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Ältere
Flüchtlinge
Ältere
Flüchtlinge sind zu lange unsichtbar gewesen
Hohe
Flüchtlingskommissarin der Vereinten Nationen
Sadako Ogata (1999)
Rund 11,5 Prozent der Flüchtlinge weltweit sind ältere
Menschen, in einigen Fällen sogar 30 Prozent. Überwiegend
sind es Frauen. Die älteren Flüchtlinge haben mehr
verloren als nur ihre Familien oder Besitztümer. Befragungen
des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen
(UNHCR) ergaben, dass es offensichtlich für viele keinen
Grund zu leben mehr gibt.
Dennoch
sagen die Zahlen wenig über das persönliche Leid dieser
Menschen aus. Typisch ist der Fall eines alten Mannes, der alleine
in einem Lager in der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien
sitzt und weint. Seine wenigen Habseligkeiten umklammert er
fest und weigert sich, weiter zu gehen. Er scheint jeden Willen
zu leben verloren zu haben.
Oder der
Fall der 86-jährigen Serbin, die in Pristina lebt und von
drei Teenagern brutal geschlagen wurde. Die Medien berichten
meist nicht über die besondere Situation älterer bedürftiger
Menschen. Solche Bilder und Geschichten werden selten gezeigt.
Aber sie sind real, so wie die schmerzliche Lage vieler älterer
Flüchtlinge.
In der Regel
stehen die älteren Flüchtlinge vor drei Hauptproblemen:
sozialer Ausschluss, negative soziale Auswahl und chronische
Abhängigkeit.
- Sozialer
Ausschluss erfolgt, wenn die staatlichen oder informellen
Sozialsysteme infolge des wirtschaftlichen Niedergangs erodieren
oder wenn Familien durch Krieg, Flucht oder mangelnde Sicherheit
getrennt oder in alle Windrichtungen zerstreut werden. Beides
führt zur Zunahme der Zahl bedürftiger älterer
Menschen.
- Negative
soziale Auswahl passiert, wenn sich Flüchtlingslager
und Auffangzentren mit der Zeit leeren. Die Jungen, Gesunden
und Kräftigen sind die ersten, die gehen, und die Schwachen
und Anfälligen bleiben zurück. Das Schicksal der
Älteren ist dann ganz besonders hart. Meist wissen sie
nicht wohin und haben niemanden, der sie versorgt.
- Chronische
Abhängigkeit kann entstehen, wenn alleinstehende ältere
Menschen, die keine staatlichen Sozialleistungen oder Familienunterstützung
erhalten, langfristig auf das Flüchtlingshilfswerk der
Vereinten Nationen (UNHCR) angewiesen sind. Diese Situation
ist eine besondere Herausforderung für UNHCR. Das Hilfswerk
will einerseits gewährleisten, dass die Exilerfahrung
nicht noch durch Armut und Not verstärkt wird. Andererseits
muss etwas gegen die dauerhafte Abhängigkeit vom Hilfswerk
unternommen und den Flüchtlingen geholfen werden, ihren
Status zu normalisieren, verschiedene Leistungen zu beziehen
und Ansprüche und Rechte zu verwirklichen.
Zur Bewältigung
dieser Probleme verabschiedete der ständige Ausschuss des
Flüchtlingshochkommissariats im Jahr 2000 die UNHCR-Leitsätze
für ältere Flüchtlinge. Auf der Grundlage der
UNO-Grundsatzerklärung für ältere Menschen von
1991 betonen diese Leitsätze ausdrücklich, dass ältere
Flüchtlinge nicht nur als passive Empfänger von Hilfsleistungen
sondern im Gegenteil als wertvolle Ressource gesehen werden
sollen, die viel zu bieten haben. Die älteren Menschen
verfügen über reiche Lebenserfahrung und Wissen und
sind durchaus in der Lage, an den Entscheidungen und Aktivitäten
teilzunehmen, die ihr Leben und das ihrer Familie und Gemeinschaften
betreffen.
Formell
und informell nehmen ältere Flüchtlinge oft Führungspositionen
in ihren Gemeinschaften ein. Sie geben Rat, übermitteln
Traditionen, Fähigkeiten und handwerkliches Können
an die nächsten Generationen, bewahren also die Kultur
der Enteigneten und Vertriebenen. Sie leisten aktive Beiträge
für das Wohlergehen ihrer Familienmitglieder und werden
nur dann abhängig von der Hilfe anderer, wenn sie sehr
gebrechlich und krank sind.
Ältere
Menschen waren die ersten, die sich zur Rückkehr in ihre
Heimatländer gemeldet haben, ob in Kroatien oder Liberia.
In ihrer Heimat angekommen, tragen sie oft zu Friedens- und
Versöhnungsmaßnahmen bei. Es gehört zu den wichtigsten
Aufgaben der UNHCR-Programme, Möglichkeiten und Talente
älterer Flüchtlinge voll auszuschöpfen und ihr
Potenzial nutzbar zu machen.
Obwohl ältere
Flüchtlinge besondere Bedürfnisse haben, können
sie nach Erfahrung des UNHCR besser im Rahmen allgemeiner Schutz-
und Hilfsprogramme unterstützt werden anstatt durch gesonderte
Dienstleistungen. Beispielsweise benötigen ältere
Menschen Nahrung, die leicht bekömmlich ist. Dies kann
durch entsprechende Planung innerhalb existierender Programme
besser gewährleistet werden.
Am wirksamsten
werden die Bedürfnisse älterer Flüchtlinge im
Rahmen ihrer Familie und ihrer Gemeinschaft gedeckt. Deshalb
sollte die Kapazität der Familien und Gemeinschaften gestärkt
werden, für sich selbst und ihre älteren Angehörigen
Sorge tragen zu können.
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Ältere
Migranten
Migranten
erhalten tendenziell niedrigere Löhne, wenige
oder gar keine Sozialleistungen und arbeiten ohne minimale
Standards für Sicherheit und Gesundheitsschutz
.
Hier müssen wir wirklich zusammenarbeiten, um Migranten
ein Leben in Würde und Sicherheit zu gewähren.
UNO-Generalsekretär
Kofi A. Annan
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Auf der
Suche nach Arbeit und neuen Möglichkeiten sind sie aus
ihrer Heimat fortgezogen, meist aus ländlichen Gebieten,
als sie noch jünger waren. Doch nach vielen Jahren Arbeit
in schlecht bezahlten Jobs finden sich viele ältere Migranten
in einem anonymen Leben in überfüllten Wohnungen und
wachsenden Städten wieder, kaum unterstützt von ihren
Familien oder der Regierung.
Nach den
verfügbaren Daten lebt jeder 50. Mensch - rund 150 Millionen
insgesamt - dauerhaft oder zeitweilig außerhalb seines
Herkunftslandes. Dazu zählen 80 bis 97 Millionen Wanderarbeiter
und ihre Familien, rund 14 Millionen anerkannte Flüchtlinge
und dauerhafte Immigranten.
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Nach
Schätzungen des Internationalen Währungsfonds
haben Migranten von ihrem Einkommen 1997 rund 77 Milliarden
US-Dollar in ihre Heimatländer geschickt. Nach den
Welterdölexporten war dies der zweitgrößte
internationale Kapitalfluss.
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Ältere
Migranten erleben, dass die erweiterte Familie, die ihnen in
der ländlichen Gemeinschaft half, als traditionelle soziale
Einrichtung nicht mehr existiert. In den Städten gibt es
nur wenig Alternativen. Die Situation wird besonders kritisch,
wenn ältere Migranten krank werden oder Behinderungen erleiden.
Ältere
Migranten haben im Allgemeinen dieselben Probleme wie alle älteren
Menschen, die in Armut leben. Bemühungen, die einen zu
unterstützen, kommen auch den anderen zu Gute. Etwa durch
die Schaffung eines besseren Zugangs zu sozialer Absicherung,
durch Maßnahmen zur Aufrechterhaltung wirtschaftlicher
und gesundheitlicher Sicherheit, durch die Einrichtung von Gemeindezentren
für ältere Personen und durch die Schaffung von gemeinsamem
Lebensraum in den Familien für hilfsbedürftige ältere
Familienmitglieder.
Für
ältere Migranten, die in ein anderes Land umgezogen sind,
ist die Lage anders und hängt oft davon ab, wie gut sie
sich in dem neuen Land integriert haben. Wenn legale Wanderarbeiter
aus früheren Jahrzehnten älter werden, erhalten sie
öffentliche Unterstützung, beispielsweise durch die
Einräumung von Sozialversicherungsschutz und Rentenansprüchen.
Die Regierungen der Empfängerländer können durch
den Abbau von Sprachbarrieren und die Aufnahme der Migranten
in das Sozialversicherungssystem zu ihrer Integration in die
neuen Gemeinschaft beitragen.
Die Situation
der älteren Migranten, die illegal arbeiten, ist allerdings
anders, da sie aus dem Rahmen der sozialen Absicherung herausfallen
und keinen Anspruch auf Rente oder angemessene Gesundheitsvorsorge
haben. Für die Internationale Arbeitsorganisation (ILO)
ist das Leid dieser Migranten Anlass zu schwerwiegender Sorge.
Sie setzt sich für die Gleichbehandlung älterer Migranten
mit den Arbeitnehmern des Gaststaates ein und fordert, dass
ihre erworbenen Rechte nach der Verlegung des Wohnsitzes in
ein anderes Land bestehen bleiben.
Dieser
Hintergrundbeitrag basiert auf Informationen des Büros
des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen
(UNHCR) und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO).
Für
weitere Informationen wenden Sie sich bitte an die
UNO-Hauptabteilung
Presse und Information
New York
Tel.(+1-212) 963-0499;
E-Mail: mediainfo@un.org
Herausgegeben
von der Hauptabteilung Presse und Information, Vereinte Nationen,
DPI/2264 - März 2002.
Deutsche Übersetzung: Informationszentrum der Vereinten
Nationen (UNIC) Bonn.
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