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Wo liegen die gegenwärtigen Herausforderungen für erfolgreiche Friedenssicherung?
 

Die Herausforderungen, denen die Friedenssicherung der Vereinten Nationen zur Zeit gegenüber steht, sind gewaltig. In den vergangenen Jahren hat die internationale Gemeinschaft eine zunehmende Nachfrage nach Friedensmissionen der Vereinten Nationen erlebt. Neue komplexe und mehrdimensionale Einsätze, umfangreiche Entsendungen von militärischem und zivilem Personal und die Anschuldigungen von sexueller Ausbeutung und Missbrauch durch Friedenssoldaten der UNO haben die Vereinten Nationen gefordert wie noch nie zuvor. Doch die steigende Nachfrage hat auch deutlich gezeigt, dass Länder, in denen gerade ein Konflikt beendet wurde, die Hilfe der Vereinten Nationen benötigen. Darin spiegelt sich das Vertrauen der Mitgliedsstaaten in die Friedenssicherung der UNO als geeignetes Instrument zur Bewältigung dieser schwierigen Aufgaben wider.

Die Vereinten Nationen bieten weiter Unterstützung bei der Stabilisierung brüchiger Friedensvereinbarungen und helfen bei politischen Übergangsprozessen. Allein im Jahr 2005 hat die UNO die Organisation von Wahlen in vier Ländern nach Beendigung von Konflikten unterstützt: In Afghanistan, Burundi, Haiti und Liberia. Für die Wahlen im Irak wurde technisches Wissen zur Verfügung gestellt. Die Wahlen im Juli und September 2006 in der Demokratischen Republik Kongo waren die größten, die die UNO je unterstützt hat. Im Kongo unterhalten die Vereinten Nationen zur Zeit auch ihre größte Friedensmission.

Die Vereinten Nationen haben auf sich abzeichnende komplexe Situationen in Côte d’Ivoire, Burundi, Georgien, im Nahen Osten, im Kosovo und im Sudan reagiert. Robuste und auf neue Entwicklungen reagierende Friedensmissionen wurden zum Beispiel im östlichen Kongo und in Stadtteilen von Port-au-Prince auf Haiti durchgeführt. Im Jahr 2005 hat die UNO ihre Friedenssicherungseinsätze in Sierra Leone und Timor-Leste abgeschlossen und in der Folge Missionen zur Friedenskonsolidierung eingerichtet, um diesen Ländern beim Übergang zu langfristiger Stabilität und Frieden zu helfen.

Im Februar 2007 leitete DPKO 18 Friedenssicherungseinsätze auf der ganzen Welt (darunter 15 Friedenssicherungseinsätze und drei politische Missionen) mit 101.682 Militär-, Polizei- und Zivilkräften. Dies bedeutet einen fast siebenfachen Zuwachs des Personals vor Ort seit dem Jahr 1998. Allein gegenüber Dezember 2005 ist die Gesamtstärke des eingesetzten Personals um rund 30.000 gestiegen. Nach den USA sind für die Vereinten Nationen die umfangreichsten Streitkräfte im weltweiten Einsatz.

Diese Missionen haben mehr als 200 Millionen Männern, Frauen und Kindern direkt geholfen, deren Leben durch den Krieg zerstört worden war. Die UNO unterstützt durch ihre Hauptabteilung für Politische Angelegenheiten weltweit noch neun weitere politische oder friedenskonsolidierende Missionen.

Auch wenn die Vereinten Nationen als Resultat des Brahimi-Prozesses ihre Leistungsfähigkeit bei der Betreuung von Einsätzen und der Planung weiter verbessert hat, hat die neue und rasch zunehmende Beanspruchung der Friedenssicherungskapazitäten die UNO auf eine Probe gestellt wie nie zuvor. Umfangreiche zusätzliche Ressourcen und eine neue Sichtweise, wie die Vereinten Nationen ihre Friedenseinsätze ausführen, sind erforderlich geworden.

Die Lage hat sich durch die Tatsache erschwert, dass mehrere der größten Militär- und Wirtschaftsmächte der Welt entweder bereits stark beansprucht sind – hauptsächlich im Irak und in Afghanistan – oder sich aus anderen Gründen – beispielsweise aufgrund eines gekürzten Verteidigungshaushalts – entschlossen haben, sich nicht mit Truppen an der UNO-Friedenssicherung zu beteiligen. Acht der zehn Nationen, die die meisten Truppen stellen, sind Entwicklungsländer mit begrenzten Ressourcen.