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Geschlechtsspezifische
Diskriminierung
Frauen
und Mädchen bilden die Hälfte der Weltbevölkerung.
Damit sind sie eine bemerkenswerte Kraft für Veränderung,
Wachstum und Entwicklung. In zu vielen Gesellschaften
werden ihnen jedoch ihre natürlichen Rechte - Gleichstellung,
ihre Position in der Gesellschaft, Macht und Wissen -
vorenthalten. Die Welt kann nur davon profitieren, wenn
Frauen und Mädchen ihre Rechte einfordern und eine
den Männern und Jungen gleichwertige Stellung in
ihrer häuslichen Umgebung, in ihren Gemeinschaften
und in der Gesellschaft einnehmen.
Diskriminierung
gegen Frauen und Mädchen ist weit verbreitet und
hat sich in vielen Bereichen des täglichen Lebens
eingebürgert - am Arbeitsplatz, in Schulen, in den
Gerichten; sie findet sich in den verschiedenen Religionen
und im eigenen Zuhause. Diskriminierung führt damit
nicht nur zur Verletzung von Menschenrechten, die auch
Frauen zustehen, sondern sie untergräbt auch die
Zukunftsmöglichkeiten ihrer Kinder.
Fast
zwei von drei erwachsenen Analphabeten sind Frauen.
In vielen Ländern zeichnet sich auch weiterhin eine
Kluft bei der Einschulung zwischen Jungen und Mädchen
ab. Ohne vollständigen und gleichwertigen Zugang
zur Ausbildung können die Rechte aller Frauen und
Mädchen und das Ziel einer Ausbildung für alle
nicht erfüllt werden. Bildung ist eine fruchtbare
und vernünftige gesellschaftliche Investition. Das
gilt besonders, wenn auch Mädchen davon profitieren
können. Gebildete Mädchen haben mit hoher Wahrscheinlichkeit
besser ausgebildete und gesündere Kinder, und sie
können einen wirtschaftlichen Beitrag für Familie
und Gesellschaft leisten. Sie sind besser gerüstet,
um notwendige Entscheidungen zu treffen, einschließlich
der Selbstvorsorge gegen HIV/Aids. Gebildete Frauen leisten
einen erheblichen gesellschaftlichen Beitrag und tragen
ihren Teil zur sozialen Entwicklung bei.
Jede
Minute stirbt eine Frau an den Folgen ihrer Schwangerschaft
und der Geburt - das sind jedes Jahr über eine halbe
Million Frauen. In der Mehrzahl wären diese
Todesfälle vermeidbar gewesen. Sie resultieren aus
einem schlechten Gesundheitszustand und mangelhafter Ernährung
während der Schwangerschaft. Auch unzureichende Betreuung
während der Geburt führt zu zahlreichen Todesfällen.
Pro Jahr erleiden weitere 15 Millionen Frauen als Folge
von Schwangerschaft oder Geburt bleibende Behinderungen
- eine erschütternd hohe Zahl.
In
Ländern mit einer hohen Fruchtbarkeitsrate ist gleichzeitig
eine hohe Sterblichkeit unter werdenden Müttern zu
verzeichnen. Ihre Schwangerschaft ist für viele Frauen
eine gesundheitliche Bedrohung, die nicht selten auch
ihr Leben gefährdet. Eine Frau aus Afrika südlich
der Sahara stirbt mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 zu
13 an den Folgen ihrer Schwangerschaft. Demgegenüber
liegt die Sterblichkeitsrate unter Frauen in den industrialisierten
Ländern bei 1 zu 4.100. Afrikanische Frauen und auch
Frauen aus Teilen Asiens oder dem Nahen Osten, riskieren
buchstäblich ihr Leben, wenn sie neues Leben schenken.
Kinder
schlecht ernährter oder kranker Mütter sind
nicht nur einem höheren Sterblichkeitsrisiko ausgesetzt,
sie leiden auch häufiger an Lernschwierigkeiten,
an Wirbelsäulendeformationen und Gehirnschäden.
Geschlechtsbasierte
Gewalt ist weltweit Realität. Gewalt gegen
Mädchen und Frauen gibt es in vielfacher Weise: einen
Fötus zu töten, weil er das falsche Geschlecht
besitzt, gehört ebenso dazu wie Kindsmord, Genitalverstümmlung
bei Mädchen, Kinderheirat, Auftragsmorde, häusliche
Gewalt, sexuelle Sklaverei und Vergewaltigungen als Mittel
kriegerischer Auseinandersetzungen. Einige Gewaltformen,
wie etwa häusliche Gewalt, sind erschreckend alltäglich:
Weltweit wird jede dritte Frau und jedes dritte Mädchen
geschlagen oder vergewaltigt. Gewalt dieser Art ist nicht
akzeptabel, sie fordert einen zu hohen Tribut unter den
betroffenen Frauen, ihren Familien und der gesamten Gesellschaft.
Gewalt dieser Art verletzt das Recht jeder Frau auf körperliche
Integrität und hat schreckliche psychologische und
physische Konsequenzen, die nicht selten tödlich
sind. Kinder, die häuslicher oder anderer Gewalt
ausgesetzt sind, werden öfter krank, erbringen schlechte
Schulleistungen und werden nicht selten selbst zu Tätern.
HIV/Aids
wurzelt in geschlechtlicher Diskriminierung. In
den Entwicklungsländern infizieren sich innerhalb
der Gruppe der 15-24jährigen zweimal so viele Frauen
wie Männer mit HIV. Mädchen, denen ein Schulbesuch
verwehrt geblieben ist, mangelt es an Fähigkeiten,
unsicheren oder ungewollten Geschlechtsverkehr zu verhindern.
Die Prägung sozialer Normen durch geschlechtliche
Voreingenommenheit verhindert die Aufklärung über
gesundheitliche Risiken des Geschlechtsverkehrs. Besonders
weil es verarmten heranwachsenden Mädchen und jungen
Frauen an Arbeitsmöglichkeiten fehlt, geben sie den
finanziellen Verlockungen der Prostitution nach, trotz
der Gefahr, sich zu infizieren. Oft werden Mädchen
und Frauen auch zur Prostitution gezwungen.
Ziele und Fortschritte des Weltkindergipfels
Von
den 27 auf dem Weltkindergipfel von 1990 beschlossenen
Zielen betreffen nicht weniger als 11 geschlechtsspezifische
Themen. Neben den Bereichen Geschlechter und Erwachsenenbildung,
Müttersterblichkeit und Impfschutz für Neugeborene,
auf die in gesonderten Hintergrundinformationen eingegangen
wird, hat sich der Weltkindergipfel folgende weitere Ziele
gesetzt:
Stillen:
Alle Frauen werden ermutigt, ihre Kinder zwischen den
ersten vier bis sechs Lebensmonaten ausschließlich
zu stillen und auch im zweiten Lebensjahr des Kindes das
Stillen, ergänzt durch zusätzliche Nahrung,
beizubehalten.
Familienplanung:
Allen Paaren soll der Zugang zu Informationen und gesundheitlicher
Versorgung offen stehen, die dazu beitragen, frühzeitige
Schwangerschaften zu verhindern. Sie sollen auch Hilfe
in Anspruch nehmen können, wenn Schwangerschaften
zu spät bemerkt wurden, zu zahlreich sind oder zu
spät eintreten. Etwa zwei Drittel aller Frauen, die
sich im gebärfähigen Alter befinden und in einer
festen Partnerschaft leben oder verheiratet sind, nutzen
nun die Möglichkeiten der Schwangerschaftsverhütung.
Anämie:
Ein weiteres Ziel des Weltkindergipfels von 1990 bestand
darin, den Eisenmangel bei Frauen auf ein Drittel des
Standes von 1990 zu reduzieren. Daten, die Aufschluss
über Fortschritte vermitteln könnten, sind nicht
verfügbar. Es ist jedoch anzunehmen, dass das angestrebte
Ziel bisher nicht erreicht wurde.
Sichere
Geburten: Alle Mütter haben Anspruch auf
schwangerschaftsbegleitende medizinische Betreuung und
auf ihre Versorgung durch ausgebildete Geburtshelfer.
Bei Risikoschwangerschaften muss eine ärztliche Versorgung
garantiert sein, wie auch eine Geburtshilfe bei Notfällen.
Außer in Afrika südlich der Sahara zeichnen
sich bescheidende Verbesserungen ab: Frauen können
vermehrt vorgeburtliche Gesundheitsfürsorge in Anspruch
nehmen oder erfahren bei ihrer Geburt die Hilfe eines
fähigen Helfers.
Unvollendete Agenda: Auch weiterhin werden viele Mädchen
und Frauen benachteiligt
Die
Förderung spezifischer Rechte von Frauen und Mädchen
braucht nach Geschlechterzugehörigkeit getrennte
Datenerhebungen. In jedem Land und auf jeder Ebene
werden für politische Entscheidungen, Haushaltspläne
und Konzepte, die sich mit der Bereitstellung von Dienstleistungen
beschäftigen, Daten benötigt, die getrennt nach
Geschlechtszugehörigkeit erhoben werden. Diese Daten
ermöglichen eine bessere Beobachtung der Erfolge
bei der Überwindung geschlechtsspezifischer Unterschiede,
sowie die Steuerung von Maßnahmen, die Mädchen
und Frauen den gleichberechtigten Zugang zu grundlegenden
Dienstleistungen erlauben sollen.
Die
Welt muss im Rahmen des bereits bestehenden Aktionssystems
agieren. Die Konvention über die Rechte des
Kindes und die Konvention für die Beseitigung aller
Formen der Diskriminierung der Frau bilden den Rahmen
für die Überwindung und Lösung fest verwurzelter
Diskriminierungen von Frauen und Mädchen. Die Ziele
des Weltkindergipfels von 1990, mit befristeten und messbaren
Zielen auch in solchen Gebieten, in denen es schwierig
ist, geschlechtliche Gleichstellung zu erreichen, sind
ein wichtiger Bestandteil dieses Systems. Im Hinblick
auf diese Ziele und internationalen Normen haben die Regierungen
die Aufgabe übernommen, ihre Gesetze, Verwaltungspraktiken
und Einstellungen zu reformieren. Außerdem müssen
auch Verhaltensweisen gegenüber Frauen und Mädchen
geschaffen werden, die bei der Verwirklichung ihrer Rechte
helfen.
Die
Beseitigung tiefverwurzelter Diskriminierungen erfordert
Entschlossenheit, Sensibilität und Vorstellungskraft.
Rechtliche Änderungen, die gleichberechtigten Zugang
zu grundlegenden Sozialdiensten sicherstellen, eine gleichberechtigte
Teilhabe an Entscheidungsprozessen und bei der Umsetzung
dieser Entscheidungen gegenüber denjenigen, die die
Rechte der Frauen und Mädchen verletzen, sind ausschlaggebende
Schritte für die Abschaffung geschlechtsspezifischer
Ungleichheiten. Sie erfordern das aktive Handeln politischer,
gesellschaftlicher und religiöser Führer weltweit.
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