Frage des Alterns



INTERNATIONALES JAHR DER SENIOREN 1999

Logo: Internationales Jahr der Senioren 1999

für eine Gesellschaft aller Altersgruppen

Wir befinden uns mitten in einer stillen Revolution, einer Revolution, die weit über demographische Fragen hinausgeht und bedeutende ökonomische, soziale, kulturelle, psychologische und spirituelle Auswirkungen hat.“

Kofi Annan,
Generalsekretär der Vereinten Nationen

 


Langlebigkeit: eine Revolution - Die Weltbevölkerung - Die Alten werden älter
Die Hundertjährigen - Frauen - Langlebigkeit: Ein Erfolg
Grundsatzerklärung der Vereinten Nationen über ältere Menschen


Langlebigkeit: eine Revolution

Die Weltbevölkerung wird ”lter. Infolge sinkender Fertilität und gestiegener Lebenserwartung, nimmt die Zahl und der Anteil der über Sechzigjährigen in der Bevölkerung zu. Die Revolution der Langlebigkeit, das beispiellose Tempo, mit dem sich die Demographie der WeltBevölkerung ändert, wirkt sich - wie andere große Revolutionen in der Geschichte – auf alle Bereiche unseres Lebens aus.

Um sich den Herausforderungen einer immer älter werdenden Bevölkerung zu stellen, erklärte die UNO-Generalversammlung das Jahr 1999 zum „Internationalen Jahr der Senioren“. Damit sollen das Bewusstsein für die raschen Veränderungen in den demographischen Strukturen älterer Menschen weltweit geschärft, die öffentliche Debatte über diese Fragen angeregt, Forschung und Informationsaustausch unterstützt und Handlungsstrategien gefördert werden.

Die WeltBevölkerung

Nach den Projektionen der Vereinten Nationen hat die WeltBevölkerung Mitte Oktober 1999 die 6-Milliarden-Grenze erreicht. Das Durchschnittsalter der WeltBevölkerung erhöhte sich von 23,5 Jahren (1950) auf 26,1 Jahre (1998). für das Jahr 2050 wird ein Durchschnittsalter von 37,8 Jahren vorausgesagt. Der bisherige pyramidenförmige Aufbau der WeltBevölkerung mit breitem Sockel und sich verjüngender Spitze wandelt sich in eine umgestülpte Pyramide. Die (demographische) Welt steht im wörtlichen Sinne Kopf.

Noch dramatischer wird der Alterungsprozess, wenn man die zunehmende Zahl älterer Menschen betrachtet: Sie wird weltweit von 580 Millionen im Jahr 1998 auf fast zwei Milliarden im Jahr 2050 anwachsen. Diese Veränderung wird in den entwickelteren Regionen der Welt verhältnismäßig undramatisch verlaufen. Dort wird die Zahl der älteren Menschen von 226 Millionen 1998 auf 376 Millionen im Jahr 2050 ansteigen. In den weniger entwickelten Gebieten jedoch wird die Zahl der ¸ber sechzigjährigen Bevölkerung von 354 Millionen im Jahr 1998 auf fast 1,6 Milliarden im Jahr 2050 zunehmen.

Europa wird von dem Alterungsprozess voraussichtlich am meisten betroffen sein. Der Anteil älterer Menschen wird hier von 20% 1998 auf 35% im Jahr 2050 steigen. Jeder Dritte wird dann über 60 Jahre alt sein. Das „älteste“ Land der Welt wird dann Spanien sein: Dort werden auf jeden unter 15jährigen dann 3,6 Menschen über 60 entfallen, gefolgt von Italien mit 3,4 über Sechzigjährigen. Weitere Länder, die vom zunehmenden Alter besonders betroffen werden, sind - in absteigender Reihenfolge - Nordamerika, Ozeanien, Asien, sowie Lateinamerika und die Karibik. Afrika wird der “jüngste“ Kontinent bleiben. Sein Anteil an älteren Menschen betrug 1998 5% der Bevölkerung. Im Jahr 2050 wird Afrika immer noch doppelt so viele Kinder (24%) wie ältere Menschen (12%) haben.

Die Verteilung der WeltBev–lkerung nach Geschlecht und Alter (7566 bytes)

Quelle: Bevölkerungsabteilung der Vereinten Nationen,
Die Verteilung der WeltBevölkerung nach Geschlecht und Alter (1994).

Die Alten werden älter

Die Demographie des Alterns ist unter zwei verschiedenen Gesichtspunkten zu sehen: die demographische Entwicklung der älter werdenden Bevölkerung und die Demographie der alten Bevölkerung. Nicht nur die gesamte Bevölkerung wird älter, auch die alten Menschen selbst werden älter.

Die „ältesten“ – also Menschen, die 80 Jahre und älter sind, machen heute immer noch einen ziemlich kleinen Teil der WeltBevölkerung aus, gerade mal 1,1%; aber dieser Anteil wächst am schnellsten. Während beispielsweise die gesamte Bevölkerung zwischen 1970 und 1998 um 60% zunahm, hat sich die Zahl der über Achtzigjährigen in diesem Zeitraum von 26,7 Millionen auf 66 Millionen mehr als verdoppelt. Im Jahre 2050 soll diese Bevölkerungsgruppe mit rund 331 Millionen mehr als fünfmal größer sein als heute.

Die Anzahl der Neunzigj”hrigen wird mit 57 Millionen fast achtmal höher sein. Die Zahl der Menschen, die 100 Jahre oder ”lter werden, wird am stärksten steigen: 2050 soll ihre Anzahl 16 mal höher liegen als heute und rund 2,2 Millionen betragen.

Die Hundertjährigen

Menschen, die 100 Jahre alt wurden, haben immer viel Aufmerksamkeit erregt, da das Erreichen dieses Alters bisher außergewöhnlich war. 1998 gab es 135.000 Hundertjährige. Im Jahr 2050 wird bereits auf 5000 Menschen ein Hundertjähriger entfallen. Die gr–ßte Anzahl der Hundertjährigen wird im Jahr 2050 mit 472.000 in China erwartet, gefolgt von den Vereinigten Staaten (298.000), Japan (272.000) und Indien (111.000). Anteilsm”þig an der GesamtBev–lkerung wird Japan mit 2,6 je tausend Einwohner die meisten Hundertjährigen haben, darunter 40.000 Männer und 232.000 Frauen.

In Finnland, Italien, Norwegen, Singapur und Schweden wird es auf tausend Einwohner knapp unter zwei Hundertjährige geben.

Frauen

Die älter werdende Bevölkerung hat auch bedeutende Auswirkungen auf das Gleichgewicht der Geschlechter, da ein sehr hoher Anteil der ältesten Menschen Frauen sind. Die Dominanz der Frauen in der älteren Bevölkerung ist ein Phänomen, das auf der ganzen Welt zu beobachten ist, da Frauen länger leben als Männer. 1998 kamen in der Bevölkerungsgruppe der ältesten Menschen 190 Frauen auf 100 Männer. Bei den Achtzigjährigen lag das Verhältnis bei 181 : 100 Männer, bei den Neunzigjährigen 287 : 100 und bei den Hundertjährigen 386 : 100.

Wegen ihrer höheren Lebenserwartung sind die meisten der ältesten Frauen Witwen. Auch die Zahl der über sechzigjährigen Frauen, die ihre Eltern verloren haben, ist weit größer als die vergleichbare Zahl bei Männern.

Im Afrika südlich der Sahara, in den arabischen Staaten Nordafrikas und in Westasien liegt der Bevölkerungsanteil an verwitweten Frauen über 60 am höchsten. In Algerien, Bangladesch, Botswana, Burkina Faso, Burundi, Kamerun, der Elfenbeinküste, Ägypten, Jordanien, Mali, Marokko, Senegal, Tunesien und Simbabwe finden sich mindestens fünfmal so viele verwitwete Frauen als Männern.

Der Anteil der Witwer unter den über sechzigjährigen Männern liegt in den meisten Ländern allgemein unter einem fünftel, in China gerade unter einem Viertel. Im Gegensatz dazu sind 40 bis 60% der über sechzigjährigen Frauen Witwen. In Lateinamerika und einigen europäischen Ländern liegt dieser Anteil zwischen 30-40%.

Sowohl in den Industriestaaten als auch in den Entwicklungsländern geben ältere Männer ungefähr viermal häufiger an, mit ihrem Ehepartner zusammenzuleben und von ihnen unterstützt zu werden, als umgekehrt.

Da die älteren Teile der Bevölkerung, vor allem die über Achtzigjährigen überwiegend weiblich sind, finden sich unter den ärmsten und unter den Analphabeten auch häufiger Frauen als Männer.

Langlebigkeit: Ein Erfolg

Der Untergeneralsekretär der Vereinten Nationen für wirtschaftliche und soziale Angelegenheiten, Nitin Desai, hat in seiner Erklärung zu Beginn des Internationalen Jahres der Senioren am 1.Oktober 1998 darauf verwiesen, dass Langlebigkeit ein Erfolg und die Erfüllung eines großen Menschheitstraums ist. „Der Umstand, dass sich dieser Traum erfüllt hat, darf nicht zum Problem werden, er ist eine große Errungenschaft!“

 

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Grundsatzerklärung der Vereinten Nationen über ältere Menschen

Die UNO-Generalversammlung hat am 16. Dezember 1991 eine Grundsatzerklärung über ältere Menschen verabschiedet, die u.a. folgende Prinzipen enthält:

ältere Menschen sollen

  • durch eigenes Einkommen, durch Unterstützung ihrer Familie und der Gemeinschaft sowie durch Selbsthilfe ausreichend Nahrung, Wasser, Wohnraum, Kleidung und Gesundheitsversorgung haben;
  • die möglichkeit haben, zu arbeiten oder Zugang zu sonstigen Verdienstmöglichkeiten zu haben;
  • mitentscheiden k–nnen, wann und wie rasch sie sich aus dem Arbeitsleben zurückziehen;
  • Zugang zu angemessenen Bildungs- und Ausbildungsprogrammen haben;
  • so lange wie möglich zu Hause leben können;
  • in die Gesellschaft integriert bleiben, aktiv an der Erarbeitung und Umsetzung der Politik teilnehmen, die sich unmittelbar auf ihr Wohl auswirkt, und ihr Wissen an die jüngere Generation weitergeben;
  • die möglichkeit zu einer gemeinnützigen Betätigung haben;
  • Bewegungen oder Vereinigungen älterer Menschen gründen können;
  • in übereinstimmung mit den kulturellen Werten der Gesellschaft die fürsorge und den Schutz der Familie und der Gemeinschaft genießen;
  • eine geeignete Anstaltspflege in Anspruch nehmen können, die ihnen Schutz und Rehabilitation sowie soziale und geistige Anregung bietet, dort den Schutz ihrer Menschenrechte genießen können unter Achtung ihrer Würde, ihrer Anschauungen, Bedürfnisse und ihrer Privatsphäre;
  • die möglichkeit zu ihrer persönlichen Entfaltung voll ausschöpfen können;
  • in Würde und Sicherheit, frei von Ausbeutung, körperlicher oder seelischer Misshandlung leben können.

 

Herausgegeben vom Informationszentrum der Vereinten Nationen in Bonn, Oktober 1999.
Weitere Informationen zum Internationalen Jahr der Senioren finden Sie im Internet unter: http://www.un.org/esa/socdev/iyop  


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