Die
LDCs
Die Zahl der LDCs hat sich seit 1971, als diese Länderkategorie von den Vereinten Nationen geschaffen wurde, von 25 auf 49 praktisch verdoppelt. Zu den Kriterien für die Zugehörigkeit zur Gruppe der am wenigsten entwickelten Länder zählen: ein geringes Volkseinkommen (ein Bruttosozialprodukt pro Kopf von weniger als US$ 900), ein geringer Entwicklungsstand des Humankapitals (nach einem Index aus Gesundheits-, Ernährungs- und Bildungsdaten) und wirtschaftliche Anfälligkeit (gemessen an Indikatoren der wirtschaftlichen Instabilität, der unzureichenden Diversifikation und dem Nachteil der geringen Landesgröße). Außerdem darf die Bevölkerungszahl dieser Länder 75 Millionen Einwohner nicht übersteigen.
Einige
alarmierende Statistiken
Die
Konferenz Zur Vorbereitung der Konferenz gab es u.a. Treffen über die Rolle des Privatsektors beim Ausbau der Produktionskapazitäten (29./30. Januar, Oslo) sowie bei der Finanzierung der Infrastruktur (12./13. März, Bonn), über das Integrierte Rahmenwerk handelsbezogener technischer Hilfe für die LDCs (29.-31. Januar, Genf), über Energiefragen (14.-16. März, Wien), über die stärkere Einbindung der Frauen in die Entwicklungsstrategien (21.-23. März, Kapstadt), über die Diversifikation von Rohstoffprodukten (22./23. März, Genf), über Bildungsfragen (23./24. März, Washington) sowie über Fremdenverkehr (26.-29. März, Las Palmas). Ein hochrangiger Expertenausschuss hat die Umsetzung der Empfehlungen der ersten beiden UNO-Konferenzen über die am wenigsten entwickelten Länder untersucht. Die Brüsseler Konferenz soll ein neues Globales Aktionsprogramm verabschieden, über das in einem Plenarausschuss der Konferenz verhandelt wird. Thematische Sitzungen werden sich mit den vordringlichsten Problemen der LDCs auseinandersetzen. Dazu sollen konkrete Initiativen von den jeweils zuständigen UNO-Sonderorganisationen vorgelegt werden. Parallel zur Konferenz finden Veranstaltungen verschiedener Sektoren der Zivilgesellschaft - Bürgermeister, Parlamentarier und Privatwirtschaft - sowie ein Forum der Nichtregierungsorganisationen statt. Die bei der Generaldebatte abgegebenen Erklärungen des Generalsekretärs der Vereinten Nationen, der Staats- und Regierungschefs und der Minister werden live im Internet übertragen.
Die Themen DIE FORDERUNG NACH EINEM GLOBALEN NEW DEAL Das geringe Volkseinkommen in den LDCs erschwert die Aufbringung finanzieller Mittel. Unzureichende Investitionen und häufige wirtschaftliche Erschütterungen von außen hemmen das Wachstum. Ohne ausländische Finanzhilfe - ob öffentliche Mittel in Form von Darlehen oder Zuschüssen bilateraler und multilateraler Organisationen, oder private Mittel - können sich diese Länder nicht entwickeln. Die anhaltende Auslandsverschuldung ist für viele LDCs nicht mehr tragbar. Gleichzeitig sinkt die öffentliche Entwicklungshilfe und der Ausfall dieser Mittel wird auch durch die zunehmenden Privatkapitalzuflüsse nicht ausgeglichen. Ohne grundlegende Änderungen in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit kann es für die LDCs keinen wirtschaftlichen Neuanfang geben. Der Internationale Währungsfonds und die Weltbank sind dabei, wichtige Hilfsprogramme verstärkt auf Armutsbekämpfung und Linderung der Schuldenlast besonders schwer verschuldeter Länder auszurichten. Die OECD hat Vorschläge zur Verbesserung der Zusammenarbeit durch neue Formen der Partnerschaft vorgelegt. Die Brüsseler Konferenz soll konkrete Kooperationsmechanismen für einen globalen New Deal schaffen, wie ihn UNO-Generalsekretär Kofi Annan gefordert hat. Damit soll die Produktionskapazität und Wettbewerbsfähigkeit der LDCs gestärkt und gleichzeitig der Zustrom von Privatkapital gefördert werden. GUTE REGIERUNGSFORM Rechtsstaatlichkeit, demokratische Institutionen und transparente politische Verfahren, Toleranz gegenüber Minderheiten und Oppositionsgruppen, sowie eine freie Presse werden ebenso wie Frieden und Stabilität immer mehr als unverzichtbare Vorbedingungen für eine nachhaltige Entwicklung erkannt. In vielen LDCs stehen dieser Forderung aber noch häufig finanzielle und administrative Unzulänglichkeiten, Korruption, übertriebene Verteidigungsausgaben oder gewaltsame Konflikte entgegen. Die Unabhängigkeit von Regierung, Justiz und Gesetzgebung, die Dezentralisierung der Entscheidungsfindung, die verstärkte Einbindung der Zivilgesellschaft, die Transparenz der öffentlichen Ausgaben und ein besseres makroökonomisches Management sollen dabei besonders gefördert werden.
GESUNDHEIT Die überwiegende Mehrheit der Menschen in den LDCs hat keinen Zugang zu einer erschwinglichen Gesundheitsfürsorge. Aids, Malaria, Tuberkulose, Lungenentzündung und Durchfallerkrankungen bedrohen große Teile der Bevölkerung. Die durchschnittlichen Gesundheitsausgaben pro Kopf belaufen sich auf US$ 16 oder weniger. Die Konferenz will sich um kostengünstige Lösungen für angemessene Gesundheitsdienste bemühen. BILDUNG Nur 2% des Bruttosozialproduktes wurde 1997 in den LDCs für die Bildung aufgewendet. Der Entwicklung des Humankapitals soll mehr Bedeutung beigemessen werden. Die Analphabetenrate von derzeit 50% muss gesenkt werden. Dies will man mit der Umsetzung der Forderung nach Grundschulbildung für alle Kinder bis zum Jahr 2015 erreichen. LANDWIRTSCHAFT Die Welt produziert genügend Lebensmittel, um alle Menschen ausreichend zu ernähren. Und doch verhungern immer noch Menschen und 800 Millionen sind unterernährt. Der Teufelskreis von Armut und unzureichender Ernährung muss durch eine Ankurbelung der Nahrungsmittelproduktion, stärkere landwirtschaftliche Diversifikation und Schaffung von Arbeitsplätzen in ländlichen Gebieten durchbrochen werden. Die Konferenz in Brüssel will neue Wege dazu aufzeigen. ENERGIE Der häufige Zusammenbruch der Stromversorgung in den LDCs hat schwerwiegende Auswirkungen auf das tägliche Leben und die Wirtschaft. Einige LDCs müssen für die Einfuhr von Brennstoffen mehr als die Hälfte ihrer Exporterlöse aufwenden. Energieminister, Erdölunternehmen, Elektrizitätsverbände, sowie Finanz- und Forschungsinstitutionen wollen in Brüssel über besseren Zugang zur Energie, internationale Zusammenarbeit im Energiehandel, die nutzbringendere Erschließung von Erdölvorkommen und den Einsatz sauberer Energiequellen beraten. INFRASTRUKTUR In den LDCs fehlen viele Infrastruktureinrichtungen, die für eine moderne Wirtschaft unabdingbar sind: Straßen und Eisenbahnverbindungen, Häfen und Flughäfen, oder Telekommunikation. Jeder dritte Einwohner der LDCs verfügt über keine ausreichende Abwasserentsorgung. Auf je 1.000 Einwohner entfallen gerade vier Telefone. TRANSPORT Ein großer Teil des Straßennetzes, das die ländlichen Gebiete mit den urbanen Zentren und Häfen verbindet, ist häufig unpassierbar. Es fehlen Kühlwägen und Containerfahrzeuge. In Partnerschaft mit regionalen Banken und Privatinvestoren muss der Transportsektor in den LDCs verbessert werden. INVESTITIONEN Der Anteil der LDCs an den ausländischen Direktinvestitionen liegt unter 1%. Viele LDCs sind reich an Naturvorkommen und verfügen über zahlreiche Arbeitskräfte, aber dieses Potenzial kann oft aufgrund fehlender Finanzmittel nicht genutzt werden. Die Brüsseler Konferenz soll darüber beraten, wie den Schwierigkeiten und Risiken von Investitionen begegnet und der Mangel an Informationen über Investitionschancen behoben werden kann. UNTERNEHMENSGRÜNDUNG Unzählige Hindernisse stehen Frauen in den LDCs im Wege, die einen eigenen Betrieb aufmachen wollen. Der Zugang zu Landerwerb, Ausbildung und Bankkrediten ist ihnen oft verwehrt. Im Gespräch mit Jungunternehmern aus den Industriestaaten sollen neue Wege und Partnerschaften für Unternehmensgründungen, vor allem durch Frauen, aufgezeigt werden. HANDEL Ein Zehntel der Weltbevölkerung lebt in den LDCs, aber ihr Anteil am Welthandel liegt unter einem halben Prozent. Die Zahl ihrer Exportgüter ist beschränkt. Meistens sind es nur Rohstoffe, die starken Preisschwankungen auf dem Weltmarkt ausgesetzt sind. Mit dem schärfer werdenden Wettbewerb durch Globalisierung und Liberalisierung können sie kaum mehr Schritt halten. Die wichtigste Forderung aber ist die vollständige und dauerhafte Beseitigung aller Handelsschranken gegenüber ihren Exportprodukten. Auch die Entwicklung des Dienstleistungssektors, wie etwa des Fremdenverkehrs, soll in Brüssel angesprochen werden. DIGITALE WIRTSCHAFT In der Stadt New York haben mehr Menschen Zugang zum Internet als in ganz Afrika südlich der Sahara. Aber die Lage ändert sich rasch. Unternehmen in den LDCs können dank der digitalen Kommunikationstechnologie neue Dienstleistungen zu kompetitiven Preisen anbieten. Die Rolle des E-Commerce für die wirtschaftliche Diversifikation und das Wirtschaftswachstum in den LDCs soll in Brüssel mit Wirtschaftsvertretern und potenziellen Partnern erörtert werden. MUSIK Viele Talente bleiben in den LDCs unentdeckt, weil ihnen Mittel und Kenntnisse über den sehr komplexen Musikmarkt fehlen, der viel Technik erfordert und von einer Handvoll internationaler Megaunternehmen beherrscht wird. Die wirtschaftlichen Vorteile der Musikindustrie und Wege zur internationalen Vermarktung lokaler Produktionen als wichtiger Exportartikel sollen ihren Platz in den Entwicklungsstrategien finden. ZIVILGESELLSCHAFT Rund 300 Bürgermeister wollen in Brüssel (15./16. Mai) Städtepartnerschaften zur Förderung der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung und zur Linderung der Armut in den Städten der LDCs erörtern. Mit den besten Wegen zur Bekämpfung der Armut, für den Aufbau von Kapazitäten und die Stärkung der Rolle der Frau in der Entwicklung wird sich ein Runder Tisch mit Parlamentariern (14. Mai) befassen. Mehrere hundert Nichtregierungsorganisationen werden an Expertenarbeitskreisen, öffentlichen Debatten und anderen Treffen im Rahmen des NGO-Forums (10. - 20. Mai) teilnehmen und sich vor allem für die Aufnahme überprüfbarer Messdaten in das Globale Aktionsprogramm einsetzen.
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