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Der
folgende Bericht gibt nicht die offizielle Version der Vereinten
Nationen sondern subjektive Eindrücke von MUN-Teilnehmern
wieder.
Erlebnisbericht:
Die Harvard World Model United
Nations-Konferenzen 1999, 2000 und 2001
Von Karla Kyi
Als
Studentin des Instituts für Politische Wissenschaft der
Universität Hannover habe ich am Harvard WorldMUN 1999
in Cambridge/UK, 2000 in Athen und 2001 in Istanbul teilgenommen.
Rückblickend betrachte ich die Teilnahme als interessante
und wertvolle Erfahrung.
Sie ist
eine einzigartige Möglichkeit, mit interessierten Studierenden
aus aller Welt zusammenzukommen und über internationale
Themen zu diskutieren. Da die Teilnehmer aus zahlreichen Ländern
wie den USA, Kamerun oder Taiwan anreisten, hatten die Veranstaltungen
stets ein internationales Flair.
Die Konferenz
gibt Anlass, sich mit Ländern zu beschäftigen, die
im Studium nicht in gleicher Ausführlichkeit behandelt
werden. Die Delegation der Universität Hannover hat auf
den drei MUN-Konferenzen jeweils Mexiko, Deutschland und Indien
vertreten. Zur Vorbereitung auf die Rollen als indische Delegierte
besuchten wir das indische Generalkonsulat in Hamburg, wo wir
mit echten Diplomaten über die Vereinten Nationen
und die indische Außenpolitik diskutierten.
Insgesamt
kann ich sagen, dass Model United Nations eine lohnende Erfahrung
war. Durch die gemeinsame Vorbereitung, die Reise und zahlreiche
Nachbereitungstreffen entwickelte die Delegation ein Zusammengehörigkeitsgefühl
wie es im Universitätsalltag kaum verbreitet ist.
Engagement
der Teilnehmer
Die Qualität
der Konferenz-Simulation kann sehr unterschiedlich ausfallen.
Einfluss auf den Erfolg, die Realitätsnähe der Diskussionen
und die Motivation der Beteiligten hat zunächst der Kenntnisstand
und das Interesse der Delegierten. Ungenügend vorbereiteten
Teilnehmern fehlt das Wissen, um das Land angemessen zu vertreten.
Dies ist besonders ungünstig für den Verlauf der Veranstaltung,
wenn es sich um zentrale Akteure handelt.
Ebenso wirkt
es sich negativ aus, wenn wichtige Akteure nicht zur Sitzung
des Ausschusses erscheinen. Dies habe ich bei der Model UN Konferenz
im Jahr 2000 erlebt, wo die syrische Delegation der letzten
Sitzung fernblieb, bei der das beim simulierten Nahostgipfel
erzielte Friedensabkommen unterzeichnet werden sollte.
Folglich konnten wir unsere Sitzung nicht fortsetzen, bis eine
syrische Ersatzdelegierte gefunden wurde.
Von zentraler
Bedeutung ist auch die Geschicklichkeit der Vorsitzenden, die
die Sitzungen leiten. Engagierte Diskussionsleiter verstehen
es, die Teilnehmer zu aktiver Beteiligung zu animieren. Andere
unterbrechen die Redebeiträge der Delegierten mitten im
Satz, sekundengenau nach Ablauf der vereinbarten Redezeit. Weitere
kennen die Verfahrensregeln nicht und sind auf den Rat der Delegierten
angewiesen.
Ausstattung
Auch der
organisatorische Rahmen der Veranstaltung wirkt sich auf die
Qualität aus. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die
Räumlichkeiten einen Einfluss darauf haben, ob die Simulation
von den Teilnehmern als realistisch empfunden werden oder nicht.
Dies war
besonders deutlich im Vergleich der Konferenzen in Athen und
Istanbul, die beide in großen Hotels stattfanden. Während
die Räumlichkeiten in Athen eine ernsthafte Arbeitsatmosphäre
vermittelten, wurden die Ausschusssitzungen in Istanbul teilweise
in zuvor ausgeräumten Suiten und Bars abgehalten. Delegierte
verschwanden hinter Säulen, Blickkontakte waren eingeschränkt
und die Akustik schlecht. Zum Schreiben musste man sich auf
den Boden setzen.
Ein anderes
Problem bei allen drei Konferenzen war der Mangel an Computern,
an denen Resolutionsentwürfe verfasst werden. Das hatte
zur Folge, dass Teilnehmer, die mit einem Laptop zu den Sitzungen
erschienen sind, automatisch im Mittelpunkt des Geschehens standen
und - ohne sich inhaltlich einbringen zu müssen - die heimlichen
Superstars wurden. Um die Chancengleichheit aller Teilnehmer
wiederherzustellen, haben einige Vorsitzende die Nutzung von
Laptops in ihren Ausschüssen verboten. Das eigentliche
Problem wurde dadurch aber nicht gelöst.
Verleihung
von Preisen
Die Verleihung
von Preisen zum Abschluss der Konferenz führt zu einer
weiteren Einschränkung der Realitätsnähe der
Simulation. Ich habe beobachtet, dass nicht authentisches, der
Politik des Staates entsprechendes Handeln, sondern auffälliges
Handeln belohnt wird. Dies führt teils zu absurden Situationen
wie das Streben des Vertreters Neuseelands, stets auf die Rednerliste
gesetzt zu werden, obwohl Neuseeland inhaltlich kaum etwas zum
Thema beizutragen hat. Ich habe auch erlebt, wie eine ganze
Gruppe Delegierter dem Plenum einen Resolutionsentwurf vorstellt,
wobei jeder darauf bedacht ist, wenigstens einen Absatz vorzulesen,
um zu zeigen, dass man an der Erstellung beteiligt war.
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