nachhaltige Entwicklung
 

Earth Summit +5 (4322 bytes)

 

Die Förderung der nachhaltigen Entwicklung war der Schwerpunkt der UNO-Sondergeneralversammlung mit Staats- und Regierungschefs, die vom 23.- 27. Juni 1997 in New York stattfand. „Die Sondergeneralversammlung soll einen ehrlichen und kritischen Blick auf das werfen, was seit dem Erdgipfel 1992 in Rio de Janeiro gemacht und was nicht gemacht wurde“, sagte der damalige Generalversammlungspräsident Razali Ismail.

Ziele

Die Sondergeneralversammlung sollte

  • die globalen Fortschritte bei der nachhaltigen Entwicklung seit 1992 bewerten;
  • anhand von erfolgreichen Projekten in aller Welt zeigen, daß nachhaltige Entwicklung machbar ist;
  • die Gründe aufzeigen, warum die Rio-Ziele nicht immer erreicht wurden;
  • besondere Themen wie Finanz- und Technologietransfer, Produktions- und Konsummuster, Energie und Verkehr sowie Trinkwasserknappheit beleuchten und zukünftige Maßnahmen festlegen;
  • Regierungen, internationale Organisationen und gesellschaftliche Gruppen aufrufen, ihr Engagement für nachhaltige Entwicklung zu erneuern.

Geschichte

1992 waren sich die Vertreter von 172 Regierungen auf dem Erdgipfel in Rio de Janeiro einig, daß sofort etwas getan werden mußte, um die wirtschaftliche und soziale Entwicklung voranzubringen und gleichzeitig die Umwelt zu erhalten und zu schützen. Drei zentrale Dokumente wurden auf der Konferenz verabschiedet:

  • Die Agenda 21, ein umfassender Aktionsplan für alle Bereiche der nachhaltigen Entwicklung;
  • Die Rio-Deklaration zu Umwelt und Entwicklung, die Rechte und Verantwortlichkeiten von Staaten festlegt;
  • Die Walderklärung, Leitlinien für die nachhaltige Bewirtschaftung von Wäldern.

Zur Umsetzung der Agenda 21 und anderer Rio-Beschlüsse haben die Vereinten Nationen eine Kommission für nachhaltige Entwicklung (CSD) eingesetzt.

Weitere Ergebnisse von Rio: eine Konferenz über die nachhaltige Entwicklung kleiner Inselstaaten (Mai 1994); die UNO-Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung; ein UNO-Abkommen über Hochseefischerei; die Einrichtung des Zwischenstaatlichen Ausschusses über Wälder (IPF); die Klimarahmenkonvention (FCCC) und die Konvention über die biologische Vielfalt (CBD).

Die Rolle der Zivilgesellschaft

Am Erdgipfel in Rio haben sich mehr Nichtregierungsorganisationen und gesellschaftliche Gruppen beteiligt als je zuvor bei einer UNO-Konferenz. Ihre Mitarbeit spiegelt die bedeutende Rolle wider, die der Zivilgesellschaft bei der nachhaltigen Entwicklung zukommt. Die Agenda 21 nennt neun wichtige Gesellschaftsgruppen, die als Partner der Regierungen an der globalen Umsetzung der Rio-Beschlüsse mitwirken sollen: Frauen, Bauern, junge Leute, Gewerkschaften, Handel und Industrie, Kommunalverwaltungen, Wissenschaftler, indigene Bevölkerungen und Nichtregierungsorganisationen.

Regierungsstrategien

Zur Vorbereitung der Sondergeneralversammlung hatte der UNO-Generalsekretär zwei Berichte vorgelegt. Der erste faßte die seit dem Erdgipfel in Rio erzielten Fortschritte zusammen, und der zweite benannte kritische Trends im Bereich der nachhaltigen Entwicklung. Darin wurde betont: „Die globale Katastrophe steht anscheinend nicht direkt bevor. Aber die Prognosen, die in diesem Bericht als Beispiele angeführt werden, zeigen deutlich, daß ein Festhalten an den bestehenden Entwicklungsmustern im Sinne des business-as-usual in der nahen Zukunft höchstwahrscheinlich nicht zu einer nachhaltigen Entwicklung führen wird“. Um den negativen Trend umzukehren, werden drei Strategien aufgeführt:

  • verstärkt in den Menschen, in seine Bildung und seine Gesundheit investieren;
  • saubere und effiziente Technologien Fördern, sowohl über staatliche Regulierungsmechanismen als auch über wirtschaftliche Anreize;
  • das Preissystem reformieren, um umweltschädlichen Produktions- und Konsummustern entgegenzuwirken.

Das Abschlußdokument

Die Delegierten aus über 165 Ländern verabschiedeten in New York ein Abschlußdokument, in dem sie die Beschlüsse von Rio noch einmal bekräftigten und die auf dem Erdgipfel 1992 begründete “globale Partnerschaft“ erneuerten. Darüberhinaus enthält das Abschlußdokument auch einige konkrete Maßnahmen, um dem drohenden Klimawandel, der Waldzerstörung und der Trinkwasserknappheit zu begegnen. So wurde in New York beispielsweise der Weg hin zu einem, schließlich auf dem Klimagipfel in Kyoto im Dezember 1997 verabschiedeten, Klimaprotokoll geebnet. Es wurde ein zwischenstaatliches Waldforum gegründet und man einigte sich darauf, eine globale Strategie zum Schutz der bedrohten Trinwasserreservoirs zu entwickeln. Bemängelt wurde vor allem von den Nichtregierungsorganisationen, die auch auf dem Gipfel in New York wieder in großer Anzahl vertreten waren, daß das Abschlußdokument die Mitgliedsstaaten zu wenig auf konkrete, neue Maßnahmen zur einer wirkungsvolleren Umsetzung der Agenda 21 verpflichtet. Daß weder konkrete Ziele formuliert noch globale Arbeitsprogramme beschlossen wurden, lag vor allem daran, daß sich Entwicklungs- und Industrieländer nicht darüber verständigen konnten, wie eine nachhaltige Entwicklung weltweit finanziert werden sollte.

Während die Entwicklungsländer darauf beharrten, daß die Industrieländer die von ihnen in Rio eingegangenen finanziellen Verpflichtungen erfüllen und ausbauen sollten, waren die Industrieländer nicht bereit, mehr Mittel zur Verfügung zu stellen.

Das große Interesse wichtiger gesellschaftlicher Gruppen an der Umsetzung der Agenda 21 in allen Staaten der Welt ist ein wichtiger Fortschritt im sogenannten Rio-Prozess. Mehr als 1800 Städte und Gemeinden haben inzwischen eine lokale Agenda 21 entwickelt und rund 150 Staaten haben nationale Koordinierungstellen für nachhaltige Entwicklung eingerichtet. Sie bringen die beteiligten Gruppen zusammen, beraten die Regierung, und sorgen dafür, daß das Motto “Global denken, lokal handeln“ zur Basis von Entscheidungen auf kommunaler, regionaler und nationaler Ebene wird.


Ausgewählte Websites zur Agenda 21

Earth Summit +5, Special Session of the General Assembly to Review and Appraise the Implementation of Agenda 21, New York, 23-27 June 1997
http://www.un.org/esa/earthsummit/

Programme of Action (A/RES/S-19/2)
gopher://gopher.un.org/00/ga/recs/spec/RES-S19.2

Offizielles Protokoll in deutscher übersetzung
http://www.un.org/Depts/german/gv-sondert/gv19-ss/gv19.htm

Earth Summit, Rio de Janeiro, 1992
gopher://gopher.un.org/11/conf/unced

Agenda 21
gopher://gopher.un.org/11/conf/unced/English
Deutsche übersetzung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit:
http://www.oneworldweb.de/agenda21/welcome.html

Rio Declaration on Environment and Development
gopher://gopher.un.org/00/conf/unced/English/riodecl.txt

Forest Principles
gopher://gopher.un.org/00/conf/unced/English/forestp.txt

Global Conference for Sustainable Development of Small Island Developing States (SISD)
gopher://gopher.un.org/00/conf/sids/conference/official/eng/poa.txt

United Nations Convention to Combat Desertification (UNCCD)
http://www.unccd.int

United Nations Convention on Climate Change (UNFCCC)
(hier auch: Kyoto Protocol)
http://www.unfccc.int

United Nations Convention on Biological Diversity (CBD)
http://www.biodiv.org

United Nations Sustainable Development Web Site
http://www.un.org/esa/sustdev/

United Nations Commission on Sustainable Development
http://www.un.org/esa/sustdev/csd.htm

United Nations Department for Economic and Social Development, Division for Sustainable Development
http://www.un.org/esa/sustdev/dsd.htm

Indicators of Sustainable Development
http://www.un.org/esa/sustdev/isd.htm

United Nations Environment Programme
http://www.unep.org

United Nations Centre for Human Settlement (UNCHS/HABITAT)
http://www.unchs.org

Food and Agricultural Organization of the United Nations (FAO), Sustainable Development Department
http://www.fao.org/sd

Earthwatch
http://www.unep.ch/earthw.html

Development Watch
http://www.undp.org/devwatch/index.html


Herausgegeber: UNIC Bonn, Martin-Luther-King-Str. 8, 53175 Bonn, e-mail: unic@uno.de.



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