|
Der
Schutz von Kindern
Die Konvention über die
Rechte des Kindes hat epochale Auswirkungen für die
Kinderrechte. Die Konvention, die 1990 in Kraft
trat, hat ausdrücklich das Recht von Kindern bekräftigt,
ein Leben frei von Missbrauch, Vernachlässigung und
Ausbeutung zu führen. Zwei Fakultativprotokolle zur
Konvention über Kinder in bewaffneten Konflikten,
sowie über Kinderprostitution, Kinderpornographie
sowie Kinderhandel, haben das weltweite Bekenntnis zum
Kinderschutz erneut bekräftigt.
Noch
immer stellen Missbrauch und Ausbeutung enorme Probleme
dar. Konflikte, Vertreibung und Armut haben die
Zahl schutzbedürftiger Kinder in die Höhe getrieben.
Zwischen 50 und 60 Millionen Kinder müssen nicht
tolerierbare Kinderarbeit verrichten. Jedes Jahr werden
mindestens eine Million Kinder sexuell ausgebeutet oder
werden Opfer von Kinderhandel. Zurzeit kämpfen mehr
als 300.000 Kinder unter 18 Jahren in 30 bewaffneten Konflikten
weltweit. Mehr als 10.000 Kinder werden jährlich
durch Landminen getötet oder verstümmelt. Ungezählte
werden täglich in ihrem Zuhause, in der Schule oder
in ihrem sozialen Umfeld missbraucht, vernachlässigt
oder ausgebeutet, weil Familien mit Zwangslagen, wirtschaftlicher
Not und HIV/Aids fertig werden müssen.
Schutz
ist unerlässlich für das Leben und die Entwicklung
von Kindern. Menschen, deren Selbstwertgefühl,
Vertrauen und Sicherheit bereits in frühen Jahren
untergraben wurden, bleiben ihr Leben lang physisch und
emotional gefährdet. Kinder, die in gefährlicher
oder ausbeuterischer Arbeit eingesetzt waren, oder die
durch Kinderhandel oder Missbrauch verletzt wurden, sind
oft als Erwachsene unfähig, sich weiter zu entwickeln
oder produktiv an der Gesellschaft teilzunehmen. Solche
Kinder leiden häufig unter dem Verlust von Würde
und Selbstwertgefühl, sie sind zutiefst misstrauisch
und weisen einen schlechten physischen und emotionalen
Gesundheitszustand auf. Ihre Kinder können in demselben
Teufelskreis von Entbehrungen gefangen sein. Viele Kinder
überleben Missbrauch und Ausbeutung nicht.
Armut,
Mangel an Alternativen und für den Schutz der Kinder
zu schwache staatliche Einrichtungen fördern Missbrauch
und Ausbeutung. Die Gründe sind zumeist Armut
und ein Mangel an Alternativen für Kinder. Die Wahrscheinlichkeit
eines Missbrauchs steigt signifikant, wo Kinder hungrig
und Familien arm sind, wo Schulen unerreichbar oder irrelevant
für ihren künftigen Lebensunterhalt sind und
wo Kinder als Handelsware gesehen werden. Der Zusammenbruch
traditioneller Familien- und örtlicher Wirtschaftssysteme
sowie Migration und Verstädterung in großem
Umfang sind verantwortlich für die Gefährdung
vieler Kinder. Wo es bewaffnete Konflikte gibt, treibt
der Drang nach regelmäßigen Mahlzeiten und
Bekleidung Kinder in den Dienst an der Waffe - während
Waffenproduzenten und Kombattanten, die Kinder gewaltsam
rekrutieren, die Hauptschuld für die Gefährdung
der Kinder tragen. Wo HIV/Aids viele Kinder des elterlichen
Schutzes beraubt hat, stehen sie einem großen Risiko
von Missbrauch und Vernachlässigung gegenüber.
Fortschritte bei der Erreichung der
Ziele des Weltkindergipfels
Der
Weltkindergipfel 1990 hat den Schutz der Kinder zu seinem
Ziel erklärt und den besseren Schutz von Kindern
in besonders schwierigen Umständen gefordert.
Dieses Ziel wurde damals nur unklar definiert und messbare
Ziele wurden nicht gesetzt, aber seit 1990 haben Diskussionen
und Aktionen zu angemessenen Strategien für den Schutz
von Kindern geführt und den politischen Einsatz zur
Erreichung dieses Ziels erhöht.
Es
gibt jetzt globale, regionale und nationale Rahmenwerke.
Dazu gehören die Annahme der ILO-Konvention über
das Verbot und sofortige Maßnahmen für die
Abschaffung der schlimmsten Formen von Kinderarbeit (Nr.
182) und die Annahme von zwei Fakultativprotokollen zur
Konvention über die Rechte von Kindern. Weitere Richtlinien
wurden zu den Rechten von Flüchtlingskindern und
Kinder in Gefängnissen angenommen.
Auf
nationaler Ebene wurden in neue Verfassungen Artikel aufgenommen,
die ausdrücklich Kinderrechte garantieren. Bestehende
Verfassungen wurden entsprechend geändert. Länder
haben Reformen durchgeführt, um Kinderprostitution,
Kinderpornographie und Kinderhandel zu verbieten, um das
Mindestalter für den Militärdienst auf 18 Jahre
anzuheben, um die schlimmsten Formen der Kinderarbeit
zu untersagen und um ein Mindestalter für Arbeit
und Straffähigkeit durchzusetzen. Bei vielen nationalen
Gesetzesreformen wurde auch die internationale Zusammenarbeit
miteinbezogen, zum Beispiel auf dem Gebiet internationaler
Normen gegen sexuelle Ausbeutung oder bilateraler und
regionaler Übereinkommen zum Kampf gegen Kinderhandel.
Es konnten beachtliche Erfolge bei der Wiedervereinigung
von Flüchtlingskindern mit ihren Familien verbucht
werden; Flüchtlingskinder sind besonders stark durch
illegale Rekrutierung für den Dienst an der Waffe
gefährdet. Um den Schutz von Kindern mit geistigen
und körperlichen Behinderungen zu verbessern, haben
etliche Länder ihre Rehabilitationsprogramme überarbeitet,
während andere den Schwerpunkt auf Unterstützung
und Ausbildung von Familien gelegt haben, um so die Häufigkeit
von Aussetzung und Übergabe an Behörden zu senken.
Unvollendete Agenda: Extremer Missbrauch, Vernachlässigung
und Ausbeutung
Stärkere
Erfassung steht am Anfang der Aufdeckung lang verhohlenen
Missbrauchs. Es gibt nur wenig Zahlen über
Missbrauch und Ausbeutung von Kindern angesichts der Heimlichkeit
und Illegalität dieser Handlungen. Doch bessere Daten
sind der Schlüssel zu größerer öffentlicher
Aufmerksamkeit für die physischen und psychischen
Konsequenzen von Ausbeutung und Missbrauch und dafür,
solche Taten zu verhindern.
Eltern,
Familien und andere zentrale Bezugspersonen sind Vorreiter
für den Schutz von Kindern; sie müssen darin
unterstützt werden, für ihre Kinder zu sorgen
und sie zu schützen. Zugang zu den grundlegenden
sozialen Diensten, qualitativ hochwertige, inhaltsreiche
und erschwingliche Bildung - vor allem für Mädchen
- und Ausbildung für Bezugspersonen in ihrer zentralen
Rolle als Beschützer, können das Los der ärmsten
und am stärksten ausgebeuteten Kinder entscheidend
verbessern.
Die
Umsetzung der Rechte ist wesentlich. Regierungen
müssen Gesetze erlassen und umsetzen, um die Ausbeutung
von Kindern zu beenden. Dazu müssen das Mindestalter
für den Arbeitseinsatz geregelt, untragbare Arbeitsformen
untersagt, sozial benachteiligte Gruppen geschützt,
ein Mindestalter für den Militäreinsatz und
die Strafmündigkeit festgesetzt und Kinderprostitution
und Kinderhandel gesetzlich verboten werden. Es müssen
angemessene Mittel zur Verfügung gestellt werden,
um diese Gesetze rigoros umzusetzen und um die grundlegenden
Sozialdienste bereitzustellen: Das ist eine der Voraussetzungen
um Bedingungen entgegen zu wirken, die Missbrauch, Vernachlässigung
und Ausbeutung von Kindern Vorschub leisten.
Die
Ideen und Erfahrungen von Kindern sind wesentlich für
die Entwicklung einer erfolgreichen öffentlichen
Politik. Kinder müssen ermutigt werden, sich
auszusprechen und Erwachsene müssen angehalten werden,
die Ansichten der Kinder ernst zu nehmen. Kinder müssen
in einer Umgebung aufwachsen, in der sie angesprochen,
einbezogen und gehört werden. Wenn sie Schule schwänzen,
weglaufen, gewalttätig sind oder in Prostitution
oder bewaffnete Kämpfe hineingezogen werden, sind
sie üblicherweise Opfer eines Missbrauchs oder benötigen
besonderen Schutz. Kinder können nur geschützt
werden, wenn Erwachsene ihnen zuhören.
|