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Kofi
A. Annan Zweiter
Teil
A. Überblick 61. Seit meinem
Amtsantritt habe ich ausgehend von der Prämisse, dass nachhaltige
Entwicklung und langfristige Konfliktprävention synergetische
Ziele sind, mehrere Initiativen zur Förderung einer Kultur der
Konfliktprävention in der täglichen Arbeit des Sekretariats
sowie des Systems der Vereinten Nationen als Ganzes in die Wege geleitet.
In den vergangenen fünf Jahren haben nahezu alle Bestandteile
des Systems der Vereinten Nationen, einschließlich der Bretton-Woods-Institutionen,
begonnen, sich aktiv mit Präventions- und Friedenskonsolidierungstätigkeiten
im Rahmen ihrer jeweiligen Mandate zu befassen. 62. So unterschiedlich
die tieferen Ursachen bewaffneter Konflikte sein können, so breit
ist auch das Spektrum geeigneter Präventivmaßnahmen und
der zu ihrer Durchführung erforderlichen Ressourcen. Die Frage
des richtigen Zeitpunkts ist ebenfalls von großer Bedeutung:
manche Präventivmaßnahmen, die zweckmäßig sein
können, wenn sie frühzeitig ergriffen werden, können,
sofern sich die Streitigkeit verschärft und der Ausbruch eines
bewaffneten Konflikts immer wahrscheinlicher wird, unangemessen oder
gar völlig unannehmbar werden. So könnte man sagen, dass
es sich, sobald eine Situation auf die Tagesordnung des Sicherheitsrats
gesetzt wird, eher um eine späte anstatt um eine frühzeitige
Prävention handelt. 63. Die Konfliktprävention
kann über verschiedene Ansätze zur Herbeiführung größerer
Sicherheit und Stabilität zwischen den Staaten erfolgen, namentlich
durch Maßnahmen, die darauf gerichtet sind, gegenseitiges Vertrauen
zu fördern, Bedrohungsängste abzubauen, das Risiko eines
Überraschungsangriffs zu beseitigen, ein Wettrüsten zu verhindern
und ein günstiges Klima für den Abschluss von Rüstungsbegrenzungs-
und -reduzierungsvereinbarungen und die Senkung der Militärausgaben
herbeizuführen. Solche vertrauens- und sicherheitsbildenden Maßnahmen
können auf verschiedenen Ebenen verfolgt werden - bilateral,
subregional, regional und multilateral; selbst einseitige Maßnahmen
sind vorstellbar - und können entsprechend den politischen und
sicherheitsbezogenen Merkmalen und Erfordernissen der jeweiligen Situation
flexibel angewandt werden. 64. Insgesamt gesehen verfügt das System der Vereinten Nationen über eine beträchtliche Kapazität für Präventivmaßnahmen. Dennoch besteht nach wie vor die klare Notwendigkeit, den Aspekt der Konfliktprävention systematischer in die vielschichtigen Programme und Tätigkeiten des Systems der Vereinten Nationen einzubeziehen, damit diese planmäßig und nicht nur zufällig zur Konfliktprävention beitragen können. Dies wiederum erfordert eine stärkere Kohärenz und Koordinierung im System der Vereinten Nationen mit besonderem Gewicht auf der Konfliktprävention. Des Weiteren bedarf es eines förderlichen Umfelds, in dem die Mitarbeiter der Vereinten Nationen ermutigt werden, eine proaktive, präventive Denkweise zu entwickeln, und in dem ein entsprechendes Anreiz- und Rechenschaftssystem Anwendung findet. B. Maßnahmen zur Förderung der Kohärenz innerhalb des Systems der Vereinten Nationen 65. Im Laufe der
vergangenen Jahre wurden die Bemühungen zur Förderung der
Kohärenz innerhalb des Systems der Vereinten Nationen allgemein
verstärkt. Die tief verwurzelten Gewohnheiten früherer Jahre,
in denen kaum Informationen zwischen den Hauptabteilungen und Organisationen
ausgetauscht wurden, weichen zunehmend der Bereitschaft, Analysen
auszutauschen und gemeinsame Anstrengungen zur Ermittlung und Durchführung
geeigneter und konkreter Präventivmaßnahmen zu unternehmen.
An dieser Stelle geht es mir insbesondere darum, zu zeigen, wie die
Hauptabteilungen, Programme, Bereiche und Organisationen der Vereinten
Nationen zu Gunsten der Verhütung bewaffneter Konflikte zusammenwirken. Verwaltungsausschuss
für Koordinierung 66. Der Verwaltungsausschuss für Koordinierung ist die für die Förderung der Kohärenz innerhalb des Systems der Vereinten Nationen zuständige Stelle. Die Leiter der 25 Fonds, Programme und Sonderorganisationen sowie der Welthandelsorganisation (WTO) und der Bretton-Woods-Institutionen wirken unter meinem Vorsitz an der Förderung der Koordinierung innerhalb des Systems mit. 1997 stellte der Verwaltungsausschuss für Koordinierung fest, wie wichtig es ist, die Frühwarnkapazität des Systems insgesamt zu verstärken. Außerdem stellte er einvernehmlich fest, wie wichtig die Friedenskonsolidierung als eine umfassende Strategie zur Konfliktprävention ist, und unterstrich die Notwendigkeit, die tieferen politischen, militärischen, humanitären, menschenrechtlichen, ökologischen, wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und demografischen Ursachen von Konflikten anzugehen. Unter diesem Gesichtspunkt beabsichtige ich, mit dem Verwaltungsausschuss für Koordinierung einen zielgerichteten Dialog darüber zu führen, welche konkreten Maßnahmen das System der Vereinten Nationen ergreifen muss, um seine Tätigkeiten auf dem Gebiet der Konfliktprävention kohärenter zu gestalten. Exekutivausschüsse 67. 1997 schuf
ich im Rahmen meines Reformprogramms eine Struktur aus vier Exekutivausschüssen
auf Untergeneralsekretärsebene, die als interne Entscheidungsmechanismen
für die fünf wichtigsten Tätigkeitsbereiche fungieren:
Frieden und Sicherheit, wirtschaftliche und soziale Angelegenheiten,
Entwicklungszusammenarbeit, humanitäre Angelegenheiten sowie
Menschenrechte als Querschnittsaufgabe. Im Rahmen dieser Struktur
ist der Exekutivausschuss für Frieden und Sicherheit die kompetente
Stelle für die Behandlung von Fragen im Zusammenhang mit systemweiten
Präventivmaßnahmen. Der Exekutivausschuss für humanitäre
Angelegenheiten ist das geeignete Organ für die Prüfung
von Präventiv- und Bereitschaftsmaßnahmen humanitärer
Art, während entwicklungsbezogene Präventivmaßnahmen
naturgemäß in den Zuständigkeitsbereich der Entwicklungsgruppe
der Vereinten Nationen (UNDG) fallen. Der Exekutivausschuss für
wirtschaftliche und soziale Angelegenheiten befasst sich auf vorgeordneter
Ebene mit den tieferen Ursachen von Konflikten aus dem Blickwinkel
makroökonomischer und sozialer Fragen, der Regierungsführung
und der nachhaltigen Entwicklung. Obgleich sich diese Ausschüsse
bislang im Rahmen ihrer Tätigkeit zumeist mit anderen Fragen
als mit der Konfliktprävention befasst haben, beabsichtige ich,
sie in Zukunft verstärkt proaktiv für diesen Zweck einzusetzen. Hauptabteilungsübergreifender
Rahmen-Koordinierungsmechanismus 68. Die Ausrichtung
des Hauptabteilungsübergreifenden Rahmen-Koordinierungsmechanismus,
der 1994 geschaffen wurde, um eine bessere Planung und Koordinierung
zwischen den Friedenssicherungs-, humanitären und politischen
Aufgaben zu gewährleisten, wurde seit 1998 auf Frühwarnung
und Präventivmaßnahmen verlagert. Eine aus hochrangigen
Vertretern von 14 Hauptabteilungen, Organisationen, Programmen und
Bereichen, einschließlich der Weltbank, bestehende Gruppe des
Rahmen-Koordinierungsmechanismus tritt einmal pro Monat zusammen,
um Informationen aus ihren jeweiligen Zuständigkeitsbereichen
auszutauschen und das Potenzial für bewaffnete Konflikte, komplexe
Notsituationen oder sonstige Umstände zu analysieren, die hinreichenden
Grund für einen Eingriff der Vereinten Nationen bieten könnten.
Der Rahmen-Koordinierungsmechanismus ist im Einklang mit Resolution
51/242 der Generalversammlung ständig weiterentwickelt und
verbessert worden und stellt nunmehr einen wichtigen Mechanismus für
die rasche Ausarbeitung von Präventionsstrategien innerhalb des
Systems der Vereinten Nationen dar. Kohärenz
auf Landesebene 69. Auf der Landesebene
beteiligt sich das jeweilige Landesteam der Vereinten Nationen unter
der Leitung des residierenden Koordinators der Vereinten Nationen
und in enger Zusammenarbeit mit der Regierung an einem disziplinenübergreifenden
Prozess zur Ausarbeitung der gemeinsamen Landesbewertung. Dieser Prozess
wurde in 70 Ländern abgeschlossen und ist in 40 weiteren Ländern
im Gange. Im Rahmen der gemeinsamen Landesbewertung werden der Entwicklungsstand
des jeweiligen Landes analysiert, die Schlüsselfragen benannt,
die als Grundlage für die Lobbyarbeit und den Politikdialog innerhalb
des Systems der Vereinten Nationen dienen, sowie die einzelstaatlichen
Prioritäten und Herausforderungen und die regionalen Belange
und Initiativen behandelt. Der Prozess der gemeinsamen Landesbewertung
führt unmittelbar zum Entwicklungshilfe-Programmrahmen der Vereinten
Nationen, der den Planungsrahmen für die Ausarbeitung von Programmen
darstellt, die eine kohärente Entwicklungshilfestrategie der
Vereinten Nationen auf Landesebene umfassen. Dieser Prozess gestattet
es, Hauptrisikofaktoren und Präventionsfragen bereits in der
Anfangsphase des Programmzyklus zu berücksichtigen und so gemeinsame
Ziele und Kooperationsstrategien festzulegen. 70. In Anbetracht
dessen, dass gewalttätige Konflikte zu den schwerwiegendsten
Bedrohungen für eine nachhaltige Entwicklung gehören, bieten
sowohl die gemeinsame Landesbewertung als auch der Entwicklungshilfe-Programmrahmen
eine bedeutende Gelegenheit zur Ermittlung und Umsetzung von Friedenskonsolidierungs-
und Konfliktpräventionsstrategien auf Landesebene. Die Entwicklungsgruppe
der Vereinten Nationen soll daher sicherstellen, dass Konfliktpräventions-
und Friedenskonsolidierungsaspekte in diese Prozesse eingebunden werden,
was einen grundlegenden Schritt für eine Entwicklungsprogrammierung
darstellt, die unter dem Blickwinkel der Konfliktprävention erfolgt
und die Landesteams der Vereinten Nationen in die Lage versetzen wird,
in Partnerschaft mit den einzelstaatlichen Regierungen und der Zivilgesellschaft
Konfliktpräventionsfragen auf Landesebene gemeinsam anzugehen. 71. Die Kohärenz
der Maßnahmen auf dem Gebiet der Konfliktprävention wird
außerdem durch das systemweite Ausbildungsprogramm Frühwarnung
und Präventivmaßnahmen: Aufbau der Kapazitäten der
Vereinten Nationen gefördert, welches die Fortbildungsakademie
der Vereinten Nationen für die Bediensteten der Organisation
durchführt. Dieses Programm schafft ein Forum für einen
vertieften Meinungsaustausch und eine bessere Koordinierung zwischen
den Organisationen und Bereichen der Vereinten Nationen, die sich
mit den grundsatzpolitischen und den praktischen Aspekten von Präventivmaßnahmen
befassen. Die im Rahmen des Programms durchgeführten Arbeitsseminare
ergänzen die Ausbildung, die die Landesteams der Vereinten Nationen
in Bezug auf die gemeinsame Landesbewertung und den Entwicklungshilfe-Programmrahmen
der Vereinten Nationen erhalten. 72. Die Kohärenz innerhalb des Systems der Vereinten Nationen muss durch eine einheitliche Politik der Mitgliedstaaten gegenüber den Vereinten Nationen ergänzt werden. Allzu oft haben die Hauptabteilungen, Organisationen und Programme festgestellt, dass Vorschläge, die in einem Forum die politische Zustimmung von Mitgliedstaaten gefunden haben, in anderen Foren, insbesondere in Finanzforen, keinerlei Unterstützung seitens derselben Staaten erhalten. Treten derartige Diskrepanzen auf, so lassen sich die institutionellen Verantwortlichkeiten für die jeweiligen Tätigkeiten nicht mehr eindeutig abgrenzen, was die von den Vereinten Nationen unternommenen Anstrengungen zur Ausarbeitung wirksamer Konfliktpräventionskonzepte verkompliziert. Um im Hinblick auf diese Frage möglichst wenige Missverständnisse aufkommen zu lassen, werde ich dafür Sorge tragen, dass das System der Vereinten Nationen seinen Ressourcenbedarf so klar wie möglich begründet.
C. Politische
Tätigkeit 73. Innerhalb
des Systems der Vereinten Nationen wird der Generalsekretär bei
seinen Aufgaben auf politischem Gebiet durch die Hauptabteilung Politische
Angelegenheiten unterstützt, die in vielen Teilbereichen ihrer
Tätigkeit eng mit anderen Hauptabteilungen, Bereichen und Organisationen
der Vereinten Nationen zusammenarbeitet. Eine der wichtigsten Aufgaben
der Hauptabteilung ist es, die politischen Entwicklungen auf der ganzen
Welt zu verfolgen und mögliche Konflikte auszumachen, zu deren
Verhütung die Vereinten Nationen beitragen könnten. Sie
ist außerdem die im System der Vereinten Nationen zuständige
Koordinierungsstelle für Konfliktprävention und Friedenskonsolidierung.
Zur Unterstützung bei dieser neuen Aufgabe richtete die Hauptabteilung
vor drei Jahren die Gruppe Politische Planung ein. 1998 schuf sie
außerdem die Gruppe Konfliktprävention, die einen hauptabteilungsinternen
Mechanismus für die Ausarbeitung präventiver Handlungsoptionen
darstellt. Als die Instanz, die den Exekutivausschuss für Frieden
und Sicherheit einberuft, fördert die Hauptabteilung darüber
hinaus Gespräche auf hauptabteilungsübergreifender und interinstitutioneller
Ebene sowie die Beschlussfassung über präventive Handlungsoptionen. 74. Die Hauptabteilung
Politische Angelegenheiten hat den Auftrag, potenzielle oder tatsächliche
Konflikte zu ermitteln, bei deren Beilegung die Vereinten Nationen
eine nützliche Rolle spielen könnten. Jede der vier geografischen
Abteilungen innerhalb der Hauptabteilung ist dafür zuständig,
potenzielle Krisengebiete ausfindig zu machen und den Generalsekretär
frühzeitig auf Entwicklungen und Situationen hinzuweisen, die
den Frieden und die Sicherheit beeinträchtigen könnten.
Zu diesem Zweck erstellen die Referenten der vier geografischen Abteilungen
der Hauptabteilung Politische Angelegenheiten Länderprofile für
ihre jeweiligen Länder und verfolgen im Laufe der Zeit die weitere
Entwicklung der Lage. Durch ihre Beobachtung des natürlichen
und normalen Ablaufs des politischen, sozialen und wirtschaftlichen
Lebens sind sie gut positioniert, um Veränderungen und Entwicklungen
wahrzunehmen, die zu einer Krise führen können. Dank moderner
Kommunikationsmittel und Online-Datenbanken haben die Referenten freien
Zugang zu einer gewaltigen Menge an Informationen; dennoch muss die
Hauptabteilung ihre Kapazitäten weiter ausbauen, um solche Informationen
effektiv nutzen und entsprechend Präventivmaßnahmen vorschlagen
zu können. 75. Die im jüngsten
Bericht des Generalsekretärs über die Umsetzung der Empfehlungen
des Sonderausschusses für Friedenssicherungseinsätze und
der Sachverständigengruppe für die Friedensmissionen der
Vereinten Nationen vorgesehene neue Gruppe für systemweite Politik
und Analyse (siehe A/55/977,
Ziffern 301-307) könnte, sofern sie eingerichtet wird, dazu beitragen,
die Kapazität der Hauptabteilung auf diesem Gebiet zu stärken,
indem sie als Sekretariat des Exekutivausschusses für Frieden
und Sicherheit fungiert. 76. Die Generalversammlung
hat anerkannt, dass ein rechtzeitiger Einsatz der vorbeugenden Diplomatie
das zweckmäßigste und effizienteste Mittel ist, um Spannungen
abzubauen, bevor sie zu einem Konflikt führen. Zu diesem Zweck
bemüht sich die Hauptabteilung darum, wirksamere Methoden der
vorbeugenden Diplomatie zu entwickeln. Dazu gehören Ermittlungsmissionen,
die Entsendung von Sonderbotschaftern in kritische Regionen, die Wahrnehmung
der Guten Dienste des Generalsekretärs und die Schaffung
von Gruppen von Freunden des Generalsekretärs in verschiedenen
Regionen, die aus einigen unmittelbar interessierten Mitgliedstaaten
bestehen. 77. Ein beträchtlicher
Teil der Arbeit der Hauptabteilung Politische Angelegenheiten auf
dem Gebiet der Konfliktprävention besteht in der Unterstützung
der Sonderbeauftragten und Sonderbotschafter des Generalsekretärs
sowie der Missionen und Büros im Feld. Die Hauptabteilung unterstützt
derzeit Missionen in Afghanistan, Angola, Papua-Neuguinea, Burundi,
Guatemala, dem ostafrikanischen Zwischenseengebiet, Libanon, den besetzten
palästinensischen Gebieten* und Somalia. Überdies
hat die Hauptabteilung Politische Angelegenheiten Büros zur Unterstützung
der Friedenskonsolidierung in der Zentralafrikanischen Republik, Guinea-Bissau,
Liberia und Tadschikistan eingerichtet. Diese Büros arbeiten
eng mit Staatsministerien, Nationalversammlungen, politischen Parteien,
der Zivilgesellschaft und anderen Akteuren vor Ort zusammen, um die
jeweiligen einzelstaatlichen Friedenskonsolidierungsbemühungen
zu unterstützen. 78. Die Büros
der Vereinten Nationen zur Unterstützung der Friedenskonsolidierung
können durch ihre Unterstützung der Landesteams und der
nichtresidierenden Organisationen/Büros der Vereinten Nationen
und in enger Zusammenarbeit mit diesen einen wesentlichen Beitrag
zur Ausarbeitung vielschichtiger Programme leisten, mit denen zahlreiche
der tieferen Ursachen von Konflikten angegangen werden. Dazu gehören
beispielsweise die Verbesserung der Unterstützung für demokratische
Grundsätze wie die Gewährleistung einer fairen Rolle für
die Opposition, der gleichberechtigte Zugang zu den öffentlichen
Medien, die Reform des Sicherheitssektors, die Förderung der
Toleranz und der Achtung der Menschenrechte sowie die Gewährung
technischer Hilfe in Verfassungsfragen und zu Gunsten nationaler Institutionen.
In Zukunft könnte die Rolle derartiger Büros mit Zustimmung
der Mitgliedstaaten auf konfliktanfällige Regionen und Länder
ausgeweitet werden. 79. Die von den
Vereinten Nationen geleistete Arbeit zur Unterstützung der Demokratie
in ihren Mitgliedstaaten trägt in erheblichem Maße zur
Konfliktprävention bei. Dazu gehört eine umfassende Unterstützung
auf dem Gebiet der Staatsführung und der Rechtsstaatlichkeit,
einschließlich der Wahlhilfe. Es ist nachgewiesen, dass eine
solche Unterstützung maßgeblich dazu beiträgt, den
Zusammenbruch demokratischer Institutionen und Prozesse zu verhindern,
insbesondere in im Übergang befindlichen Gesellschaften oder
in neuen oder wiederhergestellten Demokratien. Beispielsweise hat
die Abteilung Wahlhilfe der Vereinten Nationen seit ihrer Einrichtung
in Zusammenarbeit mit dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen
(UNDP) bei mehr als 150 Wahlvorgängen Hilfe gewährt, um
die vorhandene Verwaltungskapazität von Mitgliedstaaten zur Durchführung
glaubhafter, transparenter und fairer Wahlen zu steigern und bei der
Festigung demokratischer Institutionen behilflich zu sein. Eine nachhaltige
Entwicklung ist ohne Zweifel nur dann möglich, wenn Menschen
frei und effektiv an Entscheidungsprozessen teilhaben. 80. Die Hauptabteilung
Politische Angelegenheiten bemüht sich derzeit darum, ihre Frühwarn-
und Analysekapazitäten zu verbessern, die Qualität ihrer
Mitarbeiter durch Aus- und Fortbildung zu verbessern, ihre Koordinierung
und Zusammenarbeit mit den anderen Hauptabteilungen, Fonds und Organisationen
der Vereinten Nationen zu verbessern, ihre Zusammenarbeit mit den
Regierungen und den Regionalorganisationen zu verbessern, ihre Kontakte
zu den Forschungsinstituten und zuständigen nichtstaatlichen
Organisationen auszubauen und über den Treuhandfonds für
vorbeugende Maßnahmen die Ermittlungs- und Moderationsmissionen
sowie die anderen Tätigkeiten zu unterstützen, die darauf
gerichtet sind, potenzielle Konflikte zu entschärfen und zu verhindern,
dass bestehende Streitigkeiten in Konflikte ausarten. Außerdem
ist sie dabei, ihre Kapazität zur Wahrnehmung ihrer Rolle als
Koordinierungsstelle im System der Vereinten Nationen für die
Friedenskonsolidierung in der Konfliktfolgezeit sowie zur Unterstützung
der steigenden Zahl von Friedenskonsolidierungsmissionen der Vereinten
Nationen in Partnerschaft mit anderen Akteuren der Vereinten Nationen
zu stärken.
D. Friedenssicherungseinsätze 81. Zwar kann
argumentiert werden, dass alle Friedenssicherungseinsätze eine
vorbeugende Funktion erfüllen, da ihr Ziel darin besteht, den
Ausbruch oder das Wiederaufflammen von Konflikten zu verhüten,
doch wird ihre vorbeugende Rolle immer dann besonders deutlich, wenn
sie vor Beginn eines bewaffneten Binnen- oder internationalen Konflikts
disloziert werden. Dies geschah im Laufe des vergangenen Jahrzehnts
drei Mal: mit der Präventiveinsatztruppe der Vereinten Nationen
(UNPREDEP) in der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien, der
Mission der Vereinten Nationen in der Zentralafrikanischen Republik
(MINURCA) und einer Serie von Einsätzen in Haiti. Neben der Tatsache,
dass die jeweiligen Gastländer nicht in einen gewaltsamen Binnen-
oder internationalen Konflikt verwickelt waren, hatten alle diese
Friedenssicherungseinsätze gemein, dass die Möglichkeit,
ja sogar die Wahrscheinlichkeit eines bewaffneten Konflikts bestand,
dass die betroffenen Staaten den Einsätzen als einer Form der
Prävention zugestimmt hatten und dass jeder Einsatz vom Sicherheitsrat
genehmigt worden war. 82. Aus der Seltenheit
vorbeugender Einsätze lässt sich schließen, dass die
internationale Gemeinschaft bislang zögert, die für einen
Friedenseinsatz notwendigen politischen und finanziellen Ressourcen
aufzuwenden, wenn der Grund dafür nicht so klar ist wie bei einem
offenen Konflikt. Ungeachtet dessen, dass sich der Erfolg eines vorbeugenden
Einsatzes definitionsgemäß nur schwer präzise messen
lässt, liegt es auf der Hand, dass es Situationen gibt, in denen
ein vorbeugender Friedenssicherungseinsatz Menschenleben retten und
die Stabilität fördern kann. Die Tatsache, dass während
der oben genannten Einsätze kein Konflikt im Gastland ausbrach,
legt eindringlich nahe, dass ein vorbeugender Einsatz der Vereinten
Nationen als Symbol des Interesses der internationalen Gemeinschaft
und als Mittel zur Förderung ihrer Ziele einen ganz entscheidenden
Beitrag leisten kann. 83. Solche Erfahrungen
zeigen, dass es notwendig sein kann, einen vorbeugenden Einsatz für
einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten, wenn die Sicherheit
fortlaufend bedroht ist, und dass das durch einen solchen Einsatz
Erreichte durch längerfristige friedenskonsolidierende Folgemaßnahmen
der internationalen Gemeinschaft unterstützt werden muss. Bei
vorbeugenden Einsätzen bedarf es ebenso wie bei anderen Formen
der Friedenssicherung eines mehrdimensionalen Ansatzes, um die tieferen
Ursachen von Konflikten anzugehen. Die Reform und die Umstrukturierung
der lokalen Strafverfolgungsbehörden, die Entwaffnung, Demobilisierung
und Wiedereingliederung ehemaliger Kombattanten, Aufklärungsprogramme
über die Minengefahr und Minenräummaßnahmen sowie
der Aufbau von Menschenrechts- und demokratischen Institutionen können
allesamt wesentliche Bestandteile dieser Anstrengungen sein. Darüber
hinaus ist es offenkundig, dass vorbeugende Einsätze wie alle
Friedenssicherungseinsätze nur dann zu einem dauerhaften Frieden
beitragen können, wenn die jeweiligen Parteien willens sind,
die sich ihnen bietende Gelegenheit zu nutzen. 84. In Anbetracht
des engen Zusammenhangs zwischen der Friedenssicherung und der Friedenskonsolidierung
begrüße ich die jüngste Erklärung des Präsidenten
des Sicherheitsrats, in der erneut darauf verwiesen wird, dass es
von Nutzen sein kann, in das Mandat von Friedenssicherungseinsätzen
gegebenenfalls auch Elemente der Friedenskonsolidierung aufzunehmen.
In Anbetracht der bürgerkriegsähnlichen Konflikte, die für
die Welt nach dem Kalten Krieg charakteristisch sind, muss hierbei
besonderes Gewicht auf die Zivilpolizei gelegt werden, die eine immer
wichtigere vorbeugende Rolle bei der Friedenssicherung der Vereinten
Nationen übernommen hat. Sie hat mit dafür gesorgt, dass
die für Recht und Ordnung zuständigen Kräfte vor Ort
wieder über Rückhalt in der Öffentlichkeit verfügen,
sei es durch die Ausbildung der örtlichen Polizei und die Überwachung
der Wahrnehmung ihrer Dienstpflichten oder durch die Gewährung
von Hilfe bei der Neugliederung und Reform der Polizeiinstitutionen. 85. In diesem
Zusammenhang hat die internationale Gemeinschaft bereits einige Schritte
zur Stärkung der Grundlagen für die Beteiligung von Zivilpolizei
an Friedenssicherungseinsätzen unternommen. Im Jahr 2000 stellte
die Generalversammlung zusätzliche Mittel für Unterstützungsstrukturen
am Amtssitz bereit, während das Sekretariat sich darum bemüht
hat, den normativen Rahmen für diese Anstrengungen durch die
Ausarbeitung von Grundsätzen und Richtlinien für Zivilpolizeieinsätze
der Vereinten Nationen zu stärken. Dennoch bedarf es weiterer
Anstrengungen auf mehreren Gebieten, die in meinem aktuellen Bericht
über die Umsetzung der Empfehlungen des Sonderausschusses für
Friedenssicherungseinsätze und der Sachverständigengruppe
für die Friedensmissionen der Vereinten Nationen (A/55/977)
einer detaillierten Analyse unterzogen werden.
E. Abrüstung 86. Die Entwicklung
der Normen auf dem Gebiet der Abrüstung ist ein fortlaufender
Prozess, und noch immer gibt es Bereiche, wie beispielsweise die Flugkörperentwicklung
und Kleinwaffen, in denen ein internationaler normativer Rahmen fehlt.
Die Abrüstungsverträge und -übereinkünfte tragen
durch die Förderung der Herrschaft des Völkerrechts zur
Verhütung bewaffneter Konflikte bei. Es ist unabdingbar, dass
mehr Staaten diesen multilateralen Verträgen beitreten und dass
ihre Anwendung verifiziert wird, damit die Nationen darauf vertrauen
können, dass ihre Sicherheit gewährleistet ist. 87. Der Austausch
von Informationen und andere Formen der Transparenz auf dem Gebiet
der Rüstung und in militärischen Fragen im Allgemeinen können
dabei helfen, das Risiko eines Missverständnisses oder einer
Fehleinschätzung so gering wie möglich zu halten, und können
auf diese Weise zu größerem Vertrauen und stabileren Beziehungen
zwischen den Staaten beitragen. Sie können außerdem als
Frühwarnmechanismen dienen und den Erwerb von Waffen einschränken
oder bremsen, indem sie dazu beitragen, Fälle von exzessiver
oder destabilisierender Ansammlung von Waffen aufzuzeigen. Die Hauptabteilung
Abrüstungsfragen verwaltet und aktualisiert zwei globale transparenzfördernde
Instrumente: das Register der Vereinten Nationen für konventionelle
Waffen und das Standardsystem der Vereinten Nationen für die
Berichterstattung über Militärausgaben. 88. Ich habe in
meinem Millenniums-Bericht (A/54/2000)
erklärt, dass die Verbreitung von Kleinwaffen nicht nur eine
Frage der Sicherheit ist, sondern auch den Bereich der Menschenrechte
und der Entwicklung berührt. Sie verlängert und verschärft
bewaffnete Konflikte, bringt Friedenssicherungspersonal und humanitäre
Helfer in Gefahr, untergräbt die Achtung vor dem humanitären
Völkerrecht, bedroht rechtmäßige, doch schwache Regierungen
und spielt Terroristen und organisierten Kriminellen gleichermaßen
in die Hand. Maßnahmen zur Verhütung des Missbrauchs und
des unerlaubten Transfers von Kleinwaffen sowie zur Beseitigung der
tieferen Ursachen für die Nachfrage nach Kleinwaffen würden
in hohem Maße zur Konfliktprävention beitragen. 89. Konkrete Abrüstungsmaßnahmen
haben breite Anerkennung gefunden, insbesondere die Projekte Waffenabgabe
gegen Entwicklungsförderung, die darauf gerichtet sind,
illegale Waffen wiederaufzufinden und einzusammeln und als Gegenleistung
dafür gemeinwesengestützte Entwicklungsanreize zu schaffen.
Zusätzlich zur Einziehung illegaler Waffen aus der Zivilbevölkerung
und der im Besitz ehemaliger Kombattanten befindlichen Waffen können
die Vernichtung und die Beseitigung solcher Bestände zur Verhütung
von Konflikten oder ihres Wiederaufflammens beitragen, indem sie die
Anzahl der im Umlauf befindlichen Waffen, die häufig von einem
Konflikt zum anderen weitergegeben werden, reduzieren und den leichten
Zugang zu ihnen erschweren. 90. Im Bereich
der konkreten Abrüstungsmaßnahmen arbeitet die Hauptabteilung
Abrüstungsfragen mit der Gruppe interessierter Staaten zusammen,
die im März 1998 auf Grund einer Resolution der Generalversammlung
eingerichtet wurde, um konkrete Abrüstungsmaßnahmen zu
fördern und insbesondere die Friedenskonsolidierungsbemühungen
in Postkonfliktsituationen zu unterstützen, während das
UNDP seit 1998 im Rahmen seines Treuhandfonds für Kleinwaffen
Projekte zur Einsammlung, Verwaltung und Vernichtung von Waffen ausarbeitet
und unterstützt. Als Grundlage für diese Tätigkeiten
führt die Hauptabteilung Ermittlungsmissionen durch, in der Regel
mit Unterstützung der Hauptabteilung Politische Angelegenheiten,
des UNDP und anderer Organe, bevor die Ausarbeitung der Projektvorschläge
abgeschlossen wird. Außerdem führt das UNDP im Entwicklungskontext
auf Feldebene kontinuierlich Analysen der Kleinwaffensituation durch,
die dabei helfen, lokale und geberorientierte Strategien sowie Interventionsmaßnahmen
auf Projektebene auszuarbeiten. 91. Die Hauptabteilung
Abrüstungsfragen und das UNDP unterstützen die Mitgliedstaaten
auf deren Ersuchen bei der Bewältigung der durch die Verbreitung
von Kleinwaffen und leichten Waffen aufgeworfenen Probleme, insbesondere
im Rahmen der Friedenskonsolidierung in der Konfliktfolgezeit. Im
Juni 1998 richtete ich den Koordinierungsmechanismus für Kleinwaffen
ein, mit dem Ziel, alle Kleinwaffen betreffenden Maßnahmen innerhalb
des Systems der Vereinten Nationen aufeinander abzustimmen, und ernannte
die Hauptabteilung zur Koordinierungsstelle des Mechanismus. Der Koordinierungsmechanismus
für Kleinwaffen umschließt alle Hauptabteilungen und Organisationen,
die an einem oder mehreren Aspekten der von der Verbreitung und dem
Missbrauch von Kleinwaffen ausgehenden vielschichtigen Gefahr interessiert
sind. Darüber hinaus leistet die Hauptabteilung fachliche Unterstützung
für die erste Konferenz der Vereinten Nationen über den
unerlaubten Handel mit Kleinwaffen und leichten Waffen unter allen
Aspekten, die im Juli 2001 am Amtssitz der Vereinten Nationen abgehalten
wurde und die Ausarbeitung eines Aktionsprogramms zur Eindämmung
des unerlaubten Handels mit Kleinwaffen und leichten Waffen zum Ziel
hatte. 92. Gemeinsam
mit dem UNDP spielte die Hauptabteilung Abrüstungsfragen eine
führende Rolle bei der Konzipierung eines Projekts Waffenabgabe
gegen Entwicklungsförderung, das in Zusammenarbeit mit
dem UNDP im Bezirk Gramsch (Albanien) durchgeführt wurde, nachdem
die albanische Regierung um Hilfe bei der Einziehung von Kleinwaffen
und leichten Waffen ersucht hatte, die während Unruhen im Jahr
1997 von der Zivilbevölkerung illegal erworben wurden. Seither
wurden in anderen Bezirken Albaniens ähnliche Projekte in die
Wege geleitet. Das Konzept Waffenabgabe gegen Entwicklungsförderung
hat auch in anderen Regionen Aufmerksamkeit und Interesse hervorgerufen.
Die Entwaffnung konfliktanfälliger Gesellschaften ist daher ein
wichtiger Bestandteil der Konfliktprävention. 93. Ebenso wichtig
wie die Entwaffnung konfliktanfälliger Gesellschaften ist auch
die Entwaffnung von Gesellschaften in der Konfliktfolgezeit, damit
ein Rückfall in einen Konflikt verhütet wird. In dieser
Hinsicht ist es wichtig, dass die internationale Gemeinschaft ausreichende
Ressourcen zur Unterstützung von Entwaffnungs-, Demobilisierungs-
und Wiedereingliederungsmaßnahmen bereitstellt. Die Weltbank
spielt eine bedeutende Rolle auf diesem Gebiet: sie gewährt technische
Hilfe bei der Ausarbeitung umfassender Entwaffnungs-, Demobilisierungs-
und Wiedereingliederungsprogramme, ist bei der Wiedereingliederung
von Exkombattanten in die Zivilgesellschaft behilflich und erteilt
Rat in Fragen im Zusammenhang mit der Regierungs- und Verwaltungsführung
und den Staatsausgaben. Die humanitären Partnerorganisationen
spielen bei den Entwaffnungs-, Demobilisierungs- und Wiedereingliederungsprojekten
ebenfalls eine zentrale Rolle. So ist zum Beispiel das Welternährungsprogramm
seit Beginn der neunziger Jahre einer der Hauptpartner bei den von
den Vereinten Nationen unterstützten Demobilisierungsprogrammen
(in Namibia, Angola, Mosambik, Liberia, Sierra Leone und Eritrea).
In Anbetracht der Bedeutung der humanitären Hilfe und der Wiederaufbauhilfe
während und nach der Durchführung von Demobilisierungs-
und Wiedereingliederungsprogrammen geht aus den bisherigen Erfahrungen
hervor, dass die humanitären Partnerorganisationen frühzeitig
an der Planung dieser Programme beteiligt werden müssen. Die
Erfahrungen in Liberia und Sierra Leone sind ein ernüchterndes
Beispiel dafür, wie zu einem Wiederaufflammen der Gewalt beigetragen
werden kann, wenn keine angemessenen Ressourcen für Entwaffnungs-,
Demobilisierungs- und Wiedereingliederungsmaßnahmen bereitgestellt
werden.
F. Maßnahmen
auf dem Gebiet der Menschenrechte 94. Um bewaffnete
Konflikte auf Dauer zu verhüten, müssen auch gezielt die
Achtung der Menschenrechte gefördert und die grundlegenden Probleme
im Zusammenhang mit Menschenrechtsverletzungen gelöst werden,
wo immer sie auftreten. Die Anstrengungen zur Verhütung bewaffneter
Konflikte sollen ein breites Spektrum von Menschenrechten fördern,
darunter nicht nur die bürgerlichen und politischen Rechte, sondern
auch die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte einschließlich
des Rechts auf Entwicklung. 95. In ihrer Resolution
48/141 ersuchte die Generalversammlung das Amt des Hohen Kommissars
der Vereinten Nationen für Menschenrechte (OHCHR), aktiv tätig
zu werden, um die Fortdauer von Menschenrechtsverletzungen in der
ganzen Welt zu verhindern. In ihrem Bericht an die Menschenrechtskommission
auf ihrer sechsundfünfzigsten Tagung (E/CN.4/2000/12)
unterstrich die Hohe Kommissarin, wie wichtig es ist, die Präventionsstrategien
in vielen verschiedenen Bereichen der Menschenrechte zu verstärken. 96. In dem Bemühen,
die Kapazitäten auf dem Gebiet des Menschenrechtsschutzes auszubauen
und auf diese Weise zur Konfliktprävention beizutragen, führt
das OHCHR derzeit in Zusammenarbeit mit Staaten, Organisationen der
Vereinten Nationen und regionalen Partnern mehr als 50 technische
Kooperationsprojekte durch, um den Regierungen, einzelstaatlichen
Institutionen und nichtstaatlichen Organisationen bei der Erweiterung
ihrer Kapazitäten auf dem Gebiet der Menschenrechte behilflich
zu sein. Diese Tätigkeiten sowie die Bildungsprogramme stärken
die Herrschaft des Rechts und die Fähigkeiten der Mitgliedstaaten
auf dem Gebiet der Menschenrechte. Die von den Menschenrechts-Sondermechanismen
und -Vertragsorganen sowie von den Feldmitarbeitern des OHCHR eingehenden
Informationen sollten besser in die Ausarbeitung von Präventionsstrategien
integriert werden. Den Feldbüros des OHCHR kommt außerdem
bei den präventiven Prozessen eine Rolle zu. 97. Dem Internationalen
Strafgerichtshof wird eine wesentliche Rolle zukommen, wenn es darum
geht, die schwerwiegendsten Verletzungen der Menschenrechte mittels
der Durchsetzung des Grundsatzes der internationalen strafrechtlichen
Verantwortlichkeit zu verhindern. Bis zur Einrichtung des Strafgerichtshofs
können Gerichtsorgane wie beispielsweise die internationalen
Strafgerichtshöfe für Ruanda und das ehemalige Jugoslawien
sowie die auf Grund der Menschenrechtsverträge geschaffenen Gerichtsbarkeiten
ebenfalls zur Konfliktprävention beitragen, indem sie den Grundsatz
der individuellen Verantwortlichkeit für solche Verbrechen durchsetzen
und von künftigen Verletzungen abschrecken. In diesem Zusammenhang
sind die Ratifikation und die Anwendung der Menschenrechtsverträge
durch die Mitgliedstaaten sowie die Ratifikation des Statuts des Internationalen
Strafgerichtshofs beziehungsweise der Beitritt dazu von besonderer
Wichtigkeit. 98. Vom 31. August
bis 7. September 2001 erörterte die Weltkonferenz gegen Rassismus,
Rassendiskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und damit zusammenhängende
Intoleranz viele der Fragen im Zusammenhang mit Rassen- und ethnischen
Konflikten, und ich hoffe, dass sie konkrete Empfehlungen abgab, namentlich
im Hinblick auf Frühwarnsysteme, vertrauensbildende Maßnahmen
sowie strukturelle und institutionelle Unterstützungsmechanismen
mit dem Ziel, zu verhindern, dass ethnische Spannungen in bewaffnete
Konflikte ausarten.
G. Entwicklungshilfe 99. Entwicklungshilfe
allein kann Konflikte weder verhüten noch beenden. Sie kann jedoch
Perspektiven eröffnen und die Schaffung politischer, wirtschaftlicher
und sozialer Freiräume erleichtern, innerhalb deren die lokalen
Akteure die Ressourcen bestimmen, erschließen und nutzen können,
die für den Aufbau einer friedlichen, fairen und gerechten Gesellschaft
erforderlich sind. Die Erfahrung zeigt zudem, dass Entwicklung nur
dann nachhaltig sein kann, wenn die Entwicklungsstrategien ihre eigenen
Auswirkungen auf die Spannungen berücksichtigen, die zu Gewalt
führen können, sowie Maßnahmen fördern, die solchen
Spannungen entgegenwirken. Kriege und Konflikte bringen Verluste an
Menschenleben und Zerstörung mit sich, werfen die betroffenen
Länder in ihrer Entwicklung zurück und drängen sie
an den Rand der Weltwirtschaft. 100. Die vom System
der Vereinten Nationen gewährte Entwicklungshilfe muss hauptsächlich
darauf gerichtet sein, die wichtigsten strukturellen Risikofaktoren
abzubauen, die gewaltsame Konflikte fördern: beispielsweise die
Ungerechtigkeit, indem die Disparitäten zwischen Identitätsgruppen
beseitigt werden; die Ungleichheit, indem gegen die Politiken und
Praktiken vorgegangen wird, die die Diskriminierung institutionalisieren;
die Mängel im Justizwesen, indem die Herrschaft des Rechts, ein
wirksamer und fairer Rechtsvollzug und eine ebensolche Rechtspflege
sowie gegebenenfalls die ausgewogene Vertretung in den Institutionen,
die der Herrschaft des Rechts dienen, gefördert werden; und die
Unsicherheit, indem eine rechenschaftspflichtige und transparente
Staatsführung gefördert und die menschliche Sicherheit verstärkt
wird. In diesem Lichte ist es nützlich, dass die residierenden
Koordinatoren der Vereinten Nationen gegebenenfalls und in Zusammenarbeit
mit den Regierungen die Möglichkeit prüfen, einen Gruppenmechanismus
zum Thema Konfliktprävention auf Landesebene einzurichten, der
sicherstellen soll, dass gemeinsame kohärente Entwicklungsstrategien
zur Bekämpfung der wichtigsten Risikofaktoren ausgearbeitet werden. 101. Darüber
hinaus sollte die Entwicklungszusammenarbeit der Vereinten Nationen
darauf gerichtet sein, die Gesellschaft besser in die Lage zu versetzen,
Spannungen zu bewältigen, unter Kontrolle zu halten und beizulegen,
bevor ein gewaltsamer Konflikt ausbricht. Dazu gehört die Gewährung
von Hilfe zur Stärkung der staatlichen Lenkungsstrukturen in
den Bereichen, die sich in der Entwicklung befinden, was dabei helfen
wird, instabile Situationen zu bewältigen, das Justizwesen anzugehen,
traditionelle Konfliktbeilegungsmechanismen anzuwenden, den politischen
Willen und die Führungsfähigkeit zur friedlichen Beilegung
von Streitigkeiten zu entwickeln, Fähigkeiten und Methoden auf
dem Gebiet der Konfliktbeilegung zu entwickeln, Konsens zu schaffen
und einen öffentlichen Politikdialog zu führen sowie partizipative
und integrative Entscheidungsprozesse bei zentralen wirtschaftlichen,
sozialen und politischen Fragen zu fördern. Alle Entwicklungspolitiken,
-programme und -projekte müssen aus dem Blickwinkel der Konfliktprävention
betrachtet werden, damit die sozioökonomischen Ungleichheiten
und Ungerechtigkeiten nicht in gewalttätige Konflikte münden.
Dieser Konfliktpräventionsansatz muss zu einem Bestandteil des
Prozesses der gemeinsamen Landesbewertung und des Entwicklungshilfe-Programmrahmens
werden. 102. Auf Ersuchen
der Regierungen machen die Tätigkeiten, die das UNDP in konfliktanfälligen
Ländern auf dem Gebiet der Regierungs- und Verwaltungsführung
und der Rechtsstaatlichkeit durchführt, mittlerweile mehr als
die Hälfte der Programme und Tätigkeiten des UNDP aus; der
Jahreshaushalt für diese Tätigkeiten übersteigt 1,2
Milliarden US-Dollar. Darüber hinaus unterstützen mehrere
UNDP-Programme die regionale Zusammenarbeit in grenzüberschreitenden
Fragen (z. B. im Einzugsgebiet des Tumen-Flusses in Ostasien), die
eindeutig eine konfliktverhütende Wirkung haben. In Postkonfliktsituationen
verfolgen die UNDP-Programme in den Bereichen Gebietsentwicklung (z.
B. in Kambodscha und Guatemala), Kleinwaffen (z. B. in Mali, El Salvador
und Albanien) sowie Entwaffnung, Demobilisierung und Wiedereingliederung
(z. B. in Mosambik und Guatemala) das Ziel, ein erneutes Aufflammen
bewaffneter Konflikte zu verhindern. 103. Eine neue
Generation von Entwicklungsprojekten konzentriert sich speziell auf
die Konfliktprävention. So haben beispielsweise mehrere vom UNDP
geleitete Projekte in Rumänien, Bulgarien, der ehemaligen jugoslawischen
Republik Mazedonien, Jugoslawien und der Ukraine das Ziel, innerhalb
der Regierung und der Zivilgesellschaft die Kapazitäten auf dem
Gebiet der Frühwarnung, der Konfliktanalyse und der Beilegung
von Konflikten auf nationaler und regionaler Ebene zu schaffen und
zu stärken. Ein weiteres Pilotprojekt, das UNDP-Projekt Vorbeugende
Entwicklungsmaßnahmen im Süden Kirgisistans, ist
darauf gerichtet, die Regierung besser in die Lage zu versetzen, Präventivmaßnahmen
als Teil des Prozesses der Nationalstaatsbildung zu ergreifen, und
zeigt, wie wichtig ein regionaler Ansatz für das Gelingen vorbeugender
Entwicklungsmaßnahmen ist. Die Horn-von-Afrika-Arbeitsgruppe
der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten
Nationen (FAO) empfiehlt nachdrücklich, unter der Schirmherrschaft
der Zwischenstaatlichen Behörde für Entwicklung und der
OAU und im Rahmen ihres regionalen Ernährungssicherungsprogramms
Kapazitäten auf dem Gebiet der Frühwarnung, der Konfliktprävention
und der Konfliktbeilegung in der betreffenden Region aufzubauen. Das
UNDP-Projekt Aufbau der Kapazitäten des OAU-Mechanismus
für die Verhütung, Bewältigung und Beilegung von Konflikten
ist ein weiteres Beispiel für die Behandlung dieses Themas aus
regionaler Sicht. 104. Außerdem
erstellen das UNDP und die Hauptabteilung Wirtschaftliche und Soziale
Angelegenheiten derzeit in Zusammenarbeit mit mehr als zehn afrikanischen
Institutionen und Fachleuten auf dem Gebiet der Konfliktbeilegung
Ausbildungsmaterial in vier Bereichen: Konfliktanalyse und Aufbau
frühzeitiger Eingreifkapazitäten, Entwicklung der Fähigkeit
zur Konflikttransformation, konfliktsensitive Entwicklungsansätze
und Aufbau einzelstaatlicher Kapazitäten auf dem Gebiet des Konfliktmanagements. 105. In den vergangenen
Jahren hat sich die Zusammenarbeit zwischen dem System der Vereinten
Nationen und den Bretton-Woods-Institutionen verstärkt, die offen
anerkannt haben, dass Konflikte die Verwirklichung ihrer Entwicklungsziele
ernsthaft beeinträchtigen und dass das Verständnis von Konflikten
und Präventivmaßnahmen als Teil ihres Auftrags angesehen
werden sollten. In der Weltbank hat sich dieser neue Ansatz konkret
in der Einrichtung einer Gruppe für Postkonfliktsituationen und
in der im Januar dieses Jahres beschlossenen neuen Operativen Grundsatzrichtlinie
über Entwicklungszusammenarbeit und Konflikte niedergeschlagen.
Die Wirtschaftsforschung der Weltbank zum Thema Bürgerkrieg ist
ein weiterer Bereich, aus dem wichtige operative Empfehlungen hervorgingen,
die, falls sie umgesetzt werden, Konfliktrisiken senken können. 106. Mit der Verstärkung
der Aktivitäten jeder einzelnen Organisation auf dem Gebiet der
Friedenskonsolidierung in der Konfliktfolgezeit, die einen weiteren
Aspekt der Konfliktprävention darstellt, haben sich auch die
Beziehungen zwischen ihnen vertieft. Beispiele für diese Zusammenarbeit
finden sich unter anderem in Osttimor und Haiti. Bislang waren jedoch
die diesbezüglichen Kontakte zwischen den jeweiligen Amtssitzen
begrenzt und sind gerade erst im Aufbau begriffen. Mit Hilfe dieser
Kontakte, insbesondere auf operativer Ebene, können beide Organisationen
ein besseres Verständnis der Situationen gewinnen, deren Entwicklung
sie beide verfolgen. Jede Organisation sollte sich im Rahmen ihres
jeweiligen Mandats und nach Bedarf an den Konfliktpräventionsmechanismen
der anderen Organisationen beteiligen. Ein gutes Beispiel dafür
ist, dass die Weltbank das Angebot der Vereinten Nationen angenommen
hat, im Exekutivausschuss für Frieden und Sicherheit mitzuwirken. 107. Die Kontakte
zwischen den Vereinten Nationen und dem Internationalen Währungsfonds
(IWF), die sich in einem weniger fortgeschrittenen Stadium befinden,
müssen weiter ausgebaut werden. So könnten die Vereinten
Nationen und der IWF zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass die
Kreditvergabepolitiken weder soziale Spannungen verschärfen noch
zum Ausbruch gewaltsamer Konflikte beitragen. Mehrere Bereiche, in
denen der IWF eine zentrale Rolle spielt - insbesondere der Bereich
der Staatsausgaben -, können im Kontext der allgemeinen Anstrengungen
zur Konfliktprävention eine positive oder negative Wirkung auf
die politische Situation ausüben. Um die Koordinierung und Zusammenarbeit
zwischen den Vereinten Nationen und den Bretton-Woods-Institutionen
auf dem Gebiet der Konfliktprävention und der Friedenskonsolidierung
zu verbessern, sollte die Schaffung eines Konsultationsmechanismus
auf Amtssitzebene in Erwägung gezogen werden.
H. Humanitäre
Tätigkeiten 1. Allgemeine
Erwägungen 108. Humanitäre
Tätigkeiten spielen zweifelsohne eine maßgebliche Rolle
bei der Linderung der Not der von Krisen betroffenen Zivilbevölkerung,
doch können die humanitären Akteure auch zur Konfliktprävention
beitragen, indem sie Projekte durchführen, die darauf abzielen,
ein Wiederaufflammen von Konflikten zu vermeiden. In den Ländern
und Regionen, in denen die Gefahr von Verfolgung, Gewalt und Vertreibung
besteht, haben die humanitären Organisationen die Aufgabe, eine
wirksame Datenerfassungs- und -analysekapazität zu entwickeln,
um zu ermitteln, welche Länder von humanitären Krisen bedroht
sind. 109. Die Verhütung
einer Binnenvertreibung von Zivilpersonen spielt eine wichtige und
zuweilen entscheidende Rolle im Rahmen der Konfliktprävention.
Arbeitslose und entfremdete binnenvertriebene Männer und Jugendliche,
insbesondere diejenigen, die in Lagern für Binnenvertriebene
leben, sind in hohem Maße der Gefahr der (häufig zwangsweisen)
Rekrutierung durch kriegführende Parteien ausgesetzt. Wenn wir
gewährleisten können, dass Zivilpersonen in ihrer Heimat
bleiben und weiter ihrem Lebensunterhalt und ihrer Bildung nachgehen
können, verringert sich die Gefahr, dass sie zu Schachfiguren
in militärischen Aktionen werden und so zu weiteren Konflikten
beitragen. Die Initiativen zu Gunsten des Schutzes von Zivilpersonen
sollten sich nicht nur an die kriegführenden Parteien richten,
sondern auch an die Mitglieder der internationalen Gemeinschaft, um
sie dazu zu bewegen, angemessene Präventivmaßnahmen zu
ergreifen. 110. Bei anhaltenden
humanitären Krisen ist die von den humanitären Organisationen
durchgeführte Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit neben den
konsolidierten Beitragsappellen das hauptsächliche Beispiel für
humanitäre Tätigkeiten zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit
für einen bestimmten Konflikt und seine Folgen. Humanitäre
Tätigkeiten schaffen oft das einzige Forum, in dem gegnerische
Gruppen zusammenkommen und einen Dialog führen können, was
bereits an sich einen nützlichen Schritt auf dem Weg zur künftigen
Aussöhnung darstellt. Humanitäre Organisationen haben die
Schaffung humanitärer Räume, Routen oder Zonen ausgehandelt,
die zu begrenzten Feuereinstellungen geführt und der humanitären
Hilfe Zugang zu Not leidenden Bevölkerungsgruppen verschafft
haben. 111. Es ist besonders
wichtig, dass die Mitgliedstaaten zum Schutz des Personals der Vereinten
Nationen beitragen, das in einem unsicheren Umfeld tätig ist.
In diesem Zusammenhang sollten alle Mitgliedstaaten, die dies noch
nicht getan haben, vordringlich die Ratifikation des Übereinkommens
von 1994 über die Sicherheit von Personal der Vereinten Nationen
und beigeordnetem Personal erwägen. Außerdem ist zu erwähnen,
dass die humanitären Akteure häufig während des gesamten
Ablaufs der Ereignisse, die zu einer Krise führen, im Feld vertreten
sind. Diese Präsenz verschafft ihnen den einzigartigen Vorteil,
aus erster Hand Informationen und Analysen zu erhalten, die dem Sicherheitsrat
zur Kenntnis gebracht werden sollten, damit er die Gelegenheit zu
einem raschen vorbeugenden Eingreifen nutzen kann.
2. Besondere
Gesichtspunkte 112. Die Rolle
der Organisationen und Programme der Vereinten Nationen bei der Konfliktprävention
fällt, wie im Weiteren beschrieben, unter ihre Tätigkeit
in den vier Bereichen Ernährungssicherung, Flüchtlinge,
Gesundheit und Kinder. a) Ernährungssicherheit
und Nahrungsmittelhilfe in Notstandssituationen 113. Hunger und
Konflikte sind eng miteinander verbunden, da in Kriegen, gleichviel
ob innerhalb eines Staates oder zwischen Staaten, die Kontrolle über
die Nahrungsmittelquellen und -versorgung beziehungsweise deren Unterbrechung
häufig als Mittel der Kriegsführung und/ oder zum Zweck
des Aushungerns der gegnerischen Gruppen angehörenden Zivilbevölkerung
eingesetzt wird, wie beispielsweise in Angola, Sudan, Mosambik und
Sierra Leone. Nahrungsmittelproduktion und -versorgung gehören
in Konfliktsituationen zu den ersten Opfern. Darüber hinaus werden
die Menschen durch Vertreibung daran gehindert, Nahrungsmittel auf
gewohnte Weise zu erzeugen beziehungsweise zu erwerben. 114. Konflikte
führen unmittelbar zu einer zunehmend unsicheren Ernährungslage,
wodurch die Überwindung der tieferen Ursachen der Konflikte zusätzlich
erschwert wird. Die jüngsten Konflikte und Besetzungen landwirtschaftlicher
Betriebe in Ländern des südlichen Afrika sowie die Kämpfe
zwischen Weidetierhaltern und sesshaften Bauern im östlichen
Afrika machen deutlich, dass der Zugang der Armen zu den auf Grund
und Boden beruhenden Ressourcen eine wichtige Grundlage für den
Frieden und eine nachhaltige Entwicklung darstellt. In ähnlicher
Weise gehört die Landkonzentration in Verbindung mit der Armut
in Lateinamerika zu den Hauptproblemen, die den anhaltenden Konflikten
in dieser Region zugrunde liegen. Wo Menschen den Nahrungsmittelbedarf
ihrer Familie nur durch die völlige Erschöpfung der natürlichen
Ressourcen oder die Verwendung degradierter Ressourcen decken können,
sondiert das Welternährungsprogramm (WEP) Wege zur Gewährung
einer Nahrungsmittelhilfe, die die Maßnahmen zur Erschließung
der natürlichen Ressourcen sowie andere Maßnahmen der Boden-
und Ressourcenbewirtschaftung unterstützt. Dies kann Konflikte
vermeiden helfen, die auf Spannungen auf Grund von begrenzten natürlichen
Ressourcen beruhen oder damit verbunden sind. 115. Die grenzüberschreitende
Wasserversorgung kann sowohl Konfliktursache als auch Gelegenheit
zur Zusammenarbeit sein. Es gibt Anzeichen, dass guten hydrologischen
Informationen unter anderem eine Rolle bei der Verhütung von
Konflikten im Zusammenhang mit Wasserressourcen zukommt. Die FAO unterstützt
gegenwärtig eine Vielzahl von internationalen Flussbecken- und
Regionalorganisationen wie beispielsweise die Entwicklungsgemeinschaft
des südlichen Afrika (SADC) bei der Konzeption und Durchführung
gemeinsamer Strategien für die Bewirtschaftung von Wasserressourcen.
Dazu gehören die Nilbeckeninitiative, die Kommission für
das Tschadsee-Becken und die Nigerbecken-Behörde. Die FAO unterstützt
außerdem den Aufbau von Einrichtungen zur Bewirtschaftung gemeinschaftlich
genutzter natürlicher Ressourcen, wobei der Abgleich konkurrierender
Interessen zwischen vor- und nachgelagerter Wassernutzung in Wassereinzugsgebieten
beziehungsweise zwischen mittelständischer und industrieller
Fischerei in Fischfanggebieten im Mittelpunkt steht. 116. Zwar werden
Präventionsgesichtspunkte in den Programmen des WEP nicht immer
konkret als Ziele herausgestellt, doch sind sie von der Arbeit des
WEP auf den Gebieten der Nothilfe und der Entwicklung nicht zu trennen.
Die Nothilfeprogramme des WEP tragen dazu bei, den Dialog zwischen
(potenziell) miteinander in Konflikt stehenden Gruppen oder Parteien
(wieder-)herzustellen und ein Klima des Vertrauens zwischen den Parteien
und gegenüber den internationalen humanitären Hilfsorganisationen
zu schaffen beziehungsweise zu erneuern. Die Öffnung von Straßen
und der Wiederaufbau der Verkehrsinfrastruktur, mitunter in Verbindung
mit humanitären Antiminenaktionen, können sich ebenfalls
auf lange Sicht positiv auswirken, indem sie den ungehinderten Personen-
und Güterverkehr, die Wiederöffnung der Märkte und
die Kontakte zwischen voneinander getrennten Gemeinschaften über
Konfliktlinien hinweg erleichtern. 117. Das WEP kann
einen wichtigen Beitrag zur sozialen und politischen Stabilität
leisten, indem es sicherstellt, dass seine Ressourcen gezielt den
gefährdeten und ausgegrenzten Bevölkerungsgruppen und Gebieten
zugute kommen und dass ihr Grundbedarf an Nahrungsmitteln gedeckt
wird. Nahrungsmittelhilfe kann auch als Katalysator für Wiederaufbau
und Entwicklung dienen. 118. Das WEP und
die FAO sind außerdem wichtige Akteure, wenn es darum geht,
Daten und Informationen über Ernährungsunsicherheit und
davon ausgehende potenzielle Bedrohungen gefährdeter Menschen
und Bevölkerungsgruppen zu sammeln, auszuwerten und zu verbreiten.
Der FAO-Bericht Stand der Ernährungsunsicherheit
enthält die absoluten Zahlen und den Anteil der von einer unsicheren
Ernährungslage betroffenen Menschen weltweit und in den einzelnen
Staaten. Die Interinstitutionelle Arbeitsgruppe für Informationen
und Kartierungssysteme über Ernährungsunsicherheit und entsprechende
Gefährdung ist bestrebt, die Qualität der Informationen
über das Auftreten, die Art und die Ursachen chronischer Ernährungsunsicherheit
und entsprechender Gefährdung zu verbessern. Das Weltweite Informations-
und Frühwarnsystem bewertet die aktuelle und die prognostizierte
Nahrungsmittelversorgungslage (FAO) und den Bedarf an Nahrungsmittelhilfe
(WEP) auf der Landesebene und erstattet darüber Bericht. Die
Auswertung dieser Indikatoren ermöglicht dem WEP und der FAO
die Entwicklung von Strategien, mittels deren sie gezielt den gefährdetsten
Bevölkerungsgruppen helfen können. Seit 1999 haben das WEP
und die FAO zunehmend an einem Prozess des Informationsaustauschs
mit anderen Partnern mitgewirkt, insbesondere durch den Dienststellenübergreifenden
Koordinierungsrahmen der Vereinten Nationen. In allen Ländern,
in denen das WEP tätig ist, besteht gewöhnlich ein Frühwarnmechanismus,
häufig in Zusammenarbeit mit den Regierungen, den Organisationen
der Vereinten Nationen und anderen Partnern. b) Flüchtlinge 119. Das Interesse
und die Mitwirkung des Amtes des Hohen Flüchtlingskommissars
der Vereinten Nationen (UNHCR) an der Konfliktprävention wurde
in Resolutionen der Generalversammlung anerkannt, in denen die Entschlossenheit
des jeweiligen Hohen Kommissars begrüßt wurde, Maßnahmen
zu sondieren und durchzuführen, die das Entstehen von Bedingungen
verhindern sollen, die Flüchtlingsströme verursachen. Die
Generalversammlung forderte den Hohen Kommissar außerdem auf,
aktiv neue Möglichkeiten für Präventionsstrategien
zu erkunden, die mit den Schutzgrundsätzen im Einklang stehen. 120. Erfahrungen
haben gezeigt, dass die Vereinten Nationen in einigen Situationen
durch die Anwesenheit des UNHCR in Zonen bewaffneter Konflikte in
die Lage versetzt wurden, sich für Menschen einzusetzen, deren
Leben und Freiheit auf dem Spiel standen, die schlimmsten Exzesse
der kriegführenden Parteien zu unterbinden und andere Mitglieder
der internationalen Gemeinschaft zu ermutigen, geeignete politische
Maßnahmen zu ergreifen. Eine proaktive Strategie im Bereich
der Öffentlichkeitsarbeit, der Beziehungen zu den Medien und
der Lobbyarbeit verbunden mit diskreteren diplomatischen Bemühungen
können dazu beitragen, dass das UNHCR in solchen Situationen
größtmögliche Präventivwirkung erzielen kann.
In den Asylländern kommt der Trennung bewaffneter Elemente von
gutgläubigen Flüchtlingen sowie der wirksamen Aufrechterhaltung
der öffentlichen Ordnung in den von Flüchtlingen besiedelten
Gebieten ebenfalls eine wichtige Rolle zu, wenn es darum geht, das
Entstehen und die Eskalation von Konflikten zu verhindern. 121. Es zeichnet
sich zunehmend ab, dass der komparative Vorteil des UNHCR in Bezug
auf die Verhinderung von Situationen, die zu Flüchtlingsströmen
führen, dort zum Tragen kommt, wo bewaffnete Konflikte vorüber
sind oder ihre Intensität nachgelassen hat. Da die Rückkehr
einer großen Anzahl von Flüchtlingen und Binnenvertriebenen
in der Konfliktfolgezeit oft destabilisierend wirken kann, insbesondere
wenn diese Rückkehr rasch und unter Zwang erfolgt, können
die Anstrengungen des UNHCR, eine dauerhafte Rückführungslösung
durch die Verknüpfung humanitärer Hilfe mit einer langfristigen
Entwicklung zu stabilisieren, in hohem Maße zur Verhinderung
bewaffneter Konflikte beitragen. Eine dauerhafte politische Lösung
ist dann am wahrscheinlichsten, wenn die Rückkehrer und andere
Menschen zu produktiven Mitgliedern ihrer eigenen Gesellschaft werden
können. c) Gesundheit 122. Die universelle
Bedeutung der Frage der Gesundheitsversorgung gibt ihr auf dem Gebiet
der Präventivmaßnamen besonderes Gewicht. Maßnahmen
im Bereich des Gesundheitswesens, wie beispielsweise nationale Impftage,
haben Wege für den Dialog und die Aussöhnung geöffnet,
und sie sollten nicht nur für von Kriegen betroffene Länder
in Betracht gezogen werden, sondern auch für konfliktträchtige
Zonen. In Angola, der Demokratischen Republik Kongo, Liberia, Sierra
Leone, Somalia, Sudan, Afghanistan und Tadschikistan sind Waffenruhen
und Tage der Ruhe, die zwischen den Organisationen der Vereinten Nationen
und allen Konfliktparteien ausgehandelt werden, ein Schlüssel
zur Beseitigung der Kinderlähmung. Mit Hilfe des Kinderhilfswerks
der Vereinten Nationen (UNICEF) und der Weltgesundheitsorganisation
(WHO) wurde in der Demokratischen Republik Kongo 1999 ein Durchbruch
erreicht, als 8,2 Millionen der insgesamt 10 Millionen Kinder unter
fünf Jahren in Impfkampagnen gegen die Kinderlähmung geimpft
wurden. Dem auf breiter Ebene bekannt gemachten Aufruf des Generalsekretärs
folgend wurden die Kampfhandlungen in 90 Prozent des Landes ausgesetzt.
Solche Impfkampagnen an von den Vereinten Nationen ausgehandelten
Tagen der Ruhe können Gelegenheit zum Dialog zwischen den verschiedenen
Seiten eröffnen und zu entscheidender Zeit helfen, den Ausbruch
oder die Eskalation bewaffneter Konflikte zu verhindern. 123. Im subsaharischen
Afrika stellt HIV/Aids eine besonders ernste Bedrohung für die
wirtschaftliche, soziale und politische Stabilität dar. Nicht
nur einzelne Bürger, sondern auch die gesellschaftsprägenden
Institutionen sind davon bedroht. Potenziell besteht die Gefahr, dass
sich die HIV/Aids-Epidemie auch in anderen Teilen der Welt rasch ausbreitet.
Im Jahr 2000 haben die Generalversammlung, der Sicherheitsrat und
der Wirtschafts- und Sozialrat diesem Problem große Aufmerksamkeit
gewidmet. Die bevorstehende Sondertagung der Generalversammlung über
HIV/Aids bietet eine besonders wichtige Gelegenheit zur Mobilisierung
der internationalen Gemeinschaft zu einer wirksameren Strategie zur
Verhütung von HIV/Aids und der damit verbundenen möglicherweise
destabilisierenden Auswirkungen.
d) Kinder 124. Junge Menschen
mit niedrigem Bildungsstand und geringen Beschäftigungschancen
sind oftmals die Hauptanwärter für eine Rekrutierung durch
Konfliktparteien. Ihre fehlenden Zukunftsperspektiven können
eine Entfremdung von der Gesellschaft hervorrufen und sie für
die Propaganda der Befürworter von bewaffneten Konflikten anfällig
machen. Dieses Problem kann in denjenigen Ländern, in denen die
Zahl der Jugendlichen im Vergleich zu anderen Altersgruppen überwiegt,
besonders ausgeprägt sein. In diesen Ländern kam und kommt
es häufig verstärkt zu politischen Unruhen und auch gewalttätigen
Konflikten. Die Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen und Zielen
der Jugendlichen ist daher ein wichtiger Aspekt langfristiger Präventionsstrategien.
Darüber hinaus können junge Menschen einen wichtiger Beitrag
zum Frieden und zur Konfliktprävention leisten, beispielsweise
im Rahmen von Jugendbewegungen für den Frieden und Treffen von
Jugendlichen über imaginäre ethnische Grenzen hinweg. Das
UNICEF nutzt in seinen Programmen die Bildung als eine Hauptstrategie
zur Verhütung von Konflikten und Intoleranz und zur Gewährleistung
eines friedensfördernden Umfelds. Eine weitere Priorität
besteht darin, ausgegrenzten Gruppen Zugang zu Bildung zu verschaffen.
Durch Friedenserziehungsprogramme will das UNICEF eine Kultur des
Friedens fördern, die auf der Achtung der Menschenrechte, auf
Toleranz, Partizipation und Solidarität beruht. 125. Zu den Faktoren,
die mit dafür verantwortlich sind, dass ein Land die Eskalation
von Streitigkeiten in gewalttätige Konflikte nicht verhindern
kann, gehören die von früheren gewaltsamen Konflikten zurückgebliebenen
Wunden, insbesondere diejenigen, die Kindern zugefügt wurden.
Werden Kinder Opfer oder Zeugen von Gewalt, so kann dies bei ganzen
Generationen zu Gewaltbereitschaft bei der Austragung ihrer Streitigkeiten
führen. Der durch solchen Missbrauch begründete Teufelskreis
der Gewalt kann zudem jeden möglicherweise bestehenden politischen
Willen oder jede politische Führerschaft, die auf die friedliche
Beilegung von Streitigkeiten gerichtet sind, untergraben und die von
der internationalen Gemeinschaft getragenen Kosten der Streitbeilegung
steil in die Höhe treiben. 126. Mein Sonderbeauftragter
für Kinder und bewaffnete Konflikte, das UNHCR, das UNICEF, das
Amt des Hohen Kommissars für Menschenrechte und viele weitere
zwischenstaatliche und nichtstaatliche Organisationen setzen sich
dafür ein, die Not der von bewaffneten Konflikten betroffenen
Kinder zu lindern und ihre dauerhafte Rehabilitation sicherzustellen,
was entscheidend zur Fähigkeit eines Landes beitragen kann, ein
Wiederaufleben gewaltsamer Konflikte zu verhindern. 127. Von Kriegen
betroffenen Kindern sollte bei den Anstrengungen, den Ausbruch beziehungsweise
das Wiederaufleben von Konflikten zu verhindern, stets klare Priorität
eingeräumt werden, namentlich in den Mechanismen, die im Anschluss
an Konflikte für Gerechtigkeit und Aussöhnung sorgen. Durch
Mittel wie die unlängst zum Einsatz gebrachten Kinderschutz-Berater
können Friedenssicherungseinsätze auch bei der Rehabilitation
von Kindern und damit bei der Verhinderung des Wiederauflebens von
Konflikten behilflich sein. Die Erfahrungen des UNICEF bei der sozialen
und wirtschaftlichen Wiedereingliederung demobilisierter Kindersoldaten,
namentlich in Sudan, Sierra Leone und der Demokratischen Republik
Kongo, zeigen, dass diese Aktivitäten entscheidend sind, um ein
Wiederaufleben von Konflikten zu verhindern. 128. Auf ihrer
vom 19. bis 21. September 2001 in New York abgehaltenen Sondertagung
über Kinder hat die Generalversammlung Fragen betreffend Kinder
in Situationen potenzieller oder akuter bewaffneter Konflikte erörtert
und geeignete Strategien und Maßnahmen für ihren Schutz
aufzeigt.
I. Medien und
Öffentlichkeitsarbeit 129. Die Massenmedien
haben die Macht, die öffentliche Meinung zu formen und zu mobilisieren,
und sie werden häufig von den Konfliktparteien manipuliert, sodass
sie zu Gewalt aufstacheln und bewaffnete Konflikte provozieren. Die
Kontrolle über die Massenmedien und den Informationsfluss kann
maßgeblich zum Ausgang eines Konflikts beitragen. Sollen die
Medien eine mäßigende Rolle spielen und damit zur Konfliktprävention
beitragen, so muss ein Umfeld bestehen, das gegensätzlichen Meinungen
Raum bietet. Die Achtung des Rechts der freien Meinungsäußerung
und der Pressefreiheit ist ein wichtiger Bestandteil der Prävention. 130. Die Vereinten
Nationen können häufig die Aufmerksamkeit der internationalen
Gemeinschaft durch Presseerklärungen, Rundfunk- und Fernsehsendungen,
das Internet und andere Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit
auf im Entstehen begriffene Konflikte lenken, sofern stille diplomatische
Bemühungen dadurch nicht behindert werden. Insbesondere können
die Vereinten Nationen durch direkte und von den einzelnen Missionen
ausgehende und mit den entsprechenden internationalen, regionalen
und nationalen Sendeanstalten abgestimmte Sendungen in bestimmten
Krisensituationen Hetznachrichten entgegenwirken und die Zielgruppen
in konfliktträchtigen Ländern erreichen. Auch muss der präventive
Journalismus gefördert werden. Journalisten und Medienorganisationen
könnten konkrete Situationen erkennen helfen, bevor diese zu
bewaffneten Konflikten eskalieren. Die Hauptabteilungen und Organisationen
der Vereinten Nationen sollten deshalb die Öffentlichkeitsarbeit
in die in ihren jeweiligen Zuständigkeitsbereichen ausgearbeiteten
Präventionsstrategien einbeziehen. Die Vereinten Nationen sollten
außerdem Präventivmaßnahmen in ihre Öffentlichkeitsarbeit
einbeziehen. 131. Die Friedenssicherungs-
und politischen Missionen der Vereinten Nationen verfügen meist
über gewisse Kapazitäten für die Öffentlichkeitsarbeit,
teils sogar über vollwertige Informationsbüros und Medienstellen,
die Informationen in der Öffentlichkeit verbreiten und grobe
Verzerrungen in den Medien sowie Missverständnisse bezüglich
ihrer Tätigkeit in der Öffentlichkeit richtig stellen. Die
Präsenz der Vereinten Nationen kann insofern mäßigend
wirken, als sie die einheimische Bevölkerung mit unparteiischen
Informationen versorgt, und sie kann helfen, Spannungen zwischen den
Konfliktparteien abzubauen und die Wiederaufnahme bewaffneter Konflikte
zu verhindern.
J. Gleichstellung der Geschlechter 132. Seit der 1975 in Mexiko abgehaltenen Ersten Weltfrauenkonferenz wird anerkannt, dass Frauen bei der Förderung des Friedens eine bedeutende Rolle zukommt. In der auf der Vierten Weltfrauenkonferenz 1995 in Beijing verabschiedeten Aktionsplattform sowie in den einvernehmlichen Schlussfolgerungen der Kommission für die Rechtsstellung der Frau von 1998 wurden die Regierungen und die internationalen Organisationen ferner aufgefordert, Frauen in bewaffneten Konflikten zu schützen und ihre Mitwirkung an allen Aspekten der Friedenskonsolidierung zu unterstützen, namentlich bei der Konfliktprävention und -beilegung und dem Wiederaufbau in der Konfliktfolgezeit. Ein wesentlicher Aspekt der Konfliktprävention ist die Stärkung der Rechtsstaatlichkeit und in diesem Kontext der Schutz der Menschenrechte der Frau, der dadurch erreicht wird, dass bei Verfassungs-, Gesetzes- und Justizreformen sowie bei Reformen des Wahlsystems die Gleichberechtigung der Frau gezielt einbezogen wird. 133. In seiner
Resolution
1325 (2000) erkannte der Sicherheitsrat an, dass sich bewaffnete
Konflikte auf Frauen unterschiedlich auswirken und dass wirksame institutionelle
Regelungen notwendig sind, um ihren Schutz zu gewährleisten.
Der Rat erkannte ferner an, dass die volle Mitwirkung von Frauen an
Friedensprozessen entscheidend zur Aufrechterhaltung und Förderung
des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit beitragen kann.
Er bekundete außerdem seine Bereitschaft, eine Geschlechterperspektive
in Friedensmissionen zu integrieren, und forderte Maßnahmen,
die den Schutz und die Achtung der Menschenrechte von Frauen und Mädchen
sicherstellen, insbesondere im Zusammenhang mit der Verfassung, dem
Wahlsystem, der Polizei und der rechtsprechenden Gewalt. In der genannten
Resolution wurde ich außerdem aufgefordert, die Rolle von Frauen
und Mädchen in Friedensmissionen auszuweiten, um sicherzustellen,
dass für Geschlechterfragen zuständige Stellen in Feldmissionen
aufgenommen werden, und den Mitgliedstaaten Leitlinien für die
Aus- und Fortbildung über den Schutz, die Rechte und die besonderen
Bedürfnisse von Frauen sowie für Aufklärungsmaßnahmen
über HIV/Aids im Rahmen ihrer einzelstaatlichen Ausbildungsprogramme
für Militärpersonal und Zivilpolizisten zur Verfügung
zu stellen. 134. Das Arbeitsprogramm
meiner Sonderberaterin für Gleichstellungsfragen und Frauenförderung
und der Abteilung Frauenförderung hat zu den Erkenntnissen und
den Forschungsarbeiten zur Rolle der Frau in der Friedensschaffung
beigetragen. Die Bedrohung aller Bürger, insbesondere der Frauen,
durch Konfliktsituationen hat erneut verdeutlicht, dass eine geschlechtsspezifische
Analyse in die Frühwarnmaßnahmen einbezogen werden muss
und dass der Schutz der Frau durch Präventivmaßnahmen verstärkt
werden kann. Die Hauptabteilung Friedenssicherungseinsätze, die
Hauptabteilung Politische Angelegenheiten, das UNICEF, das UNHCR,
das UNDP und der Entwicklungsfonds der Vereinten Nationen für
die Frau (UNIFEM) haben sich jahrelang für die Einbeziehung einer
Geschlechterperspektive in Friedensunterstützungsmissionen eingesetzt,
indem sie zur Mitwirkung von Frauen an Konfliktpräventionsmaßnahmen
ermutigt und Frauen in Konflikt- und Postkonfliktsituationen Unterstützung
gewährt haben. 135. Ich habe
eine Arbeitsgruppe für Frauen, Frieden und Sicherheit eingerichtet,
um bei der Durchführung der Resolution
1325 (2000) des Sicherheitsrats die Zusammenarbeit und Koordinierung
innerhalb des gesamten Systems der Vereinten Nationen sicherzustellen.
Die Arbeitsgruppe mit Vertretern von 15 Stellen des Systems der Vereinten
Nationen ist gegenwärtig damit befasst, einen Aktionsplan für
die Durchführung der Ratsresolution auszuarbeiten. Der Aktionsplan
wird darlegen, welche Initiativen die verschiedenen Teilbereiche des
Systems der Vereinten Nationen in Bezug auf jede Ziffer im Beschlussteil
der Ratsresolution zu ergreifen haben. Die in der Ratsresolution enthaltene
Bitte, die Durchführung einer Studie über die Auswirkungen
bewaffneter Konflikte auf Frauen und Mädchen, die Rolle der Frau
bei der Friedenskonsolidierung und die Geschlechterdimensionen von
Friedensprozessen und der Konfliktbeilegung zu veranlassen, eröffnet
die für mich besonders wichtige Chance, das Verständnis
der Geschlechterperspektiven bei der Konfliktprävention zu vertiefen
und konkrete Empfehlungen für das weitere Vorgehen abzugeben.
In dieser Hinsicht müssen die Mitgliedstaaten die Anstrengungen
stärker unterstützen, die das System der Vereinten Nationen
unternimmt, um lokale Friedensinitiativen von Frauen und indigene
Konfliktpräventionsprozesse zu unterstützen und Frauen im
Einklang mit Resolution
1325 (2000) des Sicherheitsrats in friedenskonsolidierende Maßnahmen
einzubeziehen.
K. Drogenkontrolle
und Verbrechensverhütung 136. Es ist notwendig,
gegen illegale, konfliktschürende Geschäftstätigkeiten
anzugehen. Die Vereinten Nationen müssen ihre beachtlichen Feldpräsenzen
mobilisieren, um die Flut der illegalen Geschäftstätigkeiten
zu erkennen und einzudämmen. Die Tätigkeit des Büros
für Drogenkontrolle und Verbrechensverhütung könnte
in zwei Hauptbereichen zur Verhütung bewaffneter Konflikte beitragen:
zum einen vermindern Maßnahmen gegen die grenzüberschreitende
Kriminalität, insbesondere den unerlaubten Drogenhandel und die
Geldwäsche, die Möglichkeiten potenzieller Aufständischer
oder Aggressoren, sich Mittel zu beschaffen; zum anderen vermindern
Maßnahmen zur Eindämmung des unerlaubten Handels mit Schusswaffen
die Verfügbarkeit dieser Waffen und damit die Bereitschaft gegnerischer
Parteien, einen bewaffneten Konflikt aufzunehmen. In ihrer Arbeit
auf Feldebene sollten die Landesteams der Vereinten Nationen der Verbrechensverhütung
sowie der Verhinderung des Drogenhandels und des unerlaubten Handels
mit Kleinwaffen größere Aufmerksamkeit widmen. Insbesondere
ist es wichtig, dass möglichst viele Mitgliedstaaten das Übereinkommen
gegen die grenzüberschreitende organisierte Kriminalität
und die dazugehörigen Protokolle ratifizieren, namentlich das
Protokoll zur Verhütung, Bekämpfung und Bestrafung des Menschenhandels,
insbesondere des Frauen- und Kinderhandels.
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