Drogen


UNIC/INCB/25
23. Februar 1999

INCB-Jahresbericht 1998
Hintergrundinformation Nr. 3

Mißbräuchlich verwendete Drogen

Im folgenden finden Sie eine Zusammentellung verschiedener Fachausdrücke, die der Informationsdienst der Vereinten Nationen in Wien zusammengestellt hat. (Die hier verwendeten deutschen Bezeichnungen stellen keine offizielle übersetzung oder Definition dar.)

Drogenmißbrauch: Nach den Bestimmungen der Drogenkonventionen der Vereinten Nationen stellt die Einnahme von Drogen ohne medizinische Indikation generell einen Mißbrauch dar.

Methoden der Drogenanwendung: Drogen werden inhaliert, geraucht oder eingenommen; ferner werden sie subkutan, intramuskulär oder intravenös injiziert. Die Anwendungsart hängt von der Art der Droge, den Vorlieben des Drogenabhängigen und dem Einfluß von Traditionen ab.

Mehrfacher Drogenmißbrauch: Dies bedeutet entweder gleichzeitiger oder aufeinanderfolgender Mißbrauch mehrerer Substanzen je nach Verfügbarkeit.

Unter Vorläufersubstanzen versteht man Substanzen, die selbst nicht notwendigerweise Drogen sind, aber auf verschiedene Art und Weise bei der Herstellung von Suchtstoffen oder psychotropen Substanzen verwendet werden. Je nach ihren wesentlichen chemischen Eigenschaften können sich Vorläufersubstanzen mit anderen Substanzen zu einer Droge (oder einer Zwischenform davon) verbinden oder als Lösungsmittel (zum Beispiel bei der Drogenherstellung) oder Säure (zur Bildung von Salz in den Drogen) dienen. Die Konvention von 1988, durch die 22 Vorläufersubstanzen unter Kontrolle gestellt wurden, verwendet den Ausdruck “Vorläufer“ nicht sondern spricht von Stoffen, die “häufig bei der illegalen Herstellung von Suchtstoffen oder psychotropen Substanzen verwendet werden“. Wenngleich technisch nicht korrekt, ist es doch üblich geworden, all diese Substanzen als Vorläufer zu bezeichnen.

Mißbräuchlich verwendete Drogen: Die medizinische, pharmakologische und rechtliche Definition von Suchtstoffen und psychotropen Substanzen kann unterschiedlich sein. Der Internationale Suchtstoffkontrollrat verwendet die rechtlichen Begriffe dieser Fachausdrücke für Kontrollaufgaben. Daher sind Suchtstoffe jene, die von dem Einheitsabkommen über Suchtstoffe aus 1961 erfaßt werden, während die psychotropen Substanzen in der Konvention über psychotrope Substanzen des Jahres 1971 aufgelistet sind. Psychoaktive Substanzen sind solche, die stimmungs und verhaltensändernde Wirkungen haben, ob sie nun von den Konventionen erfaßt werden oder nicht. Die Konventionen unterscheiden nicht zwischen “weichen“ und “harten“ Drogen und wenden diese Bezeichnung auch nicht an. Andere Drogen und Substanzen, die entweder ganz oder teilweise außerhalb der internationalen Kontrolle stehen, werden ebenfalls mißbräuchlich verwendet.

A. Suchtstoffe

Zurzeit unterliegen mehr als 116 Suchtstoffe der Kontrolle durch die Konvention von 1961. Dazu gehören Opium und seine Derivate – Morphin, Kosein und Heroin – und synthetische Suchtstoffe wie Methadon und Pethidin; ferner Cannabis und Kokain.

Opiate

- Opium ist der geronnene Saft der unreifen Kapsel der Mohnpflanze.

- Schlafmohn heißt die Pflanze aus der Art papaver somniferum L.

- Mohnstroh sind alle Teile des Schlafmohns (außer der Saatkörner), die nach dem Mähen übrigbleiben.

- Morphium ist die wichtigste aktive Komponente des Opiums. Opium enthält etwa 10 Prozent Morphium. Morphine können entweder aus dem Opium oder direkt aus dem Stroh des Schlafmohns gewonnen werden. Spuren von Morphium werden auch in anderen Pflanzenarten gefunden.

- Heroin (Diacetylmorphium) wird durch einen chemischen Prozeß namens Acetylation aus dem Morphium gewonnen. Chemikalen wie Säureanhydrid und Acetylchlorid sind für diesen Prozeß Voraussetzung.

- Kodein (Methylmorphium) ist ein chemisches Derivat des Morphiums. Es kommt in Opium in schwacher Konzentration (etwa 0.5 Prozent) vor.

Kokablatt und Kokain

- Unter Kokabusch versteht man jede Pflanze, die einer Art der Gattung Erythroxylon angehört, eines immergrünen Strauches.

- Kokablatt ist das Blatt des Kokabusches, ausgenommen ein Blatt aus dem Ecgonin, Kokain und alle anderen Ecgonin-Alkaloide entfernt worden sind. Die Blätter werden getrocknet und als Aufputschmittel gekaut.

- Kokain ist ein Alkaloid des Kokabusches, das aus den Blättern mit Hilfe eines Lösungsmittels wie Kerosin oder Petroleum gewonnen wird.

- Kokapaste ist ein Zwischenprodukt bei der Herstellung von Kokain. Es enthält gewöhnlich eine unreine Mischung aus Kokainsulfat und anderen Alkaloiden sowie Rückstände aus Pflanzenmaterial. Es wird normalerweise geraucht.

- Kokainhydrochlorid ist die am häufigsten vorkommende Form von Kokain. Es wird durch die Behandlung der gereinigten Kokapaste mit Hydrochlorsäure hergestellt. Es wird inhaliert und injiziert.

- Crack ist eine rauchbare Form des Kokains, das durch die Umwandlung von Kokainhydrochlorid in Kokainbase produziert wird, wobei ein alkalisches Hilfsmittel wie Backpulver oder Ammoniak verwendet wird. Die Wirkungen von Crack entsprechen jenen des Rauchens von Kokapaste oder des Inhalierens oder Injizierens von Kokainhydrochlid, sind jedoch stärker.

Cannabis

- Cannabispflanze nennt man jede Pflanze der Gattung Cannabis (Hanf). Sie besteht aus den Wurzeln, dem Stamm, den Blättern, den Saatkörnern und den Blüten, die ein starkes Harz absondern. Die aktive Substanz in allen Teilen ist das Tetrahydrocannabinol (THC). Die Konzentration von THC ist je nach dem Teil der Pflanze sehr unterschiedlich; eine weitere Rolle spielt die Art und Region des Anbaus.

- Cannabis, in Bezug auf die Konvention von 1961 wird als die “blühenden oder früchtetragenden Spitzen der Cannabis-Pflanze (unter Ausschluß der von den Spitzen getrennten Samen und Blätter)“ bezeichnet, “aus denen noch kein Saft gewonnen wurde“.

- Cannabisharz ist ein gesondertes Harz, das roh oder gereinigt aus den Blütenspitzen gewonnen wird. Es wird manchmal als Haschisch bezeichnet, obwohl dieser Ausdruck auch für die festen Teile der Blütenspitzen der Cannabispflanze verwendet wird.

- Marihuana bezieht sich auf die Cannabisblätter, die manchmal mit den Blütenspitzen gemischt werden, um die Stärke der Droge zu erhöhen.

- Cannabisöl ist ein aus den Spitzen und dem Harz gewonnener Extrakt mit einer hohen Konzentration von THC.

B. Psychotrope Substanzen

Durch die Konvention von 1971 wurden 105 psychotrope Substanzen unter Kontrolle gestellt. Die meisten davon sind in pharmazeutischen Produkten enthalten und wirken auf das zentrale Nervensystem. Die Konvention umfaßt Halluzinogene, Aufputschmittel, Sedativa, Beruhigungsmittel, Anti-Epileptika und Analgetika.

Halluzinogene

Halluzinogene sind eine chemisch unterschiedliche Gruppe von Drogen, die tiefreichende seelische Veränderungen wie Euphorie, Angst, Sinnestäuschungen, lebhafte visuelle und akustische Halluzinationen, Veränderungen im Verhalten, Illusionen, paranoide Reaktionen, Depressionen und ein Gefühl des Identitätsverlustes auslösen. Dazu zählen Meskalin (gewonnen aus dem Peyote-Kaktus), MDMA (3-4-Methylenedioxymethamphetamine) (“Ecstasy“) und das allgemein bekannte Lysergsäurediethylamid (LSD).

Aufputschmittel

Amphetamine sind der Prototyp der Aufputschmittel. Sie sind in gewisser Weise pharmakologisch dem Kokain verwandt. Wie Kokain verfügen sie über die Fähigkeit, die Stimmung zu heben sowie Müdigkeit und Hungergefühl zu überwinden. Amphetamine werden gewöhnlich geschluckt, doch können Methamphetamin in kristalliner Form (bekannt als “Eis“) so wie “Crack“ geraucht werden. Fenetyllin, Cathin und Pemolin sind Beispiele für international kontrollierte Aufputschmittel.

Beruhigungsmittel, Sedativa und Hypnotika

Diese auf das zentrale Nervensystem einwirkenden Drogen wurden zur Herbeiführung von Verhaltensänderungen geschaffen. Beinahe alle Beruhigungsmittel, die heute unter internationaler Kontrolle stehen, gehören zur pharmakologischen Gruppe der Barbiturate oder Benzodiazepine. Diese Drogen sind Sedativa und wirken in höheren Dosen schlaffördernd.

Analgetika

Dabei handelt es sich um Drogen, die hauptsächlich zur Schmerzlinderung gedacht sind. Opium und seine Derivate wie Morphium gehören zu den stärksten Analgetika. Es gibt aber auch andere Analgetika wie Fentanyl, Pethidin und Aspirin. Aspirin unterliegt nicht der internationalen Kontrolle, aber die meisten Nicht-Opium-Analgetika werden von der Konvention von 1961 erfaßt. Einige Analgetika wie Buprenorphin und Pentazocin werden mit Hilfe der Konvention von 1971 kontrolliert.

C. Andere mißbräuchlich verwendete Drogen und Substanzen Inhalationsmittel

Inhalationsmittel sind verschiedene sich verflüchtigende Chemikalien, die psychoaktive Dämpfe erzeugen. Sie gehören zu einer Reihe allgemein verbreiteter Produkte wie Aerosole, Benzin, bestimmte Arten von Klebstoff, Lösungsmittel und Butylnitrite (“Raumluftverbesserer“). Diese Stoffe unterliegen nicht der internationalen Kontrolle.

Kat

Kat (Catha Edulis) ist eine wildwachsende Pflanze, die in bestimmten Regionen von Ostafrika und der arabischen Halbinsel vorkommt. Ihre Blätter werden wegen ihrer aufputschenden Eigenschaften gekaut. Zunehmende Mengen von gefriergetrocknetem, vakuumverpacktem Kat werden nach Europa und andernorts transportiert, wo es meistens von Angehörigen der Herstellerländer konsumiert wird. Einige Länder haben Maßnahmen zur Beschränkung des Importes oder auch des Konsums von Kat ergriffen. Kat unterliegt gegenwärtig nicht der internationalen Kontrolle.

Designerdrogen

Designerdrogen werden in Laboratorien entwickelt. Dabei werden die chemischen Strukturen kontrollierter Ausgangssubstanzen verändert, um neue Bestandteile mit pharmakologisch ähnlichen Eigenschaften wie jene der Ausgangssubstanzen herzustellen. Oft werden dadurch diese Eigenschaften sogar verstärkt. Die ursprüngliche Absicht der Erzeugung von Designerdrogen war es, durch die Abänderung der chemischen Struktur der Ausgangsdrogen das neue Produkt der legalen Kontrolle zu entziehen. Fentanyl und MDMA (Ecstasy) waren Designerdrogen, die nunmehr aber kontrollierte Stoffe gemäß der Konventionen von 1961 und 1971 sind.

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zur Information - kein offizielles Dokument


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