nachhaltige Entwicklung
 

Johannesburg-Gipfel 2002

 

Armut und die Millenniums-Entwicklungsziele

Das Problem

1,2 Milliarden Menschen leben von weniger als einem US-Dollar pro Tag. Etwa die Hälfte der Weltbevölkerung muss mit weniger als zwei US-Dollar pro Tag auskommen. Mit wenig Wahlmöglichkeiten oder Chancen sind diese Menschen oft zu einem Leben in Hunger, Krankheit, Analphabetentum, Arbeitslosigkeit und Hoffnungslosigkeit verdammt. Nur allzu oft haben sie keinen Zugang zu Essen, sauberem Trinkwasser, Abwasserentsorgung, Bildung, Gesundheitsfürsorge oder zur modernen Energieversorgung.

Auf dem Millenniumsgipfel im September 2000 haben 147 Staats- und Regierungschefs und 191 Staaten die Millenniumserklärung angenommen, die konkrete Ziele für die Entwicklung und die Beseitigung von Armut gesetzt hat. Bis 2015 soll:

  • die Zahl der Menschen, die von weniger als einem US-Dollar pro Tag leben, um die Hälfte reduziert werden;
  • die Zahl der Menschen, die unter Hunger leiden, um die Hälfte reduziert werden;
  • die Anzahl der Menschen ohne Zugang zu sauberem und bezahlbarem Trinkwasser um die Hälfte reduziert werden;
  • sichergestellt werden, dass alle Jungen und Mädchen eine vollständige Grundschulausbildung erhalten;
  • jede unterschiedliche Behandlung der Geschlechter beim Zugang zur Bildung beseitigt werden;
  • die Müttersterblichkeit um drei Viertel gesenkt werden;
  • die Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren um zwei Dritteln gesenkt werden;
  • die Ausbreitung von HIV/Aids, Malaria und anderer schwerer Krankheiten zum Stillstand gebracht und zum Rückzug gezwungen werden;
  • Außerdem sollen bis 2020 sollen wesentliche Verbesserungen in den Lebensbedingungen von zumindest 100 Millionen Slumbewohner erzielt werden.

Wichtige Daten

Während auch in den Industriestaaten eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Menschen in Armut lebt, finden sich die meisten in extremer Armut lebenden Menschen in den Entwicklungsländern. Von den 4,6 Milliarden Einwohnern der Entwicklungsländer

  • bekommen fast 800 Millionen nicht genügend Essen, um ein normales, gesundes und aktives Leben zu führen;
  • sind mehr als 850 Millionen Menschen Analphabeten;
  • haben mehr als eine Milliarde Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser;
  • haben etwa 2,4 Milliarden Menschen keinen Zugang zu grundlegender Abwasserentsorgung;
  • gehen fast 325 Millionen Jungen und Mädchen nicht zur Schule;
  • sterben elf Millionen Kinder unter fünf Jahren jährlich an den Folgen vermeidbarer Krankheiten;
  • leben etwa 36 Millionen Menschen mit HIV/Aids;
  • haben etwa 120 Millionen Paare, die Verhütungsmittel benutzen wollen, keinen Zugang dazu.
  • Die Armutsrate in Ost-Asien ist von etwa 28 Prozent 1990 auf 15 Prozent 1998 gefallen, die Zahl der Menschen in Armut sank dort von 418 auf 267 Millionen;
  • In Afrika südlich der Sahara liegt die Armutsrate bei 48 Prozent und blieb im vergangenen Jahrzehnt unverändert. Die Zahl der Menschen in Armut ist dort jedoch von 220 Millionen im Jahr 1990 auf 300 Millionen 1998 gestiegen.

Was getan werden muss

Fortschritt ist möglich. Es ist bereits gelungen, die Lebenserwartung weltweit von 60 auf 70 Jahre anzuheben; die Kindersterblichkeit ist von 100 auf 50 je tausend Lebendgeburten gesunken; die Zahl unterernährter Menschen sank von etwa 900 Millionen auf etwa 800 Millionen; und die Alphabetisierungsrate bei Erwachsenen ist von etwas über 60 Prozent auf fast 80 Prozent gestiegen. Innerhalb der letzten 30 Jahre ist der Anteil ländlicher Familien in Entwicklungsländern mit Zugang zu sauberem Trinkwasser um mehr als das Fünffache gestiegen und die Verwendung von Verhütungsmitteln wird in den Entwicklungsländern zu fast 50 Prozent praktiziert.

Durch Handel, Investitionen und Reformen in anderen Bereichen, wie Finanzwesen, Verwaltung, Infrastruktur und Rechtssystemen, haben Länder, die sich erfolgreich in die Weltwirtschaft integrieren konnten, in den 90er Jahren einen Anstieg des Pro-Kopf-Einkommens um 5 Prozent pro Jahr ereicht. Das Wachstum in Ländern wie China, Indien, Uganda oder Vietnam hat zu einer generellen Verringerung der Armutsrate weltweit geführt. In den 90er Jahren konnte China die Zahl der Menschen in extremer Armut von 360 Millionen auf 210 Millionen senken. In Uganda ging die Armutsrate um 40 Prozent, in Vietnam um die Hälfte zurück.

Viele Entwicklungsländer sorgen bereits für eine umfassende Grundbildung für Jungen und Mädchen, oder sind dabei, diese einzurichten. Mehr als 60 Prozent aller Menschen leben in 43 Ländern, die die Zahl hungernder Menschen bereits halbiert haben oder auf bestem Weg dazu sind.

Trotz dieser Fortschritte nimmt die Armut in der Welt weiter zu. UNO-Generalsekretär Kofi Annan hat die Geberstaaten aufgerufen, ihre derzeitige Finanzhilfe fast zu verdoppeln, um die Ziele des Millenniumsgipfels zu erfüllen. In einem Bericht von Januar 2002 kam die Weltbank zu ähnlichen Ergebnissen, nämlich dass zusätzliche Entwicklungshilfe von 40 bis 60 Milliarden US-Dollar jährlich nötig sei, um diese Ziele zu erreichen. Weltbankpräsident James Wolfensohn sagte, dies sei fast eine Verdoppelung der derzeitigen Finanzhilfen auf etwa 0,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Industriestaaten - was allerdings noch immer unterhalb des 0,7 Prozent-Ziels liegt, das von den Staats- und Regierungschefs vor Jahren vereinbart wurde.

Als Reaktion auf diese Aufrufe der Vereinten Nationen und anderer Organisationen haben die Staats- und Regierungschefs auf der Internationalen Konferenz für Entwicklungsfinanzierung in Monterrey, Mexiko, im März 2002 zusätzlich 12 Milliarden US-Dollar Entwicklungshilfe pro Jahr bis 2006 zugesagt. Obwohl die tatsächlichen Zusagen noch nicht die erforderliche Höhe erreicht haben, konnten sie doch den Trend der rückläufigen Entwicklungshilfe brechen. Wenn die Forderungen nach Haftung und Verantwortlichkeit sowie nach guten konkreten Ergebnissen erfüllt werden, könnten die Geberländer durchaus zu höheren Beitragsleistungen motiviert werden. Wie weitere Mittel aufgebracht werden können und wie die Entwicklungshilfe am besten eingesetzt werden kann, um nachhaltige Entwicklung zu erreichen, damit muss sich der Johannesburg-Gipfel besonders auseinandersetzen.


Herausgegeben von der Hauptabteilung Presse und Information der Vereinten Nationen. DPI/2252
Deutsche Übersetzung: Informationszentrum der Vereinten Nationen (UNIC) Bonn. Juli 2002.



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