W¸stenbildung
 
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Dritte Vertragsstaatenkonferenz der Konvention der Vereinten Nationen
zur Bekämpfung der Wüstenbildung (COP 3)
Recife, Brasilien
15. - 26. November 1999

Mitteilung für die Medien Nr. 8
kein offizielles Dokument

Was geht uns die Wüstenbildung an?


Selbst in den Ländern, die keine Wüsten kennen, wird von Verwüstung gesprochen. Städte sind verwüstet nach einem Krieg. Land ist verwüstet nach einem Sturm. Das bedeutet jedes Mal, dort ist nichts mehr, dort gibt es keine Lebensgrundlage mehr. Auch heiße und trockene Sommer hinterlassen ihre Spuren. In den Städten wird das Wasser knapp.

Jeder kann sich also ungefähr vorstellen, was die Ausdehnung von Trockengebieten und Ödland bedeutet, die bereits nahezu 30 Prozent der gesamten Erdfläche schädigt. Die Menschen, die in solchen Regionen wohnen, verlieren ihre Lebensgrundlage. Sie sind gezwungen, ihre Heimat zu verlassen und begeben sich an Orte, wo Menschen leben können. Dort sind aber schon andere, bei denen sie nicht willkommen sind. Die Wüstenbildung veranlasst Einwanderungen nach Mitteleuropa aus den Trockengebieten im benachbarten Afrika, dem Kontinent, der am härtesten von der Desertifikation betroffen ist.

Die Zerstörung der natürlichen Ressourcen, Boden, Vegetation einschließlich Wald, Wasser und Artenvielfalt birgt Gefahren in sich. Gerade diese Schädigung erneuerbarer Ressourcen ist nach dem letzten Bericht vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) zur menschlichen Entwicklung einer der beiden kritischen Bereiche, in denen sich die Menschen der äußersten Grenze dessen nähern, was unsere Erde noch verkraften kann.

Die Desertifikation schafft Armut und wird durch Armut verstärkt. Die Zerstörung der erneuerbaren Ressourcen trifft in besonderem Maße die Menschen in den ländlichen Gebieten, die ohnehin schon in einer prekären Situation leben. Die von der Desertifikation erfassten Länder Afrikas gehören zu den Schlusslichtern der UNDP-Rangliste zur menschlichen Entwicklung.

Das im Jahr 2025 verfügbare Ackerland wird im Vergleich zu 1990 spürbar zurückgehen, und zwar in Afrika um zwei Drittel, in Asien um etwa ein Drittel und in Südamerika um etwa zwei fünftel. Das verfügbare Wasser in Trockenzonen liegt im Vergleich zum weltweiten Durchschnitt weit niedriger. In 19 ausgewählten Ländern der Trockenzonen Afrikas und des vorderen Orients lag es 1990 bei etwa 1.300 m3 pro Kopf. Im Jahr 2025 wird es nur noch bei 650 m3 liegen, also um die Hälfte zurückgehen.

Die Desertifikation beeinträchtigt in besonderem Maße die Verfügbarkeit von Wasser und Kulturboden. Bereits heute ist eine Kulturfläche in der Größe der USA durch Bodenzerstörung verloren gegangen. Die weltweit verfügbaren Wassermengen sind von 1950 bis heute um fast zwei Drittel geschrumpft. Das hat dramatische Folgen für die Sicherung der Ernährung der über 800 Millionen Menschen, die in diesen trockenen Ländern der Welt leben.

Die Desertifikation war bereits in der Vergangenheit die Ursache für Krisen und Konflikte, was sich in Zukunft noch verschärfen wird: Schon heute wissen wir, dass die Konflikte des nächsten Jahrhunderts in den Trockenzonen der Welt sich an der Wasserverfügbarkeit entzünden werden.

Die Aralseeregion ist ein gutes Beispiel dafür, wie schlechtes Wassermanagement zur Desertifikation und zu einem immensen Krisenpotential führen kann. Wir haben den Krieg zwischen Mauretanien und Senegal vor einigen Jahren und den Bürgerkrieg im Norden Malis, die beide auf Probleme der Ressourcenverfügbarkeit zurückgingen, vor Augen, um uns die künftigen Folgen von Desertifikation ausmalen zu können. Millionen von Menschen mussten bereits ihre angestammten Regionen verlassen, weil ihre Produktionsgrundlagen durch die Desertifikation das überleben nicht mehr sicherstellen.

Desertifikation hat nichts mit Wüste zu tun hat, sondern mit Wasser, Boden, Ernährung, Armut, Krisen und Flüchtlingselend. Darum geht uns Desertifikation an und muss uns betroffen machen.

November 1999


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