Drogen


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Zusammenfassung

Welt-Drogenreport: Eine Zusammenfassung

Die Regelmäßigkeit, mit der die Medien in aller Welt über Drogen berichten, hat ein trügerisches Gefühl der Vertrautheit mit diesem Phänomen geschaffen. In Wahrheit ist unser Kenntnisstand jämmerlich unzureichend, da alle Tätigkeiten, die mit illegalen Drogen in Zusammenhang stehen – von der Herstellung über den Handel bis zum Verbrauch - im Verborgenen stattfinden. Versuche einer offenen Berichterstattung scheitern daran, daß der Drogenhandel im Geheimen blüht. Angaben über die illegale Drogenindustrie – ob es dabei um Finanzen, Gesundheitsfragen oder Rechtsvollzug geht - sind notwendigerweise bruchstückhaft und erlauben selten grenzüberschreitende Vergleiche.

Eines der wichtigsten Anliegen des ersten Welt-Drogenreports ist es deshalb, bekannte wie unbekannte Fakten über die illegale Herstellung, Verwendung und den Handel mit psychoaktiven Stoffen, die unter internationaler Kontrolle stehen, aufzuzeigen und diese Informationen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.

Da viele Länder, die bisher nur über geringe Erfahrungen mit Drogenfragen verfügten, jetzt vor der dringenden Notwendigkeit stehen, entsprechende Richtlinien und Strategien zu formulieren, will der Welt-Drogenreport auch eine umfassende übersicht über die weltweite Drogensituation geben und dem Leser helfen, eine Reihe von Optionen und deren mögliche Konsequenzen in einem über den nationalen Horizont hinausgehenden Zusammenhang kennenzulernen und zu bewerten.

Der Welt-Drogenreport will aber auch das öffentliche Bewußtsein über Umfang und Komplexität des Drogenproblems in objektiver Weise, frei von Gemeinplätzen und politischen Vorurteilen, schärfen.

Der Bericht beginnt mit Grundlegendem – nämlich mit der Frage, was denn eigentlich als Droge zu verstehen ist und welche Art von Drogen unter internationaler Kontrolle stehen. Der Bericht definiert Begriffe wie Abhängigkeit und Mißbrauch. Er ist in sechs Teile untergliedert, die im folgenden vorgestellt werden.

Teil 1: Neueste Trends und Entwicklungen bei Anbau, Herstellung, Handel und Konsum - ein überblick

Der Bericht beginnt mit einem globalen überblick der wichtigsten Trends bei Herstellung, Handel und Konsum von Drogen in den verschiedenen Regionen der Erde. Ein großer Teil der Informationen wird graphisch dargestellt. Texte interpretieren diese Entwicklung unter dem Blickwinkel der vorherrschenden wirtschaftlichen, geopolitischen und sozialen Gegebenheiten. Wachsende Probleme, wie der Zusammenhang zwischen dem Konsum von injizierten Drogen und HIV/AIDS und dem Konsum von amphetaminartigen Aufputschmitteln werden ebenfalls erörtert.

Teil 1 enthält eine Studie von Dr. Barbara Remberg über: “Mißbrauch von Aufputschmitteln: Von Amphetamin zu Ecstasy“

Teil 2: Theorien und Interpretationen des illegalen Drogenkonsums

Der Bericht faßt die vorliegenden Forschungsergebnisse über die Frage zusammen, warum Menschen eigentlich Drogen nehmen. Dieser Aspekt des Themas ist besonders umstritten und wird wohl am heftigsten diskutiert. Durch die Unterscheidung von ursächlichen und beglei-tenden Faktoren, die den Drogenkonsum und die Formen der Sucht beeinflussen, zeigt der Bericht die häufigsten “Modelle“ der Suchttheorien auf: das Krankheitsmodell, das moralische (Schwäche-) Modell und das gesellschaftliche Lern- oder Verhaltensmodell. Der Bericht beschreibt die Unterscheidungen zwischen dem Erst- (und möglicherweise einzigem) Konsum; dem wiederholten Drogenkonsum, der zufällig oder als Freizeitgenuß, regelmäßig oder zwang-haft erfolgen kann; und dem problematischen oder Abhängigkeitskonsum. Die Gründe werden in drei Hauptkategorien dargestellt: körperlich/persönlich bedingte Gründe (der mögliche Einfluß biologischer Funktionen oder bestimmter Persönlichkeitsstrukturen), zwischenmenschliche Gründe (der Einfluß von Familie, Gleichgesinnten und anderen wichtigen Menschen) und Gründe des sozialen Umfelds (das weitere Umfeld und kulturelle Faktoren). Der Einfluß förmlicher und zwangloser sozialer Kontrollen wird ebenfalls analysiert und eine Diskussion der Theorien über die Veranlassungen zum Drogenverzicht schließt diesen Teil des Berichtes ab.

Teil 2 wird ergänzt durch den Beitrag von Dr. Nick Crofts über: “Der erste Schuß: Umstände, die zur Nadel führen“.

Teil 3: Die gesundheitlichen und sozialen Folgen des Drogenmißbrauchs

Die verschiedenen Kategorien von Drogen und deren Wirkung auf Geist, körper und Verhalten werden eingehend beschrieben, wobei veränderliche Größen, wie Dosierung, Häufigkeit des Drogenkonsums und Darreichungsform berücksichtigt werden. Die Zusammenhänge zwischen Geschlecht, Alter und sozio-ökonomischen Faktoren und dem Drogenmißbrauch werden erklärt. Drogenmißbrauch unter jungen Menschen, die besonders anfällig und gefährdet sind, wird nach bestimmten Regionen und Ländern und nach den verschiedenen Suchtstoffen eingehend untersucht. Der Report analysiert auch die Folgen des Drogenmißbrauchs bei Straßenkindern. Es folgt eine eingehende Darstellung des heute wohl bedenklichsten Gesundheitsproblem überhaupt: der Zusammenhänge zwischen Drogenkonsum und der übertragung von infektiösen Krankheiten, wie Hepatitis und HIV/AIDS. Die Kosten für den Einzelnen und die Gesellschaft durch Schäden an der Gesundheit, steigende Steuern (z.B. zur Finanzierung der Gesundheitsvorsorge oder der Strafrechtspflege) und sinkende Produktivität werden ebenso erläutert wie die Folgen des Drogenkonsums für Familie, Gemeinschaft und Arbeitsplatz.

Besondere Beiträge zu Teil 3 liefern zwei Untersuchungen von Dr. Paul Goldstein: “Der Zusammenhang zwischen Drogen und Gewalt in den Vereinigten Staaten“ und Dr. Roberto Lerner: “Die sozialen und gesundheitlichen Folgen von Drogenkonsum bei Jugendlichen – der Fall Peru“.

Teil 4: Die illegale Drogenindustrie: Herstellung, Handel und Vertrieb

Trends und Entwicklungen werden auch aus wirtschaftlicher Perspektive untersucht und die Drogen-“Industrie“ und ihre makro-ökonomischen und finanziellen Verflechtungen werden offengelegt. Teil 4 beschreibt die wichtigsten Finanzbereiche, die mit dem illegalen Drogen-markt verbunden sind, die wechselseitigen Verflechtungen der verschiedenen Stufen und Aktivitäten dieser Industrie und in welcher Beziehung diese zum Endprodukt stehen, das auf den Markt gelangt. An Hand von Beispielen aus Wirtschaftszweigen, die besonders vom illegalen Drogenhandel betroffen sind, führen die Autoren den Leser durch den Herstellungs-, Handels- und Verteilungsprozeß dieser allzu einträglichen illegalen Aktivitäten. Der Einfluß, den die aus dem Drogenhandel fließenden Erlöse auf die Volkswirtschaft haben können, wird detailliert beschrieben und die Funktion, Abläufe, Verfahren und Trends der Geldwäsche werden eingehend erläutert.

Teil 4 enthält eine Studie von Prof. Amartya Sen “über Korruption und organisiertes Ver-brechen“.

Teil 5: Drogen und öffentliche Ordnung

Dieser Teil vermittelt eine Einführung in die wichtigsten kontroversellen Fragen der Drogen-gesetzgebung: die Zusammenhänge von Moral und Recht, die Grenze zwischen privaten und öffentlichen Bereichen und der Versuch, die Gesetzgebung zu verallgemeinern. In diesem Teil wird beschrieben, welche Aufgaben den Regierungen bei der Ausarbeitung, Umsetzung und Koordinierung der Drogenpolitik zukommen. Auf internationaler Ebene wird die Rolle der Vereinten Nationen und ihrer politischen Entscheidungsgremien untersucht und ein überblick über die verschiedenen bilateralen und multilateralen Drogenkontrollabkommen gegeben. Der Bericht geht auch auf die führende Rolle, Verantwortung und Tätigkeit des Internationalen Drogenkontrollprogramms der Vereinten Nationen (UNDCP) im Rahmen des Systems der Ver-einten Nationen ein und erläutert seine Aufgaben zur Förderung der internationalen Zusammen-arbeit und zur Koordination aller Drogenkontrollaktivitäten der Vereinten Nationen. Der Einfluß auf die Politikgestaltung und die Umsetzung von Trends, wie etwa bei der Ausbreitung von HIV/AIDS und dem steigenden Drogenhandel und der damit verbundenen Gewalt, werden ebenfalls erklärt.

Ein Abschnitt über die Verordnungs- und Legalisierungsdebatte wurde hier eingefügt, um auch dem Nichtfachmann die große Bandbreite politischer Optionen vor Augen zu führen, die zwischen totalem Verbot und Freigabe durch Legalisierung liegt. Dabei werden auch Themen wie Schadensbegrenzung und Entkriminalisierung angesprochen. Die Folgen der Legalisierung für die Entwicklungsländer werden in diesem Bericht erstmals erörtert.

Teil 5 endet mit einer Studie von Dr. David Musto über “Internationale Drogenkontrolle: Historische Aspekte und zukünftige Herausforderungen“

Teil 6: Strategien und Programme

Schließlich beschreibt der Welt-Drogenreport die derzeit auf nationaler und internationaler Ebene durchgeführten Programme, die den Ländern bei der Bewältigung des Drogenproblems helfen sollen: präventive Erziehung, Schärfung des Bewußtseins, Behandlung und Rehabilitation von Drogenabhängigen. Der Bericht geht auch auf die auf der Angebotsseite durchzuführenden Programme ein und zeigt alternative Entwicklungsstrategien, landwirtschaftliche Substitutionsprojekte und finanzielle Strategien zur Bekämpfung der Geldwäsche auf.

Teil 7: Länderprofile

Der Bericht schließt mit acht “Länderprofilen“ über die Drogenlage in Australien, Großbritannien, Italien, Kolumbien, Pakistan, Schweden, Thailand und den USA und gibt anhand verfügbarer Informationen einen Einblick in nationale Probleme und Maßnahmen zu deren Bewältigung.

 

Herausgegeben vom Internationalen Drogenkontrollprogramm der Vereinten Nationen.
Deutsche Fassung: Informationsdienst der Vereinten Nationen, Wien und Informationszentrum der Vereinten Nationen, Bonn – Mai 1998.


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