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INCB-Jahresbericht 1998 Weltweite Drogenkontrolle erfolgreich Suchtstoffkontrollrat warnt vor fragwürdigen Vertriebs- und Verschreibungspraktiken WIEN, 23. Februar 1999 (UNO-Informationsdienst) -- Während internationale Verträge die weitere Ausbreitung des Drogenproblems verhindert haben, liegen künftige Herausforderungen in der Kontrolle computerunterstützt hergestellter illegaler Substanzen, im regelmäßigen Mißbrauch von Verschreibungen psychotroper Substanzen und im verbreiteten Gebrauch von Cannabis. Laut dem neuesten INCB-Bericht haben neue Technologien die Anstrengungen der Drogenkontrolle bedeutend unterstützt, doch haben illegale Drogenhändler diese Fortschritte auch für sich auszunutzen gewußt. Dealer können neue Drogen einfach durch Manipulation von Molekülen am Computer kreieren oder lernen die Herstellung illegaler Substanzen durch das Internet. Mittlerweile können illegale Drogen schon durch Einrichtungen wie das World Wide Web unter geringem Risiko gehandelt werden. Der INCB-Bericht fordert daher die Regierungen dringend auf, eng mit Internetanbietern, sozialen Gruppen, Familien und dem Bildungsbereich zusammenzuarbeiten, damit diese Technologien nicht zur Verbreitung von Drogen mißbraucht werden. Ein weiteres großes Problem für die weltweite Drogenkontrolle ist die geringe Verfügbarkeit einzelner Substanzen wie Morphin, Codein und anderer schmerzstillender Opiate, vor allem in Entwicklungsländern. Der durchschnittliche tägliche Bedarf in den 20 Ländern mit dem höchsten Verbrauch (1992 bis 1996) betrug 17.450 DDD (Defined Daily Dosis - Tagesration) je einer Million Personen, verglichen mit nur 184 DDD je einer Million Personen in den 20 Ländern mit dem geringsten Verbauch. Dieser große Unterschied im Gebrauch ist auch bei psychotropen Substanzen und bewußtseinsverändernden Medikamenten, wie etwa Stimulianzien oder Benzodiazepine (Bennies), vorhanden. Der hohe Pro-Kopf-Verbrauch diverser psychotroper Substanzen in den Industrieländern könnte bedeuten, daß diese ohne ordentliche medizinische Diagnose genommen würden, argumentiert der Bericht. Ebenso wird angenommen, daß diese Drogen in Entwicklungsländern aufgrund der Angebotsknappheit von Medikamenten auf Schwarzmärkten gehandelt werden. Suchtstoffe oder psychotrope Substanzen werden auch auf fragwürdigem Weg als Nahrungsmittel sowie Diätnahrung vertrieben. Es wurden sogar Versuche unternommen, Drogenkontrollbemühungen zu umgehen, indem man Lücken in der nationalen Medikamentengesetzgebung für Produkte ausnutzte, welche psychoaktive Substanzen enthalten. Der Bericht weist ferner auf den weitverbreiteten Mißbrauch von Cannabis in buchstäblich allen Ländern hin. Das Einheitsabkommen von 1961, das die Nutzung von Cannabis und ähnlicher Substanzen mit geringem medizinischen Wert aber hohem Mißbrauchspotential auf medizinische Zwecke einschränkt, muß daher konsequent angewandt werden. Anti-Cannabis-Kampagnen sollten die Gefahren dieser Droge verdeutlichen und den falschen Eindruck vor allem Jugendlicher von der Droge korrigieren. Zudem sollten die Regierungen Forschungen über diese Droge unterstützen. Erfolge bei der Einschränkung des weltweiten Drogenmißbrauchs Internationale Verträge haben die Abzweigung legaler Drogen in den illegalen Handel fast vollständig gestoppt. Auch der Mißbrauch dieser Substanzen hat die Ausmaße, die in einzelnen Ländern um die Jahrhundertwende herrschten, nicht mehr erreicht. Die Kontrolle psychotroper Substanzen war vor allem aufgrund fehlender strenger Vorschriften mit Rücksicht auf ökonomische Interessen weniger erfolgreich. Allerdings ist die Anzahl der Verschreibungen von Barbituraten und anderer Hypnotika in manchen Ländern stellen sie die am häufigsten gebrauchte Droge bei Selbstmord dar sowie von Amphetaminen seit dem Abkommen von 1971 merkbar gesunken. Die Verschreibung größerer Mengen von Amphetaminen - etwa zur Behandlung von Depressionen oder Fettleibigkeit - wird heutzutage zudem als ungeeignet betrachtet. Der Internationale Drogenvertrag von 1988 hat konkrete Vorgehensweisen gegen den illegalen Handel und Mißbrauch von Drogen gebracht. Dazu zählen die rechtliche Zusammenarbeit, Auslieferungsabkommen für Drogenhändler, kontrollierte Lieferungen und Aktionen gegen das Weißwaschen von Drogengeldern. Chemikalien für die Produktion von Drogen werden als Folge des Vertrages von 1988 wesentlich besser kontrolliert. Der Vertrag kontrolliert beispielsweise die Vorläufersubstanzen Ergotamin, Ergometrin und Ephedrin. Das hat die Produktion von Millionen Einzelrationen von LSD und Methamphetamin sowie anderen amphetaminartigen Stimulanzmitteln verhindert. Der Vertrag von 1988 kontrolliert und überwacht auch chemische Reaktionsmittel und Lösungsmittel, wie etwa Essigsäure oder Kaliumpermanganat. Das ermöglichte es den SicherheitsBehörden, Laboratorien für die illegale Herstellung von Heroin und Kokain ausfindig zu machen. Der Bericht hält fest, daß die Regierung nun offenbar entschiedener gegen Drogenmißbrauch vorzugehen scheinen. Der Vertrag von 1988 trat innerhalb von nur zwei Jahren in Kraft, verglichen mit fünf Jahren beim Vertrag von 1971. Die weltweite Beitritt zu den Verträgen ist in naher Zukunft möglich. Die Staaten entsprechen zusehends allen drei Verträgen, welche die Basis für nationale Drogenkontrollstrategien in der Mehrheit der Länder bilden. Ein besseres Verständnis der Probleme im Zusammenhang mit Drogen hat zudem die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Berufsgruppen und den nationalen Behörden beschleunigt. Ohne internationale und nationale Gesetze wäre der nichtmedizinische Gebrauch von Drogen auf das Niveau von anderen psychoaktivem Substanzen ohne wirksame Kontrollen, wie etwa Alkohol oder Tabak, angestiegen. Diese zwei Substanzen töten jährlich Millionen von Menschen und führen zu zahlreichen Arten krimineller Handlungen. Verhindern von Suchtepidemien der Vergangenheit Ohne internationale Drogenkontrollen hätten Suchtepidemien, die in einzelnen Ländern in den ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts vorherrschten, angehalten und sich auf weitere Staaten ausgebreitet. Der Erfolg der Verträge widerlegt Annahmen, daß die Gesellschaft Geld sparen könnte, indem sie Drogenkontrollen in die unsichtbare Hand des Marktes legt - so als würde man die Vermeidung von Autounfällen oder die Behandlung von Infektionskrankheiten rein unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sehen. Der unkontrollierte Verkauf von Pharmazeutika in den USA vor der Annahme des Harrison-Act von 1914, ermöglichte es großen Mengen nicht-verschriebener Drogen auf den Markt zu gelangen. Lediglich drei bis acht Prozent des in New York, Boston und anderen großen Städten verkauften Kokains, wurde für medizinische Zwecke genutzt, geht aus einem Bericht von 1902 hervor. Die Zahl patentierter Medikamente mit geheimen Zutaten betrug 1905 schätzungsweise 50.000, wobei ein großer Teil dieser Produkte Kokain, Opium, Morphium oder andere gefährliche Drogen enthielt. Laut einem Regierungsbericht betrug die Anzahl der Todesfälle durch Kokain- oder Heroinmißbrauch in den USA im Jahr 1905 rund 5.000, vor allem aufgrund des leichten Zugangs zu diesen Drogen. Weiters schreibt der Bericht, daß 1914 mehr als 1.000 Produzenten Erzeugnisse vertrieben, die entweder Opium, Morphium, Heroin oder Kokain enthielten und daß ungefähr 90 Prozent der Narkotika für nicht-medizinische Zwecke verwendet wurden. Großbritannien und andere Kolonialmächte zwangen China zur Aufgabe seiner Bemühungen den Opiumhandel einzudämmen in Folge des Opiumkrieges Mitte des 19. Jahrhunderts, als Opiumimport legal wurde und der Handel zwischen der britischen Kolonie Indien und China zu florieren begann. 1906 wurden 30.000 Tonnen Opium innerhalb des Landes produziert, 3.500 Tonnen wurden importiert. Der damalige Konsum in China allein betrug schätzungsweise 3.000 Tonnen morphiner Mittel oder sogar mehr, während man heute weltweit 230 Tonnen für den medizinischen Gebrauch benötigt und der illegale Handel von Opiaten etwa 380 Tonnen ausmacht. Die eigene Produktion sank und die Importe aus Indien hörten 1914 auf. Einzig Schmuggelware gelangte noch nach China, um die dortigen zehn Millionen Süchtigen bei einer Bevölkerung von damals 450 Millionen zu versorgen. Die Sucht nach Opiaten ist nach wie vor ein ernstes Problem, aber weit weniger verbreitet als früher, als Narkotika frei zugänglich waren. Drogenepidemien wie damals sollten sich nicht wiederholen dürfen, fordert INCB. * * * * * |
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