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Kofi
A. Annan
Seit meiner Amtsübernahme
habe ich mich dafür eingesetzt, die Vereinten Nationen von einer
Kultur des Reagierens zu einer Kultur der Prävention zu führen.
Der Sicherheitsrat hat mich in der Erklärung seines Präsidenten
vom 20. Juli 2000 gebeten, einen Bericht über die Verhütung
bewaffneter Konflikte vorzulegen, der eine Analyse sowie Empfehlungen
für Initiativen der Vereinten Nationen enthält, unter Berücksichtigung
der bisherigen Erfahrungen sowie der Auffassungen und Erwägungen
der Mitgliedstaaten. Mit diesem Bericht verfolge ich zum einen das
Ziel, die bislang erzielten Fortschritte beim Aufbau der von der Generalversammlung
und vom Sicherheitsrat geforderten Kapazitäten der Vereinten
Nationen zur Konfliktverhütung zu überprüfen. Zum anderen
möchte ich konkrete Empfehlungen abgeben, wie die Anstrengungen
des Systems der Vereinten Nationen auf diesem Gebiet weiter verstärkt
werden können, in Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten, die
letztlich die Hauptverantwortung für die Konfliktverhütung
tragen, und mit ihrer aktiven Mitwirkung. Bei der Ausarbeitung
dieses Berichts habe ich mich darum bemüht, die vielfältigen
Auffassungen und Erwägungen der Mitgliedstaaten zu berücksichtigen,
die bei den jüngsten Aussprachen in der Generalversammlung und
im Sicherheitsrat über die Konfliktprävention zum Ausdruck
kamen. Es steht außer Zweifel, dass die aktive Unterstützung
und Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten unverzichtbar ist, wenn Konfliktprävention
erfolgreich sein soll. Dieser Bericht hat die konkreten Beiträge,
die die Generalversammlung, der Sicherheitsrat, der Wirtschafts- und
Sozialrat, der Internationale Gerichtshof und der Generalsekretär
leisten können, sowie die Zusammenarbeit zwischen den Vereinten
Nationen und externen Akteuren, wie etwa Regionalorganisationen, nichtstaatlichen
Organisationen, der Zivilgesellschaft und der Geschäftswelt,
zum Gegenstand. Die Arbeit des
Systems der Vereinten Nationen auf dem Gebiet der Konfliktprävention
ist nicht neu. Viele Entwicklungs- und sonstige Programme und Projekte
des Systems der Vereinten Nationen haben entweder bereits präventive
Wirkung oder verfügen zumindest über Präventionspotenzial,
wenn auch häufig in unstrukturierter und rudimentärer Form.
Hier geht es mir vor allem darum, zu zeigen, wie die Hauptabteilungen,
Programme, Büros und Organisationen der Vereinten Nationen, die
allesamt zu diesem Bericht beigetragen haben, bei der Förderung
der Verhütung bewaffneter Konflikte zusammenwirken. Von besonderer
Bedeutung sind die Anstrengungen, die die Vereinten Nationen unternehmen,
um die Konfliktpräventionskapazitäten der Mitgliedstaaten
zu erhöhen. Wir stehen heute vor der Herausforderung, das gemeinschaftliche
Potenzial des Systems der Vereinten Nationen so zu mobilisieren, dass
eine stärkere Kohärenz und Ausrichtung auf die Konfliktprävention
erreicht wird, ohne dass dies unbedingt umfangreiche Zusatzressourcen
erfordern würde. Dieser Bericht
geht von den folgenden Grundvoraussetzungen aus:
Ich gebe mich
nicht der Illusion hin, dass Präventionsstrategien leicht umzusetzen
wären. Die Kosten der Prävention entstehen heute, doch ihr
Nutzen liegt in ferner Zukunft. Die früheren Erfahrungen der
Vereinten Nationen haben klar gezeigt, dass die Konfliktparteien umso
eher bereit sind, in einen konstruktiven Dialog einzutreten, die tatsächlichen
Missstände, die den potenziellen Konflikten zugrunde liegen,
anzugehen, und keine Gewalt zur Erreichung ihrer Ziele anzuwenden,
je früher die tieferen Ursachen potenzieller Konflikte erkannt
und wirksam angegangen werden. Regierungen, die
ihrer souveränen Verantwortung gerecht werden, eine Situation,
die sich zu einer Gefahr für den Weltfrieden und die internationale
Sicherheit entwickeln könnte, friedlich beizulegen, und die die
Vereinten Nationen oder andere internationale Akteure so früh
wie nötig um präventive Unterstützung ersuchen, sorgen
für den besten Schutz ihrer Bürger vor einer unerwünschten
Einmischung von außen. Auf diese Weise kann die internationale
Gemeinschaft durch Präventivmaßnahmen maßgeblich
zur Stärkung der nationalen Souveränität der Mitgliedstaaten
beitragen. Ich habe in diesem
Bericht hervorgehoben, dass die Konfliktprävention im Mittelpunkt
des Mandats der Vereinten Nationen für die Wahrung des Weltfriedens
und der internationalen Sicherheit steht und dass sich unter den Mitgliedstaaten
ein allgemeiner Konsens abzeichnet, wonach umfassende und kohärente
Konfliktpräventionsstrategien am ehesten einen dauerhaften Frieden
fördern und ein günstiges Umfeld für eine nachhaltige
Entwicklung schaffen. Das Gebot einer wirksamen Konfliktprävention
geht über die Schaffung einer entsprechenden Kultur, die Einrichtung
von Mechanismen oder die Einforderung des notwendigen politischen
Willens hinaus. Die Vereinten Nationen tragen auch die moralische
Verantwortung dafür, sicherzustellen, dass es nie wieder zu einem
Völkermord wie dem kommt, der in Ruanda stattgefunden hat. Es ist an der Zeit, den Diskussionen über die Konfliktprävention konkrete Taten folgen zu lassen. Ich hege die aufrichtige Hoffnung, dass das System der Vereinten Nationen und die Mitgliedstaaten in der Lage sein werden, gemeinsam einen praktischen Wegweiser für die Umsetzung der konkreten Empfehlungen in diesem Bericht auszuarbeiten. Es steht außer Zweifel, dass wirksame Präventivmaßnahmen den nachhaltigen politischen Willen und langfristige Ressourcenzusagen seitens der Mitgliedstaaten sowie des gesamten Systems der Vereinten Nationen erfordern, wenn eine echte Kultur der Prävention in der internationalen Gemeinschaft Wurzel schlagen soll. Dieser Bericht stellt einen ersten Schritt in diese Richtung dar.
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