nachhaltige Entwicklung
 

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Die Konvention der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Wüstenbildung: Eine neue Antwort auf ein jahrhundertealtes Problem

Das Umweltproblem - Wüstenbildung und ihre Ursachen

Nach Einschätzung des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) ist ein Viertel der Landmasse der Erde von Wüstenbildung bedroht. Der Lebensunterhalt von mehr als einer Milliarde Menschen in mehr als 100 Ländern ist ebenfalls durch Wüstenbildung gefährdet, da Acker- und Weideland unproduktiver werden.

Wüstenbildung bedeutet nicht, daß Wüsten stetig wachsen oder sich auf benachbartes Land ausdehnen. Die UNO-Konvention definiert Wüstenbildung als einen Prozeß von “Landzerstörung in ariden, semiariden und trockenen subtropischen Gebieten, die auf verschiedenen Faktoren beruht, wie etwa klimatischen Veränderungen und menschlichem Handeln“. Kleine Flecken zerstörten Landes können hunderte von Kilometern von der nächsten Wüste entfernt entstehen. Doch diese Flecken können sich ausdehnen und sich miteinander verbinden und so wüstenähnliche Bedingungen schaffen. Wüstenbildung verstärkt andere Umweltkrisen, wie etwa den Verlust der biologischen Vielfalt oder die globale Erwärmung.

Die meisten der gefährdeten Trockengebiete liegen in der Nähe der fünf größten Wüstenregionen der Erde:

  • Die Sonora-Wüste im nordwestlichen Mexiko und ihre Verlängerung in den Südwesten der Vereinigten Staaten hinein;
  • Die Atacama-Wüste, ein schmaler Küstenstreifen in Südamerika, zwischen den Anden und dem Pazifischen Ozean;
  • Ein breites Wüstenband, das sich vom Atlantischen Ozean bis nach China erstreckt und die Sahara, die Arabische Wüste, die Wüsten des Iran und der früheren Sowjetunion, die Große Indische Wüste (Thar) in Rajasthan sowie die Wüsten Taklamakan und Gobi in China und in der Mongolei einschließt;
  • Die Kalahari-Wüste im südlichen Afrika;
  • Der größte Teil Australiens.

Es gibt noch weitere, besonders gefährdete Gebiete:

  • In Afrika sind 66% der absoluten Landmasse trocken oder halbtrocken; in Nordamerika sind es etwa 34%.
  • Ungefähr 40% der kontinentalen Vereinigten Staaten wird vom US Büro für Landmanagement als anfällig für Wüstenbildung betrachtet. Mindestens 40% des Texanischen Graslandes sind mittlerweile zu verdorrt, um als Weideland genutzt zu werden.
  • Trockengebiete breiten sich über mehr als ein Drittel der absoluten Landmasse der Erde aus, während Wüsten nur ungefähr 7% des Landes bedecken. Die Bekämpfung der Wüstenbildung soll vor allem der Entstehung von wüstenähnlichen Bedingungen in Trockenzonen vorbeugen.
  • Im “Brotkorb“ des Römischen Imperiums in Nordafrika gab es einst 600 Städte. Heute ist das Gebiet eine Wüste.

Häufig steht eine Dürre am Beginn von Wüstenbildung, doch in der Regel ist menschliches Handeln der bedeutendste Auslöser. übernutzung erschöpft die Böden. überweidung beseitigt die Vegetation, die die Bodenerosion verhindern soll. Bäume, die die Böden zusammenhalten, werden gefällt, um Bauholz oder Brennholz zum Heizen und Kochen zu gewinnen. Schlechte Bewässerungssysteme, führen zur Versalzung von Ackerböden und zur Versteppung von jährlich 500.000 Hektar Land. Ungefähr die gleiche Fläche wird jedes Jahr zusätzlich bewässert.

Das Problem ist auch maßgeblich auf soziale und ökonomische Faktoren in den Entwicklungsländern zurückzuführen, wie z.B. Armut, rasches Bevölkerungswachstum, ungerechte Landverteilung, Flüchtlingsbewegungen, eine Modernisierung, die traditionelle Anbaumethoden zerstört, sowie eine Regierungspolitik, die den Anbau von Exportprodukten auf schwierigen Böden Fördert, um Auslandsschulden zu tilgen.

Das Leben auf der Erde hängt von der obersten Bodendecke ab, die Pflanzen, landwirtschaftlichen Produkten, Wäldern, Tieren und Menschen als Nahrungsquelle dient und ohne die niemand überleben kann. Obwohl der Aufbau der Bodenschicht viel Zeit braucht, kann sie, bei falscher Bewirtschaftung, in wenigen Jahren erodieren.

Das ökonomische Problem

Wenn man es richtig angeht, können Trockengebiete beträchtlich zum Wirtschaftswachstum beitragen und für die Landwirtschaft, als Weidefläche sowie für Siedlungen genutzt werden. Noch sind diese Gebiete von Dürre bedroht und eine Folge einer nicht nachhaltigen Bewirtschaftung. Einige Fakten:

  • Laut UNEP sind 69% der 5,2 Milliarden Hektar landwirtschaftlich genutzter Trockengebiete durch Wüstenbildung geschädigt oder von ihr bedroht.
  • 73% der landwirtschaftlich genutzten Trockengebiete in Afrika sind mittlerweile schwer angegriffen; in Nordamerika sind es 74%.
  • Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) muß die weltweite Nahrungsmittelproduktion in den nächsten 30 Jahren um 75% steigen, um mit dem Bevölkerungswachstum Schritt halten zu können. In den letzten 50 Jahren hat ein Gebiet von 1,2 Milliarden Hektar- so groß wie China und Indien zusammen - eine mäßige bis extreme Verschlechterung der Bodenqualität erfahren, zumeist in ariden und semi-ariden Zonen in Entwicklungsländern.
  • UNEP schätzt, daß die Wüstenbildung die Welt jährlich 42 Milliarden Dollar kostet. Dabei beträgt der Verlust pro Jahr für Afrika 9 Milliarden Dollar, für Asien 21 Milliarden Dollar, für Nordamerika 5 Milliarden Dollar, für Australien und für Südamerika jeweils 3 Milliarden Dollar und für Europa eine Milliarde Dollar.

Politische und soziale Probleme

Abgesehen von ihren negativen Auswirkungen auf Umwelt und Wirtschaft, ist die Bildung von Wüsten zum Teil auch für Bevölkerungswanderungen verantwortlich. Obwohl niemand genau beziffern kann, wieviele Menschen ihr Land verlassen mußten, weil es versandete: die Zahl geht wohl in die Millionen. Schon ein Sechstel der Bevölkerung Malis und Burkina Fasos wurde durch Wüstenbildung entwurzelt. Dies ist auch eine der Ursachen für die Immigration von Mexikanern in die Vereinigten Staaten.

Armut zwingt die arme Bevölkerung dazu, dem Land soviel als möglich abzupressen, um ihre Familien zu ernähren, ihr ein Dach über dem Kopf zu geben und sie vor Kälte zu schützen. Aber übernutzung, Abholzung und andere nicht nachhaltige Bewirtschaftung verschlechtern den Boden und zwingen die Menschen, woanders hinzugehen, um ihr überleben zu sichern. Arme Menschen sind am stärksten von den Auswirkungen des Wetters betroffen, da Dürren Hungersnöte verursachen, und ausgiebige Regenfälle die Preise von landwirtschaftlichen Produkten tief in den Keller fallen lassen. Auch politisch befinden sich die Armen in einer schwachen Position, da sie oft in Randregionen abgedrängt werden.

Wüstenbildung hat eine Rolle bei bewaffneten Konflikten auf aridem Land gespielt, und hat, wie z.B. in Somalia, zu politischer Instabilität, Hunger und zum Zusammenbruch der Gesellschaft beigetragen.

Bestimmungen und Prioritäten der Konvention

Die Konvention der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Wüstenbildung in den Ländern, die unter schweren Dürren und/oder Versteppung leiden, besonders in Afrika, so der volle Name der Konvention, wurde am 17. Juni 1994 verabschiedet und im Oktober desselben Jahres in Paris zur Unterzeichnung aufgelegt. Die Konvention trat am 26. Dezember 1996 in Kraft und wurde bis Mitte Januar 1997 von 60 Staaten ratifiziert.

Das erklärte Ziel der Konvention ist “die Bekämpfung der Wüstenbildung und die Linderung der Auswirkungen von Dürren in Ländern, die unter großer Trockenheit und/oder Wüstenbildung leiden, insbesondere in Afrika.…“. Um dieses Ziel zu erreichen, verlangt die Konvention Maßnahmen, die auf internationaler Zusammenarbeit und auf partnerschaftlicher Vorgehensweise beruhen. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Verbesserung der Bodenproduktivität, der Erneuerung der Böden, sowie dem Erhalt und der nachhaltigen Bewirtschaftung der Boden- und Wasserressourcen. Diese Maßnahmen sollen auch den langfristigen Folgen der Wüstenbildung (Wanderungsbewegungen, Verlust von Arten, Klimawandel) begegnen und die Abhängigkeit der Bevölkerungen von Nothilfe in Krisensituationen verringern. “Mit dem Inkrafttreten der Konvention kann die internationale Gemeinschaft ihre Aufmerksamkeit auf die ärmsten Menschen der Welt lenken“, sagte Hama Arba Diallo, der Exekutivsekretär der Konvention. “Sie wird den Menschen in anfälligen, trockenen ökosystemen neue Hoffnung bringen und ihnen helfen, den Weg hin zu einer nachhaltigen Entwicklung zu beschreiten.“

Die Konvention bietet einen Rahmen für nationale, überregionale und regionale Programme, die der Verschlechterung der Bodenqualität in Trockengebieten, wie semi-aridem Weideland und Wüsten, entgegenwirken soillen. Sie ruft die Industrieländer dazu auf:

  • die Anstrengungen der betroffenen Entwicklungsländer, die Vertragsstaaten der Konvention sind, aktiv zu unterstützen;
  • erhebliche, finanzielle Ressourcen“ bereitzustellen, um betroffenen Entwicklungsländern, die Vertragsstaaten sind, zu helfen;
  • die Aufbringung angemessener, rechtzeitiger und berechenbarer finanzieller Ressourcen aus allen öffentlichen und privaten Quellen zu Fördern; sowie
  • den Zugang zu geeigneter Technologie, zu Wissen und zu Fachkenntnissen zu Fördern.

Die von Wüstenbildung betroffenen Länder sind dazu verpflichtet:

  • der Bekämpfung von Wüstenbildung und Dürren Vorrang einzuräumen und je nach ihren möglichkeiten, ausreichende Mittel zur Verfügung zu stellen;
  • Strategien zur Bekämpfung von Wüstenbildung und Dürren zu entwickeln;
  • die dem Problem zugrunde liegenden Ursachen anzugehen und dabei den maßgeblichen sozio-ökonomischen Faktoren besondere Aufmerksamkeit zu schenken;
  • das Bewußtsein der lokalen Bevölkerung zu schärfen und ihre Mitwirkung bei der Bekämpfung von Wüstenbildung und Dürren zu Fördern; sowie
  • durch geeignete Gesetze, Politiken und Aktionsprogramme, ein positives Umfeld zu schaffen.

Die Konvention strebt auch Effizienzsteigerung bei der Hilfe zur Wüstenbekämpfung für die Entwicklungsländer an. Dies soll sowohl durch eine Koordination der Anstrengungen der Geberländer geschehen, als auch indem die betroffenen Länder ermutigt werden, zusammen mit den Menschen, die vom Land leben, nationale Wüstenbekämpfungsstrategien von unten her zu entwickeln. Die Architekten der Konvention vertraten die Ansicht, daß die oft sehr armen Menschen vor Ort mehr als sonst jemand über die gefährdeten ökosysteme wissen, in denen sie leben und arbeiten. Sie können daher viel zum Kampf gegen die Wüstenbildung beitragen.

Die Konvention betont ein Handlungskonzept, das von unten nach oben wirkt. Wichtig für dieses Konzept sind Schutz, Förderung und Nutzung maßgeblicher traditioneller und lokaler Techniken, Erfahrungen, Fachkenntnisse und Bräuche. Es ist offensichtlich, daß die Wüstenbildung erst dann wirkungsvoll angegangen werden kann, wenn die betroffenen Menschen voll eingebunden und engagiert sind. Obwohl der Gedanke der Mitwirkung seit vielen Jahren zum Allgemeingut gehört, wurde er oft überkommenen, hierarchischen Problemlösungsansätzen einfach aufgepfropft. Die Menschen konnten mitwirken, aber die wichtigen Entscheidungen wurden anderswo getroffen. Dadurch wurden die, denen die Maßnahmen zugute kommen sollten, oft vor den Kopf gestoßen. Durch die übernahme des Graswurzelansatzes in das Völkerrecht hat die Konvention Neuland beschritten und die Chance für einen Erfolg durch Partnerschaft erhöht. Die Konvention unterstreicht die wichtige Rolle von Frauen und betont auch den besonderen Beitrag, den Nichtregierungsorganisationen vor allem bei der Sicherstellung der Konventionsumsetzung leisten können.

Laut Konvention sind nationale Aktionspläne notwendig, um sowohl die Ursachen der Wüstenbildung zu erkennen als auch die zu ihrer Bekämpfung erforderlichen praktischen Maßnahmen zu ergreifen und die Auswirkungen von Dürren zu mildern. Diese Aktionspläne sollen auch:

  • die Rolle der Regierungen, der lokalen Gemeinden und der Landwirte festlegen und die verfügbaren Ressourcen aufzeigen;
  • Langzeit-Strategien einbeziehen;
  • vorbeugende Maßnahmen vorschlagen;
  • Veränderungen ermöglichen, falls die Umstände es erfordern;
  • die nationalen klimawissenschaftlichen, meteorologischen und hydrologischen Kapazitäten erweitern;
  • Politiken und den institutionellen Rahmen für Zusammenarbeit und Koordination Fördern sowie den Menschen vor Ort, den Zugang zu angemessenen Informationen und Technologien erleichtern;
  • effektive Mitwirkungsmöglichkeiten auf lokaler, nationaler und regionaler Ebene schaffen;
  • regelmäßige überprüfungen und Berichte über die Fortschritte in der Umsetzung verlangen.

Um die Folgen von Dürren zu lindern, sollten die nationalen Aktionsprogramme auch dafür sorgen, daß

  • Frühwarnsystemen und Mechanismen eingesetzt und gestärkt werden, um Personen zu unterstützen, die aufgrund von Umweltzerstörungen vertrieben wurden;
  • Vorbeugung und Reaktion auf Dürren, sowie die Notfallplanung verbessert wird;
  • Systeme zur Sicherung der Nahrungsmittelversorgung geschaffen und verbessert werden;
  • nachhaltige Bewässerungsprogramme für Ackerbau und Viehzucht entwickelt werden.

Die Konvention enthält auch Richtlinien für die Einhaltung und Koordination von Aktionsplänen; das Sammeln, Analysieren und den Austausch von Informationen; für Forschung und Entwicklung; Technologietransfer und Entwicklung; für Weiterbildung, Erziehung und Bewußtseinsbildung; sowie für das Aufbringen finanzieller Ressourcen und die Einsetzung von Finanzierungsmechanismen.

In vier Anhängen führt die Konvention aus, wie das übereinkommen jeweils in Afrika, Asien, Lateinamerika und der Karibik sowie im nördlichen Mittelmeerraum umgesetzt werden soll. Zum Beispiel haben die Länder Lateinamerikas und der Karibik vereinbart, einen regionalen Koordinierungsmechanismus einzusetzen. Das wichtigste Ziel dieses Mechanismus ist es, gemeinsame Initiativen zur Umsetzung der Konvention durch die Länder der Regionen zu entwickeln. Mit einer Vielzahl von Aktivitäten sollen die Wüstenbildung bekämpft und die Auswirkungen von Dürren gelindert werden.

Bisherige Aktivitäten

In den verschiedenen Regionen wurde bereits eine Reihe von Projekten für die Umsetzung der Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung verwirklicht. Dazu einige Beispiele:

Afrika:

Algerien führte mit Hilfe von Satellitenbildern ein Forschungsprogramm über Trends in der Wüstenbildung durch, hat einen nationalen Workshop veranstaltet, um Problembewußtsein zu schaffen und plant die Entwicklung einer Partnerschaft zwischen der Regierung und Nichtregierungsorganisationen. Botswanas nationales Aktionsprogramm wird in einem nationalen Dikussionsprozeß gipfeln, in dem die Maßnahmen zur Umsetzung der Konvention geklärt werden sollen.

Dänemark und Burkina Faso haben gemeinsam das Burkinabe Sahel Projekt ins Leben gerufen, das auf lokaler Ebene Graswurzelentwicklungen zur Nahrungssicherung und zur Wiederherstellung der natürlichen Umwelt Fördern soll. Burundi hat die Umsetzung der Konventionen über biologische Vielfalt, Klimawandel und Wüstenbildung in einer nationalen Strategie zusammengefaßt. Zu den nationalen Aktivitäten in Kamerun zählen die Veranstaltung nationaler Tage zur Bewußtseinsbildung und der Entwurf eines nationalen Umweltplanes.

ägypten plant Projekte, mit denen z.B. durch die Verbesserung der Wassergewinnung und der Bewässerungstechniken die Fläche des besiedelten Landes von 5 auf 25% vergrößert werden soll.

Zu äthiopiens Aktivitäten gehören unter anderem ein nationaler Workshop zur Bewußtseinsbildung, eine überprüfung der Politiken und Strategien der Umweltschutzbehörde sowie eine Studentenkampagne zur Pflanzung mehrerer Millionen Bäume.

Mali gründete eine nationale Wüstenstiftung. Mauretanien hat die Träger von 15 afrikanischen Schwerpunktprogrammen in einem Workshop zusammengeführt, um Erfahrungen auszutauschen. Die Aktivitäten in Niger umfassen die Durchführung von Workshops, den Aufbau regionaler Strukturen und einer Umweltstiftung, sowie die Verabschiedung eines nationalen Umweltplanes. Togo hat ein nationales Informationsprogramm gestartet.

Marokko ist dabei, ein nationales Aktionsprogramm zu entwickeln und Partnerschaften zwischen der Regierung und einigen Dörfern aufzubauen. Gambia hat Kampagnen zur Bewußtseinsbildung durchgeführt, sowie die nationale Forstpolitik revidiert, um die Forstwirtschaft auf kommunaler Ebene zu Fördern. Ghana hat ein nationales Wüstenkomitee eingesetzt und hält Workshops und Seminare ab, um auf das Thema aufmerksam zu machen.

Senegal hat einen nationalen Umweltfonds gegründet, ein Informationssystem über Wüstenbildung im Internet installiert, sowie einen Beirat zur Beobachtung der Fortschritte eingesetzt. Kenia bereitet ein nationales Aktionsprogramm vor und hat einen nationalen Wüstenfonds eingerichtet. Südafrika arbeitet an einem nationales Aktionsprogramm. Uganda führte Aktionen zur Bewußtseinsbildung durch und baut einen nationalen Wüstenfonds auf. Sambia hat über ein Bewußtseinsbildungsprogramm und ein Aktionsprogramm für die Wälder berichtet.

Lateinamerika und Karibik:

Argentinien organisierte die erste Konferenz zur Bekämpfung der Wüstenbildung in Lateinamerika. Zu den nationalen Aktivitäten des Landes gehören die Förderung der Kooperation der, mit dem Thema Wüstenbildung befaßten Nichtregierungsorganisationen, sowie die Einsetzung einer Beratergruppe aus Wissenschaft und Technologie.

Bolivien hat ein nationales Aktionsprogramm verabschiedet und führt Kampagnen zur Bewußtseinsbildung durch.

Brasilien arbeitet einen nationalen Plan zur Bekämpfung der Wüstenbildung aus und rief ein nationales Wüstennetzwerk ins Leben. Außerdem Fördert es die technische Zusammenarbeit mit anderen betroffenen Ländern.

Nach der Ratifizierung der Rio-Vereinbarungen, hat sich Haiti umfassend mit nachhaltiger Ent-icklung beschäftigt und kooperiert mit Argentinien, der Dominikanischen Republik, Kuba und Mexiko. Zu Mexikos Anstrengungen auf nationaler Ebene gehören die Verabschiedung einer neuen Umweltgesetzgebung, der Entwurf eines Forstgesetzes und eine Vereinbarung über technische Unterstützung.

Asien:

China überprüft seine Projekte zur Wüstenbekämpfung.

Israel entwickelt Obstplantagen, die mit geklärtem Abwasser bewässert werden sollen; hat ein Expertentreffen über Synergieeffekte bei der Umsetzung der Rio-Vereinbarungen organisiert; und ist an einer internationalen Schule für Wüstenstudien beteiligt.

Kasachstan hat auf nationaler Ebene vorbereitende Maßnahmen zur Bekämpfung der Wüstenbildung getroffen.

Syrien legt einen Grüngürtel an und führt ein Wiederaufforstungsprojekt durch.

Nördlicher Mittelmeerraum

Noch 1997 soll ein Treffen Frankreichs, Griechenlands, Italiens, Portugals, Spaniens und der Türkei über Maßstäbe und Indikatoren für Wüstenbildung abgehalten werden. Spanien bereitet ein nationales Aktionsprogramm vor.


Die Konferenz der Vertragsstaaten

Eine Konferenz der Vertragsstaaten soll die Umsetzung der Konvention und die Arbeit von allenfalls eingesetzten Nebenorganen überwachen. Alle Vertragsstaaten berichten der Konferenz über ihre Umsetzungsmaßnahmen. Die Vertragsstaatenkonferenz beschließt über änderungsanträge zur Konvention und Fördert und erleichtert den Informationsaustausch über Maßnahmen der Vertragsstaaten.

Der Zwischenstaatliche Verhandlungsausschuß zur Ausarbeitung einer Internationalen Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung hat sich bisher um offene Fragen gekümmert. Jetzt, nach dem Inkrafttreten der Konvention, wird die Vertragsstaatenkonferenz ihre erste Tagung vom 29. September bis zum 10. Oktober 1997 in Rom abhalten.

Der Ausschuß für Wissenschaft und Technologie

Artikel 24 der Konvention sieht die Einsetzung eines Ausschusses für Wissenschaft und Technologie als Nebenorgan der Konferenz vor, das diese in Fragen der Wüstenbildung und Dürren informieren und beraten soll. Der Ausschuß steht allen Vertragsstaaten zur Mitarbeit offen und tagt gleichzeitig mit der Vertragsstaatenkonferenz.

Unter der Aufsicht der Konferenz soll sich der Ausschuß um die Erfassung und Bewertung bestehender wissenschaftlicher Netzwerke und Institutionen kümmern, die bereit sind, in einem neuen Netzwerk zur Förderung der Einhaltung der Konvention mitzuwirken. Wissenschaftler auf der ganzen Welt werden ermutigt, ihr Fachwissen und ihre Forschungsergebnisse in den Dienst dieser internationalen Bemühungen zu stellen.

Finanzierungsmechanismus

In Artikel 21 schuf die Konvention einen globalen Mechanismus, mit dem die Aufbringung und Kanalisierung umfangreicher Finanzmittel gefördert werden sollen. Dazu gehört der Transfer von Technologien in Entwicklungsländer, sei es in Form von Zuschüssen oder durch die Gewährung von Sonderkonditionen, zur Umsetzung der Konvention. Diese Einrichtung untersteht der Vertragsstaatenkonferenz und wird von ihr kontrolliert.

Der Sitz des Sekretariats der Konvention

Derzeit hat das vorläufige Sekretariat der Konvention seinen Sitz in Genf. Deutschland, Kanada und Spanien haben angeboten, das Ständige Sekretariat der Konvention in Bonn, bzw. in Montreal oder Murcia anzusiedeln. Die Wahl des Sitzes des Ständigen Sekretariats wird auf der ersten Konferenz der Vertragsstaaten im September in Rom erfolgen. Das Sekretariat soll dann 1998 in seinen neuen Sitzstaat umziehen.

Hintergrund

Als Reaktion auf die große Dürre und Hungersnot in der Sahelzone 1968-74, bei der mehr als 200.000 Menschen und Millionen Tiere ums Leben kamen, richteten die Vereinten Nationen ein Sudan-Sahel-Büro ein. Ursprünglich nur für neun dürregefährdete westafrikanische geplant, betreute es später jedoch 22 Länder südlich der Sahara und nördlich des äquators.

Auf globaler Ebene befaßten sich die Vereinten Nationen erstmals auf der Konferenz der Vereinten Nationen über Wüstenbildung 1977 in Nairobi mit dem Thema. Die Konferenz erarbeitete einen Aktionsplan zur Bekämpfung der Wüstenbildung, eine Reihe von Richtlinien und Empfehlungen, um die Entwicklung nationaler Aktionspläne zu unterstützen und Hilfsmaßnahmen der internationalen Gemeinschaft anzuregen und zu koordinieren.

Nach einer weiteren vernichtenden Dürre richtete der Internationale Agrarentwicklungsfonds der Vereinten Nationen (IFAD) das Sonderprogramm für die von Dürre und Wüstenbildung betroffenen Länder südlich der Sahara ein. Dieses Programm hat rund 400 Millionen Dollar aufgebracht, die zusammen mit weiteren Kofinanzierungsmitteln in Höhe von 350 Millionen Dollar die Durchführung von 45 Projekte in 25 Ländern ermöglichten.

Obwohl die Richtlinien des 1977 verabschiedeten Aktionsplans nichts von ihrer gültigkeit verloren hatten, blieben die praktischen Maßnahmen aufgrund fehlender Mittel und mangelnder Koordination weit hinter den Erwartungen zurück. Daher forderte die UNO-Konferenz über Umwelt und Entwicklung, die 1992 in Rio de Janeiro, Brasilien, stattfand, von der Generalversammlung der Vereinten Nationen die Einrichtung eines Zwischenstaatlichen Verhandlungsausschusses, mit dem Auftrag, bis Juni 1994 ein rechtsverbindliches Vertragsinstrument auszuarbeiten.

Unter der Bezeichnung “Rio + 5“ wird eine Sondertagung der UNO-Generalversammlung vom 23. bis 27. Juni 1997 in New York zusammentreten, um die bisherigen Maßnahmen zur Umsetzung der Agenda 21 zu überprüfen, die 1992 auf dem “Erdgipfel“ in Rio beschlossen worden war.


Herausgegeben von der
Hauptabteilung Presse und Information der Vereinten Nationen, New York, DPI/1870/SD.
Deutsche übersetzung: UNIC Bonn, Martin-Luther-King-Str. 8, 53175 Bonn, e-mail: unic@uno.de


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