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HIV/Aids
Kinder
zahlen einen katastrophalen Tribut. Jeden Tag
infizieren sich mehr als 8.000 junge Menschen unter 25
Jahren mit HIV: Insgesamt leben 10,3 Millionen junge Menschen
zwischen 15 und 24 und weitere 1,4 Millionen Kinder unter
15 Jahren mit HIV/Aids. Über vier Millionen Kinder
sind seit dem Auftreten der Krankheit gestorben. 13, 2
Millionen Kinder haben durch Aids ihre Mutter oder beide
Elternteile verloren - 95 Prozent dieser Kinder leben
in Afrika.
HIV/Aids
fügt nicht nur diesen Millionen Kindern großes
Leid zu, sondern auch zahllosen anderen. In besonders
betroffenen Gebieten verarmen Familien durch Aids. Gemeinschaften
und ganze Nationen verlieren durch die Krankheit und den
Tod produktiver Erwachsener die Möglichkeit, sich
um die Kinder zu kümmern. Der Tod von Lehrern, Mitarbeitern
von Gesundheitsdiensten und anderen sozialen Einrichtungen
hat verheerende Auswirkungen auf die für die Rechte
der Kinder so wichtigen Bildungs- und sozialen Wohlfahrtseinrichtungen.
Die Folge davon ist, dass Jahrzehnte hart erkämpfter
Erfolge bei der Senkung von Kindersterblichkeit, der Entwicklung
und der Erziehung zunichte gemacht worden sind - nicht
nur in weiten Teilen Afrikas, sondern zunehmend auch in
Asien, Osteuropa und im karibischen Raum.
Leugnen,
Stigmatisierung und Armut leisten der Epidemie Vorschub.
Zur Zeit leben 36,1 Millionen Menschen mit HIV/Aids. Fast
22 Millionen Menschen sind daran bereits gestorben. Dennoch
führen das Leugnen der Krankheit und weitverbreitete
Stigmatisierung weiter dazu, dass Aufklärungskampagnen
für junge Menschen und andere dringend benötigte
Vorbeugungsprogramme blockiert werden.
Armut
und HIV/Aids begünstigen sich gegenseitig. Sexuell
übertragbare Krankheiten, die das Risiko einer HIV-Übertragung
um das bis zu zwanzigfache erhöhen können, werden
oft nicht behandelt, weil die Patienten keinen Zugang
zur Gesundheitsvorsorge haben oder es an Antibiotika fehlt,
oder sie sich beides nicht leisten können. Unterernährung,
verschmutztes Wasser und schlechte Sanitäreinrichtungen
vervielfachen für Aids-Kranke das Risiko von Folgeerkrankungen.
Außerdem werden arme und marginalisierte Bevölkerungsgruppen
üblicherweise am schlechtesten von den Sozialdiensten
betreut. Die mangelhafte Aufklärung über HIV/Aids
ist dabei keine Ausnahme. Verarmte Kinder, die nicht zur
Schule gehen, können nicht am Aufklärungsunterricht
teilnehmen. Große Armut und Arbeitslosigkeit können
junge Mädchen, besonders diejenigen, die keine oder
nur eine geringe Ausbildung erhalten haben, in die Prostitution
führen, wo sie dann dem Risiko einer HIV-Infektion
besonders stark ausgesetzt sind.
Die unvollendete Agenda: Wie HIV/Aids
besiegt werden kann
Kinder
und Jugendliche sind der Schlüssel, um die Epidemie
zu bekämpfen. Das Verhalten und die Fähigkeiten,
die Kinder und Jugendliche erlernen, entscheiden über
den Verlauf der Epidemie weltweit. Deshalb müssen
junge Menschen mit Informationen und Mitteln versorgt
werden, um sich gegen HIV zu schützen, das schließt
Gesundheitsvorsorge für junge Menschen ein.
Kinder
und Jugendliche müssen auch an der Entwicklung von
Lösungen beteiligt werden. Die Erfahrung zeigt, dass
sie eine wichtige Rolle als Ratgeber innerhalb ihrer Altersgruppe
spielen und andere Jugendliche über HIV informieren
können.
Kindern
und Jugendlichen muss zugehört werden, wenn die besonderen
Bedürfnisse von Waisen und Kindern mit HIV/Aids an
höchster Stelle auf der politischen Agenda gelangen
sollen.
Mädchen
und Frauen muss in allen Bereichen mehr Macht zugestanden
werden. Ungleiche Geschlechterbeziehungen fördern
die HIV/Aids-Epidemie. Dieser grundlegende Nachteil muss
angesprochen werden, wenn die Epidemie überwunden
werden soll. Mädchen müssen zur Schule gehen
können, um Ausbildung, Selbstbewusstsein und Wissen
zu erhalten und in der Lage zu sein, eine sichere Wahl
zu treffen. Mädchen und Frauen in Konfliktgebieten
benötigen besondere Unterstützung. Der Zugang
zu freiwilligen und anonymen Beratungen und Tests muss
erweitert werden, damit Frauen und ihre Partner über
ihre Situation Bescheid wissen und vernünftige Entscheidungen
treffen können. Schwangere müssen für eine
sichere Mutterschaft und Geburt beraten werden. Weitaus
größere Investitionen sind für den verstärkten
Einsatz von anti-retrovialen Medikamenten nötig,
um die Übertragung von HIV von der Mutter auf das
Kind zu verhindern.
Aids-Waisen
benötigen besonderen Schutz und eine neue Gesetzgebung.
Politische Strategien und Gesetze müssen für
Waisen entwickelt werden, zum Vorteil jedes einzelnen
Kindes und des Rechts auf ein Familienleben. Die Gesetzgebung
muss Normen zum Schutz und zur Fürsorge von Waisen
entwickeln, die Pflegschaften und Adoptionen fördern,
faire Erbschafts- und Besitzrechte einführen und
die Fürsorge innerhalb der Gemeinden erweitern. Institutionen
sollten dabei an letzter Stelle in Betracht gezogen werden.
Ein
mutiger öffentlicher Führungsstil ist eine Notwendigkeit.
In einigen Regionen und Ländern wird die beispiellose
Bedrohung durch HIV/Aids noch immer nicht voll erkannt.
Um eine angemessene Antwort zu finden, muss HIV/Aids höchste
Priorität in der nationalen Politik und in den öffentlichen
Haushalten erhalten. Dies ist nur durch einen mutigen
öffentlichen Führungsstil zu erreichen.
HIV/Aids
ist ein vordringliches Problem der Entwicklung.
In vielen Ländern wird die Epidemie als Gesundheitsthema
betrachtet und fast ausschließlich im Gesundheitssektor
diskutiert. HIV/Aids ist aber, wie UNO-Generalsekretär
Kofi Annan mehrfach betont hat, eine Regierungskrise
und eine Führungskrise. Ein starker, ganzheitlicher
Ansatz, der verschiedene Politikbereiche umfaßt,
ist notwendig. Nationale Maßnahmen gegen HIV/Aids
müssen in übergreifende Entwicklungsstrategien
integriert werden, die gleichberechtigtes Wachstum fördern,
Arbeitsplätze schaffen sowie Gerechtigkeit und Demokratie
stärken.
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