Am wenigsten entwickelte Länder
 
LDC Logo

Dritte Konferenz der Vereinten Nationen über die
am wenigsten entwickelten Länder (LDCs)

LDC-III
Gastgeber: Europäische Union

14.-20. Mai 2001
Europäisches Parlament

Brüssel, Belgien

bar


1997 hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen beschlossen, die Dritte Konferenz der Vereinten Nationen über die am wenigsten entwickelten Länder (LDCs) einzuberufen, um sich mit der anhaltenden sozio-ökonomischen Unterentwicklung dieser Staaten und ihrer fortschreitenden Marginalisierung in der Weltwirtschaft und im Welthandel zu befassen. Die Konferenz wird auf Einladung der Europäischen Union vom 14. - 20. Mai 2001 in Brüssel stattfinden.

Die LDCs…

… sind eine Kategorie von Entwicklungsländern, die von den Vereinten Nationen als besonders benachteiligt eingestuft werden. Ein Zehntel der Weltbevölkerung lebt in diesen Ländern. Ihre besonderen Kennzeichen sind die tiefe Armut ihrer Bevölkerung, die Schwäche ihres Humankapitals und die Anfälligkeit ihrer Wirtschaft gegenüber Erschütterungen von außen. Mehr als die Hälfte der 49 Länder, die heute zur Gruppe der LDCs gehören, sind überdies Binnenstaaten oder entlegene kleine Inselstaaten, die schon aufgrund ihrer geografischen Lage mit besonderen Entwicklungsproblemen zu kämpfen haben.

Die Zahl der LDCs hat sich seit 1971, als diese Länderkategorie von den Vereinten Nationen geschaffen wurde, von 25 auf 49 praktisch verdoppelt. Zu den Kriterien für die Zugehörigkeit zur Gruppe der am wenigsten entwickelten Länder zählen: ein geringes Volkseinkommen (ein Bruttosozialprodukt pro Kopf von weniger als US$ 900), ein geringer Entwicklungsstand des Humankapitals (nach einem Index aus Gesundheits-, Ernährungs- und Bildungsdaten) und wirtschaftliche Anfälligkeit (gemessen an Indikatoren der wirtschaftlichen Instabilität, der unzureichenden Diversifikation und dem Nachteil der geringen Landesgröße). Außerdem darf die Bevölkerungszahl dieser Länder 75 Millionen Einwohner nicht übersteigen.


„600 Millionen Menschen müssen täglich gegen bitterste Armut kämpfen. Sie werden zunehmend von der Globalisierung und ihrem vielfältigen Nutzen ausgeschlossen. Wenn wir zulassen, dass diese Situation anhält, dann wird das schwerwiegende Folgen haben - für die betroffenen Länder, wie für den Rest der Welt. Denn ohne Zweifel werden wir alle von diesen Folgen betroffen und müssen daher alle etwas dagegen unternehmen…. Bei der Zukunft der Ärmsten der Armen geht es um nichts weniger als um das Wohlergehen der gesamten Menschheit.“
Kofi Annan
UNO-Generalsekretär Kofi Annan

 

Einige alarmierende Statistiken

  • Mehr als die Hälfte der Bevölkerung in den LDCs muss mit weniger als einem Dollar pro Tag ihr Leben fristen. Das durchschnittliche Bruttosozialprodukt pro Kopf betrug 1997 in diesen Ländern US$ 235; in den Entwicklungsländern insgesamt waren es US$ 1.205 und in den Industriestaaten US$ 24.522.
  • Die durchschnittliche Lebenserwartung in den LDCs liegt bei nur 51 Jahren; in den Entwicklungsländern insgesamt sind es 65 Jahre, in den Industriestaaten 78 Jahre.
  • 43% der Bevölkerung in den LDCs haben keinen Zugang zu gesundem Trinkwasser.
  • Nur bei jeder vierten Geburt waren in den LDCs in den 90er Jahren ausgebildete Hebammen oder Ärzte anwesend. Jedes zehnte Kind in den LDCs stirbt, bevor es das erste Lebensjahr vollendet hat und fast 40% aller Kinder unter fünf Jahren in den LDCs haben Untergewicht oder leiden an Wachstumsstörungen.
  • Die Hälfte aller Erwachsenen in den LDCs kann weder lesen noch schreiben. Die Gesundheits- und Bildungseinrichtungen in den LDCs werden durch ein Bevölkerungswachstum von jährlich 2,2% belastet - das ist doppelt so viel wie die Zunahme der gesamten Weltbevölkerung.
  • Fast zwei Drittel der LDCs werden von der Weltbank zu den hochverschuldeten armen Ländern gerechnet. Der Anteil der LDCs an den Weltexporten liegt gerade einmal bei 0,5%. Ihr Anteil an den Exporten und Importen aller Entwicklungsländer ist drastisch gefallen (und halbierte sich praktisch zwischen 1980 und 1997). Ihr Anteil an den Finanzzuflüssen, einschließlich der öffentlichen Entwicklungshilfe, und ausländischen Investitionen ist von 23% im Jahre 1985 auf 8% im Jahr 1997 gesunken.
Karte

 

Die Konferenz

Die LDC-III Konferenz findet im Gebäude des Europäischen Parlaments in Brüssel statt. Als Generalsekretär der Konferenz fungiert der Generalsekretär der Handels- und Entwicklungskonferenz der Vereinten Nationen (UNCTAD), Rubens Ricupero.

Zur Vorbereitung der Konferenz gab es u.a. Treffen über die Rolle des Privatsektors beim Ausbau der Produktionskapazitäten (29./30. Januar, Oslo) sowie bei der Finanzierung der Infrastruktur (12./13. März, Bonn), über das Integrierte Rahmenwerk handelsbezogener technischer Hilfe für die LDCs (29.-31. Januar, Genf), über Energiefragen (14.-16. März, Wien), über die stärkere Einbindung der Frauen in die Entwicklungsstrategien (21.-23. März, Kapstadt), über die Diversifikation von Rohstoffprodukten (22./23. März, Genf), über Bildungsfragen (23./24. März, Washington) sowie über Fremdenverkehr (26.-29. März, Las Palmas).

Ein hochrangiger Expertenausschuss hat die Umsetzung der Empfehlungen der ersten beiden UNO-Konferenzen über die am wenigsten entwickelten Länder untersucht. Die Brüsseler Konferenz soll ein neues Globales Aktionsprogramm verabschieden, über das in einem Plenarausschuss der Konferenz verhandelt wird.

Thematische Sitzungen werden sich mit den vordringlichsten Problemen der LDCs auseinandersetzen. Dazu sollen konkrete Initiativen von den jeweils zuständigen UNO-Sonderorganisationen vorgelegt werden.

Parallel zur Konferenz finden Veranstaltungen verschiedener Sektoren der Zivilgesellschaft - Bürgermeister, Parlamentarier und Privatwirtschaft - sowie ein Forum der Nichtregierungsorganisationen statt.

Die bei der Generaldebatte abgegebenen Erklärungen des Generalsekretärs der Vereinten Nationen, der Staats- und Regierungschefs und der Minister werden live im Internet übertragen.


„Die internationale Gemeinschaft muss mehr Kohärenz in ihr Handeln bringen, den Unterschieden der wirtschaftlichen Akteure und Komponenten der Zivilgesellschaft Rechnung tragen und konkrete und realistische Ziele festlegen. Sie muss das Versprechen der Millenniumserklärung einlösen, dem Kampf gegen die Armut höchsten Vorrang einzuräumen, denn in den LDCs leben die Ärmsten der Armen. Die internationale Gemeinschaft wird letztendlich daran gemessen werden, wie sie ihre am meisten gefährdeten Mitglieder behandelt.“
Rubens Ricupero
Rubens Ricupero,
UNCTAD-Generalsekretär und Generalsekretär der LDC-Konferenz

 

Die Themen

DIE FORDERUNG NACH EINEM GLOBALEN „NEW DEAL“

Das geringe Volkseinkommen in den LDCs erschwert die Aufbringung finanzieller Mittel. Unzureichende Investitionen und häufige wirtschaftliche Erschütterungen von außen hemmen das Wachstum. Ohne ausländische Finanzhilfe - ob öffentliche Mittel in Form von Darlehen oder Zuschüssen bilateraler und multilateraler Organisationen, oder private Mittel - können sich diese Länder nicht entwickeln. Die anhaltende Auslandsverschuldung ist für viele LDCs nicht mehr tragbar. Gleichzeitig sinkt die öffentliche Entwicklungshilfe und der Ausfall dieser Mittel wird auch durch die zunehmenden Privatkapitalzuflüsse nicht ausgeglichen.

Ohne grundlegende Änderungen in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit kann es für die LDCs keinen wirtschaftlichen Neuanfang geben. Der Internationale Währungsfonds und die Weltbank sind dabei, wichtige Hilfsprogramme verstärkt auf Armutsbekämpfung und Linderung der Schuldenlast besonders schwer verschuldeter Länder auszurichten. Die OECD hat Vorschläge zur Verbesserung der Zusammenarbeit durch neue Formen der Partnerschaft vorgelegt.

Die Brüsseler Konferenz soll konkrete Kooperationsmechanismen für einen globalen „New Deal“ schaffen, wie ihn UNO-Generalsekretär Kofi Annan gefordert hat. Damit soll die Produktionskapazität und Wettbewerbsfähigkeit der LDCs gestärkt und gleichzeitig der Zustrom von Privatkapital gefördert werden.

GUTE REGIERUNGSFORM

Rechtsstaatlichkeit, demokratische Institutionen und transparente politische Verfahren, Toleranz gegenüber Minderheiten und Oppositionsgruppen, sowie eine freie Presse werden ebenso wie Frieden und Stabilität immer mehr als unverzichtbare Vorbedingungen für eine nachhaltige Entwicklung erkannt. In vielen LDCs stehen dieser Forderung aber noch häufig finanzielle und administrative Unzulänglichkeiten, Korruption, übertriebene Verteidigungsausgaben oder gewaltsame Konflikte entgegen. Die Unabhängigkeit von Regierung, Justiz und Gesetzgebung, die Dezentralisierung der Entscheidungsfindung, die verstärkte Einbindung der Zivilgesellschaft, die Transparenz der öffentlichen Ausgaben und ein besseres makroökonomisches Management sollen dabei besonders gefördert werden.


„Die Europäische Kommission fördert seit langem einen integrierten Entwicklungsansatz. Die Marginalisierung vieler Volkswirtschaften, die zunehmende Armut in der Welt, Umweltprobleme, Migration, bewaffnete Konflikte und Epidemien gehen uns alle an. Die vielfältigen Dimensionen zeigen uns, dass eine kohärente Gesamtstrategie erforderlich ist, die sich auf zwei wichtige Ziele stützt: die Reduzierung der Armut und die Integration der Entwicklungsländer in die Weltwirtschaft.“
Romano Prodi
Romano Prodi,
Präsident der Europäischen Kommission

 

GESUNDHEIT

Die überwiegende Mehrheit der Menschen in den LDCs hat keinen Zugang zu einer erschwinglichen Gesundheitsfürsorge. Aids, Malaria, Tuberkulose, Lungenentzündung und Durchfallerkrankungen bedrohen große Teile der Bevölkerung. Die durchschnittlichen Gesundheitsausgaben pro Kopf belaufen sich auf US$ 16 oder weniger. Die Konferenz will sich um kostengünstige Lösungen für angemessene Gesundheitsdienste bemühen.

BILDUNG

Nur 2% des Bruttosozialproduktes wurde 1997 in den LDCs für die Bildung aufgewendet. Der Entwicklung des Humankapitals soll mehr Bedeutung beigemessen werden. Die Analphabetenrate von derzeit 50% muss gesenkt werden. Dies will man mit der Umsetzung der Forderung nach Grundschulbildung für alle Kinder bis zum Jahr 2015 erreichen.

LANDWIRTSCHAFT

Die Welt produziert genügend Lebensmittel, um alle Menschen ausreichend zu ernähren. Und doch verhungern immer noch Menschen und 800 Millionen sind unterernährt. Der Teufelskreis von Armut und unzureichender Ernährung muss durch eine Ankurbelung der Nahrungsmittelproduktion, stärkere landwirtschaftliche Diversifikation und Schaffung von Arbeitsplätzen in ländlichen Gebieten durchbrochen werden. Die Konferenz in Brüssel will neue Wege dazu aufzeigen.

ENERGIE

Der häufige Zusammenbruch der Stromversorgung in den LDCs hat schwerwiegende Auswirkungen auf das tägliche Leben und die Wirtschaft. Einige LDCs müssen für die Einfuhr von Brennstoffen mehr als die Hälfte ihrer Exporterlöse aufwenden. Energieminister, Erdölunternehmen, Elektrizitätsverbände, sowie Finanz- und Forschungsinstitutionen wollen in Brüssel über besseren Zugang zur Energie, internationale Zusammenarbeit im Energiehandel, die nutzbringendere Erschließung von Erdölvorkommen und den Einsatz sauberer Energiequellen beraten.

INFRASTRUKTUR

In den LDCs fehlen viele Infrastruktureinrichtungen, die für eine moderne Wirtschaft unabdingbar sind: Straßen und Eisenbahnverbindungen, Häfen und Flughäfen, oder Telekommunikation. Jeder dritte Einwohner der LDCs verfügt über keine ausreichende Abwasserentsorgung. Auf je 1.000 Einwohner entfallen gerade vier Telefone.

TRANSPORT

Ein großer Teil des Straßennetzes, das die ländlichen Gebiete mit den urbanen Zentren und Häfen verbindet, ist häufig unpassierbar. Es fehlen Kühlwägen und Containerfahrzeuge. In Partnerschaft mit regionalen Banken und Privatinvestoren muss der Transportsektor in den LDCs verbessert werden.

INVESTITIONEN

Der Anteil der LDCs an den ausländischen Direktinvestitionen liegt unter 1%. Viele LDCs sind reich an Naturvorkommen und verfügen über zahlreiche Arbeitskräfte, aber dieses Potenzial kann oft aufgrund fehlender Finanzmittel nicht genutzt werden. Die Brüsseler Konferenz soll darüber beraten, wie den Schwierigkeiten und Risiken von Investitionen begegnet und der Mangel an Informationen über Investitionschancen behoben werden kann.

UNTERNEHMENSGRÜNDUNG

Unzählige Hindernisse stehen Frauen in den LDCs im Wege, die einen eigenen Betrieb aufmachen wollen. Der Zugang zu Landerwerb, Ausbildung und Bankkrediten ist ihnen oft verwehrt. Im Gespräch mit Jungunternehmern aus den Industriestaaten sollen neue Wege und Partnerschaften für Unternehmensgründungen, vor allem durch Frauen, aufgezeigt werden.

HANDEL

Ein Zehntel der Weltbevölkerung lebt in den LDCs, aber ihr Anteil am Welthandel liegt unter einem halben Prozent. Die Zahl ihrer Exportgüter ist beschränkt. Meistens sind es nur Rohstoffe, die starken Preisschwankungen auf dem Weltmarkt ausgesetzt sind. Mit dem schärfer werdenden Wettbewerb durch Globalisierung und Liberalisierung können sie kaum mehr Schritt halten. Die wichtigste Forderung aber ist die vollständige und dauerhafte Beseitigung aller Handelsschranken gegenüber ihren Exportprodukten. Auch die Entwicklung des Dienstleistungssektors, wie etwa des Fremdenverkehrs, soll in Brüssel angesprochen werden.

DIGITALE WIRTSCHAFT

In der Stadt New York haben mehr Menschen Zugang zum Internet als in ganz Afrika südlich der Sahara. Aber die Lage ändert sich rasch. Unternehmen in den LDCs können dank der digitalen Kommunikationstechnologie neue Dienstleistungen zu kompetitiven Preisen anbieten. Die Rolle des E-Commerce für die wirtschaftliche Diversifikation und das Wirtschaftswachstum in den LDCs soll in Brüssel mit Wirtschaftsvertretern und potenziellen Partnern erörtert werden.

MUSIK

Viele Talente bleiben in den LDCs unentdeckt, weil ihnen Mittel und Kenntnisse über den sehr komplexen Musikmarkt fehlen, der viel Technik erfordert und von einer Handvoll internationaler Megaunternehmen beherrscht wird. Die wirtschaftlichen Vorteile der Musikindustrie und Wege zur internationalen Vermarktung lokaler Produktionen als wichtiger Exportartikel sollen ihren Platz in den Entwicklungsstrategien finden.

ZIVILGESELLSCHAFT

Rund 300 Bürgermeister wollen in Brüssel (15./16. Mai) Städtepartnerschaften zur Förderung der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung und zur Linderung der Armut in den Städten der LDCs erörtern. Mit den besten Wegen zur Bekämpfung der Armut, für den Aufbau von Kapazitäten und die Stärkung der Rolle der Frau in der Entwicklung wird sich ein Runder Tisch mit Parlamentariern (14. Mai) befassen. Mehrere hundert Nichtregierungsorganisationen werden an Expertenarbeitskreisen, öffentlichen Debatten und anderen Treffen im Rahmen des NGO-Forums (10. - 20. Mai) teilnehmen und sich vor allem für die Aufnahme überprüfbarer Messdaten in das Globale Aktionsprogramm einsetzen.

 

Weitere Informationen

Internet:
E-Mail:
Postanschrift:



Fax:

Presseanfragen:
Fax:
www.un.org/events/ldc3/conference
ldc@unctad.org
Dritte Konferenz der Vereinten Nationen über LDCs
UNCTAD - Bureau E.9016
Palais des Nations
CH-1211 Genf 10, Schweiz
(+41-22) 907-0046

ldcpress@unctad.org
(+41-22) 907-0043

 


UNIC Logo
Zurück  Startseite  Nach oben