Drogen


UNIC/INCB/22
23. Februar 1999

INCB-Jahresbericht 1998
Pressemitteilung Nr. 5

Illegalen Drogenlabors gehen die Chemikalien aus

Behörden verhinderten Verschwinden von 60 großen Chemietransporten in illegale Kanäle

WIEN, 23. Februar 1999 (UNO-Informationsdienst) -- – Die Zahl der Chemikalientransporte, die von Behörden gestoppt werden konnten, bevor sie illegale Drogenhändler erreichten, hat sich nach dem diesjährigen Bericht des INCB erheblich erhöht.

Die Transporte von Vorläufersubstanzen, die Drogenhändler zur Herstellung illegaler Drogen benötigen, stieg von drei berichteten Fällen im Jahr 1994 auf etwa 60 Fälle im Jahr 1997 an. Dies war vor allem möglich, weil Regierungen ihre Anstrengungen auf die Entdeckung neuer Methoden und Routen konzentrierten, die Drogenhändler zur Beschaffung und zum Transport von Substanzen benützen.

Rund 141 Tonnen der Vorläufersubstanzen Ephedrin und Pseudoephedrin -- beide benötigt man für die Methamphetaminherstellung -- wurden allein 1997 vor ihrer Abzweigung sichergestellt. Das ist der größte Teil der insgesamt 200 Tonnen, die seit 1994 vor der Abzweigung in den Drogenhandel bewahrt wurden. Händler versuchen weiterhin an Ephedrin zu gelangen, haben aber Berichten zufolge Engpässe in beispielsweise Südostasien und Nordamerika.

Insgesamt 4.000 Tonnen der Lösungsmittel Methyl-Ethyl-Keton, Azeton und Toluen, die für die Produktion von rund 250 Tonnen Kokain verwendet worden wären, gelangten seit 1994 nicht mehr auf illegale Handelsrouten. Rund 84 Tonnen P2P (1-Phenyl-2-Propanon), genug für 40 Tonnen Amphetamine, und MDP-2-P (3,4-Methylenedioxyphenyl-2-Propan), was für 25 Tonnen MDMA oder “Ecstasy“ gereicht hätte, konnten im selben Zeitraum auf dem Weg zu ihren Händlern konfisziert werden.

Noch vor zehn Jahren dachte man, es wäre unmöglich, diese Chemikalien so effektiv wie heute zu kontrollieren. Eine steigende Zahl nationaler Behörden verhindern nun sogar die Abzweigung üblicher Chemikalien, die in großen Mengen für viele rechtmäßige Verwendungszwecke gehandelt werden.

In ungefähr 40 Prozent der bekannten Fälle haben Behörden die Abzweigung solcher Chemikalien durch überprüfung der Transaktionen durch den Rat noch vor dem Transport verhindert. Die Regierungen der exportierenden Länder senden regelmäßig Vorankündigungen für Substanzen gemäß den Drogenverträgen an die Regierungen des Importlandes oder an INCB. Das hat viele Fälle von Abzweigungen verhindert. Auch die Industrie hat die Behörden wegen verschiedener verdächtiger Bestellungen von Chemikalien gewarnt.

Eine rasch steigende Zahl nationaler Behörden kontrolliert heute systematisch noch vor dem Transport ihre Rechtmäßigkeit oder tauscht Informationen über verdächtige Fälle aus.

Strengere Kontrolle der wichtigsten Chemikalien

Die Regierungen kamen beim Entwurf des Drogenkontrollvertrages 1988 überein, daß bestimmte Chemikalien, welche für die Produktion von Heroin, Kokain und synthetischen Drogen wie Aufputschmittel von entscheidender Bedeutung sind, international kontrolliert werden sollten.

Jetzt, zehn Jahre nach dem Inkrafttreten des Vertrages von 1988, haben die Regierungen erkannt, daß strenge Kontrollen auch auf gewöhnliche Industriechemikalien, wie Kaliumpermanganat und Essigsäure, ausgedehnt werden können.

Rund 112 Tonnen Kaliumpermanganat wurden 1997 in Nord- und Südamerika beschlagnahmt – der größte Fund dieser Chemikalie, der jemals in dieser Region gemacht wurde und mehr als in den letzten vier Jahren insgesamt gefunden wurde.

Wachsende Mengen Essigsäure wurden im letzten Jahr in Asien beschlagnahmt, 16 Tonnen durch usbekische Behörden auf dem Weg von China nach Afghanistan und 10 Tonnen in Pakistan, aus Deutschland kommend.

Um die Beschlagnahmen solcher Chemikalien, die für die Abzweigung vorgesehen waren, weiter voran zu treiben, hat die Generalversammlung auf ihrer Sondersitzung im Jahre 1998 beschlossen, daß auf Anfrage des Importlandes Vor-Exportankündigungen für Kaliumpermanganat und Essigsäure ausgestellt werden müssen.

Der Rat drängt alle Regierungen, möglichst rasch Kontrollen für gewöhnliche Chemikalien zu erstellen, insbesondere für Kaliumpermanganat und Essigsäure. Beschlagnahmen haben nämlich gezeigt, daß Händler Länder mit strengen Kontrollen meiden, indem sie ihre Routen einfach ändern.

Schließen von Schlupflöchern für nichtkontrollierte Chemikalien

Infolge der strengeren Kontrollen haben Händler neue möglichkeiten gefunden, Drogen mit Chemikalien herzustellen, welche noch nicht durch den Vertrag von 1988 überwacht werden. Zudem hat man sogenannte analoge Drogen entwickelt, für die man Chemikalien benötigt, die noch nicht international kontrolliert werden.

Um den Behörden zu helfen, stellte der Rat im vergangenen Jahr eine spezielle überwachungsliste von Substanzen zusammen, die nicht im Drogenvertrag von 1988 verzeichnet sind und eine Reihe von empfohlenen überwachungsmaßnahmen, wie sie vom Wirtschafts- und Sozialrat 1996 gefordert wurden. Dies bedeutet flexiblere und schnellere Reaktionen auf entstehende Trends.

Der Rat berichtet, daß bereits 148 Länder und die Europäische Union Vertragsparteien der Konvention von 1988 sind und daß eine steigende Zahl von Regierungen die illegalen Händler bekämpft. Die meisten großen Herstellerländer sowie Export- und Importnationen sind Vertragsparteien der Konvention von 1988. Einige der Nichtteilnehmer, wie Südafrika und die Schweiz, haben konkrete Schritte zur Kontrolle illegaler Drogen gemäß diesem Vertrag unternommen.

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Anhang

Vorläufersubstanzen und wichtige Chemikalien zur Herstellung illegaler Drogen werden durch die Konvention von 1988 gegen den illegalen Handel mit Suchtstoffen und psychotropen Substanzen kontrolliert. INCB überwacht die Einhaltung der Verträge durch die Länder und hilft den Regierungen bei der Identifizierung verdächtiger Transaktionen und beim Setzen geeigneter Handlungen. Herkömmliche Drogen und die für ihre Herstellung erforderlichen Chemikalien sind:

Heroin: ein narkotisches Analgetikum, welches aus der Mohnpflanze (Papaver somniferum) gewonnen wird. Es entsteht bei der Reaktion von Morphium aus Opiumextrakt mit Essigsäure. Das Straßenprodukt ist zumeist ein weißes, gedeckt-weißes oder hellbraunes Pulver. Essigsäure ist eine weltweit legal hergestellte Chemikalie mit einer Vielzahl legaler Verwendungsmöglichkeiten, wie etwa der Produktion von Pharmazeutika oder Plastik.

Kokain: ein starkes Aufputschmittel. Hauptsächlich ein geruchloses, weißes, kristallines Pulver, daß beim Schnupfen durch die Nasenschleimhaut absorbiert wird. “Crack“ ist eine weitere Form von Kokain, das speziell zum Rauchen erzeugt wird. Kokain wird von den Kokablättern extrahiert und mit Hilfe von Lösungen wie Aceton und Methyl-Ethyl-Keton gereinigt. Aceton ist ein gewöhnliches Lösungsmittel, das z.B. für die Reinigung von Pinseln verwendet wird und in Nagellackentfernern enthalten ist. Methyl-Ethyl-Keton ist ein Lösungsmittel, das in der Produktion von Klebstoff und Tinte Anwendung findet. Kaliumpermanganat wird weitverbreitet als Desinfektions- und Bleichmittel oder Wasserreinigungsmittel genutzt.

“Ice“ (oder “Shabu“): ist pulverisiertes Methamphetamin-Hydrochlorid (die herkömmliche Form), umgewandelt in große Kristalle. Es ist ein starkes Aufputschmittel. Mißbrauch von “Ice“ ist vor allem in Asien weit verbreitet. In Nordamerika und Europa wird Methamphetamin im allgemeinen in pulverisierter Form durch die Nase (,Chrystal‘ oder ,Meth‘) oder in Tablettenform konsumiert. Es wird verbotenerweise mit Ephedrin oder Pseudoephedrin als Grundsubstanz hergestellt. Die verwandte psychotrope Substanz Amphetamin, die in Europa häufig mißbraucht wird, entsteht bei der illegalen Verwendung von 1-Phenyl-2-Propan (P-2-P). Ephedrin wird entweder synthetisch oder aus der weltweit vorkommenden Ephedra-Pflanze gewonnen. Es ist in vielen Hustenmedikamenten enthalten. Pseudoephedrin ist vielfach in leicht erhältlichen Nasensprays oder -tropfen enthalten. 1-Phenyl-2-Propan wird in der pharmazeutischen Industrie verwendet, um legal Amphetamine und Metamphetamine oder Folgeprodukte herzustellen.

Ecstasy: ist der Name für eine Reihe von illegal hergestellten Drogen in Verbindung mit 3,4-Methylendioxymethamphetamin (MDMA). Ecstasy wird unter Verwendung verschiedener Startsubstanzen, wie etwa Safrol, Isosafrol, 3,3-Methylendioxyphenyl-2-Propan (MDP-2-P) und Piperonal, erzeugt. MDP-2-P wird in der Aromaindustrie und zur Erzeugung von Parfumzusätzen verwendet.

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zur Information - kein offizielles Dokument


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