nachhaltige Entwicklung
 

Johannesburg-Gipfel 2002

 

Schutz der Artenvielfalt und der natürlichen Umwelt

Das Problem

Für die meisten ökonomischen Prozesse werden in irgendeiner Form natürliche Ressourcen benötigt, was unweigerlich Folgen für das Ökosystem der Erde hat. Die übermäßige Nutzung von natürlichen Ressourcen hat einen Punkt erreicht, an dem sich viele Ökosysteme nicht mehr von selbst regenerieren und aufrechterhalten können. Zu den Verlierern dieser Entwicklung gehören die Menschen, die von diesen Ökosystemen abhängen.

Die fatalen Auswirkungen von Umweltzerstörung sind nicht immer sofort erkennbar, wie das Abholzen von Bergwäldern, das zu Überschwemmungen führt. Oft treten die Folgen weit von der eigentlichen Quelle des Problems zutage, etwa wenn erhöhte Treibhausgasemissionen in den Industriestaaten einen Anstieg des Meeresspiegels im Südpazifik hervorrufen.

Ob es die Meere sind, die weniger Fisch liefern, Ackerböden, die ihre fruchtbare Krume eingebüßt haben und deshalb nur unzureichende Mengen an Nahrungsmitteln einbringen, oder Flüsse, aus denen kein sicheres Trinkwasser mehr gewonnen werden kann - geschwächte Ökosysteme gehören zu den Hauptgründen für Verarmung, Naturkatastrophen, Hunger und Krankheit überall auf der Welt.

Wichtige Daten

  • Fast ein Viertel der gesamten Landmasse der Erde ist von einer Verschlechterung der Bodenqualität betroffen, und für beinahe 70 Prozent der Trockengebiete der Erde muss mit einer weiteren Verschlechterung gerechnet werden. Die geringere Bodenqualität ist oft eine Folge von Überweidung sowie der übermäßigen Nutzung von knappem Land und hängt eng mit den Problemen der ländlicher Armut und des Hungers zusammen. Der Lebensunterhalt von mehr als einer Milliarde Menschen in 100 Ländern ist dadurch bedroht.
  • Die Gebirge versorgen die Hälfte aller Erdbewohner mit Süßwasser. Aber die Ökosysteme der Berge werden von schmelzenden Gletschern, abgeholzten Wäldern und nicht nachhaltigen Bewirtschaftungsmethoden bedroht.
  • Während des letzten Jahrzehnts gingen der Welt etwa 94 Millionen Hektar Wald verloren - ein Gebiet größer als Venezuela. Am meisten abgeholzt wird in den tropischen Regionen der Entwicklungsländern. Allein in den letzten zehn Jahren wurden dort vier Prozent des Waldbestandes abgeholzt.
  • Durch menschlichen Einfluss haben sich weltweit mehr als die Hälfte der Ökosysteme in Küstengebieten verschlechtert. Für Europa liegt dieser Anteil bei 80 Prozent, für Asien bei 70 Prozent.
  • Etwa 80 Prozent der Meeresverschmutzung kommt vom Festland. In den Entwicklungsländern werden mehr als 90 Prozent der Abwässer und 70 Prozent der Industrieabfälle ungeklärt in das Oberflächenwasser der Meere geleitet.
  • Mit der Fischerei verdienen direkt und indirekt etwa 400 Millionen Menschen ihren Lebensunterhalt. Weltweit werden mehr als ein Viertel aller Fischzonen überfischt; in der Hälfte hat der Fischfang bereits die Kapazitätsgrenze erreicht. Insgesamt müssen in 75 Prozent aller Fischzonen weltweit sofortige Schritte unternommen werden, um das Abfischen zu stoppen oder zu reduzieren, um auch eine künftige Fischversorgung sicherzustellen.
  • Fast ein Viertel der Korallenriffe der Erde sind bereits vollständig zerstört, und weitere 20 bis 30 Prozent sind in den nächsten zehn Jahren von Zerstörung bedroht. Korallenriffe sind ein äußerst wichtiger Bestandteil der Nahrungskette in den Meeren.
  • Die Konzentration von Kohlendioxid, dem wichtigsten Treibhausgas in der Atmosphäre, hat sich von einem vorindustriellen Niveau von etwa 270 Millionstel auf über 360 Millionstel erhöht. Ein Drittel des Kohlendioxids, das in den letzten Jahren durch Aktivitäten der Menschen produziert wurde, wird auch noch in 100 Jahren in der Atmosphäre vorhanden sein.
  • Der Meeresspiegel ist seit 1900 um zehn bis 20 Zentimeter gestiegen, die meisten nichtpolaren Eismassen weichen zurück, und das arktische Eis nimmt nach Angaben der Zwischenstaatlichen Sachverständigengruppe über Klimaänderungen (IPCC) an Umfang und Dicke ab. Die Gruppe fand heraus, dass jährlich etwa 46 Millionen Menschen von Überflutungen durch die Zunahme von Stürmen betroffen sind. Ein Anstieg des Meeresspiegels um 50 Zentimeter würde diese Zahl auf 92 Millionen erhöhen, ein Anstieg um einen Meter auf 118 Millionen.
  • Nach den neuesten Studien der IPCC von 2001 ist besonders für kleine Inseln und Deltagebiete ein Anstieg des Meeresspiegels um einen Meter bereits lebensgefährlich. Ohne entschärfende Maßnahmen, wie den Bau von Dämmen, könnten Landverluste von einem Prozent für Ägypten, sechs Prozent für die Niederlande, 17,5 Prozent für Bangladesch und bis zu 80 Prozent für die Marschall-Inseln entstehen. Millionen Menschen würden ihren Lebensraum verlieren, und im Fall von tief liegenden kleinen Inselstaaten wären ganze Völker bedroht.
  • Mehr als 11.000 Tier- und Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht, und mehr als 800 Arten sind bereits ausgestorben - hauptsächlich durch den Verlust oder die Verschlechterung ihrer natürlichen Lebensräume. Weitere 5.000 Arten sind potenziell gefährdet, falls nicht bedeutende Anstrengungen zu ihrem Schutz unternommen werden.

Was getan werden muss

In vielen Gebieten kann die Verschlechterung der Umweltbedingungen auf Armut zurückgeführt werden, da arme Menschen und Völker gezwungen sind, kurzfristige Überlebensbedürfnisse über den langfristigen Erhalt von Ressourcen zu stellen. In wohlhabenden Ländern dagegen ist die Schwächung der Ökosysteme das Ergebnis nicht nachhaltigen Konsumverhaltens. Hier werden riesige Mengen an natürlichen Ressourcen verbraucht und große Mengen an Müll produziert.

Armutsbekämpfung und Umweltschutz müssen Hand in Hand gehen, besonders in den ländlichen Gebieten der Entwicklungsländer. Durch eine bessere Nutzung der Böden kann eine ständige Versorgung mit Nahrungsmitteln sichergestellt werden. Die Entwicklung von besseren Energiequellen würde helfen, die Wälder zu erhalten, da etwa in Afrika mehr als die Hälfte des Holzes als Brennholz genutzt wird. Besonders in armen Ländern muss nach Wegen gesucht werden, die Menschen davon zu überzeugen, dass der Schutz der natürlichen Ressourcen wichtig ist. Sie müssen in die Lage versetzt werden, vom Schutz bedrohter Arten zu profitieren - zum Beispiel durch den Tourismus - anstatt sie zu jagen.

Viele multilaterale Abkommen wurden zum Schutz der Ökosysteme ausgehandelt, die aber nur in begrenztem Umfang um- und durchgesetzt wurden. Eines der erfolgreichsten Umweltschutzabkommen - das Protokoll von Montreal zum Ozonabbau - sieht die Drohung mit Handelssanktionen bei Nichterfüllung vor. Es führte zur Gründung eines Fonds, der Entwicklungsländern helfen soll, die Verwendung von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKWs), der wesentlichsten ozonabbauenden Substanzen, einzustellen. Großteils als Ergebnis der Umsetzung des Protokolls von Montreal konnte der Gesamtverbrauch von FCKWs von 1,1 Millionen Tonnen im Jahre 1986 auf 156.000 Tonnen im Jahre 1998 reduziert werden.

Dagegen mangelt es den meisten Umweltschutzabkommen oder Konventionen an Durchsetzungsmechanismen, oder es steht dafür zu wenig Geld zur Verfügung. Wirksame Vorschriften und Zwangsmaßnahmen sind notwendig, um Überfischung und Abholzung zu verhindern. Nur durch internationale Kooperation können die Auswirkungen des Klimawandels eingegrenzt werden. Der Schutz natürlicher Ökosysteme ist ein entscheidender Bereich der nachhaltigen Entwicklung, in dem Taten - statt weitere neue Abkommen - notwendig sind, wenn wir die Verschlechterung der natürlichen Lebensräume, von denen letztendlich die gesamte Menschheit abhängt, umkehren wollen.


Herausgegeben von der Hauptabteilung Presse und Information der Vereinten Nationen. DPI/2252
Deutsche Übersetzung: Informationszentrum der Vereinten Nationen (UNIC) Bonn. Juli 2002.



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