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Fortschritte
seit dem Erdgipfel
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Der Erdgipfel
von Rio de Janeiro 1992 - ein Meilenstein in der Geschichte des Umweltschutzes
- hat nachhaltige Entwicklung auf die Tagesordnung gesetzt. Diese
Konferenz war das bis 1992 größte internationale Zusammentreffen
und brachte 108 Staats- und Regierungschefs in Rio zusammen, wo sie
die Agenda 21 - den Aktionsplan für eine nachhaltige Zukunft
- unterzeichneten.
Es ist allgemein
anerkannt, dass der Erdgipfel - die Konferenz der Vereinten
Nationen über Umwelt und Entwicklung - ausgesprochen erfolgreich
das öffentliche Bewusstsein für die notwendige umfassende
Integration umweltpolitischer und sozialer Überlegungen in die
wirtschaftliche Entwicklungspolitik geschärft hat.
Seit Rio sind
große Anstrengungen unternommen worden, nachhaltige Entwicklung
durch Regierungen, internationale Organisationen, örtliche Behörden,
die Wirtschaft, Bürgergruppen und engagierte einzelne Bürger
zu verwirklichen. Die Agenda 21 bleibt eine kraftvolle langfristige
Vision dafür, wie wirtschaftliche und soziale Bedürfnisse
mit den Kapazitäten der Ressourcen und Ökosysteme der Erde
in Einklang gebracht werden können. Zehn Jahre nach Rio sind
die Ziele der Agenda 21 noch immer nicht voll umgesetzt worden. Es
herrscht weltweite Übereinstimmung, dass die Anstrengungen verdoppelt
werden müssen, damit jeder in den Nutzen nachhaltiger Entwicklung
kommen kann.
Seit dem Erdgipfel
wurden wesentliche Fortschritte auf folgenden Gebieten erzielt:
Teilnahme
der Hauptbeteiligten
- Weltweit haben
über 6.000 Städte ihre eigene lokale Agenda 21
für die Ausrichtung ihrer Langzeitplanung geschaffen.
- Eine Reihe
von Ländern haben nationale Agenden 21 für die Umsetzung
der internationalen Agenda auf Landesebene ausgearbeitet. Diese
Strategien wurden häufig von nationalen Kommissionen für
nachhaltige Entwicklung verfasst. In diesen Mitbestimmungsgremien,
die in mehr als 80 Ländern - zumeist Entwicklungsländern
- gebildet wurden, waren viele der unmittelbar Beteiligten vertreten.
- Immer mehr
Wirtschaftsunternehmen haben den Gedanken der nachhaltigen Entwicklung
angenommen und folgen dem dreifachen Fazit, das wirtschaftliche,
soziale und umweltpolitische Faktoren berücksichtigt. Einige
wichtige Wirtschaftsorganisationen, die entschieden für Nachhaltigkeit
eintreten, wie der Weltunternehmerrat für nachhaltige Entwicklung,
haben zunehmend an Bedeutung gewonnen.
- Die für
die Überwachung der Umsetzung der Vereinbarungen von Rio eingesetzte
UNO-Kommission für nachhaltige Entwicklung ist seit 1993 jährlich
zusammengetreten und hat innovative Wege für die Einbindung
der Zivilgesellschaft in die UNO-Verhandlungen gefunden, vor allem
durch Dialoge mit vielen verschiedenen Interessengruppen.
Minderung
der Armut und soziale Entwicklung
- Konferenzen,
die nach dem Erdgipfel stattgefunden haben - wie 1994 die Konferenz
über Bevölkerung und Entwicklung in Kairo, 1995 der Sozialgipfel
in Kopenhagen, 1995 die Weltfrauenkonferenz in Peking und 1996 Habitat
II in Istanbul - haben das Bekenntnis zu nachhaltiger Entwicklung
erneut bekräftigt und Aktionsprogramme angenommen, um in bestimmten
Bereichen auf der Agenda 21 aufzubauen.
- Im September
2000 haben 147 Staats- und Regierungschefs auf dem Millenniumsgipfel
der Vereinten Nationen Entwicklungsziele mit einem konkreten Zeitplan
vereinbart, die für die Umsetzung der Agenda 21 von zentraler
Bedeutung sind.
Finanzierung
und Handel
- Die Globale
Umweltfazilität (GEF), der sich die Weltbank, das UNO-Entwicklungsprogramm
(UNDP) und das UNO-Umweltprogramm (UNEP) als Finanzierungsmechanismus
bedienen, wurde 1991 versuchsweise gestartet und nach dem Erdgipfel
neu organisiert. Sie bildet heute die wichtigste multilaterale Kreditquelle
für globale Umweltprojekte in Entwicklungs- und Schwellenländern.
In ihrem ersten Jahrzehnt hat die GEF 4,2 Milliarden US-Dollar für
Projekte bereitgestellt und mehr als 11 Milliarden US-Dollar an
Ko-Finanzierung aufgebracht. Die letzte Auffüllung erfolgte
1998, als 36 Länder der GEF insgesamt 2,75 Milliarden US-Dollar
zusagten. Eine dritte Wiederauffüllungsrunde wird derzeit diskutiert.
- Die Welthandelsorganisation
(WTO) hat auf ihrem vierten Ministertreffen in Doha im November
2001 in einer Erklärung festgestellt: Wir sind überzeugt,
dass sich die Ziele der Aufrechterhaltung und Sicherung eines offenen,
nicht diskriminierenden multilateralen Handelssystems, sowie die
Maßnahmen zum Schutz der Umwelt und zur Förderung nachhaltiger
Entwicklung gegenseitig unterstützen können und müssen.
- Auf der Internationalen
Konferenz für Entwicklungsfinanzierung in Monterrey, Mexiko,
im März 2002 haben die Regierungen erneut ihr Bekenntnis zu
nachhaltiger Entwicklung bekräftigt. Die Geberländer haben
zusätzliche Mittel in Höhe von insgesamt 30 Milliarden
US-Dollar bis 2006 zugesagt.
Klimaänderungen
- Das UNO-Rahmenübereinkommen
über Klimaänderungen, das auf dem Erdgipfel 1992 zur Unterzeichnung
auslag, trat am 21. März 1994 in Kraft. Die Konvention wurde
von 165 Staaten unterschrieben und hat derzeit 186 Vertragsparteien.
Aber die meisten Industriestaaten haben bisher das freiwillig gesetzte
Ziel, ihre Treibhausgasemissionen bis 2000 auf das Niveau von 1990
zu senken, nicht erreicht.
- Im Dezember
1997 vereinbarten die Regierungen in Kyoto ein Protokoll zu dieser
Konvention, durch das die Industriestaaten rechtsverbindlich das
Ziel akzeptieren sollen, bis 2008/2012 den Ausstoß von sechs
Treibhausgasen um durchschnittlich fünf Prozent unter den Wert
von 1990 zu senken. Dieses Protokoll wurde bisher von 84 Staaten
unterzeichnet und von 54 Vertragsparteien ratifiziert. Es tritt
nach der Ratifizierung von 55 Staaten in Kraft, die 55 Prozent der
Emissionen in Industriestaaten verursachen. Bisher wurde das Protokoll
von 21 Industriestaaten ratifiziert.
Biologische
Vielfalt
- Die UNO-Konvention
über Biologische Vielfalt, die 1992 auf dem Erdgipfel zur Unterzeichnung
auslag und seither von 183 Nationen ratifiziert wurde, trat am 29.
Dezember 1993 in Kraft. Die Konvention verpflichtet die Staaten,
Pflanzen- und Tierarten durch Erhalt ihres Lebensraumes und auf
andere Weise zu schützen. Das Protokoll von Cartagena über
biologische Sicherheit, das die Risiken grenzüberschreitender
Transporte mit lebenden veränderten Organismen verringern und
die sichere Anwendung moderner Biotechnologien gewährleisten
soll, wurde im Januar 2000 angenommen und bisher von 22 Staaten
ratifiziert. Die Vertragsparteien der Konvention verhandeln zurzeit
über die Beteiligung der Menschen in den Ursprungsländern
am Nutzen genetischer Ressourcen.
Wüstenbildung
- Die UNO-Konvention
zur Bekämpfung der Wüstenbildung, für die sich ebenfalls
der Erdgipfel ausgesprochen hatte, trat im Dezember 1996 in Kraft.
Wüstenbildung, oder die Verschlechterung der Böden in
Trocken- und Halbtrockenzonen der Welt, beeinflusst die Lebensumstände
und die Nahrungsmittelversorgung von über 900 Millionen Menschen
weltweit, vor allem in Afrika. Die Konvention verlangt einen ernsthaften
Ansatz mit Bürgerbeteiligung in den Trockengebieten. 180 Staaten
sind bislang der Konvention beigetreten, aber die zu ihrer Umsetzung
bereitgestellten Mittel sind bisher noch sehr begrenzt.
Marine
Ressourcen und Meeresverschmutzung
- Das UNO-Übereinkommen
über Fischbestände zur Regulierung der Hochseefischerei,
das als Folge des Erdgipfels ausgehandelt wurde, ist im Dezember
1995 angenommen worden und im Dezember 2000 in Kraft getreten. Das
Übereinkommen zielt auf die Vermeidung von Überfischung
und den Abbau internationaler Spannungen im Wettstreit um die schwindenden
Fischbestände durch regionale Fischerei-Abkommen ab. Es enthält
wichtige Bestimmungen zur Konfliktregelung und zur Abschreckung
des illegalen Fischfangs.
- In Anerkennung
der Tatsache, dass eine Milliarde Menschen in städtischen Zentren
an Küsten wohnen und dass circa 80 Prozent der Verschmutzung
der Meere vom Festland ausgehen, haben die Regierungen 1995 das
Globale Aktionsprogramm über den Schutz der marinen Umwelt
gegen Umweltverschmutzung vom Festland angenommen.
Giftige
Chemikalien
- Um die fast
vier Millionen Tonnen giftigen Abfalls unter Kontrolle zu bringen,
die jährlich Ländergrenzen überschreiten, haben die
Staaten 1989 das Basler Übereinkommen über die Kontrolle
der grenzüberschreitenden Verbringung gefährlicher Abfälle
und ihrer Entsorgung angenommen. Das Abkommen wird vom UNO-Umweltprogramm
(UNEP) verwaltet und ist bisher von 151 Staaten ratifiziert worden.
1995 wurde das Übereinkommen verschärft, um den Export
giftigen Abfalls von Industrie- in Entwicklungsländer zu verbieten,
da es dort oft keine Technologien zur sicheren Lagerung gibt. 1998
nahmen über 100 Regierungen ein internationales Übereinkommen
an, das von FAO und UNEP für den Informationsaustausch über
den Handel mit gefährlichen Chemikalien und Pestizide entwickelt
worden war.
- Diskussionen
in der UNO-Kommission über nachhaltige Entwicklung über
die notwendige Eindämmung und Beseitigung verschiedener giftiger
Chemikalien führten 2001 zur Annahme der Stockholmer Konvention
über nicht abbaubare organische Schadstoffe. Die Konvention
konzentriert sich auf die Beseitigung der zwölf schädlichsten
Chemikalien - das dreckige Dutzend - zu dem vor allem
PCBs, Dioxine und DDT zählen. Das Übereinkommen wurde
bisher von 151 Ländern unterzeichnet und von 13 Staaten ratifiziert.
Wälder
- Ausgehend von
den in Rio angenommenen Grundsätzen für Wälder, hat
eine zwischenstaatliche Sachverständigengruppe für Wälder,
die sich zwei Jahre lang unter der Ägide der UNO-Kommission
für nachhaltige Entwicklung traf, im März 1997 über
100 Handlungsvorschläge angenommen. Aus diesem Gremium wurde
im Juni 1997 beim Erdgipfel+5 das Zwischenstaatliche Waldforum,
das den Auftrag hat, die Umsetzung dieser Beschlüsse zu verfolgen
und sich um die Zustimmungsbereitschaft zu weiteren Maßnahmen
zu kümmern. Seit seiner ersten Tagung im Jahr 2001 hat das
UNO-Waldforum Vorschläge zur Begrenzung der Abholzung und die
Aufbringung zusätzlicher Ressourcen für den Forstsektor
geprüft. Das Forum will bis zum Jahr 2005 ein internationales
Rahmenabkommen für Wälder erarbeiten.
Ozonabbau
- Bereits vor
dem Erdgipfel haben die Staaten in einem sehr erfolgreichen Prozess
für das Auslaufen ozonschädigender Substanzen gesorgt
und dazu 1987 das Protokoll von Montreal angenommen, das 1996 verschärft
wurde. Der Rückgang von etwa 1,1 Millionen Tonnen Fluorchlorkohlenwasserstoffen
1986 auf 156.000 Tonnen 1998 ist größtenteils ein Erfolg
dieses Übereinkommens.
Kleine
Inseln
- Wie auf dem
Erdgipfel vereinbart, wurde 1994 eine UNO-Konferenz auf Barbados
abgehalten, die sich mit den besonderen Belangen kleiner Insel-Entwicklungsstaaten
befasste. Da kleine Inseln wegen ihrer Größe und isolierten
Lage besonders anfällig für viele Entwicklungszwänge,
Klimaänderungen und Naturkatastrophen sind, haben über
100 Staaten vereinbart, diese Herausforderungen partnerschaftlich
mit diesen Inselstaaten anzugehen. In einem Fünfjahresrückblick
nach der Konferenz von Barbados hat die UNO-Generalversammlung 1999
festgestellt, dass zwar die kleinen Inselstaaten die Ziele der Konferenz
verfolgt hatten, aber die benötigten Ressourcen bisher von
der internationale Gemeinschaft nicht bereitgestellt wurden.
Herausgegeben
von der Hauptabteilung Presse und Information der Vereinten Nationen.
DPI/2252
Deutsche Übersetzung: Informationszentrum der Vereinten Nationen
(UNIC) Bonn. Juli 2002.
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