UNO-Generalsekret”r
 

Die humanit”re Herausforderung annehmen
Auf dem Weg zu einer Kultur der Pr”vention

Von Kofi Annan,
Generalsekret”r der Vereinten Nationen


Pr”ventionsstrategien

Wenn Pr”ventivmaþnahmen ernster genommen werden, wird es von vornherein weniger Kriege und weniger folgenreiche Katastrophen zu ¸berwinden geben. Daf¸r besteht ein klarer finanzieller Anreiz. In den sechziger Jahren verursachten Naturkatastrophen Sch”den in H–he von etwa 52 Milliarden Dollar; in den neunziger Jahren ist dieser Betrag bereits auf 479 Milliarden Dollar angewachsen. Die Kosten bewaffneter Konflikte sind ”hnlich ern¸chternd. Nach Sch”tzungen der Carnegie-Kommission f¸r die Verh¸tung t–dlicher Konflikte haben die sieben groþen Kriege der neunziger Jahre, Kosovo nicht eingeschlossen, die internationale Gemeinschaft 199 Milliarden Dollar gekostet. Dazu kommen noch die Kosten, die den kriegf¸hrenden L”ndern selbst entstanden sind. Die Wissenschaftler der Carnegie-Kommission argumentierten, daþ der Groþteil dieser Kosten h”tte vermieden werden k–nnen, wenn der Pr”vention gr–þerer Stellenwert einger”umt worden w”re.

Wirksamere Pr”ventionsstrategien w¸rden nicht nur Dollarbetr”ge in zweistelliger Milliardenh–he einsparen, sondern auch das Leben Hunderttausender von Menschen retten. Die Gelder, die gegenw”rtig in Interventionen und Hilfsmaþnahmen flieþen, k–nnten statt dessen zur F–rderung einer ausgewogenen und nachhaltigen Entwicklung verwendet werden, was die Kriegs- und Katastrophengefahr weiter mindern w¸rde.

Die Schaffung einer Kultur der Pr”vention ist allerdings nicht einfach. Die Kosten daf¸r fallen n”mlich in der Gegenwart an, w”hrend ihr Nutzen in ferner Zukunft liegt. Dazu ist dieser nicht einmal greifbar, denn es handelt sich dabei um Kriege und Katastrophen, die gar nicht erst stattfinden. Daher sollte es uns nicht ¸berraschen, daþ Pr”ventivmaþnahmen eher Lippenbekenntnisse als faktische Unterst¸tzung erhalten.

Dies ist noch nicht alles. Die Geschichte lehrt uns, daþ monokausale Erkl”rungen f¸r Kriege wie f¸r Naturkatastrophen unweigerlich zu stark vereinfachen. Das bedeutet, daþ es auch keine einfachen Pauschall–sungen geben kann. Um komplexere Ursachen zu beheben, bedarf es komplexer, disziplinen¸bergreifender L–sungen. Daraus folgt als grundlegende Aussage, daþ die Durchf¸hrung von Pr”ventionsstrategien f¸r den Kriegs- wie f¸r den Katastrophenfall die Zusammenarbeit einer breiten Vielzahl verschiedener Organisationen und Stellen erfordert.

Leider haben weder die internationalen noch die nationalen B¸rokratien bisher die institutionellen Hindernisse beseitigt, die dem Aufbau einer sektor¸bergreifenden Zusammenarbeit, der Voraussetzung einer jeden erfolgreichen Pr”vention, entgegenstehen. So verf¸gen die f¸r die Sicherheitspolitik zust”ndigen Stellen der einzelstaatlichen Regierungen wie der internationalen Organisationen zumeist nur ¸ber geringe Kenntnisse auf dem Gebiet der Entwicklungspolitik und der Staatsf¸hrung, w”hrend diejenigen, die f¸r diese Bereiche verantwortlich sind, nur selten Sicherheitsaspekte ber¸cksichtigen.

Wenn die Schranken, die durch die organisatorische Kompetenzaufteilung entstehen, ¸berwunden werden sollen, bedarf es einer entschlossenen F¸hrung sowie eines nachdr¸cklichen Engagements f¸r die Schaffung disziplinen¸bergreifender horizontaler politischer Netzwerke, denen auch unsere Partner in der internationalen Zivilgesellschaft mit angeh–ren.

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