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Entwicklung
in frühester Kindheit
Qualitativ
hochwertige Fürsorge in frühester Kindheit bringt
lebenslangen Vorteil. In der Kindheit unterliegt
man lebenslangen Einflüssen. Und die ersten 36 Monate
eines Kindeslebens sind besonders entscheidend für
die physische, emotionale und intellektuelle Entwicklung.
Gute Ernährung und Gesundheitsfürsorge, sauberes
Trinkwasser und Abwasserentsorgung, eine nachhaltige Umwelt
und die Werte, die sich in dieser Zeit bilden, können
Auswirkungen auf ein ganzes Leben haben.
Investitionen
in frühen Jahren zahlen sich wirtschaftlich deutlich
aus. Zum Beispiel in Form von lebenslanger höherer
Produktivität, Einsparungen im Bereich von Therapie
und Bildung - wo investiert werden muss, wenn die frühen
Kinderjahre vernachlässigt wurden, von geringeren
Ansprüchen an soziale Wohlfahrtsysteme und Justiz
und vieles mehr. Versäumt man diese Investitionen,
kann das zu destruktiven Ungleichheiten führen und
Armut über Generationen hinweg festigen.
Die
Saat für Konflikt und Intoleranz wird früh gesät.
Wer seit frühester Kindheit Gewalt in Familie und
Gesellschaft ausgesetzt ist, wird dies als einzige Antwort
auf Konflikt und Frustration begreifen. Toleranz und Respekt
für andere müssen in frühen Jahren gelehrt
werden.
Gewalt
und geschlechtsspezifische Diskriminierung untergraben
die Überlebens- und Entwicklungschancen für
Kinder. Circa 450 Millionen erwachsene Frauen
in Entwicklungsländern sind in ihrer Entwicklung
gehemmt als Folge von Fehlernährung, teilweise auch
in Verbindung mit geschlechtsspezifischer Diskriminierung
in ihren frühen Jahren. Zudem weisen Kinder, die
Gewalt in ihrer Familie sehen, mit größerer
Wahrscheinlichkeit Depressionen und schlechte Schulleistungen
auf und werden öfter selbst gewalttätig.
Eltern
müssen auf ihre Schlüsselrolle vorbereitet sein.
Eltern spielen eine wesentliche Rolle für den besten
Start eines Kindes und brauchen Unterstützung und
Ressourcen, um ihr Bestes geben zu können. Das beginnt
bei der Ernährung und dem Wohlbefinden werdender
Mütter und der Unterstützung während der
Stillzeit. Eltern und Bezugspersonen müssen vorbereitet
sein, Kindern die bestmögliche Ernährung und
Gesundheitsfürsorge zuteil werden zu lassen und positive
Rollenbeispiele zu geben. Bildungsprogramme für Früherziehung
müssen sich für Geschlechtergleichheit und die
Achtung der Rechte der Frau einsetzen. Sie müssen
die Väter ermutigen, eine aktive Rolle in der Erziehung
zu übernehmen.
Frühkindliche
Fürsorge ist Bestandteil vieler etablierter Programme.
Frühkindliche Fürsorge ist nicht neu.
Eigene Programme wurden dafür in vielen Bereichen
integriert, wie Gesundheit, Ernährung, Hygiene und
Vorschulbildung. Wegen der multi-disziplinären Natur
frühkindlicher Entwicklung muss es Zuständigkeiten
für die Messung der dabei erzielten Fortschritte
geben, sonst kann die Verantwortung der öffentlichen
Hand in Kompetenzlücken zwischen den Behörden
fallen.
Fortschritte bei der Erreichung der Ziele des Weltkindergipfels
Große
Schritte sind schon in vielen Bereichen der frühkindlichen
Entwicklung gemacht worden, besonders bei der Senkung
der Säuglings- und Kindersterblichkeit und bei der
ergänzenden Mikroernährung. Nachstehend sind
einige Schlüsselziele aufgelistet, die 1990 auf dem
Weltkindergipfel beschlossen wurden und die auf frühkindliche
Entwicklung ausgerichtet sind.
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Sterblichkeitsraten
bei Säuglingen und Kindern unter fünf Jahren:
Das Ziel von 1990 war die Senkung der Sterblichkeitsraten
für beide Altersgruppen um ein Drittel. Die Sterblichkeit
bei Kindern unter fünf Jahren ist weltweit um
11 Prozent gesunken, was einen Rückgang von 93
Todesfällen auf 1.000 Lebendgeburten 1990 auf
83 im Jahr 2000 bedeutet. Mehr als 60 Länder
haben sogar einen 33prozentigen Rückgang erreicht,
Ende des letzten Jahrzehnts starben jährlich
drei Millionen Kinder weniger.
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Müttersterblichkeit:
Das Ziel war hier eine Halbierung der Sterblichkeitsrate.
Es hat noch keine fühlbare Senkung der Müttersterblichkeit
gegeben. Die weltweite Rate liegt bei 400 Toten auf
100.000 Geburten, in Afrika südlich der Sahara
liegt sie sogar bei 1.100. Zum Vergleich: In Industriestaaten
liegt die Rate bei 12. Weltweit sterben jährlich
immer noch circa 515.000 Frauen an den Folgen der
Schwangerschaft oder bei der Geburt.
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Fehlernährung:
Der Gipfel hatte das Ziel gesetzt, ernste und ansatzweise
Fehlernährung bei Kindern unter fünf Jahren
zu halbieren. Insgesamt ist dieses Ziel nicht erreicht
worden, obwohl die Gesamtzahl schlecht ernährter
Kinder von 177 Millionen auf 150 Millionen gefallen
ist. In den Entwicklungsländern ging die Zahl
fehlernährter Kinder unter fünf Jahren von
32 Prozent 1990 auf 28 Prozent im Jahr 2000 zurück.
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Untergewicht
bei der Geburt: Ein weiteres Ziel des Kindergipfels
war, die Rate der Kinder, die mit Untergewicht auf
die Welt kommen (weniger als 2,5 kg) auf weniger als
10 Prozent zu verringern. Dieses Ziel wurde in einigen
Entwicklungsländern erreicht. 1990 wurde die
Untergewichtsrate bei der Geburt weltweit auf 17 Prozent
geschätzt. 2000 lag die Rate in 100 Entwicklungsländern
sogar unter 10 Prozent. Allerdings werden viele Säuglinge
in Entwicklungsländern bei der Geburt nicht gewogen;
die Schätzungen dürften daher zu gering
sein. Die Rate in Südasien bleibt mit 25 Prozent
sehr hoch.
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Wasser:
Das 1990 erklärte Ziel hieß weltweiter
Zugang zu sicherem Trinkwasser. Der Zugang hat sich
verbessert: 77 Prozent Menschen hatten 1990 Zugang
zu sauberem Trinkwasser, im Jahr 2000 waren es 82
Prozent. Das bedeutet, etwa 900 Millionen Menschen
haben Zugang zu besserer Wasserversorgung erhalten.
Dennoch bleibt 1,1 Milliarden Menschen dieser Zugang
noch verwehrt.
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Abwasserentsorgung:
Das Ziel des Gipfels war weltweiter Zugang zu hygienischer
Abwasserentsorgung. Dieses Ziel wurde nicht erreicht,
doch ist der Zugang von 51 Prozent der Weltbevölkerung
1990 auf 61 Prozent im Jahr 2000 gestiegen. Das bedeutet,
dass fast eine Milliarde mehr Menschen Zugang bekommen
haben. Dennoch fehlt etwa 2,4 Milliarden Menschen
noch jeder Zugang auf Abwasserentsorgung, das schließt
die Hälfte der Einwohner Asiens ein.
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Frühkindliche
Entwicklung: Maßnahmen auf diesem Gebiet
sollen ausgeweitet werden. Unterstützung und
Beteiligung an diesen Programmen konnten in den meisten
Regionen durchaus Schritt halten mit den Wachstumsraten
der Bevölkerung, oder diese sogar überflügeln.
In Mittel- und Osteuropa sowie in Zentralasien kam
es jedoch praktisch zu einem Zusammenbruch der öffentlichen
Vorschulerziehung.
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Unvollendete Agenda: Mehr Investitionen in frühen
Jahren erforderlich
Während
im vergangenen Jahrzehnt einige Fortschritte erzielt wurden,
gibt es nach wie vor Missstände wie Vernachlässigung,
Fehlernährung, Diskriminierung und Gewalt in frühester
Kindheit sowohl in den Entwicklungsländern als auch
in den Industriestaaten. Ein Kind, das heute auf die Welt
kommt, läuft mit einer Wahrscheinlichkeit von 4 :
10 Gefahr, in extremer Armut geboren zu werden. Jeden
Tag sterben mehr als 30.000 Kinder unter fünf Jahren,
hauptsächlich an vermeidbaren Ursachen, und noch
viele mehr haben keinen Zugang zu grundlegender sozialer
Versorgung. Doch diese Verhältnisse sind weder unvermeidlich
noch unabänderlich. Wie immer wird der Erfolg von
der Nachhaltigkeit des politischen Willens, dem Wissen
und den Ressourcen abhängen, um einen Wechsel herbeizuführen.
Entscheidende Voraussetzungen dafür sind:
Ein
Ende der geschlechtsspezifischen Diskriminierung:
Es gäbe schätzungsweise zwischen 60 und 100
Millionen mehr Mädchen und Frauen auf der Welt, wäre
da nicht die Vernachlässigung und Diskriminierung
in Süd- und Ostasien aufgrund der starken kulturellen
Präferenz für männliche Nachkommen. Unzählige
Mädchen und Frauen in anderen Ländern und Regionen
werden systematisch diskriminiert und es wird ihnen der
Zugang zu den Mitteln verweigert, die eine gesunde Entwicklung
gewährleisten würden. Um diese geschlechtsspezifische
Diskriminierung zu beenden sind Änderungen der Gesetzgebung
und ein Wandel in Gesinnung und Handeln erforderlich -
ein Wandel, der nur langfristig möglich ist und jedes
Mitglied der Gesellschaft erfassen muss.
Schuldenerlass:
Eine Reduzierung der Schuldenlast für arme
Länder ist wesentlich, um Ressourcen für Investitionen
in die frühkindliche Entwicklung freizusetzen. In
den späten 90er Jahren schuldeten die am höchsten
verschuldeten 41 Länder circa 205 Milliarden US-Dollar.
Eine unvermeidbare Folge davon sind gravierende Unterinvestitionen
bei der grundlegenden sozialen Versorgung.
Investitionen:
Ein Fortschritt im Bereich der frühkindlichen Entwicklung
kann nicht so einfach erreicht werden. Es bedarf weitreichender
und langfristiger Investitionen, die manche politische
Führung abschrecken könnten. Für jedes
dieser Ziele muss Verantwortung übernommen werden,
wenn Fortschritte erzielt werden sollen. Zusätzlich
muss noch viel mehr getan werden, um bewaffnete Konflikte
zu beenden, damit Ressourcen für Kinder frei werden,
statt für Waffen.
Fortschritte
bei der frühkindlichen Entwicklung müssen nicht
teuer sein; viel kann durch kostengünstige Investitionen
in Familie und Gemeinschaft erreicht werden. Wir Erwachsenen
haben es in der Hand, die vielen vermeidbaren Todesfälle
bei Kindern jedes Jahr zu verringern und Millionen Kindern
zu helfen, ihr volles Potenzial zu erreichen. Jeder -
Regierungen, NGOs, internationale Organisationen, Gemeinschaften
und Eltern - muss eine zentrale und entschlossene Rolle
bei dieser Aufgabe spielen.
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