|
Presseunterlage Nr. 6 Vernichtung illegaler Suchtstoffpflanzen und Drogen, die aus Pflanzen gewonnen werden, wie zum Beispiel Cannabis und Heroin, zählen weiterhin zu den am weitesten verbreiteten mißbrauchten Suchtstoffen. Cannabis rangiert mit 140 Millionen Konsumenten, oder 2,5% der WeltBevölkerung, an erster Stelle. Die gefährlichsten Drogen - Heroin und Kokain - werden von acht bzw. 13 Millionen Menschen konsumiert. In den Berichten über die durch Drogenmißbrauch bedingten Todesfälle und Notfallaufnahmen in Krankenhäusern steht Heroin nach wie vor an der Spitze. Heroin und Kokain ziehen nicht nur den Süchtigen sondern auch seine Familie in Mitleidenschaft. Die illegale Herstellung und der Handel mit diesen Suchtstoffen schaden auch der nationalen Volkswirtschaft und damit dem sozialen und politischen Wohlergehen der Staaten. Mit ihren riesigen Gewinnen können die organisierten Drogenhändler die Wirtschaftssysteme und Institutionen in Ländern in verschiedenen Teilen der Welt unterwandern, korrumpieren und destabilisieren. Die Verbindungen zwischen dem illegalen Drogenhandel und dem illegalen Verkauf von Waffen zur Unterstützung von aufständischen Bewegungen und Terroristengruppen sind gut bekannt. Der illegale Anbau von Cannabis hat sich in aller Welt ausgebreitet und erscheint konstant, während die globale Produktion von Opium und Kokain, die nur auf bestimmte Regionen konzentriert ist, in den 70er und 80er Jahren beträchtlich zugenommen hat. Fast 90 Prozent des illegalen Opiums und Heroins stammt aus Südwest- und Südostasien. Die zwei größten Opium produzierenden Staaten sind Afghanistan und Myanmar, gefolgt von Laos, mit einigem Abstand, auf Platz drei. Einige illegale Anbaugebiete von Schlafmohn sind auch in Kolumbien, Indien, Mexiko, Pakistan, Thailand und Vietnam entstanden. Bolivien, Kolumbien und Peru liefern annähernd 98 Prozent des weltweiten Verbrauchs an Kokablättern. Kleinere Anbaugebiete finden sich auch in den Nachbarländern Brasilien, Ecuador und Venezuela. In den ländlichen Gebieten Asiens und Lateinamerikas leben ungefähr 700.000 Familien oder ca. 4 Millionen Menschen vom Anbau von Kokablättern und Opiumkapseln. Die meisten von ihnen leben unter der Armutsgrenze und bestreiten mit diesem Anbau bis zu 50 Prozent ihres Einkommens. Obwohl der Drogenhandel ihnen oft hilft, mit Nahrungsmangel und den Launen des Agrarmarktes zurechtzukommen, ist die wirtschaftliche Abhängigkeit von den illegalen Pflanzen auf längere Zeit nicht aufrechtzuerhalten. Der Anbau von Kokablättern und Schlafmohn macht die Bauern extrem abhängig von rücksichtslosen Mittelsmännern, die sie ausbeuten. Sie müssen ebenfalls immer damit rechnen, ihre Ernte vernichten zu müssen. In Ländern wie Kolumbien müssen sich viele mit einer miserablen Existenz auf den kommerziell betriebenen Großfarmen der Drogenhändler durchschlagen. Die meisten dieser 700.000 Familien würden gerne zu einer anderen Einnahmequelle wechseln, gäbe es angemessene Alternativen. Die durch den Anbau von Kokablättern und Mohnkapseln entstehenden Probleme, sind untrennbar mit dem Drogenkonsum verbunden. Frühe Ansätze der Drogenkontrolle konzentrierten sich vor allem auf den Handelsbereich und vertrauten auf die Methoden des Rechtsvollzugs, um die vom Anbau zum Konsumenten reichende Kette zu sprengen. Trotz aller Bemühungen und Erfolge können aber auf diese Weise nach allgemeinen Schätzungen nicht mehr als 10% der Heroin- und 30% der Kokainlieferungen abgefangen werden. Während der 80er Jahre tauchte das Konzept einer ausgewogeneren Vorgangsweise auf, in der jede Stufe mit gleicher Energie angegangen wird. Dieser Ansatz führte zur Verabschiedung von internationalen Strategien und Kooperationsabkommen, sowie in der Folge zur Annahme von multisektoralen Pläne durch die Regierungen. In den 70er Jahren gab es bereits eine ähnliche Entwicklung in Bezug auf Strategien zur Beseitigung des illegalen Drogenanbaus durch das Angebot alternativer Einnahmequellen für die Bauern. Der Ansatz des Ernteersatzes gewann in den 80er Jahren stärker an Gewicht und führte in den 90er Jahren zu breiter angelegten alternativen Entwicklungsstrategien, die mehr auf die sozial-ökonomischen Ursachen des Koka- und Mohnanbaus abstellten. Dazu gehörten Maßnahmen auf dem Gebiet der Gesundheitsvorsorge, Erziehung, Infrastruktur, Nahrungsmittelversorgung, des Zugangs zu Märkten und Krediten, sowie einkommensfördernde Aktivitäten, die neben den Rechtsvollzug und die Vernichtung von illegalen Ernten traten. Während der letzten 25 Jahre haben Regierungen und internationale Behörden maßgebliche Erfahrungen im Management von Programmen zur Bekämpfung des illegalen Drogenanbaus erworben. In bestimmten geographischen Gegenden wurden sichtbare Fortschritte erzielt. Der Anbau von Kokablättern wurde in den Projektgebieten Perus um 95% reduziert. In der Region Dir in Pakistan wird die Mohnkapsel-Produktion vielleicht bald verschwinden. In Thailand haben alternative Entwicklungsmaßnahmen praktisch zur gänzlichen Ausrottung des Schlafmohnanbaus geführt. Diese Maßnahmen hatten jedoch keine entscheidenden Auswirkungen auf Angebot und Nachfrage weltweit, da die Erfolge immer nur geographisch beschränkt waren und oft von einem sogenannten Ballon-Effekt in Frage gestellt wurden, indem sich der Anbau einfach von einem Gebiet in ein anderes verlagerte. Eines der größten Probleme ist der Mangel an ausreichenden Finanzmitteln, um alternative Entwicklungsprogramme in allen Anbaugebieten zu unterstützen. Diese Gebiete liegen in den Entwicklungsländern und in den am wenigsten entwickelten Ländern, die über zu wenig Mittel verfügen, um sich mit all ihren vielfältigen sozio-ökonomischen Problemen gleichzeitig zu befassen. Außerdem betrug die technische Unterstützung durch Geberländer und Institutionen für Aufgaben der alternativen Entwicklung in den letzten zehn Jahren nur relativ bescheidene 700 Millionen US$. 1995 entfielen nur 1,5 Prozent der gesamten technischen Hilfe, die an die Drogen produzierenden Länder floß, auf auswärtige Hilfe für alternative Entwicklung. Es müssen daher mehr Ressourcen in alternative Entwicklungsprogramme eingebracht werden, um Ergebnisse von Dauer zu erzielen. Diese Programme müssen in die nationalen Entwicklungsstrategien und öffentlichen Ausgabenbudgets der Drogen produzierenden Länder integriert werden. Externe Spendengeber sollten mehr technische und finanzielle Hilfe für die Beseitigung des illegalen Drogenanbaus in diesen Ländern zur Verfügung stellen. Die aus den bisher durchgeführten, geographisch beschränkten Programmen gewonnene Erfahrung muß genutzt werden, um geeignete Ansätze im größeren Umfang für alle produzierenden Länder zu entwickeln. Insgesamt umfassen die Koka- und Opiumanbaugebiete nämlich nur eine relativ kleine Fläche von nicht mehr als 4.500 km2, was etwa der Hälfte der Landesfläche von Puerto Rico entspricht. Starke Verpflichtung für ein mutiges Ziel Nach drei Jahrzehnten Erfahrung verfügt die internationale Gemeinschaft nun über erprobte Methoden und genügend Sachkenntnis, um die genannten Probleme wirksam anzupacken. Die Stärkung der Drogenkontrollkapazitäten in den betroffenen Regionen hat den Weg für eine umfassende Intervention frei gemacht. Die meisten der Drogen produzierenden Länder haben klar definierte nationale Strategien und Aktionspläne angenommen, die jetzt ihrer Durchführung harren. Die Sondertagung der Generalversammlung bietet eine historische Gelegenheit für die globale Zusammenarbeit. Mitgliedstaaten haben bereits ihre Entschlossenheit gezeigt, Ressourcen zu mobilisieren und mehr Maßnahmen zu ergreifen, um ein kühnes Ziel zu verwirklichen: die Beseitigung oder zumindest die wesentliche Reduzierung des Anbaus von Kokablättern, Mohn und Cannabis bis zum Jahre 2008. Der Aktionsplan für internationale Zusammenarbeit zur Beseitigung illegaler Drogenpflanzen und für alternative Entwicklung Die Geschichte zeigt, daß es nicht nur einen Weg zur Beseitigung des Anbaus und der Produktion illegaler Drogen gibt. Selbst wenn alternative Entwicklungprojekte erfolgreich sind, werden einige Bauern und Betriebe die Produktion nicht freiwillig einstellen. Sie müssen begreifen, daß mit dem Anbau illegaler Pflanzen ein Risiko verbunden ist. Deshalb betont der Aktionsplan, der im Rahmen der Sondertagung erörtert werden soll, auch die Wichtigkeit der Integration alternativer Entwicklungsprogramme mit Vollzugsmaßnahmen. Um größtmögliche Wirkung zu erzielen, müssen die Programme für eine alternative Entwicklung:
Vollzugsmaßnahmen sind in jeder Stufe des Drogenzyklus notwendig: beim illegalen Handel, bei der Abzweigung von Vorläufersubstanzen, beim Betrieb illegaler Drogenlabors, bei der Geldwäsche und beim organisierten Verbrechen. Dies gilt sowohl für Gebiete mit alternativen Entwicklungsprogrammen als auch andernorts, in jeder Phase der langen Kette des Drogenmißbrauchs. Wenn beim Anbau das organisierte Verbrechen mit im Spiel ist, können auch Maßnahmen wie Ausrottung und Vernichtung der illegalen Pflanzen oder Festnahmen gerechtfertigt sein. Die Stärkung der internationalen Zusammenarbeit Die Vernichtung illegaler Ernten kann nur mit voller Unterstützung der internationalen Gemeinschaft erreicht werden. Regierungen, internationale Organisationen, Nichtregierungsorganisationen, regionale Entwicklungsbanken und der Finanzsektor spielen alle eine Rolle in diesem gemeinsamen Vorhaben. Dafür sind langfristige finanzielle und politische übereinkünfte erforderlich. Die Zusammenhänge zwischen dem Entwicklungsprozeß und der Drogenproduktion sind sehr sensibel. UNDCP bereitet augenblicklich in Rücksprache mit Regierungen und anderen internationalen Behörden eine Reihe von Initiativen vor, die eine wirksame weltweite Antwort auf diese Herausforderung sicherstellen soll. Die Einrichtung eines weltweiten überwachungssystems, das auf allgemein akzeptierten Zielen und Grundsätzen beruht, ist dafür entscheidend. Das System sollte über Fernerkundungstechnologien verfügen und Bodenuntersuchungen durchführen, um einen ständigen Beitrag zur Bewertung des Einflusses alternativer Entwicklungsprogramme beisteuern zu können. Gleichzeitig würde die überwachung gefährdeter Gebieten den Ballon-Effekt verhindern und das rasche Ausweichen auf neue Anbaugebiete, sobald ein altes vernichtet wurde, unterbinden. UNDCP wird weiterhin eng mit den Mitgliedstaaten zusammenarbeiten, um diese und andere globale Initiativen zu entwickeln.
| ||||