Drogen

 

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Presseunterlage Nr. 2


Kontrolle von chemischen Vorläufersubstanzen

Die illegale Herstellung, der illegale Handel, Verkauf und Mißbrauch von Drogen und die Abzweigung von Chemikalien aus dem legalen Handel zur Verarbeitung und Veredelung dieser Drogen ist in den letzten Jahren zu einem zunehmend ernsten Problem geworden. Die chemischen Vorläufersubstanzen sind eine gravierende Gefahr für die Gesundheit und die Stabilität der Gesellschaft. Wirksame Kontrollsysteme und geeignete Sanktionen sind daher erforderlich, um solche Aktivitäten zu verhindern und zu bestrafen.

für die illegale Herstellung von Amphetaminen und anderen synthetischen Drogen und für die Verarbeitung illegaler Drogen, wie zum Beispiel von Kokain und Heroin, wird eine Reihe von Vorläuferchemikalien benötigt. So wird beispielsweise Ephedrin oder Pseudoephedrin als Ausgangsmaterial für die illegale Herstellung von Methamphetamin verwendet. Diese Vorläufersubstanzen finden aber auch legale Verwendung. Ephedrin kommt häufig in Hustensäften vor und Pseudoephedrin ist in vielen rezeptfreien Nasensprays enthalten. Das zur Herstellung von Kokain erforderliche Azeton wird vielfach als Lösungsmittel für die Reinigung von Malpinseln oder die Produktion von Nagellackentfernern verwendet. Potassiumpermanganat, das zur Erhöhung des Reinheitsgrades bei der Kokainherstellung benötigt wird, kommt legal auch als Desinfektions- und Wasserreinigungsmittel zur Anwendung. Essigsaures Anhydrid, eine wichtige Substanz zur Herstellung von Heroin, kommt wiederum vielfach bei der Produktion von Kunststoffen und Medikamenten zum Einsatz.

Um die Abzweigung solcher Vorläufersubstanzen aus legalen Kanälen für die illegale Herstellung von Drogen zu verhindern, verfolgen nun immer mehr Länder den Handel mit diesen Substanzen im In- und Ausland, wie dies in der Konvention der Vereinten Nationen gegen den illegalen Handel mit Drogen und psychotropen Substanzen von 1988 vorgesehen ist. Viele Länder tauschen Informationen aus, um die Rechtmäßigkeit von Chemietransporten zu kontrollieren und beschlagnahmen verdächtige Sendungen. Die Länder machen sich gegenseitig und den Internationalen Suchtstoffkontrollrat (INCB) auf versuchte und tatsächliche Abzweigungen von Vorläufersubstanzen aufmerksam, um dem illegalen Handel den Weg in andere Länder abzuschneiden, die allenfalls für illegale Transaktionen vorgesehen sind.

Diese Maßnahmen konnten bereits große Erfolge verbuchen. Der Einführung strengerer Kontrollen hat dazu geführt, daß allein in Nordamerika jährlich illegale Abzweigungen von bis zu 250 Tonnen Ephedrin und Pseudoephedrin verhindert werden konnten. Mit dieser Menge hätte man mehr als 160 Tonnen Methamphetamin – das sind rund 15 Milliarden Einheiten - illegal herstellen können. 1996 konnten durch entsprechende Regierungsmaßnahmen 360 Tonnen essigsaures Anhydrid beschlagnahmt werden, die für die illegale Heroinherstellung bestimmt waren. Diese Menge hätte für die Produktion von 150 Tonnen Heroin gereicht. Damit wurde ein beträchtlicher Teil jener Chemikalien erfaßt, die derzeit für die Herstellung des insgesamt auf dem illegalen Markt befindlichen Heroins (schätzungsweise 430 bis 530 Tonnen) benötigt wird.

Viele Regierungen verfügen allerdings noch nicht über die erforderlichen Ressourcen oder Kapazitäten, um feststellen zu können, ob die Importe und Exporte von Vorläufersubstanzen legalen Zwecken oder der Herstellung illegaler Drogen dienen. Deshalb werden noch immer solche Chemikalien in großer Menge für die illegale Drogenproduktion in geheimen Labors abgezweigt. Das Problem wird dadurch erschwert, daß viele Lieferungen durch Drittländer erfolgen, um ihren tatsächlichen Verwendungszweck oder ihr Zielland zu verschleiern und um bestehende Lücken in den Kontrollen bewußt auszunützen. Da einige der in der Konvention von 1988 aufgeführten Chemikalien durch die Einführung von Kontrollen nunmehr schwieriger erhältlich sind, versuchen die Drogenhändler, neue Chemikalien als Substitute für die kontrollierten Substanzen zu bekommen, oder neue Herstellungsmethoden anzuwenden, die ohne die kontrollierten Chemikalien auskommen.

Es kann aber noch mehr getan werden, um die Abzweigung von Vorläufersubstanzen aus dem legalen Handel zu unterbinden. Die internationale Gemeinschaft wurde im Wege der Vereinten Nationen und des INCB zunehmend in die konzertierten, weltweiten Maßnahmen einbezogen, um die für die illegale Drogenherstellung verfügbare Menge an Vorläufersubstanzen zu verringern.

Die Generalversammlung der Vereinten Nationen wird in einer Sondertagung zum Weltdrogenproblem den Entwurf einer Erklärung zur Stärkung der Kontrolle über Vorläufersubstanzen erörtern. In diesem Text sollen die Mitgliedstaaten von der Generalversammlung ersucht werden,

  • die überwachung des Handels mit Vorläufersubstanzen durch regelmäßigen Informationsaustausch zwischen den Export-, Import- und Transitländern zu verbessern und multilaterale Vereinbarungen zur Förderung eines raschen und zeitgerechten Informationsaustauch zu unterstützen, um Abzweigungen zu verhindern. Dieser Informationsaustausch wird als Schlüssel für eine wirksame Kontrolle der Vorläufersubstanzen angesehen.
  • Mechanismen zum Nachweis der Rechtmäßigkeit von kommerziellen Transaktionen zu entwickeln, einschließlich der Benachrichtigung der Importländer über geplante Importe, bevor diese stattfinden, für: (a) Vorläufersubstanzen, die für die illegale Herstellung von Amphetaminen und amphetaminartigen Aufputschmitteln (ATS) verwendet werden; und für (b) wichtige Chemikalien wie essigsaures Anhydrid und Potassiumpermanganat, die für die illegale Verarbeitung von Heroin und Kokain verwendet werden.
  • die Verabschiedung von Gesetzen zu Fördern, die für die strikte Einhaltung der Konvention von 1988 sorgen; insbesondere sollen Maßnahmen zur überwachung des internationalen Handels mit Vorläufersubstanzen eingeführt werden. Die von den Staaten zu ergreifenden erforderlichen Maßnahmen zur Verhinderung der Abzweigung solcher Substanzen sind nur aufgrund entsprechender gesetzlicher Grundlagen oder wirksamer Kontrollsysteme zur überwachung der Handelsbewegungen von Vorläufersubstanzen möglich.
  • wirksame Einrichtungen zu schaffen, um Daten über die legale Produktion von Substanzen und deren Handel zu erhalten. Diese Information ist für die Abklärung der Rechtmäßigkeit einzelner Transaktionen von entscheidender Bedeutung.
  • technische Hilfsprogramme und den Austausch von Erfahrungen in Polizei-, Zoll- und anderen Ermittlungen, sowie im Abfangen, Aufdecken und Kontrollieren von Abzweigungen von Chemikalien zu Fördern, um die weltweite Zusammenarbeit bei der Kontrolle der Vorläufersubstanzen zu erleichtern.
  • zivil-, straf- und verwaltungsrechtliche Maßnahmen zu ergreifen, um ungesetzliches Verhalten von Einzelpersonen oder Unternehmen zu bestrafen, die in die Abzweigung von chemischen Vorläufersubstanzen verwickelt sind; und
  • Informationen über nichtkontrollierte Chemikalien, die in der illegalen Drogenherstellung und im Drogenhandel verwendet werden, zu sammeln und darüber dem INCB zu berichten, damit dieser eine Liste solcher Substanzen, die international überwacht werden sollten, erstellen und den Staaten die notwendigen Maßnahmen zur Verhinderung ihrer Verbreitung empfehlen kann.

 

Für weitere Information wenden Sie sich bitte an:
Bill Hass
Development and Human Rights Section
United Nations
Department of Public Information
Room S-1040
New York, NY 10017, USA
Tel.: (212) 963-0353/3771
Fax.: (212) 963-1186
Sandro Tucci
External Relations Unit
United Nations International Drug Control Programme
Vienna International Centre
A-1400 Vienna, Austria
Tel.: (43-1) 21345-5629
Fax.: (43-1) 21345-5931

 

Herausgegeben vom Internationalen Drogenkontrollprogramm der Vereinten Nationen (UNDCP).
Deutsche Fassung: Informationsdienst der Vereinten Nationen, Wien und Informationszentrum der Vereinten Nationen, Bonn – Mai 1998.


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