W¸stenbildung
 
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Dritte Vertragsstaatenkonferenz der Konvention der Vereinten Nationen
zur Bekämpfung der Wüstenbildung (COP 3)
Recife, Brasilien
15. - 26. November 1999

 

Mitteilung für die Medien Nr. 1
kein offizielles Dokument

Desertifikation: Ein Problem weltweiten Ausmaßes


Desertifikation - in Deutschland als 'Wüstenbildung' bekannt - ist ein Problem mit weltweitem Ausmaß. Sie führt zu bewaffneten Konflikten. Sie trägt zu politischer Instabilität bei. Sie treibt Menschen in extreme Armut. Sie zwingt sie, ihre Heimat zu verlassen, in entfernte Gebiete auszuwandern und so ihr überleben zu sichern. Sie löst regionale und weltweite Migrationsbewegungen aus.

Desertifikation trifft die Menschen am härtesten, die zu den ärmsten der Welt gehören. Sie ist jedoch kein ausschließliches Problem der ärmsten Länder der Erde. Auch Schwellenländer wie Argentinien, Brasilien und Mexiko, Transformationsländer in Zentralasien und Industrieländer büßen einen erheblichen Teil ihres Wirtschaftspotentials durch Desertifikationsprozesse ein. Alles in allem gibt es in mehr als 110 Ländern Trockengebiete, die potentiell gefährdet sind.

Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) schätzt, dass durch Desertifikation weltweit jährlich Einkommensverluste in Höhe von 42 Milliarden US-Dollar entstehen. Afrika allein - der von Desertifikation am härtesten betroffene Kontinent - büßt jedes Jahr rund 9 Milliarden US-Dollar ein.

Die menschlichen Kosten sind sogar noch höher. Die Existenzgrundlage von mehr als einer Milliarde Menschen - nahezu einem fünftel der gesamten WeltBevölkerung - ist derzeit gefährdet. über 135 Millionen Menschen, soviel wie etwa die Bevölkerung Deutschlands und Frankreichs, laufen Gefahr von ihrem Land vertrieben zu werden. Niemand weiß, wie viele ihre Heimat bereits verlassen mussten, weil der Boden zu Staub wurde, aber die Zahl geht nach Schätzungen in die Millionen. Ein Sechstel der Bevölkerung Malis und Burkina Fasos haben bereits an Boden verloren.

Desertifikation ist einer der Faktoren, die mexikanische Immigranten über die Grenze in die Vereinigten Staaten treiben. Zwei fünftel der Menschen in den oberen und mittleren Regionen des Senegaltals sind bereits ausgewandert. Es gibt mehr Menschen aus der Region um Bakel in Frankreich als in den Dörfern, die sie hinter sich lassen mussten. Sie fielen der Desertifikation zum Opfer - einer Art 'Hautkrankheit' des Bodens, die Flecken verödeten Landes entstehen lässt, räumlich getrennt, manchmal Tausende von Kilometern von der nächsten Wüste entfernt. Nach und nach dehnen sich diese Flecken aus, wachsen zusammen und schaffen so wüstenähnliche Bedingungen.

Gerade diesem Phänomen will die UN-Konvention zur Bekämpfung der Desertifikation (UNCCD) Einhalt gebieten. Sie will betroffenen Bevölkerungsgruppen helfen, indem sie ihre Umwelt schützt, die Nahrungsmittelversorgung sicher macht und neue Chancen für alternative möglichkeiten der Existenzsicherung eröffnet.

Frau Dr. Uschi Eid, Parlamentarische Staatssekretärin im Entwicklungsministerium hebt einen wichtigen Aspekt der übereinkunft hervor: “Aus entwicklungspolitischer Hinsicht ist die Konvention ein innovatives Instrument. Denn mit der UNCCD werden erstmals völkerrechtlich verbindlich für die Entwicklungszusammenarbeit wichtige Grundsätze vereinbart, die damit von einzelnen Staaten gegenüber anderen Staaten eingefordert werden können.“

Auch die Bevölkerung eines Landes kann von ihrer Regierung die Einhaltung dieser Grundsätze verlangen. So schreibt die Konvention die Prinzipien Partizipation, Partnerschaft und Dezentralisierung fest. Die Unterzeichnerstaaten bekennen sich damit zur umfassenden Beteiligung der betroffenen Bevölkerung an der Planung, Durchführung und Evaluierung von Maßnahmen zur Desertifikationsbekämpfung, zu einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit auf allen staatlichen Ebenen und zwischen staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren.

“Einen wichtigen Meilenstein bildete 1997 die erste Vertragsstaatenkonferenz im Oktober in Rom, die übereinkam, ein Ständiges Sekretariat einzurichten und dieses mit Beginn des Jahres 1999 in Bonn anzusiedeln“, so Exekutivsekretär der Konvention Hama Arba Diallo. Die zweite Konferenz, die im Dezember 1998 in Dakar, Senegal stattfand, bekräftigte das von Regierungen bewiesene Engagement.

Von der dritten Konferenz - unter Fachleuten als COP 3 bekannt -, die vom 15. bis 26. November in Recife, Brasilien, stattfindet, erwartet der aus Burkina Faso stammende UN-Diplomat neue Impulse. Immerhin haben 39 afrikanische Staaten ihre nationalen Aktionsprogramme zur Durchführung der Konvention erstellt, und viele unter ihnen haben Aktivitäten zur Bekämpfung der Desertifikation in die Wege geleitet.

November 1999


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