W¸stenbildung
 
UNCCD (8508 bytes)

Dritte Vertragsstaatenkonferenz der Konvention der Vereinten Nationen
zur Bekämpfung der Wüstenbildung (COP 3)
Recife, Brasilien
15. - 26. November 1999

Mitteilung für die Medien Nr. 4
kein offizielles Dokument

Desertifikation: Wirksame Bekämpfung durch 'Good Governance'


Die UN-Konvention zur Bekämpfung der Desertifikation (UNCCD), die bereits 159 Staaten ratifiziert haben, ist das erste internationale, rechtlich verbindliche Instrument, das die Prinzipien Partizipation, Partnerschaft und Dezentralisierung – Merkmale einer „guten Regierungsführung“ – ausdrücklich festschreibt. Sie spricht sich bewusst dafür aus, die Beziehungen der von Desertifikation betroffenen Staaten und der Geberländer auf eine partnerschaftliche Grundlage zu stellen. Traditionell ist in der Planung von Entwicklungshilfe zu oft ein Handlungskonzept verfolgt worden, das von oben nach unten (top-down) wirkt.

Zugleich verpflichtet die Konvention die Vertragsparteien dafür zu sorgen, dass alle relevanten Akteure – die von Desertifikation betroffene Bevölkerung und die Nichtregierungsorganisationen (NROs), die nationalen Regierungen, Geberorganisationen und Forschungseinrichtungen – zusammenarbeiten, gemeinsame Prioritäten setzen und längerfristige Pogramme entwickeln und umsetzen.

Die Konvention versteht den Aufbau von Partnerschaft als einen Prozess, der bei der Vorbereitung der nationalen Aktionsprogramme beginnt, sich während der Ausarbeitungsphase entfaltet und sich schließlich bei der Umsetzung der verschiedenen Maßnahmen bewährt. Erforderlich dafür sind ein kontinuierlicher Informations- und Meinungsaustausch sowie eine effektive Koordinierung zwischen allen Beteiligten.

Partizipation ist ein weiteres wichtiges Prinzip der Konvention. Es wird zwar allseits akzeptiert, in der Praxis muss es noch umgesetzt werden. Die Konvention dringt auf die volle und wirksame Beteiligung der betroffenen Bevölkerungsgruppen am Entscheidungsprozess, an der Planung, Durchführung und Evaluierung nationaler Aktionsprogramme sowie regionaler und lokaler Entwicklungspläne. Sie fordert ausdrücklich die Beteiligung von Frauen sowie die Einbeziehung von NROs. Das von der Konvention verfolgte Prinzip der Partizipation ist also eng verknüpft mit dem Prinzip der Partnerschaft zwischen Regierung und ziviler Gesellschaft sowie deren Vertretungen und Zusammenschlüssen.

Die grundlegende überlegung dabei ist, diejenigen, die direkt mit der Bewirtschaftung, der Nutzung und den Erträgen einer Ressource zu tun haben, aktiv zu beteiligen. Im Fall der Wüstenbildung sind Kleinbauern – sowohl Männer als auch Frauen – Viehzüchter, Nomaden und andere lokale Landnutzer für den Prozess von ausschlaggebender Bedeutung, da sie mit dem Land vertraut sind.

Die Konvention betont die Rolle der Frauen bei der Desertifkationsbekämpfung. Immerhin haben Frauen insbesondere im ländlichen Raum, aufgrund ihrer vielfältigen Aufgaben in der Landwirtschaft, der Viehzucht sowie im Haushalt und in der Familie eine Schlüsselrolle bei der Nutzung der natürlichen Ressourcen wie Boden, Wasser und Holz. In der Regel verfügen sie aber über keine Besitzrechte an Land, Boden, Bäumen oder Wasser. Darüber hinaus ist für Frauen der Zugang zu Krediten und sonstigen Fördermöglichkeiten vielfach noch erschwert. Auch ihr Interesse an Politik und Verwaltung wird oft nicht wahrgenommen. Diesen Zustand will die Konvention ändern.

Zudem legt die Konvention Wert auf Kampagnen zur Förderung des Bewusstseins in der breiten Öffentlichkeit, um das Verständnis für die Ursachen und Wirkungen von Wüstenbildung und Dürre zu erhöhen. Auch die Gründung von Vereinigungen, die einen Beitrag zur Förderung des öffentlichen Bewusstseins leisten, ist in der Konvention festgeschrieben.

Die Umsetzung der Konvention trägt damit nicht nur zur Partizipation der Bevölkerung, die einen wesentlichen Schritt in Richtung Demokratie und gute Regierungsführung darstellt, sondern auch zur Krisenprävention bei, die eine zentrale Aufgabe der Entwicklungszusammenarbeit darstellt.

November 1999


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