nachhaltige Entwicklung
 

Johannesburg-Gipfel 2002

 

Landwirtschaftliche Produktivität

Das Problem

Es gibt mehr als genug Nahrung für die gesamte Weltbevölkerung . Allerdings sind mehr als eine Milliarde Menschen für ihren Unterhalt und ihr Einkommen von der eigenen Ernte abhängig. Wenn diese ausfällt, dann ist kein Geld vorhanden, um andere Lebensmittel zu kaufen. In der Tat geht in vielen ländlichen Regionen, in denen 70 Prozent der ärmsten 1,2 Milliarden Menschen leben und arbeiten, die landwirtschaftliche Produktivität zurück. Schuld daran ist die abnehmende Bodenqualität, von der weltweit mehr als zwei Drittel des nutzbaren Landes, das bewirtschaftet werden kann, betroffen sind.

In vielen Fällen zwingt die sinkende landwirtschaftliche Produktivität die Menschen dazu, auf Waldbestände, Grünland und Feuchtgebiete auszuweichen, was zur weiteren Verschlechterung der Umwelt und zu mehr Armut führt. UNO-Generalsekretär Kofi Annan hat eine Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktivität zu einem unverzichtbaren Ziel der nachhaltigen Entwicklung erklärt, um die Armut zu reduzieren und mehr Gewicht auf die Umwelt zu legen. Er fordert die Teilnehmer des Johannesburg-Gipfels auf, sich verstärkt auf die anhaltende Verschlechterung der Bodenqualität zu konzentrieren, die er als einen von fünf wesentlichen Schlüsselbereichen ausmacht, in dem greifbare Resultate erzielt werden können und müssen.

Zusätzlich zu den Problemen, die durch Klimawandel, anhaltende Dürre und Überflutung verursacht werden, tragen zahlreiche andere Faktoren, die zu einer nicht nachhaltigen Nutzung von Land und damit auch zur Armut bei. Die Ärmsten haben keinen Zugang zu Landbesitz und der Nutzung von Gemeinschaftseigentum an natürlichen Ressourcen wie Weiden, Flüssen und Wäldern.

Die Probleme der Landwirtschaft werden auf nationaler Ebene in den Entwicklungsländern noch verschärft. Die Forderung nach Handelsliberalisierung hat viele Entwicklungsländer dazu veranlasst, ihre Zölle zu senken und damit ihren Markt für neue und billige Importe zu öffnen. Zur gleichen Zeit machen es hohe Zölle und Subventionen an Landwirte in den Industriestaaten den Entwicklungsländern unmöglich, mit ihren Produkten auf den Märkten der Industrieländer in Wettbewerb zu treten.

Pflanzliche genetische Ressourcen sind erforderlich, um die Sicherheit der Landwirtschaft und Ernährung zu gewährleisten. Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) wurden im Lauf der Menschheitsgeschichte mehr als 7.000 Arten genutzt. Heute müssen 120 Pflanzenarten für 90 Prozent der Nahrung sorgen. Ein großer Teil der biologischen Vielfalt dieser Anbaupflanzen ging im 20. Jahrhundert verloren.

Das Internationale Abkommen über pflanzengenetische Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft wurde im November 2001 verabschiedet. Darin wird die Bewahrung pflanzengenetischer Ressourcen, ihr nachhaltiger Gebrauch und die faire und gerechte Aufteilung der daraus resultierenden Gewinne gefordert. Dieser verbindliche internationale Vertrag sichert die Rechte der Landwirte und schafft ein multilaterales System für den Austausch genetischer Ressourcen von 64 Nutz- und Futterpflanzen, die für die globale Ernährungssicherheit von besonderer Bedeutung sind.

Wichtige Daten

  • Knapp elf Prozent der Erdoberfläche wird für den Anbau von Pflanzen genutzt. Während in einigen Gegenden noch mehr Raum für eine weitere Expansion der Landwirtschaft vorhanden ist, wie in Lateinamerika, in Afrika südlich der Sahara und in einigen Ländern Ostasiens, wird in Südasien, im Nahen Osten oder in Nordafrika das anbaufähige Land knapp.
  • Die Fläche des kulturfähigen Landes pro Person nimmt ab. In den Entwicklungsländern ging dieser Anteil von 0,32 Hektar pro Person im Jahr 1961 auf 0,21 Hektar 1997/1999 zurück. Prognosen zufolge könnten im Jahr 2030 nur mehr 0,16 Hektar pro Person zur Verfügung stehen.
  • Bodenerosion ist zu 40 Prozent verantwortlich für die abnehmende Bodenqualität weltweit. Diese ist vor allem durch flächendeckende Landwirtschaft verursacht worden.
  • In den Entwicklungsländern verbraucht die Landwirtschaft das meiste Wasser. Über 70 Prozent des weltweiten Trinkwassers wird für die Landwirtschaft verwendet. In Afrika, im Nahen Osten und in Südasien sind es sogar fast 90 Prozent. In den OECD-Ländern verbraucht die Industrie den größten Teil des Wassers.
  • 20 bis 30 Prozent der bewässerten Landfläche in den Entwicklungsländern sind im Laufe der Zeit durch Überwässerung oder Versalzung schwer in ihrer Substanz geschädigt worden. Rund zwölf Millionen Hektar bewässerter Flächen gingen dadurch für die Landwirtschaft verloren.
  • Laut Schätzungen sind 250 Millionen Menschen direkt von der Wüstenbildung - der abnehmenden Bodenqualität in Trockenzonen - betroffen und bis zu einer Milliarde Menschen laufen Gefahr, bald ebenfalls vor diesen Problemen zu stehen.
  • Öffentliche Gelder für die Landwirtschaft sind ebenfalls rückläufig. Die öffentliche Entwicklungshilfe für die Landwirtschaft wurde in den 90ern real um bis zu 50 Prozent gekürzt.

Was getan werden muss

Der finanzielle Nutzen, den eine Verringerung der Zahlder Hungernden und ihre höhere Produktivität bringen könnte, wird von der FAO auf 120 Milliarden US-Dollar jährlich geschätzt. Aber nur 24 Milliarden US-Dollar wären notwendig, um die Anzahl der Hungernden weltweit um die Hälfte zu reduzieren. Dieser Betrag müsste in Form von öffentlichen Investitionen für die integrierte Boden- und Wassernutzung, das Management der marinen und forstwirtschaftlichen Ökosysteme und den Schutz der Artenvielfalt eingesetzt werden.

Die Konvention der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Wüstenbildung - ein Ergebnis des Erdgipfels von 1992 - soll Maßnahmen zur Bekämpfung der Wüstenbildung koordinieren, hat aber bislang keine ausreichenden Mittel für die Umsetzung dieser Vorhaben erhalten. Nach einem Vorschlag, der auf dem Johannesburg-Gipfel zur Diskussion steht, soll die Globale Umweltfazilität die Durchführung dieser Konvention finanzieren.


Herausgegeben von der Hauptabteilung Presse und Information der Vereinten Nationen. DPI/2252
Deutsche Übersetzung: Informationszentrum der Vereinten Nationen (UNIC) Bonn. Juli 2002.



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