Drogen


UNDCP (11456 bytes)

Presseunterlage Nr. 4

Reduktion der Nachfrage nach illegalen Drogen

Alle Länder sind von den verheerenden Folgen des Drogenmißbrauchs betroffen. Der rasche Wandel der sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen, das weltweite Angebot an illegalen Drogen und die steigende Nachfrage haben dazu beigetragen, daß dieses globale Problem immer größere Bedeutung gewonnen hat.

Außerdem ist das Drogenproblem zunehmend komplexer geworden. Man kann nicht mehr davon ausgehen, daß Drogenmißbrauch nur in Randgruppen oder hauptsächlich in der westlichen Industriegesellschaft stattfindet. Drogenmißbrauch hat sich auch zu einer überlebensstrategie für unterprivilegierte junge Menschen entwickelt, die in Kontakt zum Straßenleben und zur Kriminalität gekommen sind. Nicht zuletzt ist der steigende Drogenmißbrauch auch Teil einer Jugendsubkultur, die zur raschen Verbreitung eines positiven Images des Drogenkonsums in aller Welt beiträgt.

Illegale Drogen sind Substanzen, die Sucht hervorrufen und damit oft die Trennlinie zwischen Gebrauch und Mißbrauch, zwischen Konsum und Abhängigkeit verwischen. Nach Schätzungen des Internationalen Drogenkontrollprogramms der Vereinten Nationen (UNDCP) beträgt die Zahl der Drogenabhängigen zwischen 3,3 und 4,1% der WeltBevölkerung. Vom gesundheitlichen Standpunkt aus ist Heroin die gefährlichste Droge. Die Anzahl der Heroinabhängigen ist mit 8 Millionen Menschen, oder 0,14% der WeltBevölkerung noch immer relativ gering, aber im Ansteigen begriffen. Kokain ist, von der Gesamtzahl der Konsumenten gesehen, die auf 13 Millionen Menschen oder 0,23% der WeltBevölkerung geschätzt wird, viel weiter verbreitet; allerdings sind hier weniger Länder davon betroffen. Cannabis ist die am häufigsten mißbrauchte Droge mit über 2,5% der WeltBevölkerung oder rund 140 Millionen Konsumenten.

Die überwiegende Mehrheit der derzeit konsumierten illegalen Drogen wird zwar immer noch aus Pflanzen gewonnen oder aus pflanzlichen Produkten, die künstlich verändert werden, aber in den letzten Jahren zeigt sich ein deutlicher Trend in Richtung amphetaminartiger Aufputschmittel (ATS). Die

Beschlagnahmen dieser Substanz sind im Durchschnitt um 16 Prozent jährlich gestiegen. Heute konsumieren ungefähr 30 Millionen Menschen oder 0,5 % der WeltBevölkerung ATS. Offensichtlich besteht hier eine durch Medien verbreitete und gezielt an junge Leute gerichtete Meinung, daß diese Substanzen “modern“ und sicher seien.

Ein weiterer, wesentlicher Faktor, der die Nachfrage nach illegalen Drogen bestimmt, ist das ständig sinkende Einstiegsalter in die Drogenszene. Ein markantes Beispiel dafür ist die Tatsache, daß allein im Jahre 1995 mehr junge Menschen zwischen 15 und 19 Jahren eine Behandlung gegen Opiat-Mißbrauch begannen als in den drei vorangegangenen Jahren 1992 bis 1994. Dieses Phänomen zeigt sich nicht nur in den Industrieländern. Viele Entwicklungsländer berichten über ähnliche Trends in der steigenden Zahl Jugendlicher, die zunehmend zu Cannabis, Heroin, Aufputschmitteln und Halluzinogenen greifen.

Auch die flüchtigen Chemikalien dürfen nicht vergessen werden, die nicht den internationalen Kontrollmaßnahmen unterliegen. Diese Substanzen können aber häufig als Einstieg in den Mißbrauch von Suchtstoffen und psychotropen Substanzen dienen. Junge Menschen in besonders schwierigen Situationen - beispielsweise Straßenkinder - sind hier besonders gefährdet. für Millionen von Straßenkindern ist das Schnüffeln an flüchtigen Chemikalien ein Weg der mentalen und körperlichen Flucht.

Antworten: Strategien

Wichtigstes Ziel der Maßnahmen zur Senkung der Drogennachfrage ist es, die gefährdeten Personen zu erreichen. Um dieser Aufgabe wirksam gerecht zu werden, ist eine genaue Analyse des Problems und die Planung funktionierender Strategien notwendig.

Angesichts der steigenden Zahlen jugendlicher Drogenabhängiger und der Veränderungen in dem Drogenkonsummuster, müssen vor allem Verbindungen zwischen den politischen Entscheidungsträgern und den Drogenabhängigen bzw. den drogengefährdeten Jugendlichen hergestellt werden, um die am besten geeigneten Vorgehensweisen festlegen zu können. Die Einbindung gefährdeter Menschen in die Analyse des Problems und die Lösungsfindung ist der beste Weg, um ihre Bedürfnisse verstehen zu lernen und auf diese zu reagieren. So kann ein breites Spektrum von Maßnahmen zur Vorbeugung, Behandlung, Rehabilitation und sozialer Wiedereingliederung entwickelt und ausgeführt werden.

Programme zur Senkung der Nachfrage beinhalten normalerweise drei Phasen:

Die primäre Vorbeugung zielt darauf ab, den Drogenmißbrauch an sich zu verhindern oder zumindest den Einstieg in den Mißbrauch zu verzögern. Diese erste Phase der Vorbeugung konzentriert sich darauf, verschiedene Zielgruppen der GesamtBevölkerung über psychoaktive Substanzen und über die Gefahren des Drogenkonsums aufzuklären. Ausbildungsangebote sollen das Selbstbewußtsein der Menschen stärken und damit eine gewisse Resistenz gegenüber Gruppenzwängen Fördern; sie sollen für einen gesunden Lebensstil werben und für eine helfende Umwelt und die mögliche Entwicklung einer Lebensplanung sorgen.

Die sekundäre Vorbeugung hilft Drogenabhängigen, mit ihrer Sucht zu brechen. Pädagogische und beratende Servicedienste sollen die Abhängigen davon überzeugen, ihre Experimente mit Drogen einzustellen. Verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, gefolgt von Rehabilitationsprogrammen, werden in dieser Phase angeboten. Drogenabhängige werden außerdem mit geeigneten Nachsorgemaßnahmen betreut, um das drogenfreie Verhalten zu erhalten, Rückfälle zu vermeiden und eine soziale Wiedereingliederung zu ermöglichen. Idealerweise sollte die sekundäre Vorbeugung in der Rückkehr der Drogenabhängigen in ein drogenfreies Leben gipfeln.

Die tertiäre Vorbeugung zielt darauf ab, die negativen Folgen des Drogenmißbrauchs, wie zum Beispiel die Verbreitung von AIDS, zu minimieren.

für eine wirksame Vorbeugung ist weltweites, vereintes Handeln erforderlich. Die Teilnahme von Staaten, Gemeinschaften und Familien ist für den Erfolg dieser Bemühungen ausschlaggebend. Deshalb koordiniert UNDCP die internationalen Bemühungen und Maßnahmen auf verschiedenen Ebenen. Das Programm erarbeitet mit Regierungen Strategien zur Senkung der Nachfrage, die sich vor allem auf die Teilnahme der Gemeinschaften stützen. So werden auf lokaler Ebene zwischen Nichtregierungsorganisationen, Vorstehern von Gemeinden, Lehrern, Eltern, Jugendleitern und Gesundheits- sowie fürsorgeexperten wichtige Verbindungen geknüpft. Die Einbeziehung dieser Akteure ist notwendig, um die gefährdeten Jugendlichen überhaupt zu erreichen und auf deren Bedürfnisse einzugehen.

Die Grundsatzerklärung zur Senkung der Drogennachfrage

Im Laufe der Vorbereitungsarbeiten für die Sondertagung ergab sich unter den Mitgliedstaaten zunehmend Konsens darüber, daß die Bemühungen gegen den Drogenmißbrauch verstärkt werden müssen. Dieses Anliegen führte zur Ausarbeitung des ersten internationalen übereinkommens, das das alleinige Ziel verfolgt, die individuellen und gemeinschaftlichen Probleme des Drogenmißbrauchs zu untersuchen. Die Grundsatzerklärung zur Senkung der Drogennachfrage (Declaration on the Guiding Principles of Demand Reduction) nennt die vordringlichsten politischen Richtlinien und Strategien, die für die Umsetzung eines bisher beispiellosen Bekenntnisses zur drastischen, weltweiten Reduzierung der Drogennachfrage bis zum Jahr 2008 erforderlich sind. Diese Erklärung soll von der Generalversammlung im Verlauf der Sondertagung angenommen werden. Sie stellt einen wichtigen Schritt für die Zukunft dar, denn sie soll das bestehende Drogenkontrollsystem ergänzen und damit zu einem unentbehrlichen Instrument zur Durchführung einer ausgewogenen weltweiten Strategie gegen die illegalen Drogen werden. Die Erklärung geht systematisch auf alle Aspekte des Drogenmißbrauchs durch folgende Richtlinien ein:

Die Drogenpolitik soll auf den empirischen Kenntnissen aufgrund von wissenschaftlichen Untersuchungen und Erfahrungen aus früheren Programmen aufbauen. Eine systematische und regelmäßige Beurteilung des Problems ist für die Erkennung neuer Entwicklungen unbedingt erforderlich. Um auf den bisher gemachten Erfahrungen aufbauen zu können, müssen Strategien zur Nachfragesenkung und konkrete Maßnahmen sorgfältig ausgewertet werden. Nur so kann deren Effektivität weiter verbessert werden. Mehr Gewicht muß auf die Ausbildung der politischen Entscheidungsträger, der Programmplaner und der Praktiker gelegt werden. An folgenden Richtlinien soll festgehalten werden:

  • Programme zur Nachfragesenkung müssen alle Bereiche der Vorbeugung abdecken: von der Vermeidung des ersten Kontaktes bis hin zur Reduzierung der negativen gesundheitlichen und sozialen Folgen des Drogenmißbrauchs. Die soziale Integration von drogenabhängigen Straftätern soll mittels Erziehung, Behandlung und Rehabilitation, entweder alternativ oder neben der Strafe betrieben werden.
  • Bemühungen zur Senkung der Drogennachfrage sollen in allgemeine soziale Wohlfahrtsprogramme, in die Gesundheitsvorsorge und in die Bildungsprogramme integriert werden, um eine Umwelt zu schaffen, in der gesunde Lebensweisen attraktiv und zugänglich sind. Diese Programme sollen sowohl den Bedürfnissen der GesamtBevölkerung als auch jenen der gefährdeten Gruppen Rechnung tragen und auf die unterschiedlichen Gegebenheiten nach Geschlecht, Kultur und Bildungsstand eingehen.
  • Es soll alles unternommen werden, um die richtige Botschaft an die Betroffenen zu richten. Information sollte Sensationsmeldungen vermeiden und statt dessen Vertrauen vermitteln. Nur so kann sie effektiv sein. Staaten sollen, in Zusammenarbeit mit den Medien, versuchen, das Bewußtsein der Öffentlichkeit für die Gefahren des Drogenmißbrauchs stärker zu wecken und präventive Botschaften Fördern, um der Werbung für Drogen in der Pop-Kultur entgegenzuwirken.

     

    Für weitere Information wenden Sie sich bitte an:
    Bill Hass
    Development and Human Rights Section
    United Nations
    Department of Public Information
    Room S-1040
    New York, NY 10017, USA
    Tel.: (212) 963-0353/3771
    Fax.: (212) 963-1186
    Sandro Tucci
    External Relations Unit
    United Nations International Drug Control Programme
    Vienna International Centre
    A-1400 Vienna, Austria
    Tel.: (43-1) 21345-5629
    Fax.: (43-1) 21345-5931


Herausgegeben vom Internationalen Drogenkontrollprogramm der Vereinten Nationen (UNDCP).
Deutsche Fassung: Informationsdienst der Vereinten Nationen, Wien und Informationszentrum der Vereinten Nationen Bonn – Mai 1998.


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