nachhaltige Entwicklung
 

Johannesburg-Gipfel 2002

 

Konsum- und Produktionsgewohnheiten

Das Problem

„Die Hauptursache für die fortschreitende Zerstörung der globalen Umwelt ist in den nicht nachhaltigen Konsum- und Produktionsgewohnheiten, insbesondere in den Industrieländern, zu sehen“, stellt die Agenda 21- der auf dem Erdgipfel 1992 in Rio verabschiedete Aktionsplan für nachhaltige Entwicklung - fest.

Auf 15 Prozent der Weltbevölkerung in Ländern mit hohem Einkommen entfallen 56 Prozent des gesamten weltweiten Konsums, während auf die ärmsten 40 Prozent in Ländern mit niedrigem Einkommen nur elf Prozent des Verbrauchs entfallen. Während der tägliche Konsum aufgrund der Expansion der Weltwirtschaft und des steigenden Lebensstandards in vielen Ländern zunimmt, liegt der durchschnittliche Verbrauch eines afrikanischen Haushaltes heute um 20 Prozent unter jenem vor 25 Jahren.

Aber nachhaltige Entwicklung ist nicht nur eine Frage der gerechten Nutzung von Ressourcen. Würde jeder in der Welt wie ein Durchschnittsbürger in den Ländern mit hohem Einkommen leben, dann würden wir 2,6 zusätzliche Planeten brauchen, um den Bedarf an Ressourcen zu decken. Dies errechnete die Studie ‚Nachhaltigkeitsmaß des Ökologischen Fußabdrucks', eine unabhängige Hochrechnung auf der Grundlage von UNO-Statistiken.

Schon unser tatsächliches Konsum- und Produktionsvolumen liegt - gemessen an dem durchschnittlichen globalen ökologischen Fußabdruck - um 25 Prozent höher als die Umwelt der Erde verkraften kann. Dies bedeutet, dass die Menschheit das natürliche Kapital des Planeten bereits in beträchtlichem Ausmaß aufbraucht.

Doch es gibt auch gute Nachrichten. In den Industriegesellschaften hat sich das Produktions- und Verbrauchsverhalten von einem rohstoff- und energieaufwendigen Sektor hin zum Dienstleistungsbereich verlagert. Die gleichzeitige Optimierung der Energienutzung hat zu einem niedrigeren Verbrauch von Rohstoffen pro Produktionseinheit geführt. Beispielsweise erzielte die Europäische Union in den 90er Jahren ein bedeutendes Wirtschaftswachstum, ohne den Verbrauch an fossilen Brennstoffen maßgeblich zu steigern. Doch die durch bessere Energienutzung erzielten Erfolge wurden durch ein höheres Volumen an Konsum- und Wegwerfgütern wieder aufgehoben. Mittlerweile werden mehr natürliche Ressourcen verbraucht und die Verschmutzung nimmt zu.

Seit dem Weltgipfel sind neue Ansätze zum Tragen gekommen, um die Nachhaltigkeit von Verbrauch und Produktion zu verbessern. Zum Beispiel:

  • Viele Regierungen haben wirtschaftliche und ordnungspolitische Anreize geschaffen, wie Umweltsteuern, Abgaben auf Umweltverschmutzung; Emissionshandel und Wassernutzungszertifikate, Pfandsysteme für die Müllentsorgung, Gebühren für die Nichterfüllung von Umweltauflagen freiwillige Verhaltenskodizes.
  • Eine Reihe von Unternehmen haben saubere und umweltfreundliche Produktionsverfahren eingeführt und den Grad der Verschmutzung und andere negative Umweltauswirkungen durch umweltfreundliches Design, Verpackung und Beschriftung reduziert.
  • Die Öffentlichkeit hat ein stärkeres Bewusstsein für die Verantwortung und Wahlmöglichkeiten der Verbraucher entwickelt. Reduzieren, Wiederverwerten und Recyceln stehen hoch im Kurs und die Bereitschaft, für biologische und umweltfreundliche Produkte höhere Preise zu zahlen, hat zugenommen.

Wichtige Daten:

  • Die jährliche Leistung der Weltwirtschaft stieg von 31 Billionen US-Dollar im Jahre 1990 auf 42 Billionen US-Dollar im Jahr 2000; 1950 lag sie bei nur 6,2 Billionen US-Dollar. Dieser Anstieg wirtschaftlicher Tätigkeiten schuf Millionen neuer Arbeitsplätze und ermöglichte den Menschen einen höheren Konsum. So stieg etwa die Zahl der weltweiten Telefonverbindungen zwischen 1990 und1998 um 62 Prozent, von 520 Millionen auf 844 Millionen.
  • Obwohl das Pro-Kopf-Einkommen seit 1990 in 40 Staaten um drei Prozent jährlich gestiegen ist, haben mehr als 80 Staaten ein niedrigeres Pro-Kopf-Einkommen als vor einem Jahrzehnt. Ein Fünftel der Weltbevölkerung hat weniger als einen US-Dollar pro Tag zum Leben und keine Mittel für die Grundversorgung mit Nahrung, sauberem Wasser und Gesundheitsfürsorge.
  • Der weltweite Energieverbrauch hat seit 1992 beträchtlich zugenommen und wird vermutlich bis 2020 jährlich weiter um zwei Prozent steigen. Der globale Verbrauch fossiler Brennstoffe nahm von 1992 bis 1999 um zehn Prozent zu. Der Pro-Kopf-Verbrauch mit bis zu 6,4 Tonnen Öl oder anderen Brennstoffen liegt in den Industriestaaten immer noch am höchsten und beträgt ein Zehnfaches des Konsums in den Entwicklungsländern.
  • Die Konsumenten sind häufiger bereit, 50 bis 100 Prozent mehr zu zahlen, wenn Produkte chemie- und pestizidfrei sind. Als Folge wuchs die Bionahrungsmittelindustrie in den Vereinigten Staaten in den 90er Jahren um mehr als 20 Prozent jährlich. In anderen Industriestaaten gab es ein vergleichbares Wachstum.

Was getan werden muss

Weiterhin über die Kapazitäten unserer Erde hinaus zu leben ist auf lange Sicht keine gangbare Option. Die Frage ist, wie man die Konsum- und Produktionsgewohnheiten schnell genug ändern kann, um mit dem Tempo des wirtschaftlichen Wachstum mitzuhalten. Dies kann nicht allein durch technologische Veränderungen erreicht werden. Es ist unwahrscheinlich, dass Unternehmen „grüne“ Initiativen freiwillig annehmen, wenn diese kostspielig sind. Mehr Menschen müssen ihre Vorstellung revidieren, dass gesteigerter materieller Konsum Fortschritt oder Erfolg bedeutet. Eine gerechtere und fairere Nutzung der Ressourcen wird auch soziale Konflikte verringern.

Nach dem Bericht des UNO-Generalsekretärs über die Umsetzung der Agenda 21 sind umfangreiche Verbesserungen bei der Optimierung der Ressourcennutzung sowohl in den Industrie- als auch in den Entwicklungsländern erforderlich. Dazu wurde vorgeschlagen:

  • Die Optimierung der Energie- und Ressourcennutzung in den Industriestaaten soll in den nächsten zwei oder drei Jahrzehnten um das Vierfache gesteigert werden, wobei langfristig eine zehnfach bessere Nutzung angestrebt werden soll.
  • Die Verantwortung und der Haftungsumfang von Unternehmen sollen durch Initiativen wie den Globalen Pakt und die Globale Berichterstattungsinitiative, sowie durch „grüne Buchhaltung“ und regelmäßige Umweltberichte angehoben werden.
  • Für Industrie und öffentliche Institutionen sollen Anreize geschaffen werden, um Forschung und Entwicklung von sauberen Produktionstechnologien zu forcieren.
  • Ein nachhaltiges Konsumverhalten soll durch staatliche Maßnahmen wie „grüne“ nationale Konten sowie eine Steuerreform, die den Ressourcenschutz und ein „grünes“ Beschaffungswesen begünstigt, gefördert werden.

Herausgegeben von der Hauptabteilung Presse und Information der Vereinten Nationen. DPI/2252
Deutsche Übersetzung: Informationszentrum der Vereinten Nationen (UNIC) Bonn. Juli 2002.



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