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Bäume
werden stärker über die Jahre, Flüsse breiter.
Ähnlich erlangen Menschen im Alter unschätzbare Tiefe
und Breite an Erfahrung und Weisheit. Darum sollten ältere
Menschen nicht nur respektiert und verehrt werden; sie sollten
für die Gesellschaft als die reiche Quelle genutzt werden,
die sie sind.
UNO-Generalsekretär Kofi A. Annan
Der düstere Horizont unserer Zeit - die rapide
alternde Gesellschaft, die von den Schwarzsehern gefürchtet
wird, - hat mehrere Silberstreifen, die bislang unbeachtet geblieben
sind, zu wenig geschätzt und zu wenig genutzt wurden. Einer
davon ist die freiwillige Tätigkeit älterer Menschen,
die sich dafür entscheiden und dazu in der Lage sind, aktive
und produktive Mitglieder der Gesellschaft zu bleiben. Die freiwillige
Tätigkeit ist für ältere Menschen ein einzigartiger
und besonders wertvoller Weg produktiv zu altern,
da ihr Beitrag das Geschenk von Lebensweisheit ist, von Fertigkeiten,
Weisheit und menschlicher Wärme für andere Generationen.
Ungezählte Beiträge
Es gibt
Berge von Literatur zum Thema Altern, doch die meisten Werke
leisten älteren Menschen und ihren Gesellschaften eher
einen Bärendienst: sie vernachlässigen oder streifen
nur die veränderte Art und Weise, wie sich ältere
Menschen in ihrer Gesellschaft engagieren. Ihr Reichtum an Wissen,
Expertise, Fertigkeiten und Weisheit, von dem jüngere Generationen
lernen und Information beziehen könnten, wird nur kurz
abgehandelt. Und diese mangelnde Aufmerksamkeit trägt auch
nicht dazu bei, dass sich die Politik für die volle Beteiligung
Älterer an der Gesellschaft stärker engagiert oder
diese erleichtert.
Traditionell
wird der Beitrag älterer Menschen durch ihr freiwilliges
Engagement für ihre Gesellschaft als eine wichtige Ressource
gesehen, die nur darauf wartet angezapft zu werden, denn ältere
Menschen bilden in vielen Teilen der Welt das am schnellsten
wachsende Bevölkerungssegment. Tatsächlich füllen
die Älteren häufig Lücken, die Staat oder Markt
nicht ausfüllen können oder wollen; und sie bringen
wertvolles Fachwissen, Netzwerke und Kenntnisse in viele Organisationen
mit, die andernfalls nicht so gut funktionieren könnten.
Ganz zu schweigen von all den Freiwilligen, die nicht tätig
wurden; die wegen unerwarteter Krankheit oder Tod - unter Umständen
durch HIV/Aids - in die Situation unbezahlter Fürsorger
gezwungen wurden und sich - zu einer Zeit in ihrem Leben, zu
der sie eigentlich eher erwartet hätten, selbst umsorgt
und gepflegt zu werden, oder einfach nur ihre späten Lebensjahre
zu genießen - wieder in der gebenden Rolle fanden.
Viele traditionelle
Kulturen betrachten ihre Ältesten immer noch als Entscheidungsträger
mit Autorität und als wertvolle Quelle von Rat und Weisheit.
Doch die moderne Gesellschaft, verliebt in die Schönheit
der Jugend, den Glanz des Hightech und materielle Anerkennung
und Gewinn, scheint meist den Wert der angesammelten Erfahrungen
und Kenntnisse vergessen zu haben. Das weit verbreitete Fehlen
akkurater Information über den Beitrag älterer Menschen
unterstützt die Stereotype, ältere Menschen seien
unproduktiv, abhängig und bauten unaufhaltsam ab. Es wird
Zeit, dieses Vorurteil zu zerschlagen.
Man kann
den Beitrag freiwilliger Tätigkeit älterer Menschen
auch anders sehen - mit Blick auf die Vorteile für sie
selbst. Freiwillige Arbeit ist ein wertvoller produktiver Weg
für ältere Menschen, in der Gesellschaft engagiert
zu bleiben, ihre Expertise weiter zu nutzen und ihre Zielstrebigkeit,
ihren inneren Wert und ihre Selbstachtung zu erhalten. Solches
Engagement und Selbstwertgefühl führt normalerweise
zu mehr Unabhängigkeit, Gesundheit und Wohlbefinden für
ältere Menschen.
Ein bisschen geben - ein bisschen nehmen
Ein wichtiger
Grundsatz aller freiwilligen Arbeit ist die Gegenseitigkeit:
man gibt etwas und man bekommt etwas zurück - oftmals zusätzlich
zu Selbsterfüllung und Befriedigung. Junge Menschen gewinnen
durch freiwillige Arbeit, sie erlangen ein breiteres Profil
und dadurch bessere Vermittelbarkeit auf dem Arbeitsmarkt. Im
Arbeitsleben stehende Erwachsene, die sich freiwillig engagieren,
erhalten einen gewissen Status in ihrer Gemeinschaft. Und ältere
Menschen, die freiwillig tätig sind, gewinnen gesunde Jahre
ihres Lebens, wie umfassend demonstriert: ältere Menschen
mit aktivem Engagement leben länger und besser; ihr Leben
ist gesünder denn je zuvor und oftmals sachkundiger. Verwaiste
oder verstoßene Kinder, die von älteren Freiwilligen
menschliche Wärme erhalten, wo viel zu wenig jüngere
Hände verfügbar sind, sind Kinder, die höchst
wahrscheinlich der Gesellschaft etwas zurückgeben werden.
Freiwillige Arbeit als Versicherung für gesellschaftliche
Sicherheit
Menschen,
die freigiebig anderen in Not helfen, erhalten oft Hilfe, wenn
sie diese selbst brauchen. In vielen Entwicklungsländern
ist diese Praxis der freiwilligen Hilfe als Versicherung weit
verbreitet - in Form von gegenseitiger Hilfe und Selbsthilfe.
Man kann es als Guthaben in einem sozialen Sicherungssystem
sehen, das sich gegen Armut und Anfälligkeit bezahlt macht.
Ältere Menschen, die ihre eigene Arbeit freiwillig investieren,
steuern ihre künftigen Risiken und fördern gleichzeitig
ihre eigene Entwicklung.
Heute ist
es normal, dass vier bis fünf Generationen gleichzeitig
leben, wobei zwei davon im Rentenalter sind. Diese Situation
- typisch für die heute alternde Welt - ist in der menschlichen
Geschichte ohne gleichen. Sie bietet eine wertvolle Chance für
freiwillige Arbeit zwischen und innerhalb der Generationen für
die Gesellschaft und sie ist eine Gelegenheit, die lebenslange
freiwillige Arbeit von Frauen für ihre Familien und Gesellschaften
anzuerkennen, was bislang noch nicht geschehen ist.
Sehr oft
stehen Ältere, wenn sie freiwillig tätig werden wollen,
Barrieren und Hindernissen gegenüber, die sie davon abhalten.
In formalen Freiwilligendiensten können sie Vorurteilen
begegnen und von den Organisationen auf die Zusammenarbeit mit
anderen älteren Menschen beschränkt oder gar völlig
ausgegrenzt werden. Ältere Menschen sind außerdem
durch den Mangel an Information über Möglichkeiten
der freiwilligen Tätigkeit, durch Schwierigkeiten beim
Zugang zu diesen Möglichkeiten zuzugreifen, oder durch
ökonomische und andere Faktoren behindert. So beraubt sich
die Gesellschaft nützlicher und nötiger Beiträge.
Ältere Freiwillige - die Lösung, nicht das Problem
Ein grundsätzlicher
Wandel des Bildes, das die Gesellschaft von älteren Menschen
hat, ist längst überfällig. Zu oft werden sie
fälschlich als selbst hilfsbedürftig anstatt als potenzielle
Problemlöser - für die eigenen Probleme wie für
jene der Gesellschaft - angesehen. Häufig sind Ressourcen
für ältere Menschen oder ihre Projekte unzugänglich.
Es könnte viel gewonnen werden, wenn älteren Menschen
schlicht der Zugang zur sozialen Infrastruktur und zur finanziellen
Hilfe für Aktivitäten eröffnet würde, mit
denen sie ihre Kräfte bündeln, gemeinsam mit anderen
Generationen planen und mit Organisationen für Arbeitssuche
wie Kreditvergabe in Verbindung treten könnten.
Globale Anerkennung
Im Jahr
2000 hat die UNO-Kommission für soziale Entwicklung verschiedene
Möglichkeiten erwogen, wie Regierungen und die Vereinten
Nationen freiwillige Arbeit unterstützen könnten.
Mehrere Regierungen betonten die Notwendigkeit, die Belange
älterer Menschen und ihren Beitrag zur Gesellschaft durch
freiwillige Arbeit zu berücksichtigen. Sie forderten, auf
diese Fragen bei der Zweiten Weltversammlung zur Frage des Alterns
stärker einzugehen.
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Viel
zu lange haben wir uns nur auf die bezahlte Arbeit konzentriert
- in dem Glauben, Geld, das von Hand zu Hand geht, sei
deshalb umso wichtiger
Natürlich stimmt das
überhaupt nicht mehr. Menschen aller Altersgruppen
und Klassen investieren Zeit. Einige von ihnen haben sogar
Spaß dabei. Und die alte, enge Definition des Begriffes
Arbeit wird von Jahr zu Jahr unschärfer.
Anita Roddick
The Body Shop
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Die Möglichkeit
des Beitrags älterer Menschen reicht weit über die
soziale Rolle hinaus: Sie können grundlegende Ziele der
Vereinten Nationen fördern wie Menschenrechte, Umweltschutz,
Gesundheit und Frieden. Sie können ihre Nachkommen zu Hass
oder Frieden erziehen und haben so einen starken Einfluss auf
die Art der Konfliktbewältigung in ihren Familien, ihrer
Gesellschaft und ihrer Nation.
Alles in
allem bietet die Diskussion über freiwilliges Engagement
auf der Weltversammlung eine ausgezeichnete Gelegenheit, dieser
Frage größere Aufmerksamkeit zu widmen.
Dieser
Artikel basiert auf Informationen des Freiwilligenprogramms
der Vereinten Nationen (UNV).
Weitere
Information erhalten Sie bei:
Freiwilligenprogramm
der Vereinten Nationen
Frau Caroline Stiebler
Postfach 260 111
D-53153 BONN,
Tel: (49 228) 815 2000
Fax: (49 228) 815 2001
UNO-Hauptabteilung
Presse und Information
Tel: (+1-212) 963-0499
E-Mail: mediainfo@un.org
Herausgegeben
von der Hauptabteilung Presse und Information, Vereinte Nationen,
DPI/2264 - März 2002.
Deutsche Übersetzung: Informationszentrum der Vereinten
Nationen (UNIC) Bonn.
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