UNO-Generalsekret”r
 

Die humanit”re Herausforderung annehmen
Auf dem Weg zu einer Kultur der Pr”vention

Von Kofi Annan,
Generalsekret”r der Vereinten Nationen


Katastrophenpr”vention

Ziel der Katastrophenpr”vention ist es, die Gef”hrdung der Gesellschaften durch Katastrophenfolgen zu verringern und daneben die anthropogenen Katastrophenursachen anzugehen. Die Fr¸hwarnung ist f¸r die kurzfristige Pr”vention von besonderer Bedeutung. Bei Hungersn–ten erleichtert eine Vorwarnung Hilfseins”tze; bei St¸rmen und Ðberschwemmungen erm–glicht sie den Menschen, die Gefahrenzone rechtzeitig zu verlassen. Technologische Verbesserungen bei der groþr”umigen Satelliten¸berwachung revolutionieren derzeit die Sammlung von Fr¸hwarndaten f¸r die Katastrophenpr”vention.

Den Organisationen der Vereinten Nationen kommt bei der Fr¸hwarnung eine immer bedeutendere Rolle zu. So ergehen seitens der Ern”hrungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen lebenswichtige Warnungen vor drohenden Hungersn–ten, und die Weltorganisation f¸r Meteorologie gew”hrt Unterst¸tzung bei der Vorhersage tropischer Wirbelst¸rme und bei der D¸rrekontrolle. Das Internet erleichtert die Verbreitung von Satelliten- und anderen Warndaten in Echtzeit.

Dar¸ber hinaus gelten der Eventualfallplanung und anderen Maþnahmen der Katastrophenbereitschaft f¸r katastrophengef”hrdete L”nder verst”rkte Anstrengungen, wobei aus der Internationalen Dekade f¸r Katastrophenvorbeugung erhebliche methodologische Verbesserungen bei der Risikobewertung und der Schadensabsch”tzung hervorgegangen sind. Aufgrund dieser und weiterer Innovationen sind sich die Regierungen in zunehmendem Maþe der Gefahren und der Kosten bewuþt, die mit einer unangemessenen Bodennutzung und ungeeigneten Umweltpraktiken einhergehen.

Auch hinsichtlich der zu ergreifenden Maþnahmen bildet sich zunehmend ein Konsens heraus. In Gefahrengebieten wie hochwassergef”hrdeten Flutebenen, erdrutschgef”hrdeten H”ngen oder Grabenbr¸chen sollten dem Wohnbau und der kommerziellen Entwicklung strengere Beschr”nkungen auferlegt werden. Mittels Bauvorschriften sollte eine h–here Belastbarkeit der Geb”ude gew”hrleistet sowie sichergestellt werden, daþ die grundlegende Infrastrukturversorgung im Katastrophenfall aufrechterhalten werden kann. Ferner sind tragf”higere Umweltpraktiken erforderlich, insbesondere, was die Entwaldung von H”ngen und den Schutz von Feuchtgebieten betrifft. Da Menschen sich eher aus Gr¸nden der Armut als aus eigenem Antrieb in katastrophengef”hrdeten Gebieten ansiedeln, sollten dar¸ber hinaus die Strategien zur Katastrophenpr”vention, um wirklich wirksam zu sein, in die allgemeine Entwicklungspolitik eingebunden werden.

Die w”hrend der Internationalen Dekade f¸r Katastrophenvorbeugung gesammelten Erfahrungen zeigen, daþ ein Schl¸ssel zu erfolgreichen l”ngerfristigen Pr”ventionsstrategien in einer sektor- und disziplinen¸bergreifenden Zusammenarbeit auf breiter Grundlage liegt. Die Kampagne zur Senkung des Kohlenstoffausstoþes und zur Verlangsamung der globalen Erw”rmung zeigt, was eine solche Zusammenarbeit bewirken kann. In enger Zusammenarbeit und geleitet von dem Konsens, der sich in der Zwischenstaatlichen Sachverst”ndigengruppe ¸ber Klima”nderungen herausgebildet hat, sind Wissenschaftler, Regierungen und –rtliche Gemeinwesen in Zusammenarbeit mit den nichtstaatlichen Organisationen h–chst erfolgreich dabei gewesen, die internationale Gemeinschaft auf die Gefahren der globalen Erw”rmung aufmerksam zu machen.

Auch hier gibt es reichliche Nachweise f¸r den Nutzen der Pr”vention. So schwer im vergangenen Jahr die Ðberschwemmungen in China auch waren, h”tten sie doch weitaus mehr Menschenleben gefordert, wenn China nicht w”hrend der vorangegangenen Jahre umfangreiche Maþnahmen zur Katastrophenpr”vention ergriffen h”tte. Ðberschwemmungen ”hnlicher Gr–þenordnung forderten in den Jahren 1931 und 1954 ¸ber 140.000 beziehungsweise 33.000 Todesopfer - gegen¸ber 3.000 im Jahr 1998. In einer ”hnlichen Entwicklung kamen bei dem Hurrikan “Mitch“ in einem Dorf in Honduras zwischen 150 und 200 Menschen ums Leben, w”hrend es in einem gleichermaþen gef”hrdeten Nachbardorf, in dem seit einiger Zeit ein Pilotprogramm zur Katastrophenvorbeugung lief, keine Toten gab.

Wir sollten jedoch die Herausforderungen nicht untersch”tzen. Auf einigen Gebieten gibt es in Kernfragen noch immer keinen breiten wissenschaftlichen Konsens, und viele Fragen bleiben unbeantwortet. Oftmals besteht das Problem nicht so sehr darin, einen Konsens zwischen Wissenschaftlern herbeizuf¸hren, als vielmehr darin, die Regierungen zu veranlassen, dem Druck ver”nderungsfeindlicher Interessengruppen zu widerstehen.

In allen F”llen sind die Ressourcen Teil des Problemkomplexes. Einige Regierungen, insbesondere in den ”rmsten Entwicklungsl”ndern, verf¸gen einfach nicht ¸ber die Mittel f¸r groþangelegte Programme zur Risikominderung und Katastrophenpr”vention. Hier ist internationale Hilfe von entscheidender Bedeutung. Sie ist auþerdem in hohem Maþe kostenwirksam, da Katastrophenbereitschafts- und -pr”ventionsprogramme dazu beitragen k–nnen, daþ der k¸nftige Bedarf an humanit”rer Hilfe und Wiederaufbaukosten drastisch sinkt.

Erziehung ist wichtig und darf nicht nur auf die Schulen beschr”nkt bleiben. Viele Regierungen und –rtliche Gemeinwesen verfolgen seit langem zielf¸hrende und erfolgreiche eigene Strategien zur Risikominderung und zur Schadensbegrenzung. Es sollten Wege gefunden werden, dieses Wissen auch anderen zug”nglich zu machen und es mit den theoretischen Erkenntnissen der Wissenschaft und den praktischen Erfahrungen der nichtstaatlichen Organisationen zu kombinieren.

Aus allen diesen Gr¸nden ist es unabdingbar, daþ die w”hrend der Internationalen Dekade f¸r Katastrophenvorbeugung geleistete Pionierarbeit fortgesetzt wird. Im Juli 1999 stellte das Programmforum f¸r die Dekade eine Strategie f¸r das n”chste Jahrtausend vor, die den Titel tr”gt: “Eine sicherere Welt im 21. Jahrhundert: Risikominderung und Katastrophenvorbeugung“. Diese Strategie hat meine volle Unterst¸tzung.

 

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