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In
Afrika sagt man, wenn ein alter Mann stirbt, verschwindet eine
Bibliothek. Das erinnert uns an die lebenswichtige Rolle, die
ältere Menschen als Bindeglied zwischen der Vergangenheit,
der Gegenwart und der Zukunft spielen, als wahre Lebensader
der Gesellschaft. Ohne das Wissen und die Weisheit der Alten
würden die Jungen niemals wissen, woher sie kommen oder
wohin sie gehören. Doch um eine gemeinsame Sprache mit
den Jungen zu haben, muss man ihnen die Chance geben, ihr Leben
lang weiter zu lernen.
UNO-Generalsekretär Kofi A. Annan
Altern in den Entwicklungsländern
Die menschliche
Gesellschaft befindet sich heute im Umbau durch
drei gleichzeitig ablaufende Prozesse: Globalisierung, Landflucht
und Bevölkerungsaltern. Und wieder sind die Entwicklungsländer
am stärksten betroffen.
Der Prozess
des Alterns der Bevölkerung in den Entwicklungsländern
wird neue Herausforderungen mit sich bringen, die anders sind
als jene, mit denen die Industrieländer konfrontiert sind.
Und auch innerhalb der Gruppe der Entwicklungsländer gibt
es Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Regionen und Umständen,
etwa den wirtschaftlichen Verhältnissen, kulturellen Traditionen,
der Familienstruktur, den Auswirkungen bewaffneter Konflikte,
Naturkatastrophen, Migrationsmustern, Flüchtlingsbevölkerungen,
verheerenden Krankheiten wie der HIV/Aids-Pandemie und sogar
den nationalen Gesetzen. Drei Faktoren tragen zur Dringlichkeit
des Prozesses bei: der Anteil der Entwicklungsländer an
der Weltbevölkerung, die weit verbreitete Armut in diesen
Ländern und die Schnelligkeit, mit der das Altern vor sich
geht.
Es überrascht,
dass am Beginn des urbanen Millenniums, in dem in
der gesamten in Entwicklung befindlichen Welt eine Landflucht
von unerhörtem Ausmaß stattfindet und die Geburtenrate
zurückgeht, noch immer der Großteil der älteren
Bevölkerung in ländlichen Gebieten lebt.
Doch dafür
gibt es mehrere Erklärungen: Viele junge Leute ziehen aus
wirtschaftlichen Gründen in die Städte und lassen
die älteren zurück; viele ältere Migranten, die
aus dem Berufsleben in der Stadt ausscheiden, gehen zurück
in ländliche Gebiete; die weltweite HIV/ Aids-Pandemie
trifft vor allem junge Leute.
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Das
Altern der Bevölkerung hat im ländlichen Raum
bereits begonnen
-
In den ländlichen Gebieten Afrikas, Asiens und
Lateinamerikas wird sich die Zahl der älteren Personen
bis 2025 voraussichtlich verdoppeln.
- Die
Zahl der älteren Menschen wird in Afrika auf 50
Millionen und in Asien auf 337 Millionen steigen.
- In
10 Ländern, die meisten davon in Afrika südlich
der Sahara, ist der Anteil der älteren Menschen
im ländlichen Bereich zumindest doppelt so hoch
wie im städtischen.
Im
ländlichen Bereich leben mehr ältere Frauen
als ältere Männer
- In
40 Ländern ist der Anteil der älteren Frauen
im ländlichen Bereich höher, in einigen Fällen
erheblich höher als der Anteil der älteren
Männer.
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Die Entwicklungsländer
stehen vor einer zweifachen Herausforderung: Sie müssen
den Entwicklungsprozess fortsetzen, was wachsende Volkswirtschaften,
Ausbildung und den Schutz der Menschenrechte voraussetzt, und
sie müssen sich gleichzeitig auf das Altern ihrer Bevölkerung
vorbereiten. Und dieser Prozess wird in den Entwicklungsländern
voraussichtlich erheblich schneller vor sich gehen, als es in
der industrialisierten Welt der Fall war.
In den Entwicklungsländern
gehen noch andere Veränderungen vor sich, die für
die meisten älteren Menschen der Welt das Altern
in Sicherheit in den kommenden Jahrzehnten in Frage stellen
könnten. Neben der Migration und der Landflucht können
Veränderungen im Familiengefüge - von der Großfamilie
hin zur kleineren, mobilen Familie -, der fehlende Zugang zu
Technologien wie Informations- und Kommunikationstechnologien,
die die Unabhängigkeit fördern, und andere sozioökonomische
Veränderungen die älteren Menschen noch mehr an den
Rand des Entwicklungsgeschehens drängen, wodurch sie ihrer
sinnvollen wirtschaftlichen und sozialen Rolle beraubt werden
und die traditionellen Unterstützungsnetze nicht mehr im
vollen Umfang wirksam sind.
Was wird das Altern der Landbevölkerung bewirken?
Das Altern
der Bevölkerung im ländlichen Raum wird tief greifende
Veränderungen mit sich bringen. Sie wird massive Auswirkungen
auf die landwirtschaftliche Produktion, die Sicherung der Ernährung,
das Gesundheitswesen, den Arbeitsmarkt und den Entwicklungsprozess
selbst haben. Sicherlich wird sie auch die Gesellschaftsstruktur
und die Produktionsmuster beeinflussen. Und auch in der Familie,
der grundlegenden strukturellen Einheit der ländlichen
Gesellschaft, wird es zu raschen und bedeutsamen demographischen
Veränderungen kommen, die in vielen Fällen dazu führen
werden, dass die familiäre Unterstützung für
ältere Angehörige abnimmt. Da das Altern im ländlichen
Bereich vermutlich sehr schnell vor sich gehen wird, müssen
die Entwicklungsländer umgehend Entscheidungen treffen,
politische Konzepte erstellen und konkrete Vorkehrungen treffen.
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Das
Tempo des Alterns
- In
Frankreich dauerte es 115 Jahre - von 1865 bis 1980
-, bis sich der Anteil der älteren Menschen von
7 Prozent auf 17 Prozent etwa verdoppelt hatte.
- In
China wird es voraussichtlich nur 27 Jahre - von 2000
bis 2027 - dauern, bis sich der Anteil der über
60-jährigen von 10 Prozent auf 20 Prozent verdoppelt
haben wird.
- In
Entwicklungsländern wie Kolumbien, Malaysia, Kenia,
Thailand und Ghana wird der Anteil der älteren
Menschen zwischen 1990 und 2025 etwa 7 bis 8 mal schneller
steigen als in Großbritannien und in Schweden.
- In
den Entwicklungsländern ist in einem Zeitraum von
nur 35 Jahren mit einer Zunahme der älteren Bevölkerung
um 200 bis 300 Prozent zu rechnen.
- Bis
zum Jahr 2020 werden in den Entwicklungsländern
voraussichtlich drei Viertel aller Todesfälle altersbedingt
sein.
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Einige Änderungen
sind unschwer abzusehen, manche andere sind weniger offensichtlich.
- Bauern
im fortgeschrittenen Alter werden nach Möglichkeit auf
weniger arbeitsintensive Anbauprodukte umsteigen.
- Familien
werden ihre Versorgungsstrategien (Sparen und Investieren)
konservativer gestalten und verstärkt auf die Sicherung
ihres Unterhalts ausrichten.
- Ältere,
vor allem arme Bauern werden nur beschränkt mit dem technischen
Fortschritt mithalten können und weniger bereit sein,
sich auf neue Produktionsmethoden einzulassen, was die Modernisierung
der Landwirtschaft verlangsamen wird.
- Von älteren
Bauern ist viel eher zu erwarten, dass sie ihre landwirtschaftliche
Tätigkeit jederzeit einstellen, weil sie sich zur Ruhe
setzen, krank werden oder sterben. In Gebieten mit vielen
landbesitzenden Bauern im fortgeschrittenen Alter muss davon
ausgegangen werden, dass Höfe verkauft, übergeben
oder stillgelegt werden. Das kann zu Zusammenlegungen oder
aber zur Änderung der Anbauprodukte führen.
Unbebautes
und der Umweltschädigung preisgegebenes Land wird die Produktion
verringern.
Soziale und wirtschaftliche Auswirkungen des Alterns
Das Altern
der Landbevölkerung wird wahrscheinlich am akutesten als
soziales Problem spürbar werden, wenn die jungen Leute
in die Stadt ziehen und die älteren allein in manchmal
weit entlegenen Gebieten ihrem Schicksal überlassen.
Viele ältere
Landbewohner haben weder eine nennenswerte Alterspension noch
eine Krankenversicherung oder sonstige Unterstützung durch
das Sozialversicherungssystem. Die jungen Migranten fühlen
sich in zunehmendem Maße der Stadt zugehörig, weshalb
die Geldsendungen nach Hause möglicherweise abnehmen, was
die älteren Menschen ohne finanzielle Unterstützung
und ohne alternative Einkommensmöglichkeiten zurücklässt.
Teile der älteren Bevölkerung werden zunehmend isoliert
und ihrer Möglichkeiten beraubt, sowohl in finanzieller
Hinsicht als auch in Bezug auf die Verfügbarkeit von wirtschaftlichen
Ressourcen, Unterkunft, medizinischer Betreuung und Möglichkeiten
der Teilnahme am sozialen und wirtschaftlichen Leben. Die Kluft
zwischen wirtschaftlich aktiven und inaktiven Personen könnte
sich vertiefen, wodurch sich das Einkommensgefälle oder
bereits vorhandene soziale Ungleichheiten innerhalb der Länder
weiter vergrößern würden.
Unter diesen
Umständen werden Familie und Gemeinschaftseinrichtungen
noch stärker unter Druck geraten. Wenn das Sicherheitsnetz
Familie reißt, steigen die Kosten für die grundlegenden
Unterstützungsdienste für die älteren Menschen,
und es wird immer schwieriger, sie aufzubringen. Wenn die älteren
Landbewohner mit den älteren Stadtbewohnern in Konkurrenz
um knappe Mittel treten müssen, werden sie wahrscheinlich
auf der Strecke bleiben. Schließlich könnte das Altern
der Landbevölkerung eine Verringerung des Leistungs- und
Einkommenswachstums verursachen und damit die Wirtschaftsleistung
eines Landes insgesamt negativ beeinflussen.
Wenn diese
pessimistischen Voraussagen tatsächlich eintreten und keine
ausreichenden sozialen Vorkehrungen getroffen wurden, werden
der Staat und die älteren Menschen mit einer Reihe schwieriger
Fragen konfrontiert sein. Ohne ernst zu nehmende Vorbereitung
und Planung kann es sich als äußerst schwierig erweisen,
der Landbevölkerung ein Alter in Sicherheit
zu ermöglichen. In wohlhabenderen Gesellschaften haben
ältere Menschen vielleicht die Chance, in die Stadt zu
ziehen, wo ihre Familie für sie sorgt, doch in weniger
wohlhabenden Gesellschaften wird eine solche Alternative wahrscheinlich
nicht bestehen. Man darf auch nicht vergessen, dass in vielen
dieser Gebiete große Armut herrscht.
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Wir
müssen uns der Tatsache bewusst sein, dass die Industriestaaten
zuerst reich und erst dann alt wurden, während die
Entwicklungsländer altern, bevor sie reich werden.
Gro Harlem Brundtland,
Generaldirektorin der WHO
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Ist es
wirklich so schlimm?
Es gibt
zwar allen Grund, sich Sorgen zu machen, doch es wäre verfehlt,
das Altern der ländlichen Bevölkerung als einen rein
negativen Trend zu sehen. In manchen Situationen bietet sie
die Chance zu positiven Veränderungen, etwa zum sozioökonomischen
Strukturwandel im ländlichen Raum, hin zu neuen Strukturen,
die besser geeignet sind, die nachhaltige Entwicklung zu unterstützen.
Zudem ist das typische Bild vom älteren Menschen als Belastung
oder Behinderung in einem Entwicklungsmodell engstirnig und
falsch und sollte richtig gestellt werden. Das höhere Alter
hat viel zu bieten, auch wenn das nur selten anerkannt wird:
einen Schatz an Wissen und Erfahrung, den ältere Menschen
in die Arbeitswelt, das öffentliche Leben und die Familie
einbringen. Der technische Fortschritt und neue gesellschaftliche
Organisationsformen können dazu genützt werden, ältere
Menschen zum Verbleib im Arbeitsprozess zu ermutigen und im
ländlichen Bereich entsprechende sozioökonomische
Änderungen herbeizuführen.
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Die
positiven Auswirkungen des Bevölkerungsalterns
- In
Asien und Lateinamerika wird die prognostizierte spürbare
Abnahme der Anzahl der jungen Leute, verbunden mit der
Stabilisierung der Zahl der Erwachsenen, den gegenwärtigen
demographischen Druck auf Grund und Boden verringern.
- In
einigen Ländern Asiens, in denen die Landbevölkerung
bereits ein hohes Durchschnittsalter erreicht hat, ergab
sich kein Rückgang in der landwirtschaftlichen
Produktion. Im Gegenteil: Durch die Erhöhung der
Farmgrößen und dem damit verbundenen Rentabilitätsgewinn
konnte sie sogar gesteigert werden.
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Abhängigkeitsquotient:
Ein Fenster der Chance
Nach konservativer
Auffassung von der Altersabhängigkeit belastet eine große
Zahl sehr junger und/oder alter Menschen die Wirtschaft, da
die Konsumbedürfnisse der wirtschaftlich unproduktiven
Mitglieder der Gesellschaft das Spar- und Investitionsvermögen
insgesamt verringern. Einfacher gesagt: Viele sehr junge oder
alte Menschen oder beides kosten sehr viel Geld. Doch in den
vergangenen Jahrzehnten war die bedeutsamste Veränderung
der Altersstrukturen in den Ent-wicklungsländern nicht
die Zunahme der alten Leute, sondern der Rückgang des Anteils
der Jungen. Die Altersgruppe der 0- bis 14-jährigen nahm
seit 1970-75 in allen Entwicklungsregionen ab, während
der Alterungsprozess der Bevölkerung gerade erst beginnt
oder noch bevorsteht.
Diese Verschiebung
- weniger junge Menschen, bevor es mehr ältere Menschen
gibt - bietet ein Fenster der Chance, wenn auf jeden
Erwerbstätigen der aktiven Altersgruppe weniger zu versorgende
Nichterwerbstätige kommen. Für kurze Zeit werden die
Gesamtausgaben im Verhältnis zur Gesamtproduktion sinken.
Diese wirtschaftliche Atempause eröffnet neue Möglichkeiten.
Die Entwicklungsländer sollten sie nützen und in Wirtschaftsentwicklung,
Schulung und Ausbildung investieren.
In fast
jeder Phase dieser demographischen Verschiebung stehen den Entscheidungsträgern
mehrere Möglichkeiten offen, wie sie in Zukunft auf diese
prognostizierten demographischen Veränderungen reagieren
können. Die Herausforderung für die internationale
Gemeinschaft - und die Chance der zweiten Weltversammlung zur
Frage des Alterns - besteht nun darin, fundierte Entscheidungsgrundlagen
für die Auswahl der geeignetsten Optionen zu schaffen,
um sicherzustellen, dass das gewünschte Ergebnis und ein
günstiges Ergebnis für den ländlichen Raum erzielt
wird. Gleichzeitig bietet sich die einmalige Chance, eine soziale
Umstrukturierung, die nicht aufzuhalten ist, zum Vorteil zu
nützen.
Um den Fortschritt
und die Sicherheit für Menschen jedes Alters zu fördern,
müssen sich die Länder den Herausforderungen des Alterns
im ländlichen Raum kompetent stellen und die Gelegenheit
ergreifen, ihre landwirtschaftliche und ländliche Entwicklungspolitik
neu zu überdenken. Es gibt Regionen, in denen ältere
Menschen hohes Ansehen genießen und großen Einfluss
auf Entscheidungen haben. In diesen Regionen sollten ältere
Menschen unbedingt in den Entscheidungsprozess mit einbezogen
werden. Jedoch müssen Politiker und Programmmanager größere
Sensibilität für die Fähigkeiten und Bedürfnisse
älterer Menschen entwickeln. Dadurch werden sie mit Sicherheit
weisere Entscheidungen treffen.
Zum Beispiel
könnten im Rahmen der staatlichen Politik Steuererleichterungen
und andere Anreize für ländliche Familien vorgesehen
werden, um ihnen die Betreuung ihrer alten Angehörigen
zu erleichtern. Mit Hilfe von Sonderunterstützungen könnten
Frauen, die meist länger leben und ärmer sind, bis
ins hohe Alter als Kleinbäuerinnen, im Handel, in der traditionellen
Medizin und als Haushaltshilfe tätig bleiben. Es ist relativ
einfach, mit entsprechender Unterstützung Nachteile in
ihr Gegenteil zu kehren und als Chance zu nützen.
Längeres Arbeitsleben und lebenslanges Lernen
In den Industriestaaten
wird schon seit längerer Zeit empfohlen, dass es älteren
Menschen gestattet sein sollte, zu arbeiten, so lange sie wollen
oder können. Das kann sich positiv auf ihr Einkommen, auf
die Verfügbarkeit von Arbeitskräften und auf die Pensions-
oder Sozialversicherungssysteme auswirken. In den ländlichen
Gebieten der Entwicklungsländer hingegen wird das wahrscheinlich
nicht möglich sein. Schwere körperliche Arbeit wird
ohnehin nicht in Frage kommen. In Gebieten, die von HIV/AIDS
besonders schwer betroffen sind, was in weiten Teilen Afrikas
der Fall ist, arbeiten ältere Menschen vielleicht schon
jetzt so lange und so hart wie sie dazu noch imstande sind:
Viele von ihnen betreuen ihre HIV/Aids-kranken erwachsenen Kinder,
müssen die Landwirtschaft übernehmen und zusätzlich
auch noch Ersatzeltern für ihre Enkelkinder sein. Wo es
jedoch möglich ist, dass ältere Menschen länger
im Arbeitsprozess bleiben, sollten unterstützende und innovative
Lösungsansätze technischer und organisatorischer Natur
für Arbeit und Ruhestand gewählt werden.
Die Methode
des lebenslangen Lernens, die in den Industriestaaten für
die Umschulung und Vertiefung der Fähigkeiten vorgeschlagen
wird, wurde noch nicht auf ihre Eignung für ältere
Menschen im ländlichen Raum überprüft. Ein solches
Unternehmen würde umfangreiche Veränderungen in der
Beschäftigungspolitik, etwa Programme zur Ausweitung der
Landwirtschaft, bedingen, könnte aber durchaus zu innovativen
und kreativen Alternativen anregen.
Landbesitz, Landübergabe und Altern
Die möglichen
Auswirkungen des Alterns der Bevölkerung auf die Entvölkerung
und Landbesitz sollten Gegenstand von Untersuchungen sein. Noch
sind diese Bereiche weitgehend unerforscht, insbesondere ihre
geschlechtsspezifischen Aspekte. Sie müssten im Detail
erforscht werden, insbesondere die Notwendigkeit, Dienstleistungen
für ältere Menschen in entlegeneren ländlichen
Gebieten zu finanzieren. Solche benachteiligten Gebiete werden
wahrscheinlich keine hohe Priorität in der sozialen Entwicklung
haben, dennoch sollten moderne Staaten und Nationen durch entsprechende
Maßnahmen dafür Sorge tragen, dass ältere Menschen
im ländlichen Raum nicht an den Rand der Gesellschaft gedrängt
werden.
Die Landübergabe
zwischen den Generationen kann weit reichende Folgen für
die Lebensmittelproduktion, die gesicherte Versorgung mit Lebensmitteln
und die Entwicklung haben. Das Altern der Bevölkerung könnte
die Art oder die Lebensphase ändern, in der Grund und Boden
von einer Generation auf die andere übergeht. Angesichts
der höheren Lebenserwartung der Familienvorstände
und Landeigentümer gibt es verschiedene mögliche Szenarien.
Da die Eltern länger leben, ziehen die Kinder möglicherweise
in den städtischen Raum. Andererseits kann eine kleinere
Familie bedeuten, dass das Erbe unter weniger Kindern aufgeteilt
werden muss, was die Entscheidung einer Familie für einen
ländlichen und landwirtschaftlichen Lebensstil begünstigen
kann. Wenn mehrere Generationen gleichzeitig leben, arbeiten
auch mehrere Generationen gleichzeitig zusammen.
Man muss
sich der Tatsache bewusst sein, dass ältere Menschen eine
dynamische Rolle bei der Übertragung von Land von einer
Generation auf die andere spielen, ganz besonders in traditionellen
Gesellschaften. Wo Land kommunal genutzt wird, liegt die Entscheidung
nach dem Altersprinzip wahrscheinlich beim Dorfvorsteher und
anderen älteren Mitgliedern der Dorfgemeinschaft. Es wäre
ein Fehler, wenn Entscheidungsträger die Rolle der älteren
Menschen unterschätzen, mit deren Hilfe vielleicht am besten
neue Strategien zur Sicherung der Lebensmittelversorgung und
der sozialen Stabilität entwickelt werden können.
Eine konstruktive Politik der Zusammenarbeit mit älteren
Menschen ist von größter Bedeutung, um sicherzustellen,
dass Landtransfers im Interesse der Landwirtschaft und der zukünftigen
Lebensmittelsicherheit abgewickelt werden.
Politische
Maßnahmen und Entwicklungsstrategien müssen die vielfältigen
Unterschiede zwischen dem Alterungsprozess in den Industriestaaten
und in den Entwicklungsländern berücksichtigen, und
sie sollten konkret auf die unterschiedlichen Verhältnisse
abgestimmt sein. Besonders wichtig ist ferner, dass die politischen
Maßnahmen lokal entwickelt und umgesetzt werden.
Die Ernährung- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten
Nationen (FAO)
Die Ernährungs-
und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen mit Sitz
in Rom hat den Auftrag, die Ernährungslage zu verbessern,
den Lebensstandard zu heben, die landwirtschaftliche Produktivität
zu steigern und der ländlichen Bevölkerung zu besseren
Lebensbedingungen zu verhelfen. Das Altern der Landbevölkerung
zählt zu ihren wichtigsten Themen. Die FAO hat eine Reihe
von Studien über das Altern im ländlichen Raum und
ihre Auswirkungen durchgeführt. Die Artikel finden sich
im Internet unter der Adresse www.fao.org/sd.
Dieser
Artikel wurde anhand von Informationen der Ernährung- und
Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) verfasst.
Für
nähere Informationen wenden Sie sich bitte an:
Ernährung-
und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO)
Marcela Villarreal
E-Mail: marcela.villarreal@fao.org
UNO-Hauptabteilung
Presse und Information
Tel.: (+1-212) 963-0499
E-Mail: mediainfo@un.org
Herausgegeben
von der Hauptabteilung Presse und Information, Vereinte Nationen,
DPI/2264 - März 2002.
Deutsche Übersetzung: Informationsdienst
der Vereinten Nationen (UNIS) Wien.
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