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Wer entscheidet über die Entsendung einer UNO-Friedenstruppe und wer übernimmt die Verantwortung vor Ort?
 

Normalerweise entscheidet der UNO-Sicherheitsrat über den Beginn eines Friedenssicherungseinsatzes. Er erteilt ein Mandat – das heißt, er legt die Aufgaben der Mission fest. Um einen neuen Friedenseinsatz einzurichten, das Mandat oder den Umfang einer bestehenden Mission zu ändern, müssen neun der 15 Mitglieder des Sicherheitsrats zustimmen.
Wenn allerdings eines der ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats – China, Frankreich, die Russische Föderation, die USA oder das Vereinigte Königreich mit Nein stimmt, wird der Vorschlag nicht angenommen.

Die UNO-Hauptabteilung Friedenssicherungsseinsätze (DPKO) leitet und verwaltet die Einsätze im Namen des UNO-Generalsekretärs, der dem Sicherheitsrat Bericht erstattet. Die meisten Einsätze werden von einem Sonderbeauftragten des Generalsekretärs geführt. DPKO unterstützt den Generalsekretär bei der Formulierung von Strategien und Vorgehensweisen bei der Friedenssicherung, bei Empfehlungen für die Einrichtung neuer Missionen und beim Management der laufenden Einsätze. Die Abteilung unterstützt auch mehrere politische Missionen, wie in Afghanistan, Timor-Leste und Sierra Leone.

Ranghohe Militäroffiziere, Stabsoffiziere und militärische Beobachter, die im Rahmen von Friedenseinsätzen tätig werden, sind unmittelbar bei den Vereinten Nationen angestellt. Normalerweise werden sie dafür von ihrer jeweiligen nationalen Armee freigestellt. Die Friedenstruppen, allgemein als Blauhelme bekannt, nehmen an Einsätzen unter Bedingungen teil, die mit ihren Regierungen sorgfältig verhandelt wurden und bleiben unter der umfassenden Befehlsgewalt ihrer Regierungen, während sie unter dem operativen Kommando der UNO stehen. Das Recht, die Friedenssoldaten einzusetzen, ebenso wie die Verantwortung für die Besoldung sowie disziplinarische und personelle Angelegenheiten, verbleiben bei der Regierung, die diese Truppen freiwillig zur Verfügung gestellt hat.

Polizeikräfte werden ebenfalls von den Mitgliedsstaaten gestellt und dienen auf derselben Basis wie Militärbeobachter, das heißt als „entsandte Sachverständige“, die von den Vereinten Nationen besoldet werden.

Der Sicherheitsrat kann auch andere Institutionen beauftragen, einen Friedenssicherungseinsatz durchzuführen. Nachdem im Jahr 1999 die Bombardierung des Kosovos durch die NATO beendet worden war, autorisierte der Sicherheitsrat die NATO, den Frieden im Kosovo mit der sogenannten Kosovo-Truppe (KFOR) zu sichern. Gleichzeitig wurde die UNO-Übergangsverwaltung im Kosovo (UNMIK) eingerichtet – eine UNO-Friedenssicherungsmission –, die damit beauftragt wurde, das Gebiet zu verwalten, Recht und Gesetz zu gewährleisten und demokratische Institutionen zur Selbstverwaltung zu schaffen. Im selben Jahr beauftragte der Sicherheitsrat eine internationale Truppe unter Führung Australiens, die Sicherheit in Ost-Timor wieder herzustellen. Diese Streitkräfte wurden ein Jahr später durch UNO-Friedenstruppen abgelöst. 2001 beauftragte der Sicherheitsrat eine internationale Koalition – die Internationale Sicherheitsbeistandstruppe (ISAF) – eine Militärpräsenz in Afghanistan einzurichten. Parallel wurde eine politische Mission der UNO eingerichtet, die die Übergangsregierung unterstützte. Im Oktober 2003 bevollmächtigte der Sicherheitsrat eine von den USA angeführte internationale Truppe, Sicherheit und Stabilität im Irak zu erhalten. Im Jahr 2004 forderte der Sicherheitsrat die Afrikanische Union auf, die Situation im sudanesischen Darfur zu überwachen, während der Frieden auf dem Verhandlungsweg gesucht wurde.