Drogen


UNDCP (11456 bytes)

Informationsblatt Nr. 2

Illegale Herstellung, Handel und Konsum von Drogen:
Die wichtigsten statistischen Angaben


A. Herstellung

Opiate

Schätzung des weltweiten Anbaus von Schlafmohn und der Herstellung von Opium*

 

1990

1991

1992

1993

1994

1995

1996

1997

Anbau in ha

267,754

286,368

265,216

289,355

283,049

266,478

271,999

265,741

Herstellung in t

3,830

4,314

4,140

4,693

5,519

4,486

4,389

4,861

Quelle: UNDCP, Fragebogen zum Jahresbericht, UNDCP-Schätzungen

 

  • Das Internationale Drogenkontrollprogramm (UNDCP) schätzt, daß 1997 knapp 5.000 t illegales Opium hergestellt wurden. 1997 war die Produktion geringer als 1994, aber immer noch weitaus höher als 1990. Den dramatischen Wachstumsraten der 80er und frühen 90er Jahre folgte jedoch ein gewisser Grad der Stabilisierung seit Mitte der 90er Jahre.
  • für den Anbau von Schlafmohn wurden 1997 nach UNDCP-Schätzungen rund 270.000 ha Anbauflächen verwendet, etwa gleichviel wie 1990. Afghanistan und Myanmar waren die Hauptanbaugebiete bzw. Produktionsquellen in den letzten zehn Jahren, wobei Afghanistan hauptsächlich für den Zuwachs der Produktion verantwortlich ist. Auf diese beiden Staaten entfielen 1996/97 80% der weltweiten Anbaufläche für Opiummohn und 90% der weltweiten illegalen Opiumherstellung.
  • Der drittgrößte Produzent ist Laos, wo die Produktion in den 90er Jahren zwischen 100 und 150 t schwankte. Der Anbau und die Herstellung in Thailand und Pakistan sind in den letzten Jahren merkbar zurückgegangen und Vietnam zeigt seit kurzem einen sinkenden Trend. Mit zusammen 12.000 ha Mohnanbau sind Kolumbien und Mexiko im weltweiten Vergleich relativ geringe Opium- und Heroinproduzenten. Das in diesen Ländern hergestellte Heroin wird auf den nordamerikanischen Markt gebracht. Die Opium- und Heroinherstellung blieb in beiden Ländern über Jahre stabil, hauptsächlich wegen der energischen Politik zur Beseitigung des Mohnanbaus.
  • Wenn man die Beschlagnahme von Opium (1995/96 durchschnittlich 210 Tonnen), die für den einheimischen Markt benötigten Mengen, den Verbrauch in Nachbarregionen und Transportverluste (zusammen etwa 30% der Produktion abzüglich der beschlagnahmten Opiumengen) berücksichtigt, so dürften nach UNDCP-Schätzungen 1997 etwa 3.300 t Opium für die Herstellung von Heroin zur Verfügung gestanden haben. Geht man von einem Umwandlungsverhältnis (von Opium in Heroin) von 10:1 aus, dann wurden 1997 330 t Heroin hergestellt. Abzüglich der Heroinbeschlagnahmen (1995/96 durchschnittlich 30 t) standen 1997 etwa 300 t Heroin auf den Märkten Verfügung.

 

Koka

Schätzung des weltweiten Anbaus von Kokabüschen und die geschätzte Produktion von Kokablättern*

 

1990

1991

1992

1993

1994

1995

1996

1997

Anbau in ha

288,4

234,7

190,6

203,9

189,6

194,0

178,3

179,2

Produktion in t

363,981

386,228

377,114

368,833

315,420

322,042

311,420

302,523

Quelle: UNDCP, Fragebogen zum Jahresbericht, UNDCP-Schätzungen

 

  • Der größte Teil des weltweit erzeugten illegalen Kokains stammt aus den Andenstaaten (Peru, Kolumbien und Bolivien). Es gibt Anzeichen dafür, daß in anderen lateinamerikanischen Ländern, besonders in Brasilien, Guyana und Venezuela, kleinere Anbaugebiet existieren.

  • Nach zwei Jahrzehnten eines massiven Anstiegs zeigt der weltweite Koka-Anbau in den 90er Jahren einen Abwärtstrend.

  • Rund 180.000 ha werden derzeit mit Kokabüschen angebaut, die mehr als 300.000 t Kokablätter produzieren. (Da für diese Schätzung vom geringsten Ertrag ausgegangen wurde, dürfte die tatsächliche Produktion von Kokablättern höher liegen als dargestellt.)

  • Ein starker Rückgang wird aus Peru gemeldet (40% Reduzierung in zwei Jahren), ein geringerer aus Bolivien. Die Produktion in Kolumbien hingegen steigt in jenen Gebieten, die von der Regierung nicht kontrolliert werden können, trotz aller energischen Bemühungen, die Ernteerträge zu vernichten und gesetzliche Maßnahmen zu verschärfen.

  • Aktuelle Schätzungen der Kokablättererzeugung weisen Peru allerdings immer noch als größten Kokablatterzeuger aus (1997: 118.000 t). Die Produktion in Bolivien und in Kolumbien liegt ungefähr gleich hoch (93.000 t bzw. 91.000 t). Die angenommenen Erträge in Kolumbien sind jedoch eher niedrig angesetzt. Da der großflächige Anbau von Koka-büschen in Kolumbien weiter zunimmt, sind wahrscheinlich auch die Ernteerträge gestiegen. Die tatsächliche Kokablattproduktion in Kolumbien dürfte daher über jener Boliviens und wahrscheinlich in der Größenordnung Perus liegen.

  • Bei Anwendung eines sehr konservativen Umrechnungsverhältnisses (von Kokablatt in Heroin) wurden mindestens 800 t Kokain aus der Kokablatt-Ernte von 1997 gewonnen. Bei einer weniger vorsichtigen Annahme von 1.000:3 (die von Koka-Herstellern leicht erreicht werden kann) könnten aus dieser Kokablatternte 1.000 t Kokain gewonnen worden sein. Abzüglich der rund 300 t Kokain, die jährlich beschlagnahmt werden, standen 1997 daher zwischen 500 und 700 Tonnen für den illegalen Drogenmarkt zur Verfügung. Die Beschlagnahme von 700 t Kokablättern pro Jahr (1995/96) - das entspricht etwa 2,1 t Kokain - sind zu vernachlässigende Mengen und ändern nichts am Gesamtbild. Dasselbe gilt für den einheimischen Konsum von Kokablättern, der zum größten Teil von der traditionellen Kokablatt-Produktion abgedeckt wird.

 

Cannabis

  • Der illegale Anbau von Cannabis ist weiter verbreitet als der Anbau von Schlafmohn oder von Kokablättern. Schätzungen über die tatsächlichen Anbaugebiete von Cannabis sind jedoch mit größeren Fehlerquoten behaftet als bei Mohn oder Kokablättern. Nach den von den Regierungen zur Verfügung gestellten Informationen dürfte Cannabis weltweit auf einer Fläche von insgesamt 670.000 bis 1,800.000 ha angebaut werden, oder dort wild wachsen (das entspricht der drei- bis sechsfachen Anbauffläche für Mohn oder Kokabüsche). Schätzungen der Regierungen gehen davon aus, daß die weltweite Herstellung von Marihuana und Haschisch bei rund 500.000 t pro Jahr liegt (wenn man von einer Anbau/Wildwuchsfläche von 940.000 ha ausgeht).
  • Die größten Flächen mit wildwachsendem Cannabis befinden sich in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion, besonders in Rußland, Kasachstan und in anderen zentralasiatischen Ländern. Marokko, Afghanistan und Pakistan stehen als Hauptproduzenten von Haschisch fest. Die Haschischproduktion im Libanon hingegen nahm in den letzten Jahren stark ab. Die größten Produzenten von Marihuana in Lateinamerika sind Mexiko und Kolumbien, gefolgt von Brasilien, Jamaika und verschiedenen mittelamerikanischen Ländern; Südafrika und Malawi scheinen zu den größten Produzenten von Marihuana in Afrika zu gehören; allerdings ist die Marihuanaproduktion auch in weiten Teilen von Ost- und Westafrika, besonders in Nigeria und Ghana, sehr verbreitet. Zu den größten Produzenten in Asien zählen eine Reihe von Ländern in der süd- und südostasiatischen Region: Thailand, Kambodscha, Indonesien, die Philippinen, Indien, Nepal und Sri Lanka. Cannabis wird auch in einigen pazifischen Ländern, wie Papua-Neuguinea, Fidschi und West-Samoa angebaut. Die Industrieländer, vor allem die Vereinigten Staaten, Australien, Kanada und eine Reihe von europäischen Ländern, stellen ebenfalls beträchtliche Mengen von illegalem Cannabis her. In einigen Fällen gibt es dort Glashauskulturen und die neuesten Hydrokultur-Technologien.
  • Während der Anbau von Cannabis in Lateinamerika in den 90er Jahren deutlich rückgängig war, scheint er in vielen Teilen Asiens, Afrikas und Europas zugenommen zu haben.

 

Amphetaminartige Aufputschmittel (ATS)

  • Es gibt keine offiziellen Schätzungen über den Umfang der geheimen ATS-Herstellung. Wenn man die Zahl der entdeckten illegalen Laboratorien als Indiz nimmt, dann zeigen die Daten jedoch einen deutlichen Anstieg während der letzten zwei Jahrzehnte auf. Zwischen 1980 und 1994 stieg die Zahl der aufgeflogenen Geheimlabors, in denen ATS hergestellt wurden, um das mehr als sechsfache. Nicht weniger als 38 % der entdeckten Labors waren für die ATS-Herstellung bestimmt.
  • Weltweit scheint geheime Methamphetaminproduktion sehr verbreitet zu sein. Methamphetamin ist jenes Aufputschmittel, das in Nordamerika und im Fernen Osten besonders viel genommen wird, während Amphetamine und Stoffe der Ecstasy-Gruppe (MDMA, MDA, MDEA) den europäischen Markt dominieren. In der Gemeinschaft der unabhängigen Staaten (GUS) zählen Methamphetamine und Methcathinone (Ephedrone) zu den wichtigsten illegalen ATS. Den stärksten Anstieg in den vergangenen Jahren hatte die geheime Herstellung von Stoffen der Ecstasy-Gruppe zu verzeichnen. Europa steht hier an der Spitze, sowohl was den lokalen Mißbrauch als auch was den grenzüberschreitenden Handel mit diesen Substanzen betrifft. Die Herstellung von Stoffen der Ecstasy-Gruppe in Nordamerika ist nahezu ausschließlich für den Inlandsmarkt bestimmt.

 

 

B. Verteilung und illegaler Handel

Heroin

  • Die weltweite Beschlagnahme von Heroin stieg von 1,7 t 1975 auf 14,2 t 1985 und 28,2 t 1996. Der Höhepunkt wurde 1995 mit 31,1 t als Folge der Opium-Rekordernte erreicht. Der allgemeine Anstieg von Beschlagnahmen in den 90er Jahre war geringer als in den letzten Jahrzehnten.

Weltweite Beschlagnahmen von Heroin

 

1990

1991

1992

1993

1994

1995

1996

Tonnen

23,4

21,4

25,0

26,7

29,1

31,1

28,2

Index

165

151

176

188

206

219

199

Quelle: UNDCP, Fragebogen zum Jahresbericht, UNDCP-Schätzungen

  • 1996 fanden 40% der weltweiten Beschlagnahmen von Heroin in Europa statt (einschließlich Osteuropas und der Türkei), 24% in Südwestasien (davon 6% in China), 5% auf dem amerikanischen Kontinent (Nordamerika und Mexiko) und 5% in Südasien (hauptsächlich in Indien). Beschlagnahmen von Heroin in der Region des Mittleren Ostens liegen bei weniger als 3%, in Afrika und Ozeanien bei weniger als 1% der weltweiten beschlagnahmten Mengen. Legt man dieser Berechnung jedoch einen Durchschnitt der Jahre 1994-96 zugrunde, um statistische Verzerrungen zu minimieren, die sich bei zufälligen “Haupttreffern“ bei der Beschlagnahme großer Mengen an Heroin ergeben, dann sinkt der Anteil Europas auf 36%, der Anteil von Südwestasien steigt auf 30%, während der Anteil von Südostasien auf 19% fällt (in China auf 12%). Der Anteil des amerikanischen Kontinents ändert sich nur geringfügig auf 7% (davon 6% in Nordamerika). Die Anteile der anderen Regionen bleiben im Grunde unverändert.
  • Während des letzten Jahrzehnts war Südwestasien (besonders Afghanistan) der größte Lieferant von Opium für die Heroinherstellung in Europa und übertrifft Südostasien klar an Bedeutung. Ein großer Anteil von Heroin und Morphium aus Südwestasien gelangt über Pakistan, Iran und die Türkei und die sogenannte Balkanroute (oder über Zentralasien, Rußland und/oder den Kaukasus) nach Europa. 70-90% aller Heroinbeschlagnahmen in Europa sind in den letzten Jahren auf dieser Route erfolgt. Das in Nordamerika konsumierte Heroin stammt hingegen weitgehend aus Südostasien (Myanmar), wobei China, Thailand, genauso wie Laos, Vietnam und Kambodscha und gelegentlich afrikanische Staaten als Transferländer dienen. Praktisch das gesamte Heroin, das in Mexiko und Kolumbien hergestellt wird, deckt den nordamerikanischen Markt.

 

Kokain

  • Die Verarbeitung des Rohstoffes zu Kokain findet zum größten Teil noch immer in Kolumbien statt. Bolivien und Peru hingegen werden immer wichtiger als Produzenten von Kokainpulver. Die bei weitem größte Anzahl von geheimen Laboren wird jedes Jahr durch die Behörden in Kolumbien abgerissen. Eine große Produktionsanlage, die von den kolumbianischen Behörden Anfang 1997 zerstört wurde, konnte nach Interpol-Angaben pro Jahr zwischen 500 und 600 t Kokainhydrochlorid verarbeiten. Das hätte ausgereicht, um etwa 60% der geschätzten weltweiten Kokainproduktion herzustellen.
  • Weltweite Beschlagnahmen von Kokain (Basen und Salze) stiegen von 2,4 t 1975 auf 56,3 t 1985 und gipfelten 1991 bei 323 t. 1996 konnten 316 t Kokain beschlagnahmt werden. Während in den 80er Jahren weitaus mehr Kokain als Heroin beschlagnahmt wurde, änderte sich dieses Bild in den 90er Jahren völlig. Die mengenmäßigen Beschlagnahmen liegen bei Kokain zwar noch immer um das zehnfache höher als bei Heroin, aber was die Anzahl von Beschlagnahmen betrifft, so konnten die Drogenfahnder bei Kokain 42.100 mal zuschlagen (4% aller Drogenbeschlagnahmen, die UNDCP 1996 gemeldet wurden), während 214.000 mal Heroin abgefangen wurde (22% aller Beschlagnahmen).

 

Weltweite Beschlagnahmen von Kokain*

 

1990

1991

1992

1993

1994

1995

1996

T

288,9

322,7

274,6

268,6

319,4

288,8

315,5

Index (1985=100)

534

596

507

496

590

534

583

Quelle: UNDCP, Fragebogen zum Jahresbericht, UNDCP-Schätzungen

  • 1996 fanden 89% aller weltweiten Beschlagnahmen von Kokain auf dem amerikanischen Kontinent statt, davon 48% in Nordamerika (einschließlich Mexiko). Der Anteil Europas (einschließlich Osteuropas und der Türkei) beläuft sich auf 10%, der Rest der Welt auf 0,2%. Während der verhältnismäßig große nordamerikanische Markt in den 90er Jahren an Bedeutung verlor, zeigten relativ kleinere Märkte, besonders in Lateinamerika, Europa und Afrika einen entgegengesetzten Trend.
  • Die wichtigsten Handelsrouten führen von den Andenländern, durch Mittelamerika, Mexiko und die Karibik zum nordamerikanischen Markt. Etwa 70% des gesamten Kokainimports führen durch Mexiko. Alternative Handelsrouten verbinden Südamerika, Afrika und Europa auf dem See- oder Luftweg. Spanien und die Niederlande sind die wichtigsten Eintrittspforten für Kokain nach Europa. Ein großer Teil des Kokains, das zu verschiedenen Bestimmungsorten in Afrika (meistens im südlichen Teil und in Westafrika) gebracht wird, um von dort wieder nach Europa ausgeführt zu werden, läuft durch Brasilien.

 

Cannabis

  • Der Cannabis-Handel ist viel weiter verbreitet als der Handel mit Heroin oder Kokain. 1996 wurden 1.367 t Cannabispflanzen, 2.525 t Cannabisblätter (Marihuana) und 813 t Cannabisharz (Haschisch) beschlagnahmt, das sind zusammen mehr als 4.700 t Cannabisprodukte – mengenmäßig also bedeutend mehr als die beschlagnahmten 315 t Kokain oder 28 t Heroin.
  • Während Beschlagnahmen von Haschisch in den 90er Jahren zugenommen haben und 1996 doppelt soviel Cannabis beschlagnahmt wurde als im vorangegangenen Jahrzehnt, sanken die Beschlagnahmen von Marihuana in der zweiten Hälfte der 80er Jahre und blieben in den 90er Jahren auf niedrigerem Niveau.

 

Weltweiten Beschlagnahmen von Cannabis*

 

1990

1991

1992

1993

1994

1995

1996*

Marihuana
in t

2,422

1,800

2,330

3,408

2,206

3,044

2,524

Marihuana (Index 1985=100)

52

39

50

74

48

66

55

Haschisch
in t

641

890

662

848

977

1,060

813

Haschisch (Index 1985=100)

177

246

183

234

270

293

225

Quelle: UNDCP, Fragebogen zum Jahresbericht, UNDCP-Schätzungen

  • 1996 fanden 69% der Beschlagnahmen von Marihuana auf dem amerikanischen Kontinent statt, 52 % davon in Nordamerika (einschließlich Mexiko), 13% in Afrika, 11% in Europa und 7% in Asien und im Pazifik.
  • Bei Haschisch fanden 57% der weltweiten Beschlagnahmen 1996 in Europa statt, 27% in Asien, wobei der Hauptteil im Nahen und Mittleren Osten (25%) stattfand, 11% in Afrika und nur 5% auf dem amerikanischen Kontinent.
  • Während der nordamerikanische Markt vom Marihuana-Handel dominiert wird, entfällt auf Europa ein wesentlich höherer Anteil im Haschisch-Handel. Der Anteil von Marihuana im Verhältnis zur gesamten Marihuana- und Haschischbeschlagnahme lag 1996 bei 97% in Nordamerika und bei 38% in Europa.
  • Die Hauptproduktionszentren für den Marihuanaexport in den US-Markt liegen in Mexiko, Kolumbien und Jamaika. Marokko, Afghanistan, Pakistan, Kasachstan, Kirgisien und Rußland sind die wichtigsten Haschischquellen für den europäischen Markt. Aber auch Cannabis aus Kolumbien und Südostasien (besonders Kambodscha und Thailand) wird zunehmend auf dem europäischen Markt gefunden. Südostasiatisches Cannabis wird auch in Australien gehandelt, obwohl Australien selbst über eine bedeutende Cannabis-Herstellung verfügt. Die südafrikanischen Cannabis-Exporte gehen in die Märkte Nordamerikas und Großbritanniens. Aber andere afrikanische Staaten, darunter Malawi, Kenia, Tansania, Nigeria, Ghana und Kongo sind, zusammen genommen, ebenfalls wichtige Hersteller- und/oder Durchgangsländer für Cannabistransporte nach Europa. Spanien und die Niederlande sind wiederum die wichtigsten Eintrittspforten für Cannabis in die europäischen Märkte.

 

Amphetaminartige Aufputschmittel (ATS)

Die wichtigsten Handelsräume für ATS sind Europa, der Ferne Osten und Nordamerika. Der ATS-Handel findet hauptsächlich in ein und derselben Region statt. Der Handel mit Vorläufersubstanzen ist jedoch eher überregional.

  • Die weltweiten Beschlagnahmen von ATS (außer Ecstasy) stiegen von 281 kg 1976 auf 1,4 Tonnen 1990 und von 5,5 t 1995 auf 14,5 t 1996. Das entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Zunahme von 22% in den Jahren 1976-1996 – wesentlich mehr als bei Heroin (13%). In den 90er Jahren stieg die durchschnittliche Zunahme von ATS-Beschlagnahmen (außer Ecstasy) pro Jahr auf 48%. Keine andere Substanz, außer Ecstasy, das ebenfalls zur Gruppe der amphetaminartigen Aufputschmittel zählt, hat eine so hohe Zunahme in den 90er Jahren gezeigt.

Weltweite Beschlagnahme von ATS (außer Ecstasy)

1990

1991

1992

1993

1994

1995

1996

in kg

1,380

3,457

3,383

5,124

5,517

5,474

14,566

Index

39

99

96

146

157

156

415

Quelle: UNDCP, Fragebogen zum Jahresbericht, UNDCP-Schätzungen

  • Von den 14,6 t ATS (außer Ecstasy), die 1996 beschlagnahmt wurden, entfallen 56% auf Europa (hauptsächlich Westeuropa), 31% auf Ost- und Südostasien (davon 11% auf China), 10% auf Nordamerika und 2% auf Australien. Das verbliebene 1% entfiel auf Afrika, den Nahen und Mittleren Osten und Lateinamerika.


C. Drogenkonsum

übersicht: Geschätzte Gesamtzahl der Drogenkonsumenten* in den 90er Jahren

(jährliche Verbreitung, mindestens ein Drogenmißbrauch in den vergangenen zwölf Monaten)

 

geschätzte Gesamtzahl
(in Mio.)

Prozentsatz der GesamtBevölkerung

Heroin und andere Opiate

8,0

0,14%

Kokain

13.3

0,23%

Cannabis

141,2

2,45%

Halluzinogene

25m5

0,44%

Amphetaminartige Aufputschmittel

30,2

0,52%

Sedativa**

277,4

3,92%

Quelle: UNDCP, Fragebogen zum Jahresbericht, UNDCP-Schätzungen

________________________________________

* Die Zahlen lassen sich nicht zu einer Gesamtzahl der Drogenkonsumenten addieren, da der gleichzeitige Mißbrauch verschiedener Drogen ist in fast allen Ländern zu einem gemeinsamen Phänomen geworden ist. In mehreren Ländern liegt der geschätzte Gesamtkonsum illegaler Drogen um 1/3 höher als der gesamte Cannabiskonsum.

** Diese Zahl dürfte überschätzt sein. Die Gesamtzahl wurde aus einer kleinen Anzahl von Ländern hochgerechnet, aus denen dem UNDCP Berichte vorlagen.

Quellen: UNDCP-Fragebogen zum Jahresbericht, UNDCP-Einsatzberichte, UNDCP-Länderprofile und Länderprogramme, UNDCP-Schätzungen; Außenministerium der Vereinigten Staaten, Berichte zur internationalen Suchtstoffkontrollstrategie.

 

Heroin

  • Der weltweite Mißbrauch von Heroin stieg in den 80er und 90er Jahren, besonders in asiatischen Ländern, aber auch in Westeuropa und Teilen Afrikas und Lateinamerikas. Osteuropa und die Länder der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) erleben einen ähnlichen Trend.

  • Die Gesamtzahl der Heroinkonsumenten wurde für die 90er Jahre auf etwa 8 Millionen Menschen weltweit geschätzt (jährliche Verbreitung). Dies entspricht etwa 0,14% der WeltBevölkerung. Am weitesten verbreitet ist der Mißbrauch von Heroin in Europa, Asien und Ozeanien mit Verbreitungsraten von bis zu 0,2% der GesamtBevölkerung. Der Heroinmißbrauch in Südamerika und Afrika liegt unter dem weltweiten Durchschnitt.

 

Kokain

  • Die jährliche Verbreitung des weltweiten Kokainmißbrauchs betrifft schätzungsweise 13 Millionen Menschen oder 0,23% der WeltBevölkerung. Nordamerika hat bei weitem den größten Kokainmarkt. Allein in den Vereinigten Staaten betragen die jährlichen Ausgaben für den illegalen Ankauf von Kokain rund $30 Milliarden (Quelle: US-Regierung). Die jährliche Verbreitung von Kokain (1992-94) liegt bei 1,7% der Bevölkerung Nordamerikas, im Vergleich zu 0,2% in Europa. In Europa wird am meisten Kokain immer noch in Westeuropa konsumiert (0,35% der GesamtBevölkerung). Mißbrauchsraten in Südamerika (1,2%) liegen deutlich über dem weltweiten Durchschnitt. In Nordamerika und Westeuropa ist der Mißbrauch von Kokain mittlerweile weiter verbreitet als der Mißbrauch von Heroin.

 

Cannabis

  • Die jährliche Verbreitung von Cannabis-Mißbrauch betrifft schätzungsweise 2,4% der WeltBevölkerung. Cannabis-Mißbrauch ist eine weltweite Erscheinung, die weiter verbreitet ist, als der Mißbrauch von Kokain (0,23%) oder von Heroin (0,14%).

 

Amphetaminartige Aufputschmittel (ATS)

  • ATS nahm viel stärker zu als andere unerlaubte Substanzen in den 90er Jahren. Rund 30 Millionen Menschen (0,5% der WeltBevölkerung) mißbrauchen ATS. Dies ist eine höhere Zahl als bei Heroin oder Kokain. Im Ferner Osten wird Methamphetamin weitaus häufiger mißbraucht, als Kokain oder Heroin. In Europa sind ATS (besonders Amphetamin und “Ecstasy“) die am zweithäufigsten mißbrauchten illegalen Drogen nach Cannabis.

 


* Hinweise zu den Quellen:

Die vorliegende Unterlage faßt die weltweit gesammelten Daten über Herstellung, Handel und Mißbrauch von illegalen Drogen zusammen, die dem Internationalen Drogenkontrollprogramm der Vereinten Nationen (UNDCP) von den Regierungen zur Verfügung gestellt wurden. Diese Daten wurden ergänzt durch Informationen anderer internationaler Organisationen, wie Interpol, der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht, sowie nationaler Behörden, wie dem Außenministerium der Vereinigten Staaten. Informationen aus wissenschaftlichen Publikationen und, wo erforderlich, Schätzungen des UNDCP-Sekretariates wurden herangezogen um allfällige Datenlücken zu schließen. Die daraus resultierenden Angaben sind selbstverständlich nicht absolut präzise, aber sie dienen dem Zweck, wahrscheinliche Größenordnungen zu veranschaulichen. Es muß nicht eigens betont werden, daß Kenntnisse über geheime Drogenaktivitäten selbstverständlich immer nur vorläufiger Natur sind und daß die Tabellen ständig auf den neuesten Stand gebracht werden müssen.

 

Herausgegeben vom Internationalen Drogenkontrollprogramm der Vereinten Nationen (UNDCP).
Deutsche Fassung: Informationsdienst der Vereinten Nationen, Wien und Informationszentrum der Vereinten Nationen, Bonn – Mai 1998.


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