nachhaltige Entwicklung
 

Johannesburg-Gipfel 2002

 

Afrika

Das Problem

In so gut wie jeder Hinsicht sind die Entwicklungsbemühungen in Afrika hinter denen in allen anderen Regionen zurückgeblieben. Beim Millenniumsgipfel der Vereinten Nationen kamen die Regierungen überein, der Armutsbekämpfung und Förderung nachhaltiger Entwicklung in Afrika besondere Aufmerksamkeit zu widmen.

Obwohl in absoluten Zahlen mehr arme Menschen in Südasien leben, ist der Anteil der Menschen, die in Armut leben, in Afrika südlich der Sahara weltweit am höchsten - fast die Hälfte aller Afrikaner lebt von weniger als einem US-Dollar pro Tag.

Die Probleme Afrikas sind nicht wirksam angegangen worden und haben in den letzten zwei Jahrzehnten sogar noch zugenommen. In den 90er Jahren konnten die meisten Regionen der Welt ein Wirtschaftswachstum verzeichnen, die afrikanischen Länder - mit einigen Ausnahmen - allerdings nicht. Afrikas Anteil am Welthandel blieb von der Globalisierung unberührt und ist unbedeutend und rückläufig. In vielen afrikanischen Ländern herrschen nach wie vor schwere Konflikte, HIV/Aids hat verheerende Auswirkungen, die Verödung landwirtschaftlicher Nutzflächen und die Abholzung schreiten weiter voran. Zur gleichen Zeit geht auch die internationale Hilfe für Afrika zurück.

Neue afrikanische Initiativen wollen diese Tendenzen umkehren und einen neuen Kurs der Entwicklung einschlagen. Dafür ist die Hilfe der internationalen Gemeinschaft unerlässlich. Nachhaltige Entwicklung bedeutet auch die Einsicht, dass Armut und Umweltzerstörung in einer Region der Welt auch Probleme für den Rest der Welt mit sich bringen. Bei den Verhandlungen für den Johannesburg-Gipfel drängten die afrikanischen Regierungen daher darauf, dass sich die Beschlüsse des Gipfels direkt mit den Belangen des Kontinents befassen sollen.

Wichtige Daten

  • Während die Exporte aus Entwicklungsländern insgesamt in den 90er Jahren um 9,6 Prozent jährlich stiegen, nahm das Exportvolumen Afrikas weitaus langsamer zu. Der Anteil dieser Region am Welthandel fiel von 2,7 Prozent im Jahr 1990 auf 2,1 Prozent im Jahr 2000.
  • Fast die Hälfte der Bevölkerung in Afrika südlich der Sahara lebt in Armut. Die Anzahl der in Armut lebenden Menschen ist erheblich gestiegen.
  • Fast ein Drittel der Bevölkerung in Afrika südlich der Sahara ist unterernährt. Auch diese Zahl steigt stetig.
  • Während die meisten Menschen weltweit ihren Konsum in den letzten Jahren gesteigert haben, liegen die Konsumausgaben eines durchschnittlichen afrikanischen Haushalts um 20 Prozent niedriger als vor 25 Jahren.
  • Die Abholzung in Afrika ist eine der weltweit höchsten, der Kontinent hat in den 90er Jahren jährlich 5,3 Millionen Hektar an Waldfläche verloren.
  • Mehr als 40 Prozent der städtischen Haushalte in Afrika leben in absoluter Armut. Sie haben weniger als einen US-Dollar pro Tag zur Verfügung.
  • Im vergangenen Jahrzehnt ist die offizielle Entwicklungshilfe für einen Großteil der afrikanischen Länder um etwa 25 Prozent gesunken. In sieben Ländern sank sie gar um mehr als 50 Prozent.
  • 25 Millionen Menschen in Afrika südlich der Sahara sind mit HIV/Aids infiziert, mehr als 12 Millionen Menschen sind in Afrika bereits an Aids gestorben - mehr als zwei Millionen in einem einzigen Jahr. Etwa 13,2 Millionen afrikanische Kinder sind durch diese Krankheit zu Waisen geworden.
  • Mehr als 500 Millionen Menschen in Afrika südlich der Sahara sind für ihre Energieversorgung auf Brennholz angewiesen. In 90 - 98 Prozent der Haushalte eines Großteils dieser Länder werden Holz oder Biomasse verbrannt.
  • Das Leben von 30 Prozent potenziell gesunder Kinder in Afrika südlich der Sahara wird durch akute Atemwegserkrankungen gefährdet. Sie sterben oder erleiden Behinderungen, die in 60 Prozent der Fälle durch Luftverschmutzung in Innenräumen wie im Freien verursacht werden.
  • Die Ernteerträge in Afrika drohen um die Hälfte zu sinken, wenn die weitere Verschlechterung des Bodens mit der derzeitigen Geschwindigkeit fortschreitet. Fast 65 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche ist davon bereits betroffen.

Was getan werden muss

In den vergangenen drei Jahren ist eine neue afrikanische Initiative entstanden, die von den Präsidenten Südafrikas, Nigerias, Algeriens, Senegals und Ägyptens angeführt wird. Diese „Neue Partnerschaft für die Entwicklung Afrikas“ (NEPAD) zielt auf die Minderung der Armut ab und soll die Länder, einzeln und kollektiv, auf den Weg des nachhaltigen Wachstums und der Entwicklung bringen. Sie soll die Marginalisierung Afrikas im Globalisierungsprozess beseitigen, Frieden, Sicherheit und Stabilität wiederherstellen und die Rolle der Frauen in allen Aktivitäten fördern. Die afrikanischen Regierungen haben ihre Hoffnung geäußert, dass der Gipfel in Johannesburg, vor allem da er in Afrika stattfindet, die Unterstützung für NEPAD maßgeblich beschleunigen kann, vor allem durch Anreize für finanzielle Ressourcen und technologische Partnerschaften und Hilfen für die Bildung von Humankapital und die Stärkung von Institutionen.

UNO-Generalsekretär Kofi Annan hat in seinem Bericht über die Umsetzung der Agenda 21, ebenso wie der Vorsitzende der Vorbereitungskommission für die Konferenz, Dr. Emil Salim, folgende wesentliche Bereiche der nachhaltigen Entwicklung in Afrika genannt, auf die die Beschlüsse des Gipfels ausgerichtet sein sollen:

  • Die Unterstützung von regionalen, subregionalen und nationalen Initiativen für Entwicklung, Frieden, Sicherheit und Stabilität.
  • Die Bereitstellung von größerer finanzieller Unterstützung für den Kampf gegen HIV/Aids.
  • Die Neustrukturierung der internationalen Hilfe und ihre Anhebung auf ein angemessenes und wirksames Ausmaß.
  • Die Unterstützung der grundliegenden Ziele sozialer Entwicklung wie die Versorgung mit sauberem Trinkwasser, Alphabetisierung und Gesundheitsfürsorge.
  • Die Förderung von Initiativen für den Zugang zu unterschiedlichen Energiequellen, insbesondere in ländlichen Gebieten.
  • Die Förderung eines erschwinglichen Zugangs zu Technologien für afrikanische Unternehmen.
  • Die Überbrückung der digitalen Kluft und Umkehrung der Marginalisierung Afrikas.
  • Die Unterstützung von Mikro-, Klein- und mittelständischen Unternehmen in Afrika, insbesondere im landwirtschaftlichen Sektor.

Im Oktober 2001 stimmten die afrikanischen Minister auf einem regionalen Vorbereitungstreffen für Johannesburg überein, dass für die Erreichung der Ziele im Bereich Entwicklung und Armutsminderung gute Regierungsführung auf nationaler und internationaler Ebene, sowie Transparenz der Finanz-, Währungs- und Handelssysteme erforderlich sind. Außerdem betonten die Minister die entscheidende Rolle eines offenen und nicht diskriminierenden multilateralen Handels- und Finanzsystem, das auf gerechten Regeln beruht und berechenbar ist.


Herausgegeben von der Hauptabteilung Presse und Information der Vereinten Nationen. DPI/2252
Deutsche Übersetzung: Informationszentrum der Vereinten Nationen (UNIC) Bonn. Juli 2002.



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