W¸stenbildung
 
17. Juni - Welttag für die Bekämpfung von Wüstenbildung und Dürre

Hintergrundinformation:
17. Juni - Welttag für die Bekämpfung von Wüstenbildung und Dürre

Wüstenbildung ist ein globales Problem
Ursachen von Wüstenbildung
Wüstenbildung, Globales Klima und Artenvielfalt
UNCCD und Good Governance

 

1. Wüstenbildung ist ein globales Problem

Wüstenbildung ist nicht die natürliche Ausweitung von existierenden Wüsten, sondern die Verödung von Land in wasserarmen, halbtrockenen und trockenen sub-humiden Gebieten. Es ist ein gradueller Prozess der Vernichtung fruchtbaren Erdbodens und der Beschädigung der Vegetationsdecke aufgrund menschlichen Handelns sowie Klimaschwankungen. Mehr als 250 Millionen Menschen sind direkt von Wüstenbildung betroffen und ein Drittel der Erdoberfläche, oder über vier Milliarden Hektar, ist von Verödung bedroht. Zusätzlich ist der Lebensunterhalt von einer Milliarde Menschen gefährdet, die, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können, von Land abhängig sind, und meist sind es die Ärmsten der Welt in mehr als einhundert Ländern.

Grund genug, dass jedes Jahr am 17. Juni der Welttag zur Bekämpfung von Wüstenbildung zelebriert wird. Hinzu kommt, dass die Auswirkungen machen sich nicht nur bei den direkt Betroffenen bemerkbar. Nicht nur die Menschen, die in den Trockengebieten leben, sind am härtesten getroffen, indem die Armut verschärft wird, der Gesundheitszustand sowie die Nahrungssituation sich verschlechtert und es keine Nahrungssicherheit gibt. Da sie gezwungen sind, andere Formen zur Sicherung ihres Lebensunterhaltes zu finden, wird der Konflikt durch Massenwanderungen in die Städte und ins Ausland getragen.

In der Tat sind 135 Millionen Menschen - so viele, wie in Deutschland und Frankreich zusammen leben - in Gefahr, durch Wüstenbildung zu Flüchtlingen zu werden. Etwa 60 Millionen Menschen müssen sehr wahrscheinlich aus den Dürregebieten in Sub-Sahara Afrika nach Nord-Afrika und Europa ziehen. Langzeitstudien über Westafrika zeigen einen konstanten Migrationsfluss von der Sahelzone zu Küstenstädten auf, deren Bevölkerungszahl - ausgegangen vom Jahr 1997 - bis zum Jahr 2020 wahrscheinlich um das dreieinhalbfache auf 271 Millionen steigen wird. Gemäß des Natural Heritage Institute gibt es einen starken Zusammenhang zwischen Migration, Armut und Umweltbelastungen. Jedes Jahr verlassen zwischen 700 000 und 900 000 Mexikaner ihre ländliche Trockenland-Heimat, um ihren Lebensunterhalt als Wanderarbeiter in den USA zu bestreiten. Die natürlichen Ressourcen in und um den Städten und Lagern, in welchen diese Menschen sich niederlassen, werden stark überansprucht. Schwierige Lebensbedingungen und das Fehlen einer kulturellen Identität untergraben zusätzlich die soziale Stabilität. Eine Studie, durchgeführt 1994, zeigt, dass die Hälfte der 50 bewaffneten Konflikte des Jahres umweltbedingte Ursachen hatte, die charakteristisch für das Trockenland sind.

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2. Ursachen von Wüstenbildung

Wüstenbildung entsteht hauptsächlich durch menschliches Handeln und Klimaschwankungen. In der Vergangenheit hat sich das Trockenland nach langen Dürreperioden recht einfach wieder erholt. Jedoch scheint es unter modernen Bedingungen seine biologische und ökonomische Produktivität sehr schnell zu verlieren, wenn nicht nachhaltig mit ihm umgegangen wird. Alarmierend ist, dass obwohl die obere Erdschicht, wenn sie nicht richtig behandelt worden ist, innerhalb weniger Jahreszeiten weggeweht und weggespült werden kann, es Jahrhunderte dauert, bis sie sich neu gebildet hat. Heute wird Trockenland zumeist durch Übernutzung des Landes, Überweidung, Abholzung und schlechte Bewässerungspraktiken die Nährstoffe entzogen. Solch eine Übernutzung entsteht meist durch ökonomischen und sozialen Druck, Ignoranz, Krieg aber auch Trockenperioden.

Durch Welthandelsstrukturen können Menschen dazu verleitet werden ihr Land zu übernutzen. Internationale Handelsstrukturen können zu einer kurzfristigen Ausbeutung lokaler Ressourcen für den Export führen, wobei wenig Profit in der Region bleibt, um das Land zu besorgen oder wiederherzustellen. Ähnlich ist es mit einer Wirtschaft, die auf Export orientiert ist oder mit der Auferlegung einer Steuer.

Ignoranz, Irrtümer und natürliche und menschengemachte Katastrophen leisten auch einen Beitrag zu Landverödung. Ignoranz des ökologischen Umfelds spielte eine wichtige Rolle in den USA während des berüchtigten Dust Bowl (eine Reihe schwerer Staubstürme) in den 30er Jahren; ein großer Fehler war, dass Farmer im Mittleren Westen der USA während einer Dürreperiode Pflüge nutzten, die jedoch eher für die gemäßigteren Breitengrade Europas konstruiert waren. In der jüngsten Vergangenheit haben ähnliche Fehler in der Wahl der Methoden oder Technologien in vielen Industrie- und Entwicklungsländern zu Verödung geführt. Auch Katastrophen wie Kriege und nationale Notlagen zerstören einerseits fruchtbares Land, indem die Wirtschafter wechseln müssen, und rufen andererseits eine Überpopulation hervor, indem Flüchtlinge auf nur ein Gebiet konzentriert untergebracht werden.

Wüstenbildung ist sowohl Ursache als auch Resultat von Armut. Armut zwingt Menschen, die, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können, von Land abhängig sind, Land zu übernutzen, um Nahrung und Energie zu erhalten, wohnen zu können und Geld zu verdienen. In der Vergangenheit wurden häufig die Opfer von Wüstenbildung für eben jene verantwortlich gemacht, ohne die tiefer liegenden Ursachen zu berücksichtigen, die Menschen zur Übernutzung des Landes treiben. Es ist die Armut, die Menschen im Trockenland dazu bringt, soviel aus dem Land herauszuholen wie möglich, um kurzfristig überleben zu können und ihnen keine Chance gibt, anders als gegen ihre eigenen Langzeitinteressen zu handeln.

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3. Wüstenbildung, Globales Klima und Artenvielfalt

Wüstenbildung ist eng verbunden mit globalen Klimaveränderungen und einer Minderung der Artenvielfalt. Deshalb werden Synergien zwischen den drei sogenannten Rio-Abkommen gesucht (Rahmenübereinkommen über Klimaänderungen (UNFCCC) und Konvention über Biologische Vielfalt (CBD), um die Auswirkungen von getroffenen Maßnahmen auszuweiten. Die Notwendigkeit der Koordination des Umweltschutzes und des Umgangs mit natürlichen Ressourcen wird unterstrichen und die ergänzende Natur der drei Konventionen hervorgehoben.

Dies schließt die Erhaltung der biologischen Vielfalt - die genetische Vielfalt von Tieren und Pflanzen - ein. Eben jene ist wesentlich für das Fördern von angemessenen Methoden und Praktiken nachhaltiger Landwirtschaft und für das Vorbeugen von Wüstenbildung. Tier- und Pflanzenarten des Trockenlands sind nicht nur eine entscheidende Quelle für Pflanzenzüchter, weil sie gegen Krankheiten resistent sind, sie liefern auch Arzneimittel, Granulat, Wachse und Öle und andere kommerzielle Produkte. Tatsächlich liefert das Trockenland ein Drittel der auf Pflanzen basierenden Arzneimittel der Vereinigten Staaten. Es liefert außerdem entscheidenden Lebensraum für wild lebende Tiere und beinhaltet eine reiche biologische Vielfalt, einschließlich Flora und Fauna, die nirgends sonst zu finden ist. Diese Lebensräume laufen besonders Gefahr zu veröden.

Wüstenbildung ist ebenso eng verbunden mit Klimaschwankungen. Häufig verödet und erodiert Land schneller aufgrund von Trockenperioden bzw. Überflutungen durch Klimaschwankungen. Nach einem Report des Intergovernmental Panel on Climate Change von 2001 “wird die biologische Vielfalt reduziert, wenn der Forderung nach mehr landwirtschaftlicher Produktion nachgekommen wird. Auch Klimaschwankungen und Verwüstung sind wahrscheinliche Folgen.“

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4. UNCCD und Good Governance

Der erste global koordinierte Versuch Wüstenbildung zu bekämpfen, begann gegen Ende der großen Dürre und Hungersnot im Sahel zwischen 1968 und 1974. Das Sudan-Sahel-Büro der UNO wurde 1973 eingerichtet. Zunächst diente es der Unterstützung von neun westafrikanischen Ländern, die häufig von Dürre heimgesucht werden, jedoch weiteten sich die Zuständigkeiten aus. Etwa zur selben Zeit wurden subregionale Organisationen in Afrika eingerichtet. Zusätzlich gründete der Internationale Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD) nach einer erneuten Dürreperiode 1985 sein Spezialprogramm für von Dürre und Wüstenbildung betroffene Länder südlich der Sahara. Auf globaler Ebene wurde das Problem erst 1977 auf der UN-Konferenz über Wüstenbildung in Kenia diskutiert. Aber wegen fehlender Unterstützung scheiterten die Versuche, das Problem effizient anzupacken.

Daher erarbeitete die UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung (UNCED), der sogenannte Rio-Gipfel, 1992 eine Konvention zur Bekämpfung von Wüstenbildung. Diese Konvention basiert als einzige direkt auf der Empfehlung der Agenda 21 der UN-Konferenz. Sie wurde am 17. Juni 1994 in Paris übernommen und trat im Dezember 1996 in Kraft. Sie ist das erste und einzige international rechtsverbindliche Rahmenwerk, das eingerichtet wurde, um das Problem der Wüstenbildung anzugehen. Inzwischen haben 179 Länder die Konvention zur Bekämpfung von Wüstenbildung ratifiziert oder ihr zumindest beigepflichtet. Bisher haben fünf Tagungen der Konferenz der Vertragsparteien (COP) stattgefunden.

Die Prinzipien Partizipation, Mitgestaltung und Dezentralisation - der Rückgrat von Good Governance - sind Grundlage der Konvention. Sie tritt absichtlich für den Geist von Mitgestaltung ein als Basis für die Handlungsweise, mit welcher die Staaten, die von Wüstenbildung betroffen sind, und die Geberländer miteinander kommunizieren sollen - als Gegensatz zur traditionellen Methode des Top downs (“von oben nach unten“), welche scheiterte.

Die Unterzeichnerstaaten müssen garantieren, mit allen mitwirkenden Akteuren - Gemeinden, Frauen- und Jugendgruppen, NROs, nationale Regierungen, Spendenagenturen und wissenschaftliche Forschungsinstitute - auf einer Basis zusammenzuarbeiten, bei der sie nach Prioritäten entscheiden und Langzeitprogramme entwickeln, welche auch umgesetzt werden. Die Konvention besteht auf eine effektive Beteiligung der betroffenen Gruppen bei der Entscheidungsfindung, der Planung, der Umsetzung und des Bewertungsprozesses der Programme.

Die Konvention fördert auch den Schutz traditionellen Know-hows, eine Leitidee nachhaltiger Entwicklung, aber auch die Vereinfachung des Austauschs von neuesten Daten, Informationen und Technologien durch den Ausschuss für Wissenschaft und Technologie (CST).

Mittlerweile ist die Konvention zur Bekämpfung von Wüstenbildung ausgereift und begleitet die nationalen Aktionsprogramme von der Vorbereitung bis zu ihrer Umsetzung. Bewertungen der nationalen Aktionsprogramme durch die teilhabenden Parteien in den Jahren 2000 und 2001 zeigten, dass die Stärkung der Ausbildungs- und Forschungskapazitäten für Schlüssel-Akteure auf dem lokalen Level erfolgreich die Identifizierung mit Herausforderungen erreichten, welche mit nachhaltiger Entwicklung verbunden waren. Die Bottom-up-Methode (“von unten nach oben“) der Konvention half, die Beziehungen zwischen Regierungen und Gemeinden gerade in großen Ländern zu festigen.

Text: UNCCD, Deutsche Übersetzung: GlobalomNet Media www.globalomnetmedia.info

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