Mitteilung für die Medien Nr. 2 Desertifikation: Wechselwirkung vielfältiger Faktoren
Ursachen der Desertifikation liegen in komplexen Wechselwirkungen zwischen physikalischen, biologischen, politischen, sozialen, kulturellen und ökonomischen Faktoren, die zusammengenommen eine maßgebliche Rolle spielen. So tragen klimatische Schwankungen und die von Menschen verursachte Degradierung des Bodens, der Vegetation und des Wasserhaushalts in ariden, semiariden und trockenen subhumiden Regionen der Erde zur Desertifikation bei. Begünstigt wird die Wüstenbildung durch nicht nachhaltige Landnutzungspraktiken der lokalen Bevölkerung sowie menschliche Siedlungsmuster. überlieferte Strategien und Methoden der Landbewirtschaftung erweisen sich vielfach als ungeeignet. Angesichts ökonomischer und politischer Veränderungen und aufgrund des Bevölkerungswachstums und des Sesshaftwerdens von Nomaden sind sie längst überholt. Sie führen zur übernutzung der Böden, überweidung und Entwaldung und damit zur Gefährdung der produktiven Lebensgrundlagen der Zukunft. Hinzu kommen die fehlende Rechtssicherheit für die Landnutzer beim Bodenrecht, der Mangel an technischen Kenntnissen und ungünstige weltwirtschaftliche Faktoren, vor allem die Welthandelsbedingungen (Terms of Trade). Bürgerkriege und andere von Menschen ausgelöste Katastrophen tragen ebenso zur Desertifikation bei. All dies hat schwerwiegende Folgen für ärmere Bevölkerungsschichten in den von der Trockenheit heimgesuchten Ländern: Verschlimmerung der Armut, Verschlechterung des Gesundheits- und Ernährungszustands, ungesicherte Versorgung mit Nahrungsmitteln, Landflucht, Entstehung von Slums in den Städten, Auswanderung von Fachkräften ('Braindrain') ins reichere Ausland. Folglich wird eine nachhaltige wirtschaftliche und soziale Entwicklung in den betroffenen Ländern behindert. Die Auswirkungen der Desertifikation sind für Afrika fatal. Darauf weist auch das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) in seinem Ende Oktober erschienenen Bericht 'Global Environment Report' hin. Der Bericht stellt fest, dass in Afrika rund 500 Million Hektarland seit 1950 verödet sind. Nahezu 65 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche ist dadurch verlorengegangen. Afrika ist der einzige Kontinent, der im 21. Jahrhundert eine Verschlimmerung der Armut erfahren dürfte, heißt es in dem Bericht der auch als 'Geo 2000' bekannt ist. Die UNEP-Prognose kommt nicht unerwartet. Denn es ist bekannt, dass Desertifikation zur Verringerung der Produktivität der Böden, Beeinträchtigung der Nahrungsmittelproduktion und zum Verlust der Vegetationsdecke führt. Dies hat wiederum negative Auswirkungen auf Gebiete, die nicht von der Desertifikation betroffen sind: Verödetes Land kann zu überschwemmungen in flußabwärts gelegenen Regionen führen sowie zu einer verringerten Wasserqualität, zur Bildung von Ablagerungen in Flüssen und Seen , und zur Verschlammung von Reservoiren und Fahrrinnen. Es kann auch die Ursache sein für Staubstürme und Luftverschmutzung, die wiederum zu Schäden an Maschinen, einer reduzierten Sicht, ungewollten Sedimentablagerungen und psychischen Belastungen für die Menschen führen. Mit dem Wind verteilter Staub kann auch die Verschlimmerung von gesundheitlichen Problemen bewirken, darunter von Infektionen an den Augen, Erkrankungen der Atemwege und Allergien. Verschärfung von Hungersnöten, enorme soziale Kosten und eine Beeinträchtigung der sozialen Stabilität sind weitere Folgen. November 1999 |