Die
HIV/AIDS-Epidemie im Überblick
Seit vor zwei Jahrzehnten der erste klinische Nachweis von AIDS gemeldet
wurde, ist HIV/AIDS in jeden Winkel der Erde vorgedrungen. Mit unverminderten
Zuwachsraten macht die Epidemie Entwicklungsfortschritte zunichte,
nimmt Millionen Menschen das Leben, vergrößert die Kluft
zwischen Reich und Arm und untergräbt soziale und wirtschaftliche
Sicherheit.
Schätzungsweise 36,1 Millionen Menschen leben mit HIV. Im Jahr
2000 wurden weltweit rund 5,3 Millionen Menschen infiziert, unter
ihnen 600.000 Kinder.
Seit dem Ausbruch der Epidemie hat AIDS insgesamt 21,8 Millionen Menschen
getötet - fast das Dreifache der Schweizer Bevölkerung.
Allein im Jahr 2000 forderte AIDS drei Millionen Menschenleben.
Afrika südlich der Sahara
Afrika südlich der Sahara ist mit Abstand die am stärksten
betroffene Region der Welt. Schätzungsweise 25,3 Millionen Afrikanerinnen
und Afrikaner lebten Ende 2000 mit HIV. Bis zu diesem Zeitpunkt waren
bereits 17 Millionen Menschen an AIDS gestorben - mehr als dreimal
so viel wie in allen anderen Teilen der Erde zusammen.
Auf diesem Kontinent ist die Zahl der HIV-infizierten Frauen um zwei
Millionen höher als die der infizierten Männer. Etwa 12,1
Millionen Kindern hat die Epidemie die Mutter oder beide Eltern genommen.
Ende 2000 lebten schätzungsweise 1,1 Millionen Kinder unter 15
Jahren mit HIV, wobei in der Mehrzahl der Fälle die Infektion
auf Mutter-Kind-Übertragung zurückzuführen ist.
Uganda ist nach wie vor das einzige afrikanische Land, das eine größere
Epidemie erfolgreich bekämpfen konnte. Seine außerordentlichen
Anstrengungen zur Mobilisierung der ganzen Nation senkten die HIV-Prävalenzrate
in der erwachsenen Bevölkerung von etwa 14 % Anfang 1990 auf
8 % im Jahr 2000. In anderen ostafrikanischen Ländern - etwa
in Äthiopien, Dschibuti und Kenia - bewegen sich die HIV-Prävalenzraten
noch immer im zweistelligen Bereich. In Westafrika ist es Senegal
gelungen, die Übertragungsgeschwindigkeit zu bremsen, aber im
bevölkerungsreichen Nigeria liegt der Anteil der Infizierten
heute bereits bei 5 %.
In mehreren südafrikanischen Ländern ist mindestens einer
von fünf Erwachsenen HIV-positiv. In Namibia und Sambia sind
20 % der erwachsenen Bevölkerung infiziert, in Lesotho 24 %,
in Simbabwe und Swasiland 25 % und in Botsuana fast 36 %.
Länder wie Botsuana und Südafrika haben ihre Anstrengungen
zur Eindämmung der Epidemie verdoppelt, aber es wird Jahre dauern,
bis diese Maßnahmen Früchte tragen. Im Jahr 2000 stieg
die Infektionsrate bei Schwangeren in Südafrika auf ihr bislang
höchstes Niveau (24,5 %) und die geschätzte Gesamtzahl der
Menschen, die in Südafrika mit dem Virus leben, damit auf 4,7
Millionen.
Lateinamerika und die Karibik
In dieser Region leben nahezu 1,8 Millionen Menschen mit HIV/AIDS,
210.000 Erwachsene und Kinder infizierten sich im Jahr 2000. Mit 5
% hat Haiti unter den Ländern außerhalb Afrikas südlich
der Sahara den höchsten Anteil HIV-Infizierter in der erwachsenen
Bevölkerung. In fünf anderen karibischen Ländern liegt
der Anteil bei etwa 2 % der erwachsenen Bevölkerung. Brasiliens
energische Anstrengungen scheinen jedoch eine potenziell größere
Epidemie in der heterosexuellen Bevölkerung dieses Landes unter
Kontrolle zu bringen.
Die Ausbreitung von HIV wird durch eine Kombination verschiedener
Faktoren vorangetrieben. Ein Faktor ist ungeschützter Geschlechtsverkehr
zwischen Männern und Frauen (der Hauptübertragungsweg in
der Karibik und weiten Teilen Mittelamerikas). In Brasilien, Costa
Rica und Mexiko sind die Infektionsraten am höchsten bei Männern,
die Sexualkontakte mit Männern pflegen, während in Argentinien,
Brasilien und Uruguay ein Großteil der Infizierten injizierende
Drogenkonsumenten sind. In der gesamten Region spielt aber die Übertragung
durch heterosexuelle Beziehungen eine immer wichtigere Rolle bei der
Ausbreitung der Epidemie.
Asien, Naher und Mittlerer Osten
Rund 6,4 Millionen Menschen in Asien sind mit dem Virus infiziert,
und entschiedene Schritte sind erforderlich, um einen steilen Anstieg
der Infiziertenzahlen zu verhindern. In China scheint die Gefahr einer
Epidemie wegen der rasanten Zunahme sexuell übertragbarer Infektionen
in der jüngsten Vergangenheit und der massiven Bevölkerungsbewegungen
(als Folge des Wirtschaftswachstums) besonders groß.
Schätzungsweise 780.000 Menschen infizierten sich im Jahr 2000
in Süd- und Südostasien. In Kambodscha, Myanmar und Thailand
übersteigt die HIV-Prävalenzrate inzwischen 1 %. Da Indien
eine riesige Bevölkerung hat, beläuft sich die Zahl der
Menschen, die mit HIV/AIDS leben, trotz einer geringen HIV-Prävalenzrate
(0,7 %) auf 3,7 Millionen - mehr als in jedem anderen Land der Welt
mit Ausnahme Südafrikas.
In Nordafrika, dem Nahen und Mittleren Osten sind die Infektionsraten
niedrig, aber mit steigender Tendenz. In der Region infizierten sich
im Jahr 2000 80.000 Menschen, damit stieg die Zahl der Menschen mit
HIV/AIDS auf rund 400.000. In örtlich begrenzten Studien in Algerien
wurden Infektionsraten von etwa 1 % bei Schwangeren festgestellt.
Zentralasien und Osteuropa
Die Infektionsraten steigen erschreckend in Osteuropa und Zentralasien,
wo einander überlappende Epidemien von HIV, intravenösem
Drogenkonsum und sexuell übertragbaren Infektionen die Zahl der
Menschen mit HIV/AIDS in die Höhe treiben. Im Jahr 2000 infizierten
sich eine Viertelmillion Menschen, in der Mehrzahl Männer. In
Teilen der Region wurden im Jahr 2000 mehr Neuinfektionen gezählt
als in allen Vorjahren zusammen.
Neue Epidemien brachen in Estland und Usbekistan aus, während
in der Ukraine im Jahr 2000 bereits mehr als 250.000 Menschen mit
HIV/AIDS lebten. 1986 meldeten nur einige wenige Städte in der
Russischen Föderation HIV-Fälle; heute ist das Virus in
fast allen Regionen zu finden. Die Epidemie ist zwar im Wesentlichen
noch auf injizierende Drogenkonsumenten und deren Sexualpartner beschränkt,
aber zunehmende Prostitution und hohe Raten sexuell übertragbarer
Infektionen könnten - in einem Klima radikaler sozialer Veränderungen
- ein schnelles Übergreifen auf die Allgemeinbevölkerung
mit sich bringen.
Industrieländer
Die Annahme, die Epidemie gehöre in einkommensstarken Industrieländern
der Vergangenheit an, entbehrt jeder Grundlage. Fast 1,5 Millionen
Menschen leben in diesen Regionen mit HIV. Viele von ihnen stehen
dank allgemein verfügbarer antiretroviraler Therapien im Erwerbsleben.
Aber dieser Erfolg wird durch die Tatsache überschattet, dass
die Präventionsbemühungen in den meisten Industrieländern
fast zum Erliegen gekommen sind.
In einigen amerikanischen Städten steigen die Infektionsraten
bei Männern, die Sexualkontakte mit Männern haben, erneut
an. Laut einer Studie im städtischen Umfeld der USA liegt der
Anteil der Infizierten in dieser Gruppe bei 7,2 %. Auch aus Amsterdam
wird ein steiler Anstieg sexuell übertragbarer Infektionen bei
Männern mit Sexualkontakten zu Männern gemeldet - ein Zeichen,
dass ungeschützter Sex wieder die Regel zu werden droht. Es gibt
Hinweise, dass ungeschützter Sex unter Männern in der osteuropäischen
Epidemie eine immer größere Rolle spielt.
In manchen Ländern verlagert sich die Epidemie hin zu besonders
gefährdeten Bevölkerungsgruppen, insbesondere zu ethnischen
Minderheiten, die - als Opfer von Diskriminierung und sozialer Ausgrenzung
- einem unverhältnismäßig hohen Infektionsrisiko ausgesetzt
zu sein scheinen. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass
sie von Präventionskampagnen nicht erreicht werden und keinen
Zugang zu Therapiemöglichkeiten erhalten. Die Infektionsraten
bei injizierenden Drogenkonsumenten sind besonders besorgniserregend:
18 % in Chicago und sogar 30 % in Teilen von New York. Dagegen verlangsamen
in Australien Austauschprogramme für Nadeln und Spritzen den
Anstieg der Infektionsraten bei injizierenden Drogenkonsumenten.
UNAIDS dankt der GTZ (Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit)
für die freundliche Übersetzung des englischen Textes.
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