Ehemals nomadische maurische Gruppen siedelten sich in der Region des Senegaltals an. Diese fruchtbare Gegend bevölkern schon seit vielen Jahrhunderten schwarze Stämme, die Tukuleur und die SoninkÈ, die vom Ackerbau und der Viehhaltung leben sowie die FulbÈ, die eine halbnomadische Wirtschaftsweise praktizieren.

Die kultivierbaren Flächen links und rechts des Flusses sind durch Prall- und Gleithänge ungleich verteilt. So befinden sich viele Felder senegalesischer Bauern jenseits des Stroms auf mauretanischem Territorium.

1983 wurde in Mauretanien ein Landrecht verabschiedet, in welchem sämtliche Bodenrechte seit der Kolonialzeit aufgehoben wurden. Bis zu Beginn der Saheldürre wurden die kollektiven Rechte im Flussgebiet von allen Nutzergruppen respektiert. Das änderte sich jedoch ab Mitte der 80er Jahre, da Angehörige der mauretanischen Oberschicht immer stärker nach Landnutzung im Senegal strebten.

1989 wurden, als Folge des Dekrets, Felder senegalesischer Bauern auf mauretanischen Gebiet beschlagnahmt. Darauf kam es im Senegal zu übergriffen auf Mauren.

Die Frage der Bodenverteilung im Flusstal ist schwierig. Inzwischen hat auch die Regierung in Dakar ein Gesetz verabschiedet, das die Landnutzung regeln soll - aber mit wenig Erfolg. Bis vor kurzem haben die Dorfchefs das Land selbst verteilt. Viele Bewohner pochen auf ihr Erbrecht.

Mit dem Bau der Staudämme Diama und Manantali am Senegalfluss 1986 und 1988 versuchen beide Staaten gemeinsam die Landwirtschaft zu Fördern und so die Ernährung ihrer Völker zu gewährleisten. Dieses gemeinsame Projekt, an dem sich auch Mali beteiligte, ist ein Erfolg. So wurden bereits 38000 ha Land im Senegaltal bewässert und viele Dörfer mit Strom versorgt. Dieses Beispiel zeigt, dass Wasser nicht nur ein Konfliktstoff ist, sondern auch ein Entwicklungsfaktor im Rahmen einer regionalen Zusammenarbeit sein kann.

November 1999


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