W¸stenbildung
 
UNCCD (8508 bytes)

Dritte Vertragsstaatenkonferenz der Konvention der Vereinten Nationen
zur Bekämpfung der Wüstenbildung (COP 3)
Recife, Brasilien
15. - 26. November 1999

Mitteilung für die Medien Nr. 3
kein offizielles Dokument

Den Boden nicht weiter verlieren


“Verglichen mit dem, was es einmal war, ist unser Land wie das Skelett eines körpers, der von Krankheit ausgezehrt worden ist.“ Den Schmerz, den Plato erfuhr, als er den Zustand des Bodens in Attika beschrieb, fühlen Menschen in den Trockengebieten der Erde, vor allem in Afrika, auch 2400 Jahre später. Der Brotkorb des Römischen Reiches in Nordafrika, wo einst 600 Städte florierten, ist heute eine Wüste.

Auch die Hänge, die Haiti umhüllten, über die Christoph Kolumbus in seiner Bewunderung schrieb, er hätte “niemals etwas so Schönes gesehen“, sind heute öde und ausgewaschen. Obwohl besser bekannt für ihre Regenwälder bestehen Lateinamerika und die karibischen Inseln zu einem Viertel aus Wüste und Trockengebieten. Armut und die Belastung von Land- ressourcen verursachen Landverödung in vielen dieser Trockengebiete. Von insgesamt 465 Millionen Einwohnern leben in Lateinamerika und der Karibik rund 110 Millionen unterhalb der Armutsgrenze.

Die Desertifikation nimmt in dem ausgedehnten asiatischen Kontinent viele verschiedene Formen an. Bei einer Gesamtfläche von 4.3 Milliarden Hektar gibt es in Asien etwa 1,7 Milliarden Hektar trockenes subhumides, semiarides und arides Land, das sich von der Mittelmeerküste bis zu den Ufern des Pazifiks erstreckt. Rund 27 Prozent der Fläche Chinas ist von der Desertifikation betroffen, und jedes Jahr fallen zusätzlich über 2,460 Quadratkilometer der Wüstenbildung zum Opfer.

Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) hat ausgerechnet, dass rund 70 Prozent jener 5,2 Milliarden Hektar umfassenden Trockengebiete, die weltweit landwirtschaftlich genutzt werden, bereits von Verödung betroffen sind. Desertifikation - allgemein bekannt als Wüstenbildung - schädigt daher mittlerweile nahezu 30 Prozent der gesamten Landfläche der Erde. Betroffen sind auch europäische Staaten wie Spanien und die zentralasiatischen Republiken der ehemaligen Sowjetunion.

Dies hat volkswirtschaftliche Auswirkungen und betrifft Schicksale von Hunderten von Menschen. Aber auch die Zukunftsfähigkeit unseres Planeten Erde wird in Frage gestellt. Denn alles Leben an Land hängt von der empfindlichen, schnell bröckelnden obersten Bodenschicht ab, die die Kontinente bedeckt. Ohne sie hätten sich niemals Lebewesen aus dem Meer an Land weiterentwickelt. Es gäbe keine Pflanzen, keine landwirtschaftlichen Erzeugnisse, keine Wälder, keine Tiere - und keine Menschen.

Diese wertvolle Hülle, der Nährboden des Planeten, entsteht nur sehr langsam und kann erschreckend schnell zerstört werden. Es kann Jahrhunderte dauern, bis sich ein einziger Zoll Boden bildet, aber wenn er falsch behandelt wird, kann er innerhalb kurzer Zeit weggeweht oder fortgespült werden. Wissenschaftler sehen die Erde sehr schnell von dem Planeten verschwinden, der ihren Namen trägt. Jedes Jahr, so schätzt das in Washington ansässige Worldwatch Institute, verlieren die Kontinente 24 Milliarden Tonnen Oberboden. Während der vergangenen zwei Jahrzehnte ist weltweit Boden in der Größenordnung der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche der Vereinigten Staaten verlorengegangen.

Damit es nicht noch schlimmer wird, sind Deutschland sowie andere Industriestaaten dabei, gemeinsam mit den betroffenen Ländern und Menschen dort der voranschreitenden Bodenverödung Einhalt zu gebieten. Dies geschieht in den letzten Jahren im Rahmen der UN-Konvention zur Bekämpfung der Desertifikation (UNCCD), die aus dem Erdgipfel im Juni 1992 in Rio de Janeiro hervorging und seit Februar 1999 ihr ständiges Sekretariat in Bonn, dem Zentrum für internationale Zusammenarbeit, unterhält.

Der erste international koordinierte Versuch, die Desertifikation zu bekämpfen, begann gegen Ende der großen Dürre und Hungersnot im Sahel zwischen 1968 und 1974, bei der über 200.000 Menschen und Millionen Tiere starben. 1973 wurde das Sudan-Sahel-Büro der Vereinten Nationen eingerichtet, ursprünglich mit der Absicht, neun häufig von Dürre heimgesuchten westafrikanischen Ländern zu helfen. Aber seine Aktivitäten weiteten sich auf 22 Länder südlich der Sahara und nördlich des äquators aus. Ungefähr zur selben Zeit wurden subregionale Organisationen in Afrika gegründet.

Auch der Internationale Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD) richtete 1985 nach einer weiteren verheerenden Dürre sein Spezialprogramm für von Dürre und Desertifikation betroffene Länder südlich der Sahara ein. Auf globaler Ebene befasste sich die UN mit der Problematik zum ersten Mal auf der Konferenz über Wüstenbildung 1977 in Nairobi, Kenia. Die internationalen Bemühungen, der Desertifikation entgegenzutreten, gipfelten sich in dem Inkrafttreten der Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung 1996. Auf der dritten Vertragsstaatenkonferenz (COP 3) in Recife, Brasilien, vom 15. bis 26. November sollen sie fortgesetzt werden.

November 1999


UNIC Logo
Zurück  Startseite  Nach oben