Presseunterlage Nr. 3 Amphetaminartige Aufputschmittel -
Zu den am häufigsten mißbrauchten und illegal vertriebenen ATS Substanzen gehören: Methamphetamin, Amphetamin, Ecstasy (MDMA) und Methcathinon, die hauptsächlich in geheimen Labors hergestellt werden, sowie Fenetyllin und Pemolin, die aus dem legalen Handel abgezweigt werden können. Wirkungen von ATS Die Attraktivität amphetaminartiger Aufputschmittel liegt für die Benutzer gewiß in ihrer Wirkung auf das zentrale Nervensystem. Sie führen zu vermehrter geistiger Tätigkeit, Beschwingtheit, Euphorie, zu allgemeinem Wohlbefinden und einer erhöhten Leistungsfähigkeit. Wie im Bericht des Internationalen Suchtstoffkontrollrates (INCB) von 1997 dargestellt, besteht auch eine gesteigerte Nachfrage nach gewichtsreduzierenden Tabletten (Anoretika), die ATS enthalten und als Wundermittel für sofortigen Gewichtsverlust angepriesen und auf den Markt gebracht werden. Der Rat fordert in dem Bericht Staaten, in denen ein besonders hoher Verbrauch von Anoretika festgestellt wurde, dazu auf, die Situation genau zu Überwachen und einer zu häufigen Verordnung dieser Drogen vorzubeugen, da sie süchtig machen und außerdem eine Reihe von gesundheitsschädlichen Nebenwirkungen haben, die von hohem Blutdruck bis zu Paranoia und gewalttätigem Verhalten reichen. Diese Substanzen können die psychologische und geistige Verfassung des Benutzers tiefgreifend beeinflussen. Sie machen abhängig und bergen ein Suchtrisiko, das genauso hoch ist wie bei Kokain. Sie führen auch zu immer höheren Toleranzwerten: man braucht immer stärkere Dosierungen, um den gleichen stimmungshebenden Effekt zu erreichen. Wenn die anfängliche Euphorie nachläßt, kann dies auch zu Angstzuständen, zu Paranoia oder zu einer Amphetamin-Psychose führen, die oft ein aggressives und gewalttätiges Verhalten hervorruft. Durch Injektion (Speed) oder Rauchen (Ice) konsumierte Methamphetaminen machen am raschesten süchtig. Aufgrund des schnellen Wirkungsbeginns sind diese Drogen besonders beliebt. Die Dauer der anregenden Wirkung amphetaminartiger Aufputschmitteln ist in der Regel länger als bei Kokain. Dies bietet mehr für's Geld und vergrößert den potentiellen Markt. Formen des Mißbrauchs Trotz Unterschieden in den Indikatoren und der Art der Berechnung, nehmen amphetaminartige Aufputschmittel in einer Vielzahl von Ländern die Plätze eins bis drei unter den am häufigsten mißbrauchten Drogen ein. In Japan hängen fast 90% der Drogendelikte mit Methamphetamin zusammen. Auf den Philippinen, wo es Shabu genannt wird, ist Methamphetamin offenbar seit den frühen 90er Jahren die am häufigsten mißbrauchte Droge. In Korea liegt der Mißbrauch von Ice nach Cannabis an zweiter Stelle. Auch in Australien ist Amphetamin die am zweithäufigsten mißbrauchte Substanz nach Cannabis. In Neuseeland liegt der Mißbrauch von Amphetamin nach Cannabis und Halluzinogenen an dritter Stelle. Die meisten Untersuchungen in Großbritannien weisen dem Mißbrauch von Amphetamin die Plätze zwei oder drei im Drogenmißbrauch zu. Die Nationale Suchtstoffbehörde der Vereinigten Staaten berichtet, daß die jährliche Mißbrauchsrate aller Aufputschmittel, einschließlich legaler, von Oberschülern der 12. Klasse 1992 bei 7% lag; das bedeutet, daß Aufputschmittel, nach Inhalationsmitteln und Marihuana, die am meisten mißbrauchten Substanzen sind. In Schweden sind Amphetamine nach Cannabis die am zweithäufigsten mißbrauchten Drogen; fast ein Drittel aller Verurteilungen wegen Drogen in den frühen 90er Jahren gingen auf das Konto von Amphetaminmißbrauch. Historisch gesehen wurde die illegale Nachfrage nach amphetaminartigen Aufputschmitteln lange Zeit durch Abzweigung aus dem legalen Markt, zumeist durch zu häufige ärztliche Verschreibung, gedeckt. Mit zunehmender Erkenntnis des begrenzten therapeutischen Nutzens dieser Substanzen, dem anhaltenden Rückgang der weltweiten legalen Herstellung und den strengeren Kontrollmaßnahmen, verlagerte sich die Hauptversorgungsquelle schrittweise auf geheime Produktionsbetriebe. Zwei weitere Faktoren begünstigten die Zunahme der illegalen Produktion: die Anzahl und Einfachheit der synthetischen Herstellungsmethoden und der leichte Zugang zu einer Vielzahl von potentiellen Ausgangsmaterialien (chemischen Vorläufersubstanzen). ähnlich wie bei der Herstellung der Aufputschmittel gab es in den letzten 15 bis 20 Jahren auch bedeutende Veränderungen bei der geheimen Verwendung von bestimmten Vorläufersubstanzen. Ice gelangte von Hawaii aus auf den amerikanischen Markt und wurde in den späten 80er und den frühen 90er Jahren durch asiatische Drogenhändlerringe entlang der Westküste verbreitet. Auch heute noch ist Ice vor allem im asiatisch-amerikanischen Raum zu finden und spielt im Vergleich zum traditionellen Methamphetamin-Mißbrauch nur eine untergeordnete Rolle. Ice ersetzte jedoch nicht, wie in den frühen 90er Jahren befürchtet, Crack/Kokain als die am meisten mißbrauchte Droge. Trotzdem bleibt die allgemeine Lage des Methamphetaminmißbrauchs weiterhin ernst, vor allem, wenn man bedenkt, daß mehr als 80% der geheimen Labors, die in den 90er Jahren in den Vereinigten Staaten entdeckt wurden, Methamphetamin-Laboratorien waren. In Europa gehören die Amphetamine zu den sogenannten Tanzdrogen (zusammen mit MDMA und LSD), die für die Rave-Szene in Großbritannien aber auch anderswo in Europa typisch sind. Zahlreiche Konsumenten von Ecstasy (MDMA) haben experimentiert und sind zu den billigeren Amphetaminen übergegangen. Gefälschtes Ecstasy (fake ecstasy), das aus einer Mischung aus halluzinogenen Substanzen und Amphetaminen besteht, wird ebenfalls auf diesem Markt angeboten. In Großbritannien stiegen Beschlagnahmen von Amphetamin seit 1987 auf das vierfache. In Frankreich verdoppelten sich die Beschlagnahmen von ATS zwischen 1992 und 1993. Außerdem wird über zunehmenden ATS-Mißbrauch aus den Niederlanden, Finnland und Osteuropa, besonders aus den Baltischen Staaten und der Tschechischen Republik, berichtet. Der illegale Handel mit ATS
Entwurf eines Aktionsplanes Das Problembewußtsein schärfen Obwohl das ATS-Problem in vielen Ländern noch relativ neu ist, nimmt es rasch an Umfang zu. Ebenso rasch ändern sich Ausmaß und geographische Ausbreitung des Mißbrauchs. Bis jetzt ist das weltweite Interesse für dieses Problem noch sehr begrenzt und die Reaktionen sind heterogen und vielschichtig. Folgende Schritte werden empfohlen:
Die Nachfrage reduzieren
Genaue Informationen verbreiten Informationen über unerlaubte ATS sind für viele Menschen jetzt über moderne Kommunikationsmittel, wie etwa das Internet, zugänglich. Rezepte, Herstellungsverfahren und Darstellungen von ATS als harmlose Drogen sind allgemein verfügbar. Der Plan empfiehlt daher, Konsultationen mit Vertretern aus Telekommunikation und der Software-Industrie auf nationaler, regionaler und internationaler Ebene in die Wege zu leiten, um folgende Anliegen zu Fördern und zu unterstützen:
Das Angebot eindämmen Die wichtigsten Strategien, um das Angebot von ATS unter Kontrolle zu bringen, zielen auf den Handel, die illegale Herstellung und die Verbreitung von Chemikalien ab, die zur Herstellung dieser Aufputschmittel verwendet werden (Vorläufersubstanzen). Viele dieser Substanzen werden zu ganz legalen Verwendungszwecken in der Industrie hergestellt und weltweit gehandelt. Deshalb bedarf es der freiwilligen Zusammenarbeit der Industrie, um eine wirksame überwachung dieser Substanzen zu ermöglichen. Die zuständigen Behörden auf nationaler, regionaler und internationaler Ebene sollen daher:
Als Maßnahme gegen die geheime Herstellung von ATS sollen die internationalen, regionalen und nationalen Behörden außerdem:
ATS-Kontrollen verschärfen Die Anwendung des internationalen Drogenkontrollsystems auf die geheim hergestellten ATS hat folgende Mängel deutlich werden lassen: das Verfahren zur Erfassung psychotroper Substanzen für die Aufnahme in international Kontrollregister ist zu schwerfällig; die Kontrolle der chemischen Vorläufersubstanzen ist noch zu neu; und die Verfahren zur änderung des Kontrollbereiches bei internationalen Drogenabkommen sind noch zu unterschiedlich. Ein wirksames Kontrollsystem muß rasch, flexibel und einfach an neue Gegebenheiten angepaßt werden können. Der vorliegende Aktionsplanentwurf empfiehlt den internationalen und regionalen Organisationen, sowie den Staaten:
Herausgegeben vom Internationalen Drogenkontrollprogramm der Vereinten Nationen (UNDCP). |