HIV/AIDS

 

Logo
Informationsblatt




Generalsekretär Kofi Annan ruft zu weltweiten
Maßnahmen gegen HIV/Aids auf


Generalsekretär Kofi Annan hat den Kampf gegen Aids zu einem vordringlichen persönlichen Anliegen gemacht und eine groß angelegte Kampagne zur Mobilisierung von politischem Engagement und der für die Bekämpfung der HIV/Aids-Epidemie erforderlichen Mittel ins Leben gerufen. In Abuja (26. April), Philadelphia (30. April) und Genf (17. Mai) hat der Generalsekretär in drei Grundsatzreden die wesentlichsten Elemente einer globalen Strategie umrissen, die zum Sieg über HIV/Aids führen soll.


Generalsekretär Annan legt fünf vordringliche Aktionsziele fest:

ribbon Die weitere Ausbreitung der Epidemie verhindern. Vor allem junge Menschen, die dem größten Infektionsrisiko ausgesetzt sind, sollen die erforderlichen Kenntnisse und Mittel erhalten, um sich zu schützen. Dazu sollen großangelegte Aufklärungskampagnen dienen und der Zugang zu freiwilliger Beratung, Untersuchung und - falls erforderlich - zu Kondomen ermöglicht werden. Rund ein Drittel der 36 Millionen Menschen, die mit HIV/ Aids leben, sind zwischen 15 und 24 Jahren alt. Die Hälfte der im Vorjahr neu infizierten Menschen war unter 25.

ribbon Die Mutter-Kind-Übertragung von HIV reduzieren. Der Generalsekretär sieht in dieser Übertragung „die grausamste und ungerechteste Infektion“. Alle Mütter müssen heraus-finden können, ob sie HIV-positiv sind und gegebenenfalls Zugang zur kurzfristigen anti-retroviralen Therapie erhalten, mit der die Häufigkeit der Mutter-Kind-Übertragung praktisch halbiert werden kann. Allein im Jahr 2000 wurden rund 600.000 Kinder mit dem HI-Virus infiziert, in der überwiegenden Zahl im Weg der Mutter-Kind-Übertragung.

ribbon Pflege und Behandlung für alle verfügbar machen. Nach seinem Zusammentreffen mit den Generaldirektoren der sechs größten pharmazeutischen Konzerne der Welt konnte der Generalsekretär die Bereitschaft dieser Unternehmen ankündigen, den Entwicklungsländern die lebensrettenden Medikamente jetzt zu einem wesentlich reduzierten Preis zur Verfügung zu stellen. Rund 95% der 36 Millionen HIV-infizierten Menschen leben in den Entwicklungsländern. In Afrika südlich der Sahara haben nicht einmal 25.000 Patienten Zugang zu einer anti-retroviralen Therapie. Zugang zu HIV-Medikamenten zu erschwinglichen Preisen ist aber nur ein Aspekt des umfassenden HIV-Behandlungspakets. Dazu gehören auch freiwillige Beratung und Untersuchung, häusliche Pflege und Versorgung in Gemeindeeinrichtungen, sowie einfache Behandlungen für Nebeninfektionen.

ribbon Wissenschaftliche Durchbrüche erzielen. Im Haushalt für wissenschaftliche Forschung muss der Suche nach Heilungsverfahren für HIV/Aids und - noch wichtiger - der Entwicklung eines Impfstoffes gegen die Krankheit ein höherer Stellenwert eingeräumt werden, um nachfolgende Generationen zu retten.

ribbon Besonders gefährdete Personen, vor allem Waisen, schützen. Besondere Hilfe muss den größtenteils in den Ländern südlich der Sahara lebenden 13 Millionen Kindern zugute kommen, die ihre Mutter, oder beide Eltern, aufgrund der Aids-Epidemie verloren haben. In seiner Philadelphia-Rede hat der Generalsekretär eindringlich an seine Zuhörer appelliert, hinter den statistischen Zahlen doch auch die menschlichen Gesichter zu sehen: 13 Millionen Kinder - das sind mehr als alle Kinder in Pennsylvania, New York, New Jersey, Connecticut, Maryland, Virginia und North Carolina zusammen genommen.


Generalsekretär Annan nennt 6 Faktoren zur Verwirklichung der Ziele:

ribbon Führungsstärke und Engagement. Auf allen Ebenen, vor allem seitens der Spitzenpolitiker, sind Führungsstärke und Engagement erforderlich, um die Mauer des Schweigens zu brechen und gegen die Stigmatisierung der Aidsproblematik vorzugehen, um Strategien zur Bekämpfung der Epidemie festzulegen und um diesem Anliegen die erforderliche Priorität in den nationalen Haushalten einzuräumen.

ribbon Einbindung lokaler Gemeinschaften. Der Kampf gegen HIV/Aids muss in erster Linie auf lokaler Ebene geführt und gewonnen werden. Junge Menschen brauchen die Unterstützung ihrer Familie und ihrer Gemeinschaft, wenn sie ihre Verhaltensweise ändern und sich selbst schützen sollen. Vor allem aber müssen die Menschen mit HIV/Aids - die „wirklichen Experten dieser Krankheit“ - in den Kampf mit einbezogen werden.

ribbon Stärkung der Rolle der Frauen. Auf allen Ebenen der Gesellschaft muss sich die Beziehung zwischen den Geschlechtern ändern. Nur wenn die Frauen ein volles Mitbestimmungsrecht bei den Entscheidungen genießen, die ihr Leben betreffen, werden sie sich und ihre Kinder vor HIV schützen können.

ribbon Ausbau der öffentlichen Gesundheitsfürsorge. Um allen Infizierten die erforderliche Pflege und Behandlung zuteil werden zu lassen, müssen in den Entwicklungsländern wesentlich wirksamere und umfassendere öffentliche Gesundheitssysteme geschaffen werden. Ohne diese Einrichtungen können billigere antiretrovirale Therapien möglicherweise mehr Schaden anrichten als Nutzen bringen, wenn lebensgefährliche Nebenwirkungen nicht behandelt oder Therapien abgebrochen werden, was zu resistenten Formen der Krankheit führen kann, die auf die Medikamente nicht mehr ansprechen. Für viele Patienten sind selbst relativ billige Antibiotika und andere Medikamente zur Behandlung von Krankheiten, die aufgrund des geschwächten Immunsystems auftreten können, unerreichbar.

ribbon Weitere Geldmittel. Nach Untersuchungen von UNAIDS müssten die Ausgaben für Aidsprävention und -behandlung in den Ländern mit geringem oder mittlerem Einkommen auf sieben bis zehn Milliarden US-Dollar jährlich angehoben werden. Das ist mehr als das Fünffache dessen, was Bürger, Regierungen und internationale Geber derzeit aufwenden. Ein Teil der Mittel für diese „Kriegskasse“ gegen Aids muss von den betroffenen Ländern selbst kommen - sowohl durch Schwerpunktverlagerungen im nationalen Haushalt als auch durch private Spenden. Aber auch in den Industriestaaten wird es größerer Anstrengungen bedürfen, um die erforderlichen Mittel von den Regierungen und der Privatwirtschaft zu erhalten. Der Generalsekretär hat für die wirksame Kanalisierung der neuen Gebermittel die Einrichtung eines Globalen Aids- und Gesundheitsfonds vorgeschlagen. Über diesen Fonds sollen Gelder möglichst rasch dorthin fließen, wo sie besonders dringend benötigt werden. Jedes Land oder jede Gemeinschaft, die Mittel aus diesem Fonds bezieht, muss dabei nachweisen, dass die eingesetzten Mittel tatsächlich Ergebnisse bei den besonders gefährdeten Personen erzielen. Der Fonds muss offen und transparent verwaltet werden und eine Reihe von Organisationen unterstützen, die im Rahmen eines nationalen Aktionsplanes an der Bekämpfung der Epidemie und der Hilfe für die Betroffenen mitwirken. Die Einzelheiten des Fonds werden zur Zeit noch in Absprache mit Regierungen, Gebern und Experten beraten. Der Generalsekretär geht aber davon aus, dass der Fonds Ende 2001 seine Arbeit aufnehmen kann. Erste Beitragszusagen über US$ 400 Millionen liegen bereits von Frankreich, dem Vereinigten Königreich, den USA sowie seitens der Credit Suisse, des Internationalen Olympischen Komitees und seitens des Generalsekretärs selbst vor, der den mit der Verleihung der Philadelphia-Freiheitsmedaille verbundenen Geldbetrag an den Fonds gespendet hat. Weitere namhafte Beitragszusagen erwartet man auf der Sondertagung der Generalversammlung der Vereinten Nationen über HIV/Aids Ende Juni und dem G-8-Gipfel im Juli.


Viele Partner müssen zusammenarbeiten, damit die Kampagne greift:

ribbon Alle Regierungen müssen ihren Teil beitragen, aber die Regierungen der Industriestaaten sollen die Hauptarbeit bei der Aufbringung der Mittel leisten. Auf dem Millenniumsgipfel hatten sie sich im Vorjahr dazu verpflichtet, bis zum Jahr 2015 der weiteren Ausbreitung von HIV/Aids, von Malaria und anderen Infektionskrankheiten Einhalt zu gebieten und eine Trendwende der Krankheitsentwicklung einzuleiten. Außerdem versprachen sei, den Aids-Waisen zu helfen und die erforderlichen Einrichtungen zur wirksamen Bekämpfung der Epidemie in Afrika zu schaffen. Die führenden Politiker in den betroffenen Ländern müssen sich ihrerseits auf einen nationalen Strategieplan zur Bekämpfung von Aids verpflichten, diesem Plan bei der Mittelzuteilung in ihrem nationalen Haushalt entsprechenden Vorrang einräumen und sich öffentlich zu Wort melden, um die mit der Immunschwächekrankheit verbundene Scham und Stigmatisierung zu überwinden.

ribbon Die Nichtregierungsorganisationen müssen als wichtige Partner erkannt werden, vor Ort in den Entwicklungsländern, als Fürsprecher gegen Stigmatisierung und Diskriminierung und als kreative Beitragsleister auf dem Gebiet der Politik.

ribbon Die Wirtschaft - und nicht nur die pharmazeutische Industrie - muss ebenfalls ihren Teil der Verantwortung übernehmen. Jedes Unternehmen, das in einem Entwicklungsland wirtschaftlich tätig ist, soll seine Angestellten und die Personen in seinem weiteren Umfeld darüber aufklären, wie sie sich gegen HIV schützen können. Die Unternehmen können für freiwillige Untersuchungen und die Beratung ihrer Mitarbeiter und deren Familienangehörigen sorgen und die bereits mit HIV/Aids Infizierten materiell und moralisch unterstützen. Den pharmazeutischen Unternehmen kommt die zusätzliche Verantwortung zu, die Preise für lebensrettende Medikamente zu senken. Sechs pharmazeutische Konzerne sind bereits übereingekommen, die Preise für Aids-Medikamente für die am wenigsten entwickelten Länder, vor allem in Afrika, beschleunigt zu senken und auch die Preise für andere Entwicklungsländer zu reduzieren.

ribbon Stiftungen müssen ihren Einfluss zur Mobilisierung der öffentlichen Meinung geltend machen. Sie sollen dazu ermutigt werden, ihre Programme in diesem Aufgabenbereich anzupassen und Lücken in der Finanzierung zu schließen. Zahlreiche Stiftungen haben sich bereits mit Nachdruck an die Spitze des Kampfes gegen Aids gestellt.

ribbon Die Vereinten Nationen und ihre Teilorganisationen müssen sich besser organisieren, um ihre Bemühungen zu verstärken und die Bekämpfung der Epidemie im Rahmen eines kohärenten Vorgehens zu koordinieren. Zuständigkeitskämpfe und doktrinäre Streitigkeiten sollten dazu hintangestellt werden.

* * * * *

Zurück zur Pressemappe

Home