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Funktioniert die Friedenssicherung der UNO?
 

Verglichen mit den Kosten eines Konflikts, dem Verlust an Menschenleben und wirtschaftlicher Verwüstung sind Friedenssicherungseinsätze der Vereinten Nationen sowohl erfolgreich als auch kosteneffektiv. Als Zukunftsinvestition haben UNO-geführte Friedenssicherungseinsätze – im Gegensatz zu denen von Ad-hoc-Koalitionen – den klaren Vorteil ihres eingebauten Mechanismus zur globalen Aufteilung der finanziellen, materiellen und personellen Kosten, wie Paul Collier und Anke Hoeffler von der Oxford University herausgefunden haben. (1)

Historiker haben eine stark gegenläufige Wechselbeziehung zwischen Friedenssicherungseinsätzen und Kriegsverlusten verzeichnet. Das bedeutet, dass bei erhöhten Bemühungen zur Friedenssicherung die Zahl der Kriegsopfer zurückgeht, wie zwei Studien des UBC Human Security Centre (2) und der Rand Corporation (3) unabhängig voneinander feststellten.

Die Rand Corporation hat acht abgeschlossene UNO-Friedenssicherungseinsätze untersucht: in Belgisch-Kongo, Namibia, El Salvador, Kambodscha, Mosambik, Ost-Slawonien, Sierra Leone und Ost-Timor. Die Studie kam zu dem Schluss, dass zwei Drittel der Missionen „erfolgreich“ waren. Sie stellte auch fest, dass die UNO die am besten geeigneten institutionellen Rahmenbedingungen bietet, vor allem für die großen und anspruchsvollen Einsätze zur Nationenbildung. Dies wird erreicht durch die vergleichsweise kostengünstige Struktur der UNO, ihre hohe Erfolgsrate und ihren hohen Grad an internationaler Legitimität.

Laut dieser Studie ist die Friedenssicherung der Vereinten Nationen ein hocheffizientes Mittel, um Gesellschaften nach einem Konflikt zurück auf den Weg zu dauerhaftem Frieden und demokratischer Regierungsführung zu leiten. Es ist auch die wirksamste Art internationaler Intervention, die bislang entwickelt wurde. Alternativen zur UNO auf diesem Gebiet sind entweder erheblich teurer oder sehr viel leistungsschwächer.

Eine Studie des Rechnungsamtes der US-Regierung hat gezeigt, dass es die USA etwa doppelt so viel wie die UNO kosten würde, einen Friedenssicherungseinsatz wie beispielsweise die Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Haiti (MINUSTAH) durchzuführen. Das würde für die ersten 14 Monate der Mission eine Summe von 876 Millionen US-Dollar bedeuten, im Vergleich zu 428 Millionen US-Dollar, die die UNO veranschlagte.(4)  Die Studie nennt als weitere Vorteile der UNO-Friedenssicherung ihre Multinationalität, die Unparteilichkeit und Legitimität garantiert, Personal mit Erfahrung im Friedensaufbau nach Beendigung eines Konflikts und ihre Struktur zur Koordination internationaler Hilfe.


(1)   Paul Collier und Anke Hoeffler, “The Challenge of Reducing the Global Incidence of Civil War”, Centre for the Study of African Economies, Department of Economics, Oxford University, März 2004.
(2)   Human Security Report 2005, “War and Peace in the 21st Century”, Human Security Centre, University of British Columbia, Canada, 2005.
(3)  James Dobbins et al, “The UN’s Role in Nation-Building: from the Congo to Iraq”, Rand Publications, 2005.
(4)  “Peacekeeping: Cost Comparison of Actual UN and Hypothetical US Operations in Haiti”, United States Government Accountability Office, Report to the Subcommittee on Oversight and Investigations, Committee on International Relations, House of Representatives, GAO-06-331, Februar 2006.