Am wenigsten entwickelte Länder
 

HINTERGRUNDINFORMATION

UNIC/FfD/5
Februar 2002

 

Das Leben der Menschen verbessern -
der wirkliche Reichtum einer Nation


Entwicklung - das heißt auch die Erhöhung der nationalen Einkommen, wachsende Alphabetisierungsraten, Grundversorgung im Sanitärbereich und ein angemessenen Lebensstandards - hat in den vergangenen 50 Jahren einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht, doch bleibt noch viel zu tun. Für eine echte Chance, Ziele im Bereich der Entwicklung zu erreichen, sind verstärkte Bemühungen entwickelter und sich entwickelnder Länder, sowie multilateraler Institutionen nötig.

Der allgemein anerkannte Hauptnutzen wirtschaftlichen Wachstums zeigt sich in einer wesentlichen Verbesserung der Rahmenbedingungen und der Qualität menschlichen Lebens. Und in den Wirtschaftssystemen des 21. Jahrhunderts werden Menschen allgemein als wichtigste aller Wirtschaftsressourcen angesehen. Die Internationale Konferenz für Entwicklungsfinanzierung stellt eine echte und reale Chance dar, diese beiden Aussagen weiter zu fördern.

Die Herausforderungen sind allerdings entmutigend. Von 4,6 Milliarden Menschen in Entwicklungsländern

  • erhalten 826 Millionen nicht genügend Nahrung für ein normales, gesundes und aktives Leben;
  • sind mehr als 850 Millionen Analphabeten;
  • hat fast eine Milliarde keinen Zugang zu gesundem Trinkwasser;
  • haben 2,4 Milliarden keine sanitäre Grundversorgung;
  • gehen fast 325 Millionen Kinder nicht in die Schule;
  • sterben 11 Millionen Kinder unter fünf Jahren jährlich an vermeidbaren Ursachen;
  • leben 1,2 Milliarden von weniger als 1 US-Dollar pro Tag.

Grundlegender Fortschritt auf all diesen Gebieten ist möglich und erreichbar. Es gibt klare Beispiele dafür.

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges haben internationale Kampagnen in öffentlichen Bereichen wie Gesundheits- und Hygieneversorgung oder Infrastruktur weltweit die allgemeine Lebenserwartung in stärkerem Ausmaß erhöht als in allen vorangegangenen Jahren der Geschichtsschreibung. Diese Expertenmeinung zitiert Sir Richard Jolly, bis vor kurzem Autor des Berichts zur menschlichen Entwicklung des UNO-Entwicklungsprogramms UNDP.

Der letztjährigen Ausgabe des Berichts zufolge ist die weltweite durchschnittliche Lebenserwartung in den letzten dreißig Jahren von 60 auf 70 Jahre gestiegen; die Kindersterblichkeit ist von 100 auf 50 pro Tausend Geburten gesunken; die Zahl unterernährter Menschen ging von schätzungsweise 900 auf 800 Millionen zurück; und die Alphabetisierungsrate Erwachsener stieg von etwas über 60 auf fast 80 Prozent. Der Anteil von Familien unter der Landbevölkerung mit Zugang zu sauberem Wasser ist in den letzten dreißig Jahren um mehr als ein Fünffaches gestiegen.

Nicht nur nationale Programme der Entwicklungsländer und globales Wirtschaftswachstum, sondern Entwicklungshilfe und Entwicklungszusammenarbeit sind für diese bemerkenswerten Fortschritte verantwortlich. Leider ist dieser Fortschritt menschlicher Entwicklung weitgehend ignoriert worden und hat keine großen Schlagzeilen gemacht.

Entwicklungsziele im Millennium

147 Staats- und Regierungschefs und 191 Nationen haben die Millenniums-Erklärung mit ihren spezifischen Zielen für Entwicklung und Reduzierung der Weltarmut angenommen. Die Ziele dienen der Konsolidierung und Ausweitung internationaler Entwicklungsziele, entstanden aus den UNO-Konferenzen der 90er Jahre wie auch aus den Diskussionen multilateraler Institutionen wie der Weltbank, dem Internationalen Währungsfonds (IMF) und der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Bis 2015 sollen die Sterblichkeitsrate bei Kindern um zwei Drittel reduziert, der Zugang zu Gesundheitsfürsorge im Geburtensektor ermöglicht, der Verlust von Umweltressourcen eingeschränkt und bis 2005 sollen nationale Strategien für nachhaltige Entwicklung entworfen werden. Überdies haben die Staats- und Regierungschefs zugesagt:

  • die Anzahl der Menschen weltweit, die von weniger als einem US-Dollar pro Tag leben müssen, zu halbieren;
  • die Anzahl der hungernden Menschen weltweit zu halbieren;
  • die Anzahl der Menschen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser weltweit zu halbieren;
  • weltweite Grundschulbildung zu erreichen;
  • gleiche Bildungschancen für beide Geschlechter zu erreichen;
  • die Sterblichkeitsrate von Müttern um drei Viertel zu reduzieren;
  • die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren um zwei Drittel zu reduzieren;
  • die Ausbreitung von HIV/Aids, Malaria und anderen schweren Krankheiten einzudämmen.

Wie sind die Aussichten, diese Ziele zu erreichen? Die gute Nachricht ist, dass viele Entwicklungsländer die Ziele Abschluss der Grundschule und gleichberechtigte Bildungschancen bereits oder nahezu erreicht haben. Zudem leben 60 Prozent der Weltbevölkerung in 43 Ländern, die bereits oder nahezu die Zahl der hungernden Menschen halbiert haben.

Dennoch werden in anderen Gebieten die Hälfte der Länder, über die Daten erhältlich sind, die gesteckten Ziele nicht ohne entscheidende Beschleunigung der Fortschritte erreichen. Um bei der Entwicklung von Aktionsstrategien zu helfen, hat der UNO-Generalsekretär eine „Straßenkarte“ entwickelt, eine ausgewogene und umfassende Übersicht über die gegenwärtige Lage, die Wege vorschlägt und Informationen zu „besten Praktiken“ gibt. (A/56/326)

Der Preis der Entwicklung

Der Aufwand an Ressourcen, um Entwicklungsziele zu erreichen, ist beträchtlich, aber kaum astronomisch. Ein hochrangiges Gremium, vom UNO-Generalsekretär unter der Leitung des ehemaligen mexikanischen Staatspräsidenten Ernesto Zedillo einberufen, hat im Juni 2001 die Schätzung veröffentlicht, dass zusätzlich zum gegenwärtigen Entwicklungshilfeaufkommen - derzeit circa 50 Milliarden US-Dollar, Tiefstand seit dreißig Jahren im Vergleich zum weltweiten Einkommen - circa 50 Milliarden US-Dollar pro Jahr benötigt werden. Eine detailliertere Studie der Weltbank vom Januar 2002 brachte ähnliche Ergebnisse hervor und berechnete, dass zusätzliche Hilfe in Höhe von 40 bis 60 Milliarden US-Dollar das Erreichen der Entwicklungsziele aus der Millenniums-Erklärung ermöglichen würde.

Nach Angaben der Weltbank und des IMF erfordert die Umsetzung der Entwicklungsziele zudem ein solides Rahmenwerk an politischen Maßnahmen und Regierungsform in den Entwicklungsländern, den Zugang zu externen Finanzmitteln zu annehmbaren Bedingungen und den Abbau von Hemmnissen, die Entwicklungsländer von den Märkten der reichsten Länder der Welt fernhalten.


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