UNO-Generalsekret”r
 

Die humanit”re Herausforderung annehmen
Auf dem Weg zu einer Kultur der Pr”vention

Von Kofi Annan,
Generalsekret”r der Vereinten Nationen


Einleitung

Im Angesicht der Schrecken von Kriegen und Naturkatastrophen vertreten die Vereinten Nationen bereits seit langem die Haltung, daþ Vorbeugen besser ist als Heilen, daþ wir die Ðbel an der Wurzel packen m¸ssen und nicht nur ihre Symptome bek”mpfen d¸rfen. Doch haben wir unserem Leitziel bislang keine wirksamen Taten folgen lassen. Aus diesem Grunde sieht sich die internationale Gemeinschaft heute pr”zedenzlosen humanit”ren Herausforderungen gegen¸ber.

Die wetterbedingten Naturkatastrophen des Jahres 1998 waren die schlimmsten seit Menschengedenken. Ðberschwemmungen und St¸rme kosteten weltweit Zehntausenden von Menschen das Leben; weitere Millionen verloren ihre Unterkunft. Schlieþt man die Erdbebenopfer ein, so forderten Naturkatastrophen im vergangenen Jahr etwa 50.000 Menschenleben. Gleichzeitig sieht es so aus, als ob die zwar nur allm”hliche, aber dennoch hoffnungstr”chtige Hinentwicklung zu einer Welt mit weniger Kriegen und weniger Kriegsopfern, die sich in letzter Zeit abzuzeichnen schien, zum Stillstand gekommen sei. In Angola, Guinea-Bissau, Kaschmir und im Kosovo sowie zwischen Ÿthiopien und Eritrea sind bewaffnete Konflikte ausgebrochen oder wieder aufgeflammt. Andere bereits seit langem andauernde Kriege, namentlich in der Demokratischen Republik Kongo, nahmen, in der Berichterstattung der globalen Medien weitgehend unbeachtet, unerbittlich ihren Fortgang. Auch Zivilpersonen haben schwerer unter den Kriegsauswirkungen zu leiden. Zum einen fordern Kriege im Inneren von Staaten, die inzwischen h”ufigste Form des bewaffneten Konflikts, in der Regel mehr Opfer unter der Zivilbev–lkerung als Kriege zwischen Staaten. Zum anderen machen Kombattanten den Angriff auf Zivilpersonen in zunehmendem Maþe zu ihrem strategischen Ziel. Selbst Mitarbeiter humanit”rer Hilfsorganisationen bleiben von dieser brutalen Miþachtung humanit”rer Normen - so auch der Genfer Abkommen von 1949 ¸ber die Regeln des Krieges, deren f¸nfzigsten Jahrestag wir erst vor kurzem begangen haben - nicht verschont. Allzu oft wird ihnen der Zugang zu den Opfern in Konfliktzonen verwehrt oder werden sie selbst angegriffen.

Das Wiederaufleben bewaffneter Konflikte und die sowohl in menschlicher als auch finanzieller Hinsicht rasch eskalierenden Kosten von Naturkatastrophen stellen uns vor eine zweifache Aufgabe. Auf der einen Seite m¸ssen wir unsere Kapazit”t erweitern, den Opfern Hilfe zukommen zu lassen; Kapitel III dieses Berichts befaþt sich, ebenso wie mein Bericht an den Sicherheitsrat ¸ber den Schutz von Zivilpersonen in bewaffneten Konflikten, eingehend damit, wie wir unsere Strategien zur Durchf¸hrung humanit”rer Maþnahmen verbessern k–nnen. Auf der anderen Seite m¸ssen wir wirksamere Strategien erarbeiten, um zu verhindern, daþ Notst”nde ¸berhaupt entstehen. In dieser Einleitung geht es mir haupts”chlich darum, Argumente f¸r bessere und kostenwirksamere Verh¸tungsstrategien vorzubringen.

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