nachhaltige Entwicklung
 

Johannesburg-Gipfel 2002

 

Gesundheit

Das Problem

Nachhaltige Entwicklung ist ohne eine gesunde Gesellschaft nicht möglich - aber noch immer wirken sich die meisten Entwicklungsaktivitäten auf die Umwelt aus, die ihrerseits Gesundheitsprobleme verursachen oder verschlimmern kann. Schlechte Gesundheit und Krankheiten sind teuer. HIV/Aids hat Millionen Menschen in ihren produktivsten Jahren umgebracht, während die Wasser- und Luftverschmutzung weiterhin Millionen Menschen das Leben kostet, besonders in den Entwicklungsländern.

Die Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Gro Harlem Brundtland, macht darauf aufmerksam, dass eine Verbreitung des HI-Virus unter zehn bis 15 Prozent der Bevölkerung keine Seltenheit mehr ist und zu einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um fast ein Prozent pro Jahr führen kann. Tuberkulose, die durch eine HIV-Infektion verschlimmert wird, sorgt in armen Gesellschaften für Mindereinnahmen von 12 Milliarden US-Dollar, betont Brundtland. „Afrikas Bruttoinlandsprodukt könnte um mehr als 100 Milliarden US-Dollar höher liegen, wäre Malaria bereits vor 30 Jahren besiegt worden.“

Wichtige Daten

  • Rund 11 Millionen Kinder unter fünf Jahren sterben jedes Jahr in Entwicklungsländern. Über 70 Prozent dieser Todesfälle sind die Folge von Durchfallerkrankungen, Infektionen der Atemwege, Malaria, Masern oder Unterernährung, so die WHO und das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF).
  • Die Forschung ergab, dass für über 40 Prozent aller Krankheiten Risikofaktoren der Umwelt verantwortlich sind, die besonders Kinder unter fünf Jahren gefährden, auch wenn sie lediglich weniger als zehn Prozent der Weltbevölkerung ausmachen.
  • Fünf bis sechs Millionen Menschen in den Entwicklungsländern sterben jährlich an Krankheiten, die durch unsauberes Trinkwasser oder Luftverschmutzung hervorgerufen werden.
  • Krankheiten, die durch eine schlechte Umweltqualität verursacht werden, machen 25 Prozent aller vermeidbaren Krankheiten der Welt aus.
  • Mehr als 60 Millionen Menschen haben sich seit dem Ausbruch der Epidemie mit dem HIV/Aids-Virus infiziert. Damit ist das Virus der viertgrößte Killer der Welt. Ende des Jahres 2001 wurde geschätzt, dass 40 Millionen Menschen mit dem Virus leben, ein Drittel davon ist zwischen 15 und 24 Jahre alt. 92 Prozent aller Betroffenen leben in Entwicklungsländern.
  • Jedes Jahr bricht bei 8,8 Millionen Menschen Tuberkulose aus, und 1,7 Millionen Menschen sterben daran. 99 Prozent aller Tuberkulose-Kranken leben in Entwicklungsländern. Die meisten davon sind arm und zwischen 15 und 54 Jahre alt.
  • Zwischen 2000 und 2020 wird sich eine weitere Milliarde Menschen mit Tuberkulose infizieren, 200 Millionen Menschen werden daran erkranken und 35 Millionen daran sterben, wenn keine weiteren Bemühungen unternommen werden, die Krankheit einzudämmen.
  • Im Jahr 2000 sind 1,3 Millionen Kinder unter fünf Jahren in Entwicklungsländern an Durchfallerkrankungen gestorben, verursacht durch schlechte Wasserversorgung, ungenügende sanitäre Anlagen und schlechte Hygiene.
  • Malaria kostet einer Million Menschen jährlich das Leben, über 70 Prozent davon sind Kinder unter fünf Jahren. Fast 90 Prozent der tödlichen Malariafälle treten in Afrika südlich der Sahara auf. Es wird geschätzt, dass Malaria in Afrika einen wirtschaftlichen Schaden von mehr als 12 Milliarden US-Dollar verursacht.
  • 60 Prozent der 2,2 Millionen Todesfälle von Kindern unter fünf Jahren werden durch Infektionen der Atemwege als Folge der Luftverschmutzung von Innenräumen (durch Verbrennen von Biomasse), einen Mangel an adäquaten Heizmöglichkeiten und anderen unhygienischen Lebensumständen verursacht.

Was getan werden muss

Auf dem Millenniumsgipfel der Vereinten Nationen im September 2000 stimmten die Mitgliedsstaaten überein, zahlreiche Probleme anzugehen, von denen viele direkt mit dem Thema Gesundheit zu tun haben. Die Regierungen einigten sich darauf, bis zum Jahr 2015 folgende Maßnahmen zu ergreifen:

  • den Anteil der Menschen, die mit weniger als einem US-Dollar am Tag auskommen müssen, zu halbieren,
  • den Anteil der Menschen, die an Hunger leiden, zu halbieren,
  • die Sterblichkeitsrate bei Kindern unter fünf Jahren um ein Drittel zu reduzieren,
  • den Anteil der Müttersterblichkeit um drei Viertel zu reduzieren,
  • die Verbreitung von HIV/Aids einzudämmen und
  • die Verbreitung von Malaria und anderen schweren Krankheiten zu stoppen und umzukehren.

Nach Angaben des Ausschusses für Makroökonomie und Gesundheit, der von der WHO gegründet wurde und die Zusammenhänge zwischen Gesundheit und wirtschaftlicher Entwicklung untersucht, retten Investitionen in die Gesundheitsvorsorge nicht nur Leben, sondern führen auch zu klaren und messbaren finanziellen Gewinnen. Gezielte Ausgaben von 66 Milliarden US-Dollar pro Jahr bis 2015 könnten bis zu acht Millionen Menschen das Leben retten und für einen sechsfachen wirtschaftlichen Gewinn sorgen. Das wären mehr als 360 Milliarden US-Dollar pro Jahr bis zum Jahr 2020.

So stehen folgende Gesundheitsvorschläge auf dem Johannesburg-Gipfel zur Diskussion: die Integration von Gesundheitsfragen in die Politik und Programme zur nachhaltigen Entwicklung, die Förderung der grundlegenden Gesundheitsfürsorge; weitere Bemühungen zur Ausrottung von Malaria, Tuberkulose, Denguefieber und andere Leiden auf umweltfreundliche Art; die Verringerung der Gesundheitsauswirkungen traditioneller Koch- und Heizmethoden, die Verwendung sauberer Brennstoffe, die Verbesserung des Zugangs zu sauberem Wasser und sanitären Anlagen, die Unterstützung des Kampfes gegen HIV/Aids und die Sicherstellung des Rechts auf geistiges Eigentum für Kenntnisse der traditionellen Medizin.


Herausgegeben von der Hauptabteilung Presse und Information der Vereinten Nationen. DPI/2252
Deutsche Übersetzung: Informationszentrum der Vereinten Nationen (UNIC) Bonn. Juli 2002.



UNIC Logo
Zurück  Startseite  Nach oben